Unterkunft Grandweg

Heizen auf unsere Kosten

Zum Jahresende sollte in der Wohnanlage am Grandweg wieder Ruhe und Ordnung einkehren. Statt Migranten sollten Bauarbeiter anrücken, die die Wohnanlage umfassend sanieren, damit sie anschließend wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden kann. Doch nun wurde der Mietvertrag mit f&w um ein weiteres halbes Jahr verlängert.

Schaut man aus dem Fenster, so ist es unverkennbar Herbst. Die Heizungssaison beginnt, die Menschen bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor und manch einer freut sich schon auf das Neue Jahr.

In der kleinen Wohnanlage am Grandweg / An der Lohbek sieht es allerdings etwas anders aus. Manchem Bestandsmieter etwa kommen in den nun kälter werdenden Nächten frostige Erinnerungen auf, etwa an den Winter 2013 / 2014. Denn schon bevor im Frühling 2014 Asylbewerber in der Wohnanlage untergebracht wurden, war das Leben in der kleinen, einst idyllischen Wohnanlage nicht immer leicht.

In Vorbereitung auf geplante Umbaumaßnahmen - von denen die Mieter bis dahin nur gerüchteweise gehört hatten - wurden bereits damals massenhaft Mieter vergrault. Was in der Wohnanlage vor sich ging nennt man wohl „kalt entmieten“. Und das war durchaus wörtlich zu nehmen. Die Heizung fiel mehrfach für längere Zeit aus und eine ältere Dame berichtete uns, dass sie sich notgedrungen am offenen Backofen wärmen musste, um die Nächte zu überstehen.

Nach und nach zogen 38 Mietparteien aus und die Öffentlichkeit wurde auf den Leerstand aufmerksam. Der Bezirk Eimsbüttel sah sich in der Pflicht und sorgte aber mit einer, auch rechtlich umstrittenen, Entscheidung dafür, dass f&w (fördern und wohnen AöR) die leerstehenden Wohnungen anmietete, sie zweckentfremdete und in eine Flüchtlingsunterkunft umwandelte (siehe auch Lokstedt online vom 09.04.2014: Flüchtlingsunterbringung -Zweckentfremdung von Wohnraum befürwortet).

Entmietung - eigentlich ein teures Unterfangen

Wenn sich eine Entmietung wie in diesem Fall über Jahre hinzieht, dann kann das für den Besitzer der Immobilie ein teures Unterfangen werden. Trotz nun wieder funktionierender Heizung sind bis zum aktuellen Zeitpunkt 24 weitere Mietparteien ausgezogen. Wenn f&w nicht pauschal alle frei werdenden Wohnungen übernommen hätte - mittlerweile sind es 62 - wäre alleine der Mietausfall sicher in die Hundertausende gegangen.

Die Vermietung der Wohnungen an f&w ist für den Vermieter also ein Glücksfall. Mehr als 9 Euro monatliche Quadratmetermiete zahlt f&w für mittlerweile fast 3.000 Quadratmeter maroden, renovierungsreifen Wohnraum (siehe auch Lokstedt online vom 02.03.2017: Unterkunft Grandweg - Du kannst ja in einen Container ziehen!).

Offenbar verhält es sich so, dass man gar nicht lukrativer entmieten kann, als seine Wohnanlage an f&w zu vermieten. Die untergebrachten Flüchtlinge sind da dann nur noch Mittel zum Zweck.

Und dazu taugen sie logischerweise um so mehr, je weniger sie in unsere Gesellschaft integriert und je archaischer die Sitten in ihrer alten Heimat sind.

Ergo: Eine Großfamilie aus einem solchen Kulturkreis in einer Zwei-Zimmer-Wohnung untergebracht, hat die Potenz, die Bestandsmieter eines gesamten Hauses zum Auszug zu bewegen.

