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Güterbahnhof Lokstedt

Unsere Nachbarn die Brückenbauer

Auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs Lokstedt soll eine Trabantenstadt mit 350 Wohnungen entstehen. Die Finanzbehörde plant die Erweiterung auf 750 Wohneinheiten, gefährdet damit aber die Existenz eines Kleingartenvereins und verunsichert die Groß Borsteler Bürger. Uns Lokstedter aber droht noch mehr Verkehr.

An der nördlichen Güterumgehungsbahn gab es einst den Güterbahnhof Lokstedt. Eingeweiht wurde er 1922 zunächst als Kopfbahnhof, da hier die Güterbahn endete. Es gab einen Kohlenumschlagplatz, eine Umladehalle, zwei Stellwerke und eine Verladestelle für Autos, über die sich Kfz-Händler am Nedderfeld bis in die 1980er hinein direkt beliefern lassen konnten.

Von Beginn an umgeben den Güterbahnhof diverse Kleingärten. Der Kopfbahnhof war dafür im östlichen Teil ideal geeignet. Bereits im Mai 1922 wurde dort der Eisenbahnern vorbehaltene Kleingarten-Verein Tarpenbekufer gegründet.

Zwischen Herbst 1943 und Sommer 1946 richtet die Reichsbahn für
ausgebombte Eisenbahner zwischen Güterbahnhofsgelände und
Tarpenbek Behelfsheime sogenannte Ley-Lauben* ein. Die Keimzelle eines zweiten Kleingarten-Vereins, der ebenfalls noch heute existiert, durch die aktuellen Baupläne aber massiv gefährdet ist.


* benannt nach Dr. Robert Ley, Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau

Nach dem Krieg nahm der Güterumschlag in Lokstedt wie auch anderen Orts kontinuierlich ab. So wurde der Güterbahnhof 1985 stillgelegt, seither ist das Gelände als Schienennutzungsfläche ausgewiesen.

Aladin und die Wunderlampe

Der Bebauungsplanentwurf Groß Borstel 25 beschreibt die aktuelle Situation: „Seit Aufgabe der Nutzung des Güterbahnhofs im Jahr 1985 liegt die Fläche weitestgehend brach und wird nur in Teilen gewerblich genutzt.“

Und in der Tat. Wer sich in den letzten Jahren einmal auf den durchaus lohnenden Weg ins marokkanische Möbelhaus und Restaurant „Le Marrakech“ gemacht hat, das heute in der alten Umladehalle residiert, wird bestätigen, dass der ehemalige Güterbahnhof einen ziemlich schaurigen Eindruck hinterlässt. Die Gleise überwuchert, die Gebäude verfallen – teilweise allerdings mit sehenswerter Graffiti verziert - hier und dort lagern Baumaterialien hinter provisorisch aufgestellten Absperrgittern.

Der beklagenswerte Zustand des Güterbahnhofs darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gelände im Prinzip hervorragend gelegen ist und durchaus sinnvoll genutzt werden könnte.

Wie meist wenn Gebäude oder Gelände verfallen, liegt die Ursache auch hier daran, dass die Stadt, der Staat oder wie in diesem Falle ein Staatsbetrieb keine Verwendung mehr dafür hat.

So dümpelt denn der ehemalige Güterbahnhof zunächst einige Jahre vor sich hin. Im Jahre 2000 möchte die Deutsche Bahn flott für den Börsengang werden. Sie gründet daher die Tochtergesellschaft Aurelis, in die der Güterbahnhof Lokstedt wie alle anderen nicht geschäftsrelevanten Grundstücke ausgelagert wird.

Im Jahre 2005 wird die Aurelis von Europas größter Baufirma Hochtief erworben. Alle Versuche von Hochtief, das ehemalige Güterbahnhofsgelände gewerbsmäßig zu nutzen, scheitern an der ungenügenden Verkehrsanbindung sowie an der mangelnden Kooperationsbereitschaft des Bezirks Nord.

Im Frühjahr 2010 hat Hochtief offensichtlich die Faxen dicke und verkauft die 8,4 Hektar große Schienenverkehrsfläche preiswert an den irischen Investor McGarrell Reilly Group. Soll der sich doch mit den Behörden und den Groß Borstelern abärgern.

