• /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  •         

Bauverdichtung

Freier Blick in Nachbars Garten

Es waren die neuen Quartiere, die Lokstedt zu dem am schnellsten wachsenden Stadtteil im Bezirk Eimsbüttel machten. Nachdem die Grundstücke für solche Großbauprojekte nun allmählich zur Neige gehen, ist es der Abriss von Einfamilienhäusern und die Hinterhausbebauung, die kleinteilige Verdichtung die wertvolles Grün zerstört.

Der westliche Teil der Süderfeldstraße beim Wasserturm kann in mancher Hinsicht als ein typisches Beispiel gelten. Angrenzend an den lauten und viel befahrenen Lokstedter Steindamm, herrscht hier dennoch die Bebauung mit großzügig geschnittenen Einfamilien- und Doppelhäusern vor. Zwar droht der Idylle bereits ein weiteres Lokstedter Großbauprojekt, die Bebauung des ehemaligen Wellmann-Geländes, das zu massiven Veränderungen im Quartier führen wird. Aber noch scheint - zumindest auf den ersten, flüchtigen Blick - die Welt in Ordnung.

In der Süderfeldstraße wird verdichtet. Zwei Erbengemeinschaften haben ihre Grundstücke verkauft, auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks wird gegen den Widerstand der Nachbarschaft gebaut. Ein Nachbar klagte vor dem Verwaltungs- und dem Oberverwaltungsgericht gegen die Baugenehmigung.

Die Verdichtung stellt ein großes Problem im gesamten Zylinderviertel, ja eigentlich in allen besseren Straßen Lokstedt, dar. Die Erben schöner und repräsentativer Villen können diese oft nicht unterhalten oder sie können nicht widerstehen, einen Haufen Geld für ihr Elternhaus einzustreichen. Oft müssen die Häuser dann Eigentumswohnungen weichen oder es werden, wie hier in der Süderfeldstraße, die Hintergrundstücke bebaut.

Mit der Hinterhausbebauung ist das so eine Sache – man könnte auch sagen Geschmackssache. Irgendwie braucht ein großes Haus auch einen großen Garten. Teilt man das Grundstück, kommt das große Haus schon nicht mehr richtig zur Geltung. Ein sehr gutes Beispiel für schlechten Geschmack stellt zum Beispiel die alte Behrmann-Villa dar. Einst eine herrschaftliche Gründerzeitvilla mit Vorfahrt und großzügig geschnittenem Grundstück. Am einst schönen Behrmannplatz wurden die Gärten zunächst in den 1970er Jahren durch den Straßenbau beschnitten, in den 1990er Jahren wurden im hinteren Bereich dann Bäume gefällt und Eigentumswohnungen gebaut. Seither wirkt die Villa - obwohl äußerlich saniert - irgendwie deplatziert. Wenn sie nicht weinrot gestrichen worden wäre, würde man sie gar nicht mehr bemerken.

Gerne wird bei Neubauprojekten mit freien Blick ins Grün oder einen Park geworben. Die noch von der HEW umgesetzte Bebauung des Geländes der Feuerwehrwache in der Vogt-Wells-Straße wurde für die Vermietung mit einem Blick in einen Park beworben. Das die 15 Wohnzimmer direkt in die Gärten der Vogt-Wells-Straße 21 und 23 schauen und erst dahinter, in weiter Ferne, ein öffentlicher Park kommt, bleibt dahingestellt. Apropos Park: Durch dieses Projekt wurde dann der kleine Rentnerpark auf der anderen Seite des Grundstücks zerstört. Durch die dichte Bebauung hatte die nämlich nunmehr die Feuerwehr keinen Platz mehr für Ihre Fahrzeuge, folglich musste der kleine Park halbiert werden.

Ein ähnliches Beispiel ist das Quartier Feldhoopgarden. Für den Blick in einen „Garden“ wurde vor Baubeginn im Von-Eicken-Park kräftig abgeholzt, damit die späteren Käufer einen freien Blick in den Park mit den schönen alten Bäumen genießen können.

Es aber nicht nur die Hinterhausbebauung an sich, es ist die neue Art der Grundstücksverwertung, eine extrem intensive Verdichtung, die versucht jeden nur denkbar möglichen Quadratmeter Grund und Boden zu nutzen, so wie es bei Neubauten heute leider üblich geworden ist.

Als ein typisches Beispiel für solch eine besonders intensiv bebaute Fläche bietet sich ein Neubauprojekt in der Straße Hinter der Lieth 5 an, dort wurde praktisch das gesamte Gelände ausgekoffert. Wo vorher ein einzelnes in die Jahre gekommenes Haus stand, wurden nun zwei Blöcke mit jeweils 4 Stadthäusern und zwei Penthouses gebaut - fast 1.500 qm Wohnfläche. Und wie die Nachbarn nun beklagen, wurden die Bauhöhen nicht eingehalten.

Ähnliches befindet sich derzeit im Rohbau. Beworben wurde es: „Das Grundstück befindet sich im beliebten Zylinderviertel an der Ecke Bei der Lutherbuche / Lokstedter Steindamm. Die Nähe zur Uniklinik sowie zu dem beliebten Stadtteil Eppendorf machen diese Lage äußerst interessant. Gemäß Bauvorbescheid können ca. 900 qm Wohnfläche erstellt werden. Grundstücksfläche: ca. 940 qm.“ Zur Freude aller Nachbarn wird derzeit direkt gegenüber ein zweites Projekt als Hinterhausbebauung umgesetzt. Diese Liste ließe sich beinahe beliebig fortsetzen.

