• /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  •         

Urbanisierung

Mein Feind die wachsende Stadt

Am Samstagvormittag wurde die Redaktion von Lokstedt online von besorgten Bürgern informiert: „Kommen Sie schnell, an der Lokstedter Höhe werden gerade alle Bäume umgesägt“.

Als vor 30 Monaten der P+R-Parkplatz an der Lokstedter Höhe einem Containerlager weichen musste, war das wegen der fehlenden Parkplätze zunächst ein Schock. Auf einer Informationsveranstaltung beruhigte der damalige Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke die Anwohner, die Unterkünfte stünden dort ohnehin nur für eine kurze Weile, danach würde der Parkplatz bebaut werden - die Parkplätze würden folglich zumindest nicht auf Dauer verloren gehen. Der Investor müsse nämlich eine sehr große Parkgarage mit ausreichend Stellplätzen bauen.

Von den Bäumen sprach leider niemand an diesem Abend.

Aber man hätte es schon damals ahnen können. Ein Bauvorhaben auf einem öffentlichen P+R-Parkplatz. Der Investor soll nicht nur die Parkplätze für die neuen Bewohner schaffen, auch die verlorenen P+R-Parkplätze sollen ersetzt werden. Also begnügt man sich nicht damit, die bereits versiegelte Fläche zu bebauen. Vermutlich wird das gesamte Grundstück ausgekoffert. Profit steht an erster Stelle.

Dies geschieht aktuell bei fast allen Bauvorhaben, das Grundstück wird nahezu zu 100 Prozent verwertet. Dabei wird das Grundwasser verdrängt und - natürlich - müssen alle Bäume weichen.

Mein Freund der Baum ist tot

Die Zufahrt zur Lokstedter Höhe und zum Edeka-Parkplatz ist gesperrt. Die Umleitung endet in einer Sackgasse. Auch der ehemalige P+R-Parkplatz ist gesperrt. Schließlich doch noch auf dem Gelände an der Lokstedter Höhe angekommen, erlebe ich dann einen schier unglaublichen Frevel.

Ich werde Zeuge, wie ein großer Baum fällt und wie er in Windeseile zerlegt wird. Dafür ist ein Gartenbauunternehmen mit schwerem Gerät extra aus Lüneburg angereist. Doch es ist nicht der erste Baum an diesem Tag und auch nicht der letzte. Hätte man nicht wenigstens die Bäume im Randbereich stehenlassen können? Nein, die Wurzeln hätten gestört.

Wenn man ein ganzes Grundstück auskoffert und mit Beton füllt, sind auch die Bäume auf dem Nachbargrundstücken gefährdet. Irgendwann werden sich dann die Anwohner, die einen Baum an der Grundstücksgrenzen haben, wundern, dass ihr Baum eingeht.

Mehr Steuereinnahmen, weniger Bäume

Ein Anwohner schaut allerdings jetzt schon traurig auf das Gelände und ist fassungslos: „Im Urwald und anderen Ländern regen sich unsere Umweltschutz-Organisationen auf. Hier bei uns sagt keiner was!“
Ja unsere Politiker machen dagegen nichts. Sie wollen nur, dass die Stadt wachst.

Da fragt man sich unwillkürlich warum gerade aktuell das Klimaschutzprojekt „Climate Smart City Hamburg“ in Lokstedt anläuft. Und man gibt einer Dame auf der Auftaktveranstaltung recht, die die Verantwortlichen mahnte: „Lasst doch einfach die Bäume in Lokstedt stehen, dann ist schon viel für das Klima getan!“

Die kleinen Nachpflanzungen von Alibibäumen an den Straßen werden nie so groß werden, wie der, den wir gerade fallen sahen. Uns wird die Luft zum atmen genommen. An dieser Stelle möchte ich Eugen Roth zitieren:

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht’s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk' es, ein Jahrhundert.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 26.02.2017