Gewerbefläche in Bauland umgewidmet

Eigentlich verwundert es kaum, dass der Bezirk Nord, wie alle Bezirke der wachsenden Stadt Hamburg stets auf der Suche nach neuem Baugrund, diese nur unzureichend genutzte Gewerbefläche in Bauland umwidmete.

Allerdings verwundert es, dass der irische Investor offensichtlich einen besseren Zugang zu den Verantwortlichen findet als zuvor Hochtief. Es soll intensive und fruchtbare Verhandlungen mit dem Investor gegeben haben. Der Bezirk Nord gibt nach all den Jahren den Widerstand gegen die Nutzung der brachliegenden Fläche auf und vollzieht nunmehr die Umwidmung.

Aus der Traum von bezahlbarem Wohnraum

Diese Umwidmung für den Wohnungsbau steigert den Wert des Geländes beträchtlich. Und, als ob Aladin noch nicht genug zugunsten der McGarrell Reilly Group an seiner Wunderlampe gerieben hätte, vergaßen die Verantwortlichen des Bezirks bei den Verhandlungen mit dem Investor schlicht und einfach auch etwas für die politischen Zielsetzungen des Senats zu tun. Es wurde nämlich versäumt, rechtswirksame Absprachen mit dem Investor, etwa über die Anzahl der zu bauenden Sozialwohnungen, zu treffen. Das war mehr als dumm!

So wird sich der Olaf Scholz‘ Traum von jährlich 2000 neuen Sozialwohnungen wohl nicht verwirklichen lassen. Mindestens nicht in Groß Borstel, nicht in Tarpenbek Greens, wie der Investor die dort geplante Siedlung nennt. 350 Wohnungen sollen dort entstehen. Sozialwohnungen allerdings Fehlanzeige.

Investor oder Spekulant - wie seriös ist die McGarrell Reilly Group?

Theoretisch könnte der McGarrell Reilly sogar ganz auf eine Bebauung verzichten und stattdessen über kurz oder lang durch einen Weiterverkauf des Geländes Kasse machen. Nicht einmal eine Verpflichtung überhaupt zu bauen, wurde vertraglich vereinbart. Wenn sich auch ohne den Bau von Wohnungen eine ausreichender Profit erzielen ließe, dann würden nicht nur keine Sozialwohnungen sondern in absehbarer Zeit überhaupt keine Wohnungen auf dem Gelände gebaut werden.

Dass diese Befürchtungen nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, bestätigt ein Artikel der Irish Times aus dem Januar dieses Jahres. Auch in Dublin war der in den irischen Bankenskandal verwickelte Präsident des Investors Sean Reilly billig eingestiegen. Die in die Jahre gekommenen etwa 200 Sozialwohnungen des Charlemont Street-Komplexes ließ er abreißen, der Neubau der versprochenen Wohnungen und Sozialwohnungen wurde nunmehr zunächst für mindestens drei Jahre ausgesetzt. Eine kleine Auflage bezüglich der Geschoßhöhen, die die mögliche Bebauung von 260 auf 253 Wohneinheiten reduzierte, hatte ausgereicht, dem Investor die Laune zu verderben.

Auch in Lokstedt haben Kleingartenbesitzer schon die bittere Erfahrung machen müssen, dass sie aus ihren Lauben vertrieben wurden und anschließend Jahrzente nichts geschah. So fordert nunmehr die CDU den Bebauungsplan Lokstedt 14 zu überarbeiten und das wild verwucherte Gewerbegebiet am Hagendeel nunmehr für den Wohnungsbau zu nutzen.

Darf es noch etwas mehr sein?

Ein irischer Investor, der es wagt, in Groß Borstel 350 Wohnungen zu bauen: das imponierte dann offensichtlich auch der Hamburger Finanzbehörde. Schon während der letztlich stümperhaften Verhandlungen im Jahre 2010 wurde den Iren ein Nachbargrundstück gleich mit angeboten.

Völlig grundlos, „by the way“ wie der Ire sagt, boten die Verantwortlichen ausgerechnet das seit 60 Jahren an die Bahn-Landwirtschaft verpachtete Grundstück an, auf dem mehr als 70 herrliche alte Lauben ein einzigartiges Idyll bilden. Keiner der an dem Deal beteiligten machte sich zuvor die Mühe, sich einmal vor Ort zu informieren.

