Güterbahnhof Lokstedt

Eisenbahner-Kleingärten könnten umziehen

Die Mitglieder des Kleingarten-Vereins Tarpenbekufer kämpfen um den Erhalt ihrer Gärten. Die Parzellen der Bahn-Landwirtschaft liegen am ehemaligen Güterbahnhof Lokstedt, sie sollen dem großspurig Tarpenbek Greens genannten Wohnungsbauprojekt weichen.

Obwohl der irische Investor dort ursprünglich „nur“ 350 Wohnungen geplant hatte, möchte der Bezirk Nord auf dem ehemaligen Güterbahnhof Lokstedt gleich 750 neue Wohnungen bauen lassen. Doch dazu müssten die Kleingärten östlich des Güterbahnhofs in das Projekt einbezogen werden. Noch ist das Kleingartengelände nicht an den Investor verkauft, aber die Verhandlungen laufen.

Wie das Hamburger WochenBlatt berichtet, wurde den betroffenen Pächtern an der Borsteler Chaussee aktuell Ersatzflächen angeboten. Nördlich der Altenwohnanlage Borsteler Chaussee 301 sei Platz für 64 Parzellen – also für den größten Teil des Kleingarten-Vereins.

Dieses Angebot des Bezirks kam nicht ganz freiwillig zustande. Ursprünglich sollte ja 36 Kleingärten am südlichen Rand der neuen Siedlung als eine Art belebter Lärmschutzwall das Terrain gegenüber der Güterbahn abgrenzen. Der eigentliche Lärmschutzwall wäre dann auf dem Gelände der Deutschen Bahn entstanden. Da der hierzu nötige Vertrag zwischen dem Bezirk Nord und der Bahn jedoch nicht zustande kam, muss der Lärmschutzwall nun just dort errichtet werden, wo eigentlich die Kleingärten angesiedelt werden sollten.

Das Hamburger WochenBlatt schreibt dazu. „Diese Lösung ist außerdem billiger als die alte. Die Kosten für den Bau der Parzellen werden ebenso gespart wie für die Entgiftung des kontaminierten Bodens: Der Lärmschutzwall wird einfach draufgesetzt.“

Die Eisenbahner sehen sich als Opfer der Hamburger Wohnungsbauoffensive und kämpfen weiter mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln: Mit Petition, eigener Hymne, Flohmarkt und Grill- und Gartenfesten wehren sie sich gegen das Bauprojekt; dabei hoffen sie auch auf die Mithilfe der Groß Borsteler Bürger, die mehrheitlich ebenfalls eine kleine Lösung mit rund 350 Wohnungen bevorzugen. Die befürchten nämlich eine Zunahme des Straßenverkehrs auf ihren bislang noch idyllisch-ruhigen Straßen.

Noch ist der Umzug des Kleingarten-Vereins aber lange nicht in trockenen Tüchern.

Offene Fragen sind:

• Erhalten die Pächter eine Entschädigung für ihre zum Teil historischen Lauben?

• Wo bleiben die älteren Pächter? Für die lohnt es sich kaum, noch einmal von vorne anzufangen.

• Wird den Pächtern die Fläche überhaupt zugesprochen und wenn ja, für wie lange. Angeblich soll die Wirtschaftsbehörde bereits für flughafennahes Gewerbe ein Auge auf die Fläche geworfen haben.

Wer die in der Hamburger Kleingartenlandschaft einmalige, in mehr als 70 Jahren gewachsene Idylle besucht, wird sich der Forderung nach dem Erhalt der Anlage nicht verschließen können. Für den Heimweg wird der Besucher sich vielleicht von den zum Mitnehmen bereitgestellten leckeren Äpfeln nehmen. In einer neuen Kleingartenanlage wird es für den Verzehr geeignetes Obst aber in den nächsten 10 bis 20 Jahren wohl kaum geben.

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© Lokstedt-online 15.10.2013