Und um es hier einmal ganz deutlich zu sagen, weil die Bestandsmieter - wann immer sie sich beschwerten - in die rechte Ecke gedrängt und diffamiert wurden: Das hat nichts mit Rassismus zu tun! Eher mit Überbelegung, fehlenden Sprachkenntnissen und mangelnder Kenntnis der Hausordnung. Und mit Lärm, Müll, mit Kinderwagen zugestellten Fluchtwegen, vollgeramschten Kellern, Hausgeburten, nächtlichen Schlafbesuchen und ausgiebigen Feiern, nächtlichen Abschiebungen, offenen Haustüren und Polizeieinsätzen.

Aber auch mit Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen. Häuslicher Friede, eine Hausgemeinschaft, so etwas gibt es in der Wohnanlage an der Lohbek seit dem Einzug der Migranten nicht mehr.

Ein Vorzeige-Projekt?

Mehr als drei Jahre dauert nun schon die „Besetzung“ der Wohnanlage. Über die Probleme, die sich aus dem täglichen erzwungenen Miteinander, dieser Konstellation Wohnanlage und Unterkunft zugleich, ergaben, war hier auf Lokstedt online leider häufig genug Anlass zu berichten. Soviel kann daher nach mehr als drei Jahren mit Sicherheit festhalten werden: Am Grandweg ist mit dem einstigen Vorzeige-Projekt zugleich die Miteinanderkultur und letztlich auch die Willkommenskultur gescheitert!

Keiner hat sich der Probleme der Altmieter wirklich angenommen - im Gegenteil sie wurden geleugnet, schöngeredet und immer wurde parteilich zu Gunsten der Flüchtlinge entschieden.

Nehmt es endlich mal zur Kenntnis, Ihr rot-grünen Teddybären-Werfer, Ihr alle habt dazu beigetragen, dass der letzte preiswerte Wohnraum am Zylinderviertel vernichtet wurde. Die Bestandsmieter der Wohnanlage am Grandweg - teilweise schon im hohen Alter - wohnten dort seit vielen Jahrzehnten und müssen sich nun - wegen Euch! - eine neue Wohnung suchen.

Was hier in den drei Jahren geschah, ist um so verwerflicher, als die die dazu beitrugen, sich selbst politisch als „links“ einordnen würden. Ihr habt Euch zudem zum Gehilfen von Wohnungsspekulation gemacht.

Gut und gerne leben

Unsere Redaktion erreichten in den drei Jahren zahllose Mails. Uns wurde von tätlichen Übergriffen und üblen Machenschaften berichtet - und auch davon, dass die Bestandsmieter das Gefühl hatten, im Notfall auch von der Polizei keine Hilfe erwarten zu können. Mehrfach soll es vorgekommen sein, dass auf Anrufe bei der Polizei kein Streifenwagen geschickt wurde. Auf Nachfrage hieß es dann, die Polizei sei nicht für alles zuständig. Oder sie hätten andere Einsätze gehabt.

Letztlich haben die Bestandsmieter in dieser Zeit einen Crash-Kurs über das Deutschland erhalten, von dem es heißt, dass wir hier „gut und gerne leben“. Sie haben erfahren, was es heißt, hilflos ausgeliefert zu sein. Für sie muss es wie Hohn vorkommen, wenn aktuell Katrin Göring-Eckardt sagt: “Dass es den Flüchtlingen mit unserer Regierungsbeteiligung besser geht als heute. Das hätten wir erreicht“.

Den Bestandsmietern hatte eigentlich schon ein anderes Göring-Zitat gereicht. Denn sie durften es hautnah erleben: „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!“

Aussichten für 2018

Doch der Glaube mancher Menschen an eine bessere Zukunft ist unerschütterlich. Es war bis Oktober auch noch ein Keim Hoffnung, dass die Unterkunft bis zum Jahresende geräumt werden würde.