Aus den ursprünglichen 350 sollen nun also 750 Wohnungen werden. Zum Glück ist der Verkauf des Kleingartengeländes aber noch nicht vertraglich geregelt. So bleibt zu hoffen, dass der Bezirk – der mit der Annahme des Hamburger Vertrags zuständig für die Umsetzung ist – nachbessert, sollte es zu diesem Verkauf tatsächlich kommen.

Für eine mögliche Nachbesserung wäre im Falle eines Verkaufs des Grundstücks ein Städtebaulicher Vertrag das Mittel der Wahl. Mit diesen kann der Käufer verpflichtet werden Sozialwohnungen zu bauen.

Allerdings zeigt die Erfahrung des vergangenen Jahrzehnts, wie eine Kleine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Heike Sudmann (LINKE) unlängst zutage brachte, dass bei 79 Bauprojekten zwischen 2001 und 2011 mit abgeschlossenen Städtebaulichen Verträgen nur bei zwei Projekten Sozialwohnungen tatsächlich realisiert wurden.

Neu Groß Borsteler mit eingeschränkten Rechten

Ob es nun 350 oder 750 Wohnungen werden, steht also in den Sternen, erhitzt aber die Gemüter. 750 Wohnungen, davon womöglich 250 Sozialwohnungen, das war dann auch den Groß Borstelern zu viel. Die Zustimmung zum Projekt fing an zu bröckeln. Die Bebauung des im „Grenzgebiet“ Lokstedt – Groß Borstel – Eppendorf liegenden ehemaligen Güterbahnhofs: ohnehin ein heikles Thema. Nicht ohne Grund wurde hier jahrelang jede Verwertung des Geländes blockiert.

Auf der einen Seite hat sich aber durch die Umwidmung für den Wohnungsbau natürlich etwas verändert. Kommen den Groß Borstelern 2500 Neubürger, vor allem wenn es sich um solche mit hoher Kaufkraft handelt, doch sehr gelegen. Sie könnten dem mit nur 8151 Einwohner nicht gerade dicht besiedeltem Groß Borstel - zum Vergleich: Lokstedt ist etwa gleich groß, die Bevölkerungsdichte ist aber etwa dreimal so hoch - zu einer deutlichen Verbesserung der Einkaufssituation an der Borsteler Chaussee verhelfen.

Andererseits dürfen diese Neu-Groß Borsteler auf gar keinen Fall etwa auf die Idee kommen, die bislang kaum befahrenen Straßen Groß Borstels zu benutzen. Nein, der Weg mit dem Auto zur Arbeit kann nur über den Kellerbleck direkt auf Lokstedter Straßen führen.

„Städtebauliche Zielsetzung ist die Entlastung des Stadtteils Groß Borstel vom Durchgangsverkehr“, heißt es im Bebauungsplanentwurf Lokstedt 52 / Eppendorf 9 / Groß Borstel 11. Mithin könnte der geplante vierspurige Ausbau des Nedderfeld dazu dienen, die Verkehrsphobien einiger Groß Borsteler zu beheben. Dafür werden dann in Lokstedt Bäume gefällt und der über den Nedderfeld abfließende Verkehr belastet Lokstedt.

Kaufe in der Borsteler Chaussee!

Wie aber nun verhindert man, dass die Neubürger von Tarpenbek Greens den für sie großzügig ausgebauten Nedderfeld ebenso dazu nutzen, etwa ins Nedderfeld-Center, den Tibarg oder in die Grelckstraße zum Einkaufen fahren.

Brücken müssen her!

Eine weitere geniale Idee stammt vom Groß Borsteler Kommunalverein: Zwei Brücken, eine für Fußgänger und Radfahrer, die andere für Autos sollten über die Tarpenbek gebaut werden. Diese würden dann auf direktem Weg, ohne andere Groß Borsteler Straßen zu belasten, ins Einkaufsparadies an der Borsteler Chaussee führen.

Das für diesen Brückenbau der komplette Weg neben dem Fußballplatz am Brödermannsweg - nebst altem Baumbestand, der Heimat eines seltenen und streng geschützen Waldkautzpärchens - geopfert werden müsste, eine Verschlechterung der Flußökologie der Tarpenbek hingenommen werden müsste und dass diese einzige Verkehrsanbindung der Siedlung nach Groß Borstel damit direkt an Schule und Kindergarten vorbei ginge, störte dabei zunächst keinen.

Wie dem auch sei: Geblieben ist von dem irrwitzigen Projekt Brückenschlag mittlerweile nur noch eine Brücke: die für Fußgänger und Radfahrer (siehe auch).

