Expresswohnungen

Der Glaube an die Vitalität

Rund 100 Bürger aus Eppendorf, Lokstedt, Klein-Borstel und Langenhorn protestierten am Donnerstagabend lautstark vor der Bezirksversammlung Nord und nutzten die Möglichkeit vor und während der Bürgerfragestunde ihrem Protest zu den Plänen von Bezirksamtsleiter Rösler zu Großunterkünften lautstark Ausdruck zu verleihen.

Die Bürgerinitiative „Eppendorf / Lokstedt: Integration statt Großsiedlung" steht ein für Integration und gegen Großunterkünfte, für Bürgerbeteiligung und gegen
Basta-Politik und für sinnvolle Alternativen, die eine nachhaltige Integration
ermöglichen. Am Donnerstagabend demonstierten Mitglieder der Initiative vor dem Bezirksamt Hamburg Nord. Mit Hilfe lauter Trillerpfeifen und Trompetensignale machten sie deutlich, dass man als Bürger endlich gehört werden wolle.

"Wir sind für eine nachhaltige Integration- auch in unseren Stadtteilen", begann Ralf Stellermann, Sprecher der Bürgerinitiative „Eppendorf / Lokstedt: Integration statt Großsiedlung", seine Rede auf der Demonstration vor der Bürgerfragestunde der Bezirksversammlung Nord. "ln einer Großunterkunft mit ca. 3000 Flüchtlingen wird nicht die soziale Nähe und nachbarschaftliehe Hilfeleistung entstehen, die eine echte und nachhaltige Integration erst möglich machen."

Das geplante Vorhaben in der Osterfeldstrasse, in der ca. 2.500 bis 3.000 Flüchtlinge untergebracht werden sollen, würde nur zwei Interessen bedienen, so Ralf Steilermann weiter: Bezirksamtsleiter Harald Rösler, der 50 Prozent der geforderten Unterbringungszahlen des Bezirkes an einem Standort realisieren könne und damit seinen Planungsaufwand minimiere und dem Investor Maaß, der Millionengewinne mit Wohnungen auf einem Gewerbegebiet einfahren könne.

Die in der Osterfeldstraße entstehenden 480 Wohnungen könnten nach Ablauf von 15 Jahren, die für die Flüchtlingsunterbringung vorgesehen sind, zu Eppendorfer Preisen verkauft werden. Da der Investor keine Kredite der Stadt in Anspruch nimmt, sind keine Sozialwohnungen vorgesehen.

ln der anschließenden Bürgersprechstunde konnten die Teilnehmer der Demonstration ihre Fragen zu dem Bauvorhaben weiter vertiefen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass der Bezirk neben der Bauplanung offenbar keine weitere Planung für die Integration einer so großen Anzahl von Flüchtlingen hat. Auf die Frage hin, ob diese Form der Großunterkunft nicht allen Expertenmeinungen widersprechen würde und eher als integrationsfeindlich einzustufen sei, sagte Harald Rösler: "Ich glaube das geht trotzdem und traue gerade dem Stadtteil Eppendorf die Integration in dieser Größenordnung zu." Auf die Rückfrage, warum er das glaube und Eppendorf dies zutraue, antwortete der Bezirksamtsleiter: "Weil Eppendorf ein vitaler Stadtteil ist."

Mehr Konzeption und lntegrationskompetenz, als diese Aussage, war im weiteren nicht zu vernehmen: Auf konkrete Fragen, wie der Stadtteil bei ausgebuchten Kitas und voll besetzen Schulen die Integration der zu erwartenden Kinder gewährleisten könne, welche Anzahl an ehrenamtlichen Integrationshelfern man erwarte und wie man das Engagement motivieren möchte und wie man !rotz Großunterkunft sicherstellen könne, dass die deutsche Sprache als Voraussetzung für eine erfolgreiche Erwerbstätigkeit erlernt werde, blieb er konkrete Antworten schuldig.

Insbesondere konnte Rösler nicht beantworten, wie man bei der geplanten Fluktuation - alle 3 Jahre sollen die Wohnungsinhaber wechseln - eine nachhaltige Integration in den Stadtteil gewährleisten wolle. "Das sind über die 15 Jahre 12.000 Flüchtlinge, die von 24.000 Einwohnern integriert werden sollen. Hierfür kein schlüssiges Konzept zu haben und trotzdem seine Baupolitik gegen breiten Widerstand durchsetzen zu wollen ist verantwortungslos. Diese Offenbarung ist erst recht ein Grund für die Bürgerinitiative weiter Stimmen gegen diese Form der gedanken- und konzeptlosen Integrationspolitik zu sammeln" unterstrich Ralf Stellermann am Ende der Veranstaltung.

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© Lokstedt-online 17.04.2016, Pressemitteilung Bürgerinitiative