Von der Lutherbuche zur Süderfeldstraße sind es nur 250 Meter. Kommen wir nun auf das Bauvorhaben auf den Grundstücken 52 - 58 zurück. Ein Leser aus der direkten Nachbarschaft hat uns geschrieben und auch Fotos überlassen.

Er schreibt: „Auch hier wurden alle Bäume gefällt. Linden, die eigentlich nach der Baugenehmigung hätten stehen bleiben müssen, wurden jetzt gefällt - wegen fehlender Entwicklungsmöglichkeiten. Jetzt greift der Baumfrevel auf das Nachbargrundstück über, auch hier werden jetzt drei Birken gefällt, gerade in diesem Moment. Diese hätten eigentlich laut Baugenehmigung durch einen Berliner Verbau (Trägerbohlwände) geschützt werden sollen. Die Baugrube wurde aber abgeböscht, so dass die Baumwurzeln beschädigt wurden.“

Weiter beklagt sich der Anwohner über die mangelnde Kooperation der Behörden: „Die Baumschutzreferentin Frau Spranger meldete sich auf Fragen nie zurück. Wir mussten einen Anwalt zum Schutz unserer Kastanien einschalten.“

Zu den Fotos schreibt er: „Es handelt sich um eine Buche die angeblich durch Blitzeinschag geschädigt war und ebenfalls keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr hatte. Die gekappten Linden wurden während der Baumaßnahme massiv am Wurzelwerk geschädigt. Nachdem ein Telekran zuletzt dort geparkt wurde, hat man nochmals Mutterboden auf die freilegten Wurzeln geschüttet. Gefällt wurden sie jetzt vermutlich aus dem Grund, da die Bäume die Erdgeschosswohnung massiv verschattet hätten.“

Die der Baugenehmigung war die Behörde offensichtlich auch recht großzügig. Es ist ja die Vorgabe des Hamburger Wohnungsbauprogramms, möglichst viele Wohnungen zu bauen. Der Anwohner schreibt uns zu diesem Thema:

„Einige Nachbarn klagen auch noch gegen die Baugenehmigung, insbesondere weil die bebaute Fläche größer genehmigt wurde als üblich und weil die Tiefgarageneinfahrt erst hinter der Bebauung Süderfeldstraße anfängt. Letztlich führt diese Baugenehmigung dazu, dass alle Anwohner jetzt die Gärten mit Häusern bebauen können.“

Wie bereits gesagt, der Teufel liegt hier wie meist im Detail. Es werden (bezogen auf die jeweilige Grundstückgröße) maximal große Gebäude gebaut. Die Wohnungen selbst werden dann super gelegen sein, umgeben von Gärten – allerdings nicht mit eigenem Grün, sondern dem der Nachbarn. Dafür wurde dann ein gesamtes Quartier zerstört, den alteingesessenen Nachbarn die Lust an ihren Gärten genommen. Der grüne Stadtteil Lokstedt ist immer weniger grün. Der Wert der Nachbargrundstücke jedenfalls sinkt. Wer möchte denn schon 20 neue Nachbarn, direkt hinterm Gartenzaun. Da bleibt einem fast nur eine Wahl: Ausziehen oder aber auch Kasse machen und ebenfalls bebauen.

Im Neubau-Kompass heißt es unverholen aktuell über das Projekt Süderfeldstraße 56: “Lokstedter Sommerfrische. In attraktiver Lage entsteht auf dem rückwärtigen Grundstücksteil des Hauses Süderfeldstraße 56 mit einer Größe von etwa 2.443 qm in sonniger Südwestausrichtung eine kleine Wohnanlage mit direkt angrenzenden Gärten sowie eine Tiefgarage. Auf dem ruhigen und autofreien Areal werden drei Gebäude mit folgender Aufteilung errichtet: Haus 1: vier großzügige Stadthäuser und darüber ein Penthouse; Haus 2: zwei Stadthäuser, zwei Wohnungen und darüber ein Penthouse: Haus 3: ein modernes Doppelhaus.“

Das Projekt ist bereits abverkauft, wie es im Immobilien-Deutsch heißt.

Das daneben gelegene Projekt Süderfeldstraße 58 - die Penthouses kosten über eine Million Euro und sind noch zu haben - wird beworben mit dem Slogan: „In zweiter Reihe, ruhig und grün!“ So kann man das natürlich auch sehen.

Die dort hinziehenden Familien haben sich teuer eingekauft - in die zweite Reihe, halten sich möglicherweise für was Besseres, weil sie jeweils viele Hunderttausend Euro für eine Eigentumswohnung, ein Stadthaus, ein Penthouse oder ein halbes Doppelhaus hingelegt haben. Ihre neuen Nachbarn halten sie für ihre Gärtner und können zunächst gar nicht verstehen, dass die kaum mit ihnen reden. Bis sie eine Erklärung gefunden haben: „Die sind ja nur neidisch!“

hamburg.neubaukompass.de

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 31.10.2013