Apropos: Sportplatz am Brödermannsweg

Der Lokstedter schaut immer mal wieder gerne auf die Website des Kommunal-Vereins von 1889 in Groß-Borstel und wundert sich, wie sich dort die politischen Parteien gegenseitig mit Versprechungen übertreffen. Dabei hat die SPD nun ein besonders interessantes Projekt im Visier:

„Da die nahe der Güterumgehungsbahn gelegene Fläche des ehemaligen Güterbahnhofes sich nicht zum Wohnen eignet, wäre vielleicht folgender Grundstückstausch möglich: Die Bahngeländeeigentümer erhalten die Fläche des Sportplatzes am Brödermannsweg und stellen dafür eine gleich große oder besser noch eine größere Fläche des alten Bahngeländes zur Verfügung. Auf diesem Teil des  bisherigen Bahngeländes kann dann der Sportplatz und ergänzende Sport- und Freizeitanlagen hergestellt werden und gleichzeitig kann auf dem heutigen Sportplatzgelände neuer Wohnungsbau entstehen. Und da eine derartige Wohnbaufläche pro Quadratmeter mehr Wert ist als eine entsprechend große Gewerbefläche, sollte eben eine größere Fläche vom alten Bahnhofsgelände in den Tausch eingebracht werden. Das Ergebnis dieser Aktion wäre zusätzlicher Wohnraum nahe des Borsteler Zentrums, weniger störendes Gewerbe auf dem alten Bahnhofsgelände und ein verbessertes und vergrößertes Sport- und Freizeitgelände.“

Schade nur, dass das infrage kommende Gelände etwa 10 mal so groß wie ein Fußballplatz ist. Mithin der Investor nur schwerlich von einem Tausch zu überzeugen wäre.

Autoarmes Wohnen

Nur eine Fußgängerbrücke. Keine Anbindung per Auto an die Borsteler Chaussee. Und die Fragestellung unverändert: Wie können wir verhindern, dass uns die so dringend benötigte Kaufkraft flöten geht?

Einige Groß Borsteler forderten daraufhin eine Autoarme Wohnsiedlung auf dem Bahndamm. Freuen würde sich sicherlich erneut der Investor, würde ihm auf diese Weise der Bau von etwa 1000 Garagenstellplätzen erspart bleiben. Auch freuen würden sich natürlich über 1500 neue grüne Wähler auf dem Güterbahnhof die Groß Borsteler Grünen, die diesen Vorschlag daher sofort begeistert aufgriffen:

„Der Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord hat einstimmig beschlossen zu prüfen, ob beim Bauvorhaben Tarpenbek Greens auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Lokstedt Autoarmes Wohnen umgesetzt werden kann. Dies hatten die GRÜNEN zuvor beantragt und damit Bedenken vieler Groß Borsteler aufgegriffen, die einen enormen Verkehrszuwachs im Stadtteil durch die geplanten 750 Neubauten befürchten. Gleichzeitig könnten so moderne Mobilitätskonzepte verwirklicht werden.“

Doch auch dieses ist, ebenso wie die Brücken über die Tarpenbek, ein schier unglaublicher Vorschlag, der eigentlich nur von jemandem kommen kann, der selbst ein properes Eigenheim nebst Doppelgarage in Groß Borstel besitzt. Aber lassen wir uns diesen uneigennützigen Vorschlag eines Groß Borsteler Bürgers einmal auf der Zunge zergehen.

Im Prinzip ist der ehemalige Güterbahnhof zwar, anders als von der SPD vermutet (sie hält diese Fläche ja für „zum Wohnen nicht geeignet“ - eine bedenkliche Fehleinschätzung), eine Top-Lage zwischen begehrten Stadtteilen gelegen und Autoarmes Wohnen ist selbstverständlich ökologisch sinnvoll. Der wirklich einzige Nachteil des Geländes, darum gehen ja gerade die jahrelangen Rangeleien um die Nutzung, ist die mangelnde Verkehrsanbindung. Die nächste U-Bahn ist in jeder Richtung etwa zwei Kilometer weit entfernt. Der nächste Bus in die Stadt fährt ab Nedderfeld Kehre.

Um es deutlich auszudrücken: Durch die mangelnde Verkehrsanbindung – der Kellerbleck wird auch als die längste Sackgasse Hamburgs bezeichnet – läge diese Autoarme Siedlung irgendwie am Arsch der Welt.

