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Wohnraum

Kapitalismus pur

Am Lohkoppelweg hat die für die Unterbringung zuständige Anstalt des öffentlichen Rechts fördern & wohnen ein komplettes, soeben fertiggestelltes Mehrfamilienhaus angemietet. Die gut ausgestatteten Wohnungen werden damit dem Wohnungsmarkt für mindestens zehn Jahre entzogen.

Die Bauarbeiter haben den Neubau am Lohkoppelweg noch nicht verlassen, dennoch strahlt das Haus bereits eine gewisse Unnahbarkeit aus. Privatgrundstück Betreten verboten prangt ein Schild an der Grundstücksgrenze. Ein aus Sicherheitsgründen angebrachtes Betreten der Baustelle-Schild verboten , dafür hätte man Verständnis, aber so?

Und warum wollen die Handwerker auf keinen Fall, dass ihr Transporter mit Firmenlogo im Bild ist, wenn man ihr Werk fotografiert? Sind sie denn nicht stolz auf ihre geleistete Arbeit? Damit kann man doch werben: Aufwendig gestalteter Wohnraum für junge Familien - Wohnen am Park.

Leider fehlt ein Schild mit einer Telefonnummer, bei der man sich erkundigen könnte, ob man die Wohnungen besichtigen dürfte. Na ja, vermutlich werden die Wohnungen für junge Familien ohnehin viel zu teuer sein.

Den Anruf können Sie sich sparen! An Sie vermietet werden die zehn Wohnungen unterschiedlichen Zuschnitts sowieso nicht. Sie wurden zwar (angeblich) im letzten Jahr für 17 Euro pro Quadratmeter angeboten, doch so ganz genau wissen das vermutlich nur wenige.

Die Eigentümerin des Hauses hat es sich in der Zwischenzeit nämlich anders überlegt. Sie hat das gesamte Haus für 10 Jahre pauschal an fördern & wohnen (f & w) vermietet, die dort eine Flüchtlingsunterkunft für 20 Erwachsene und 18 Kinder betreiben möchte. Und da die Eigentümerin, nach Angaben der Sozialbehörde nicht genehmigt, dass der Mietpreis veröffentlicht wird, bleibt Raum für Spekulationen: Vermutlich hat f & w weit mehr geboten, als auf dem freien Wohnungsmarkt zu erzielen gewesen wäre.

Und da wir gerade spekulieren: Das Haus wurde auf einem ehemaligen Parkplatz gebaut. Die Parkplätze fehlen jetzt den Anwohnern. Wie ist wohl die Baugenehmigung zustande gekommen? Gab es da schon einen Deal mit der Stadt?

Der Coup

Das Hamburger Abendblatt schreibt über die neue Asylbewerberunterkunft: "Am 7.Januar informierte die Sozialbehörde die Bezirksversammlung Eimsbüttel von dem Coup." Und Grüne-, SPD- und Linke-Abgeordnete der Bezirksversammlung freuen sich in schier unendlichen Naivität über die Anmietung der Immobilie. In einer Beschlussvorlage vom 29.01.2015 heißt es: Darüber hinaus würdigt die Bezirksversammlung die Bereitschaft des Besitzers, die Immobilie Lohkoppelweg 12a für die öffentlich-rechtliche Unterbringung zur Verfügung zu stellen.

Fraglich allerdings, wem da ein Coup gelungen ist. Doch wohl nicht der Sozialbehörde, das wäre etwas ganz Neues. Eher wohl der Eigentümerin.

Spekulanten bitte melden!

Derzeit melden sich jedenfalls in steigender Anzahl private Hausbesitzer - nach Angaben des Behördensprechers Marcel Schweitzer gegenüber dem Hamburger Abendblatt "aus humanitären Gründen" - "um Wohnraum für Flüchtlinge bereit zu stellen" , so die etwas abwegige Behördeneinschätzung. In Wahrheit dürfte es sich allerdings in der Mehrzahl der Fälle um Spekulanten handeln. Sie zweckentfremden Wohnraum, um ihren Gewinn zu maximieren.

Das ist Kapitalismus pur. Und wenn dieses Beispiel Schule macht, werden die Mieten durch die weitere Verknappung von Wohnraum weiter steigen. Insofern profitieren die Vermieter in doppelter Hinsicht. Und der Preistreiber ist die Stadt Hamburg bzw. deren Anstalt des öffentlichen Rechts f & w.

Völlig unverständlich, zumal Olaf Scholz doch eigentlich in der ablaufenden Legislaturperiode preiswerten Wohnraum schaffen wollte. Auf den Hamburg-Seiten heißt es jedenfalls aktuell noch: "Hamburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum. Der Senat macht sich für mehr Wohnungsbau stark: Pro Jahr sollen die Rahmenbedingungen für 6.000 neue Wohnungen geschaffen werden."

Die Betreuung

"Es gibt im näheren Wohnumfeld eine gute Infrastruktur zur Betreuung und Beschulung von Kindern. Eine direkte Busanbindung zur U-Bahn-Station Hagenbecks Tierpark ist ebenfalls vorhanden", so heißt es weiter in der oben bereits zitierten Beschlussvorlage.

Lediglich die Umsetzung der Betreuung bereitet den Abgeordneten noch Sorge. Da bei 38 Bewohnern nach dem f & w-üblichen Stellenschlüssel von 1:80 nur eine halbe Stelle herausspringt, soll die Betreuung der adretten Unterkunft über "eine Anbindung an die Verwaltung der Einrichtung Grandweg / An der Lohbek erfolgen." Aus diesem Grund sorgen sich die Abgeordneten, dass die Bewohner sich zukünftig "für jedes Anliegen an das Management der Einrichtung Grandweg / An der Lohbek wenden müssen."

Dabei spielt vermutlich die Entfernung zur Unterkunft Grandweg / An der Lohbek nur eine untergeordnete Rolle: Gerade einmal 150 Meter Parkanlage trennen die beiden Unterkünfte. Sorge dürfte hingegen bereiten, dass die Mitarbeiter von f & w dort vor Ort ohnehin schon überfordert sind - so zumindest der Eindruck der Altmieter in der Wohnanlage."

Am Ende versöhnlich, dass Anna Gallina, Lisa Kern, Ernst Christian Schütt, Charlotte Nendza und Hartmut Obens für ihre Fraktionen vom Bezirk fordern, "die AnwohnerInnen, Einrichtungen, Institutionen, Vereine, Kirchen und Gewerbetreibende zeitnah zu informieren.

Damit auf der Informationsveranstaltung nichts anbrennt und ja keine kritische Stimmung aufkommt, schlagen sie zudem vor, "die ehrenamtlichen UnterstützerInnen der Standorte Lokstedter Höhe und Grandweg / An der Lohbek sowie von 'Herzliches Hamburg'" ebenfalls frühzeitig zu informieren und einzubeziehen."

www.abendblatt.de

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© Lokstedt-online 05.02.2015