Doch die Aussichten für die Bestandsmieter auf ein glücklicher Neues Jahr wurden mittlerweile getrübt. Wie der Antwort auf eine Kleine Schriftliche Anfrage der CDU Abgeordneten Franziska Grunwaldt und Carsten Ovens vom 6. Oktober zu entnehmen ist, wurde der Mietvertrag bis zum 30.06.2018 verlängert. Begründung: „Durch die Verlängerung des Mietverhältnisses erhält f & w fördern und wohnen AöR (f & w) mehr Zeit, die in der Wohnanlage untergebrachten Menschen anderweitig mit einem Unterkunftsplatz versorgen zu können, dies gegebenenfalls unter Nutzung der bis dahin erstellten zusätzlichen Platzkapazitäten“.

Die Nerven liegen blank

Für die letzten am Grandweg Ausharrenden ist die Verlängerung des Mietvertrages eine Katastrophe. Die wenigen Bestandsmieter, die sich
bislang nicht haben vertreiben lassen, sind verzweifelt. Einige Mieter - die jahrelang die Zustände in der Unterkunft ausgehalten haben und quasi auf dem Zahnfleisch kriechend auf das versprochene Ende der Besetzung ihrer Wohnanlage zum Jahresende gehofft hatten - geben nun doch noch auf und versuchen verzweifelt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Sie haben einfach nicht mehr die Nerven zu bleiben. Ein weiteres halbes Jahr scheint ihnen unerträglich.

Das ist natürlich gut für den Vermieter, die Entmietung schreitet voran.
Das ist die perfide Logik dieses Projekts. Denn seien wir mal ehrlich, wer wohnt schon gerne in einer unbeaufsichtigten - schlecht geführten - Flüchtlingsunterkunft.

Geduldete erdulden

Soviel steht fest: Mindestens bis Ende Juni werden die hier untergebrachten 226 Personen am Grandweg wohnen bleiben. Nicht einmal die Hälfte davon sind anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel. Der Rest wohnt hier nur mit einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung. Das heißt, das Asylverfahren läuft noch oder der Antrag wurde bereits abgelehnt.

Nicht mit eingerechnet wurden übrigens die zahlreichen nächtlichen Schlafbesucher in der Anlage. Es ist anzunehmen, dass unter denen die hier illegal nächtigen, weitere Personen Abschiebe-Kandidaten sind.

Und auch die Bestandsmieter haben einiges zu erdulden. Es ist nämlich eine bunte Mischung, die hier untergebracht wird: „Mit Stichtag 30.04.2017“, so geht es aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Schriftliche Anfrage des AfD-Abgeordneten Alexander Wolf vom 09.05.2017 hervor, „waren in der Unterkunft 226 Personen untergebracht“. Davon „sind 29 Prozent afghanische Staatsangehörige, 21 Prozent syrische Staatsangehörige, 7 Prozent haben die montenegrinische Staatsangehörigkeit, 7 Prozent verfügen über eine Staatsbürgerschaft der Russischen Föderation und 6 Prozent sind serbische Staatsangehörige. Die übrigen 30 Prozent der Bewohner setzten sich aus Staatsangehörigen weiterer 16 Nationen zusammen.“

Nie eine Heizkostenabrechnung in Händen gehalten

Es ist anzunehmen, dass in den meisten der Herkunftsländer der Flüchtlinge andere klimatische Bedingungen herrschen als in Norddeutschland. Ebenso kann man vermuten, dass die meisten der am Grandweg untergebrachten Personen in ihrem Leben noch nie eine Heizkostenabrechnung in Händen gehalten haben.

Daher hätte f&w die Unwissenden schulen müssen. Ein E-Mail-Schreiber bringt es auf den Punkt: „Die Asylanten auch in Bezug auf Energieverbrauch zu integrieren.“

Da die untergebrachten Neubewohner der Wohnanlage - wenn es ihnen keiner sagt - nicht wissen können, welche Kosten sie durch Tag und Nacht offen stehende Fenster und Türen für andere verursachen. Statt dessen drehen sie lieber die Heizung auf und sinnigerweise sorgen die Haustechniker für ein Übriges, in dem sie die vielen volle Pulle aufgedrehten Heizkörper auch wirklich warm werden lassen. Der Heizungsvorlauf hat mittlerweile extreme Temperaturen erreicht. So wird es dann trotz Durchzug wohlig warm und die Wohnzimmertemperatur erinnert manchen Geflüchteten an seine Heimat.

