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Menschen in Not

Schlafstelle eines Obdachlosen

Obdachlose, die auf ihrer Parkbank erfroren sind, tauchen im Winter fast täglich in den Nachrichten auf. Kann das auch in Lokstedt passieren?

Gegenüber des Biotops Hagendeel, versteckt an einer Ecke gelegen, eingerahmt von Büschen, einem Sichtschutzzaun und einem Schaltkasten für Umwelttechnik sieht man aktuell noch die Überreste eines Obdachlosenquartiers. Dort liegen Rucksäcke, Regenschirme, Decken und auch ein Buch, inzwischen durchnässt wie alles andere auch. Leere Flaschen Cola und Limonade neben dem Schlafplatz, der Reihe nach aufgestellt. Auf der Wiese nebenan liegen verstreut weitere Habseligkeiten wie eine Reisetasche und viele, viele Regenschirme. Nässe ist das eigentliche Problem der Wohnungslosen.

Ein trauriger Anblick. Nachdem wir diese Bleibe am 12. Oktober entdeckt hatten, beschäftigte sie uns in den nächsten Tagen und wir schauten nach, ob da nicht vielleicht doch jemand liegt.

In der Nachbarschaft ist diese Schlafstelle einschlägig bekannt, der Obdachlose sei wohl nicht mehr da. Man hätte ihn und sein Fahrrad schon eine ganze Zeit nicht mehr gesehen. Er hätte in der Gegend an verschiedenen Stellen sein Lager aufgeschlagen, aber nun ist er wohl endgültig weg. Sein Quartier ist durchwühlt und das Wenige, dass er besaß, wurde auf die Wiese gegenüber geworfen.

Da dieser Unterschlupf kein Dach hat, decken nun im Hrbst immer mehr Blätter die spärlichen Überreste zu, bald wird nichts mehr an ihn erinnern.

In Hamburg leben rund 3000 wohnungslose Menschen von denen etwa 1000 auf der Straße nächtigen. Eigentlich stehen genügend Unterkünfte im Rahmen eines niederschwelligen Hilfsangebots der Stadt zur Verfügung, zusätzlich gibt es ein Winternotprogramm für die kalte Jahreszeit.

Und doch gibt es Menschen die aus den unterschiedlichsten Gründen diese sozialen Angebote nicht annehmen. Ursache können psychische Erkrankungen, Hilflosigkeit, Angst vor körperlicher Gewalt in den Unterkünften oder das in den Unterkünften bestehende Alkoholverbot sein. Einige Obdachlose haben auch einen Hund als treuen Begleiter dabei, den sie nachts nicht allein lassen möchten.

Diese Menschen gehen lieber das Risiko ein zu erfrieren - deutschlandweit trifft dies jedes Jahr einige Hundert von ihnen - als sich diesen Schikanen auszusetzen.

Der Winter, so paradox das klingt, die leichtere Jahreszeit für Stadtstreicher. An die Kälte könne man sich gewöhnen, sich gegen sie schützen. Probleme bereiten die Feuchtigkeit und die mangelnde Rückzugsmöglichkeit, die uns unsere Wohnung bietet.

Im Winter jedenfalls finden die Obdachlosen abends früher Ruhe in den Straßen. Im Sommer stören spät heimkehrende Biergartenbesucher die von einem anstrengenden Tag erschöpften Nichtsesshaften dann. Gelegentlich kommt es auch zu Übergriffen.

Die Stadt geht derzeit mit vermehrter Härte gegen diese Ärmsten der Armen vor. Uns allen sind die Proteste gegen den 18.000 €-teuren Zaun an der Helgoländer Allee in Erinnerung, ab November soll in einer dreimonatigen Aktion der Hauptbahnhof „gesäubert“ werden. Am Neuen Wall und in anderen Einkaufsstraßen und -zentren werden die Obdachlosen von privaten Sicherheitsdiensten vertrieben - das nennt sich dann Citymanagement.

Die soziale Kälte, die den Obdachlosen in der City oft entgegengebracht wird, lockt sie in die Vorstädte, so eben auch nach Lokstedt. Da laufen wir dann unachtsam an einem Hinz & Kunzt-Verkäufer vorbei und denken nicht daran, möchten mit unseren vollen Einkaufstaschen oft nicht daran erinnert werden, wo der wohl die nächste Nacht verbringt.

Liste mit Hilfsmöglichkeiten finden sie auf den Hamburg-Seiten:

www.hamburg.de/obdachlosigkeit/127988/helfen.html

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© Lokstedt-online.de 20.10.2011