Bolzplatz

Bolzplatz

Der Fisch stinkt vom Kopf

Etwa ein Dutzend Bürger verfolgten am Montagabend die öffentliche Sitzung des Regionalausschusses Lokstedt. Ihr Interesse hatte die angekündigte Beratung über den geplanten Bolzplatz an der Emil-Andresen-Straße geweckt. Das erhoffte Wunder blieb aus, die Behörde beharrt stur auf der Umsetzung des Projekts.

Als die Mitglieder der "Bürgerinitiative für den Erhalt der Max-Tau-Wiesen" den Sitzungssaal mit hängenden Köpfen verlassen hatten und es endlich, nach langer unerquicklicher Diskussion zum "Tagesordnungspunkt 13 / Mitteilungen der Verwaltung" kam, hörte man vom nach nur sechs Monaten im Amt erschöpften Regionalbeauftragten Michael Freitag endlich O-Ton. Offiziell tönt Freitag zwar bei jeder sich bietenden Gelegenheit davon, dass die Umsetzung der Bürgerbeteiligung seit 18 Jahren sein Anliegen sei. Im vermeintlich intimen Zirkel der Ausschussmitglieder aber, bekannte er urlaubsreif zu sein - die vielen Bürgerfragen hätten ihm zugesetzt.

Das war es dann schon mit dem vorgeblich bürgerfreundlichen Regionalbeauftragten. Der mit viel Antrittslorbeeren im Amt begrüßte Freitag zeigte an diesem Abend die böse Seite der Macht. Den von den Mitgliedern der Initiative vorgetragenen Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung und deren Wortwahl bezeichnete er als "grenzwertig" - dies im übrigen ein gern gebrauchter Behördenterminus, will man Bürger zur Räson bringen.

Was war geschehen? Was hat an diesem Abend den Regionalbeauftragten dazu bewegt, so sehr die Nerven zu verlieren und aus seiner Rolle zu fallen? Oder handelte er im Auftrag?

Fortsetzung der Beratung

Bei dem Tagesordnungspunkt, der Freitag so sehr zugesetzt hat, ging es um einen geplanten Bolzplatz an der Emil-Andresen-Straße. Wie Lokstedt online berichtete (wohnen22.html) soll im zweiten Bauabschnitt des Projekts "Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Lokstedt-Süd" mitten in einer Parkanlage ein Bolzplatz mit Gummibelag und Fußballkäfig entstehen.

Bereits auf der Regionalausschusssitzung am 19.01.2015 wurde über dieses umstrittene Thema gesprochen. Ergebnis: Der Ausschuss bat die Verwaltung Alternativen zu prüfen. Es sollte geklärt werden,

  • ob alternative Standorte unter baulichen Gesichtspunkten überhaupt für einen Bolzplatz in Frage kommen;
  • ob Flächen, die im B-Plan nicht explizit für einen Bolzplatz ausgewiesen sind, angesichts fehlender Rechtssicherheit seitens des Bezirksamtes überhaupt in Betracht gezogen werden könnten;
  • ob die beiden städtebaulichen Verträge einer Umwandlung der im B-Plan Lo 50 ausgewiesenen Bolzplatzfläche (Ausgleichsmaßnahme) entgegenstehen.

Die Antworten auf die Fragen, erneut von André Güldner und Hartmut Schulz vorgetragen, lauteten Nein, Nein und Ja. Der Bolzplatz an der Emil-Andresen-Straße sei daher alternativlos.

Der brachliegende Sportplatz

Dabei stießen insbesondere die Äußerungen vom Leiter der Abteilung Sport Güldner auf Unverständnis. Er wollte den Mitgliedern des Ausschusses und der Bürgerinitiative verkaufen, dass der seit Jahrzehnten brachliegende Sportplatz an der Döhrntwiete nun plötzlich dringend benötigt würde. Nachfragen, welcher Verein Interesse bekundet und ob überhaupt Gelder für die Ertüchtigung des aktuell unbespielbaren Rasenplatzes zur Verfügung stünden, beantwortete Güldner ausweichend. In seiner Verzweiflung verwies er auf "durchaus kapitalkräftige" Vereine wie etwa den ETV, die sich an den Ertüchtigungskosten beteiligen könnten - ohne konkret zu werden. Er konnte nicht sagen, ob der Platz etwa in den nächsten 10 Jahren tatsächlich benutzt werden würde. Das hatte alles weder Hand noch Fuß.