Déjà-vu Winter 2013 / 2014

Fast 80 Grad Vorlauftemperatur. Aktuell funktioniert die Heizung offensichtlich einwandfrei. Jedenfalls besser als im Entmietungswinter 2013 / 2014 - damals wären die Mieter über eine Vorlauftemperatur von 40 Grad schon begeistert gewesen.

Energietechnisch läuft in der Siedlung am Grandweg also praktisch alles falsch. Spezialisten raten nämlich dazu, bei jedem Lüften - egal wie kurz - zuerst den Thermostaten bis zum Eiskristall herunter drehen. Am Grandweg hingegen stehen Fenster und Türen offen - mindestens auf kipp -, die Heizkörper heizen Volldampf.

Wer zahlt die Rechnung?

Doch wer zahlt diesen ökologischen und ökonomischen Unsinn?
Da in den Wohnungen der Unterkunft die Ableseröhrchen teilweise keine Messflüssigkeit mehr enthalten, scheint der Verbrauch pro Wohneinheit nicht einmal mehr gemessen zu werden.

Scheint auch so eine Regel für Vermieter zu sein. Vermietest Du an f&w, muss eine Heizkostenabrechnung nur noch für die Bestandsmieter gemacht werden. Kein Wunder also, dass die Bewohner der Unterkunft den halben Grandweg mit beheizen. Ihre Heizmethode hat für sie keinerlei monetäre Konsequenzen. Die Kosten teilen sich die Bestandsmieter und der Steuerzahler.

Das wäre doch einmal eine sinnvolle Aufgabe für all die Gutmenschen, für die, die sich einst diese Flüchtlinge herbeigesehnt haben. Ihr seit doch auch die, die an den Klimawandel glauben! Wie wäre es, wenn Ihr den Flüchtlingen im nächsten Integrationskurs, klimaschonendes Lüften beibringen würdet?

Doch in der realen Welt gibt es niemanden der die Flüchtlinge anhalten würde, sinnvoll zu heizen. Die Folge dieses Fehlverhaltens ist abzusehen: Jedes Jahr steigt der Gasverbrauch in der Wohnanlage, trotz der zuletzt milden Winter.

Die meisten Bestandsmieter sind Rentner, die jeden Cent umdrehen müssen. Bescheidene, sparsame Menschen, denen es schon von ihren Eltern beigebracht wurde, Energie nicht zu vergeuden. Da wäre es besonders ungerecht, wenn sie auch in diesem Jahr die Heizkosten für die Flüchtlinge mit bezahlen müssten. So schreibt uns ein Bestandsmieter: „Ich bin nicht gewillt die erhöhten Heizkosten, die durch die Asylanten verursacht wurden, mitzutragen.“

Was kommt noch alles auf die Altmieter zu?

Zu guter Letzt - sollte im Sommer 2018 die Unterkunft tatsächlich geräumt werden - kommen weitere Unwägbarkeiten auf die Mieter zu. Was nämlich genau geschehen wird mit der kleinen Wohnanlage und ob wenigstens die letzten verbliebenen Bestandsmieter - während und nach der Sanierung - in ihren Wohnungen bleiben dürfen, weiß derzeit nur der Vermieter. Die Behörden scheinen zumindest nicht wirklich informiert zu sein. In einer Antwort auf eine Kleine Schriftliche Anfrage des AfD-Abgeordneten Alexander Wolf vom 09.05.2017 heißt es: „2015 wurde für das Grundstück eine Baugenehmigung für insgesamt 58 Wohneinheiten erteilt. Darüber hinaus liegen dem Bezirksamt Eimsbüttel zur konkreten Umsetzung und Zeitleiste der durch den Eigentümer geplanten Maßnahmen keine konkreten Informationen vor.“

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 29.11.2017