Leserbrief

Selbstverständlich ohne zu schreien

(zu: Verständnisfragen und Bleibeperspektive vom 04.03.2016)

Zum Glück kann man schriftlich nicht nuscheln, sonst liefe ich möglicherweise Gefahr, dass mein Leserbrief in Ihrem Auditorium als „Nuschel-Brief“ untergehen würde. Denn ein Lieblingswort von Ihnen scheint „nuscheln“ zu sein. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft Sie dieses Wort genutzt haben.

Ich war auch bei der Veranstaltung und mir sind komplett andere Dinge aufgefallen als Ihnen. Zum Beispiel gab es in der rechten Ecke der Kirche einen Mann, wohl gekleidet, aber derartig aggressiv, dass ich froh war, den Polizisten mit den vier Sternen – wie Sie schreiben – in der Kirche zu wissen. Dieser Mann war es auch, der als Erster die Veranstaltung lautstark unterbrach mit den Worten: „Kommen die Flüchtlinge alle mit Autos“. Er hat auch nicht genuschelt, sondern gebrüllt. Seine weiteren Unterbrechungen habe ich allerdings nicht mehr verstanden. Vor Wut über was auch immer hat er so geschrien, dass sich seine Stimme mehrfach überschlug. Ich hatte Angst und habe mich gefragt, ob er nicht viel dringender eine Schulung zum Thema „Normen und Gesetze in Deutschland“ brauchen würde als so mancher Flüchtling.

Der Inhalt Ihres Artikels lässt sich mit folgendem Satz zusammenfassen: „Die Stadt ist unfähig, irgendetwas auf die Beine zu stellen.“ Gefreut hätte es mich, wenn Sie bei der Beschreibung der Unfähigkeit anderer nicht stehengeblieben wären. Wie gelingt es, die hohe Zahl an Flüchtlingen in kürzester Zeit unterzubringen, gleichzeitig Kindergärten, Sozialräume, Schulen und gute Nachbarschaft zu schaffen? Haben Sie dafür Vorschläge, neue Ideen, neue journalistische Ansätze? Der Senat hat eine Idee dafür: www.hcu-hamburg.de/research/citysciencelab/. Sicherlich gibt es auch hier Verbesserungsmöglichkeiten, aber es ist immerhin ein Ansatz. Schauen sie mal rein! Vielleicht ist das ja auch was für Sie! Und dann stellen Sie Ihre Ideen bei einer Infoveranstaltung vor, moderieren selbst und machen alles viel besser.

Ich komme vorbei und höre mir alles an, selbstverständlich ohne zu schreien

Claus Vaith
Lottestraße - Lokstedt

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© Lokstedt-online 26.01.2016