Fragen der Bürgerinitiative zur Ökologie des Grünzugs wurden vom Leiter der Abteilung Stadtgrün Schulz ebenso abgetan. Es würden schließlich nur 550 statt der im Bebauungsplan vorgesehenen 2.400 Quadratmeter bebaut und der Gummibelag sein wasserdurchlässig - und der würde nur 240 Quadratmeter bedecken.

Die letztlich wichtigste Frage, nämlich ob ein Bolzplatz überhaupt benötigt, ob er später überhaupt genutzt werden wird und wie viele Bürger im Quartier sich einen solchen wünschen, blieb ungeklärt.

Bürgerbeteiligung

Eine Anwohnerbefragung Pro- / Contra-Bolzplatz schlossen die Vertreter der Verwaltung nämlich kategorisch aus, obwohl die im letzten Jahr durchgeführte Befragung einiger weniger Jugendlicher vor Ort wenig repräsentativ war und in dieser Hinsicht Nachbesserungsbedarf besteht.

Hier brachte sich dann auch der vorgeblich so bürgernahe Regionalbeauftragte ein. Ein Bebauungsplan hätte Gesetzescharakter und sei schlichtweg umzusetzen. Außerdem gäbe es einen Umsetzungsbeschluss der Bezirksversammlung. Die Meinung der Anwohner dazu sei irrelevant.

Allerdings, und dies in diesem Zusammenhang ein Logikbruch, argumentierte zunächst Schulz mit Mails, die er angeblich von Befürwortern eines Bolzplatzes erhalten hätte und Freitag wusste sogar von kleinen Kindern, die seit sechs Monaten auf einen Bolzplatz warteten. Da fragt man sich, weshalb argumentieren die Behördenvertreter mit angeblichen Befürwortern, wenn die Meinung der Anwohner nach deren eigenen Worten doch keine Rolle spielt?

Dass es zudem nicht nur Kinder gibt, die sich in der Parkanlage einen Bolzplatz wünschen, bestätigt auch der frisch in die Bürgerschaft gewählte ehemalige Bezirksversammlungsabgeordnete Carsten Ovens (CDU). Er besuchte im Gegensatz zu den Vertretern der Vewaltung jüngst die Initiative vor Ort. Die vermittelten ihm eine Führung mit den Kids, die ihm ihren „Abenteuerspielplatz“ zeigten, welchen sie gerne erhalten wollen.

Der Antrag

Am Ende der Diskussion kam noch etwas Hoffnung auf, als in der Grünen Fraktion Unruhe aufkam. Man bat den Vorsitzenden um eine Auszeit und nach 15 Minuten Beratung formulierte Lisa Kern mit zarter Stimme so etwas wie einen Antrag. Man möge die Alternativen noch einmal prüfen.

Insgesamt war die Veranstaltung also ein Trauerspiel und entsprechend nachdenklich verließen die enttäuschten Bürger die Veranstaltung. Freitag verabschiedete die Mitglieder der Initiative am Ende mit Hohn. Als die durchaus gesprächs- und kompromissbereiten (um nicht brav zu sagen) Mitglieder der Initiative fragten, ob es nicht wenigstens noch Gespräche über die Umsetzung gäbe, verneinte er und wies sie darauf hin, dass Schulz doch gerade eben die weiteren Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung aufgezeigt hätte. Schließlich habe das Projekt "Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Lokstedt-Süd" ja noch weitere Bauabschnitte zu bieten, da könnten sie dann ja ihren Sachverstand einbringen.

Der Chef

Wer am Ende nach den Motiven für soviel Behördenstarrsinn fragt, der sei auf deren Chef Torsten Sevecke verwiesen. Der wetterte jüngst im Gespräch mit der Welt und dem Hamburger Abendblatt gegen die Anwohner der Max-Tau-Straße. Er warf ihnen vor, "Partikularinteressen" zu vertreten und das "Gemeinwohl" dabei nicht zu berücksichtigen. Bei "kleinen und kleinsten Bauprojekten", da seien "die Grenzen der Bürgerbeteiligung erreicht...Das sind Interessen einer Kleingruppe und die müssen hinter dem Allgemeinwohl zurückstehen. Der Spielplatz wird gebraucht." Insofern scheint der Fisch mal wieder vom Kopf her zu stinken.

Handlungskonzept Grünzug Lokstedt
B-Plan Lo 50
Begründung zum B-Plan Lo 50

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