Und trotzdem sind es doch eher gut situierte junge Familien, die im Tarpenbek Greens einst ansiedeln werden - Sozialwohnungen werden dort wohl kaum entstehen. Und man stelle sich bitte die 1500 besser-verdienenden jungen Mütter und Väter morgens mit dem Fahrrad nebst Anhängern mit 1 bis 2 Kindern auf dem Weg zur Kita und mit ihren Einkäufen im Gepäck zurück in ihre auf dem Bahndamm gelegene Siedlung vor. Da braucht es schon stramme Waden oder es muss geschoben werden.

Zweite Verkehrsanbindung

Unbestritten aber für jeden vernünftig denkenden Menschen ist, dass die Siedlung – wenn sie den je gebaut wird - eine zweite Verkehrsanbindung bräuchte. Vielleicht sollte man aber darüber nachdenken, ob es nicht vernünftigerweise wäre, wenn sich diese in etwa auf der Höhe Nedderfeld Center befinden und direkt in den Nedderfeld führen würde.

Bestandschutz für das Marrakech, Umzug der Kleingärtner

Dem Vernehmen nach hat das Marrakech einen langfristigen Mietvertrag und gehört daher vermutlich zu den Profiteuren der Bebauung. Das gleiche kann man allerdings von den direkt angrenzenden Kleingärten der Bahn-Landwirtschaft nicht sagen.

Die Kolonie 150 ist einmalig in der Hamburger Kleingartenlandschaft. Seit den 40er-Jahren werden die Gärten bewirtschaftet. Aktuell stehen hier 70 sehenswerte Lauben. Manche von ihnen, wie die bereits eingangs erwähnten Ley-Lauben stammen noch aus der Kriegs- und Nachkriegszeit und sind für sich allein schon Wert, erhalten zu bleiben. Um die Lauben herum ist in dieser Zeit ist eine farbenfrohe Idylle entstanden, die regelmäßig von Kindergartengruppen und Schulklassen besucht wird, um Imkern bei ihrer Arbeit zuzusehen, Äpfel zu pflücken und zu Saft zu verarbeiten – oder einfach nur, um in den naturnahen Gärten zu toben und auf alte Bäume zu klettern. Hier findet man noch Eidechsen, deren bevorzugte Lebensräume in Städten die Bahndämme sind.

Aktuell befindet sich diese Kolonie im Ausnahmezustand. Plakate und Transparente informieren die Passanten. „Wir bleiben!“ steht dort unter anderem geschrieben. Es ist zu befürchten, dass sie damit nicht Recht behalten werden.

Die Verwaltung hat vermutlich längst anders entschieden. Sie hat sich entschieden einen irischen dubiosen Investor auf dem Rücken dieser braven Kleingärtner seine Geschäfte machen zu lassen.

Der aktuelle Bebauungsplan hält für 28 Kleinsiedler die auf dem Areal umziehen dürfen, zudem eine besondere Grausamkeit bereit. Sie sollen die nördliche Schattenseite der geplanten Lärmschutzwand der Bahn begrünen.

Die Insel der Glückseligen

Rücksichten werden höchstens auf die alt-eingesessenen Groß Borsteler genommen. Ihnen wird mit einer Fußgängeranbindung zur Borsteler Chaussee vorgegaukelt, ihren verkehrsarmen Status auch in Zeiten der wachsenden Stadt noch einige Jahre erhalten zu können.

Und so lebt Groß Borsteler ihn denn weiter, seinen Traum aus Tausendundeiner Nacht. Es ist Aladin mit seiner Wunderlampe, der ihnen Investoren und hörige Politiker verschafft. Und auf wundersame Weise wird ihnen nach wie vor jeder Wunsch erfüllt: kein Straßenausbau in Groß Borstel - statt dessen Einbahnstraßen und Verkehrsberuhigung. Die Groß Borsteler bleiben von den Verkehrsproblemen der wachsenden Stadt verschont, im Gegenteil, sie verdrängen Verkehr in die Nachbarstadtteile. Daher auch kein vierspuriger Ausbau der Hauptstraße Borsteler Chaussee, obwohl dieser so dringend benötigt würde.

Oder eben völlig absurde Fußgängerbrücken.

www.hamburg.de
www.grossstadtpflanzen.de
www.grossborstel.de

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© Lokstedt-online.de 26.11.2012