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Historischer Spaziergang

Lokstedter Abend mit 22 jähriger Tradition

Punkt halb acht war das Bürgerhaus Lokstedt bis in die letzte Ecke mit Gästen gefüllt. Es duftete herrlich aus der Küche, wo der Koch und Mitbegründer vom Bürgerhaus Peter Otto fleißig am Rühren war.

Schon am Vormittag hatte er mit den Vorstandsmitgliedern und Ursula Gehrke für "40 Leute geschnippelt" und alles vorbereitet.

Es ging schnell zur Sache, denn bis zum Abendessen hatten wir noch einen langen Weg vor uns. Jörg Fischlin hielt eine kurze Einleitung "in plattdütsche Spraak" und gab zügig an Hansjürgen Rhein weiter, der einiges aus dem Jubiläumsheft vortrug. Dabei kam der alte Diaprojektor zum Einsatz.

Wie war es vor 30 Jahren, wie ist es heute?

Unser Bürgerhaus ist in den letzten 30 Jahren so geblieben wie es immer war. Andere Häuser aber haben sich verändert. An Hand von Beispielen zeigte Herr Rhein Veränderungen in unserem Stadtteil auf:

Bevor die brach liegenden Grünflächen bebaut wurden, konnten die Kinder in Lokstedt reiten und den ganzen Nachmittag bei den Pferden sein. Einige sind bei Wersich in der Stapelstraße auf den Wiesen Feldhoopstücken geritten, andere bei Ketelsen in der Emil-Andresen-Straße auf den Kockschen Wiesen.

Das Restaurant "Zum Lokstedter" in der Vogt-Wells-Straße 12 musste einem Neubau mit Wohnungen, Bank, Apotheke und Arztpraxen weichen. Eine Institution für die ganze Familie, die Spezialität waren dänische Eierpfannkuchen. Anmerkung der Redaktion: Vermutlich eine Reminiszenz an die einstige dänische Herrschaft in Lokstedt. Schließlich soll drei Häuser weiter, in der besten Stube der Bäckerei Molsberger, ehedem der dänische König Christian VIII. (1786-1848) gefrühstückt haben.

Womit keiner gerechnet hatte, es kam im Laufe des Vortrags zu einem Versprecher. Herr Rhein sagte tatsächlich einmal Lokstedt und nicht Lookstedt. Vor 1866, unter dänischer Herrschaft, hieß unser Dorf Lookstedt. Unter preußischer Herrschaft war die Schreibweise dann Lockstedt. Die Aussprache Lokstedt setzte sich weitestgehend durch, konnte Lookstedt allerdings nicht ganz verdrängen. Unter den Alteingesessenen im Bürgerhaus schon gar nicht. Und wie im Bürgerhaus üblich: eine Runde auf Herrn Rhein.

Die Idee einen Lokstedter Abend, der nun seit 22 Jahren regelmäßig stattfindet, im Bürgerhaus zu veranstalten, stammt übrigens von Herrn Rhein. Zehn verschiedene Leute haben in all den Jahren Vorträge gehalten, Herr Rhein hatte immer ein Gespür für die richtigen.

So hatte das Bürgerhaus Lokstedt einst einen Stand auf dem Straßenfest in der Grelckstraße neben dem Stand von Uhren-Münster. Da sprach Herr Rhein Hans Münster an, ob er einen Vortrag im Bürgerhaus halten könne, da er ja aus einer alten Lokstedter Familie stamme.

Über das Moderne und das Alte.

Wie schon vor 22 Jahren war jetzt Hans Münster an der Reihe der Vortragenden. Zunächst gratulierte er Herrn Rhein, der das Bürgerhaus mitbegründet hat und 28 Jahre Vorstandsvorsitzender war, zum 30jährigen Jubiläum.

Dann begann sein Vortrag über das Moderne und das Alte. Unglaublich flott und gut zu verstehen, in fließendem Plattdütsch. Es war herrlich amüsant. Bei seinen Erklärungen über das Zylinderviertel wechselte er vom Platt- ins Hochdeutsche. Denn die Geheimräte, deren Kutscher Zylinder trugen, sprachen natürlich kein Platt.

Vortrag von Hans Münster als PDF

Schottsche Karren und viel Wäsche

Dann kam Ursula Gehrke dran. Sie kennt sich mit Spaziergängen bestens aus und trägt regelmäßig „Unterwegs in Lokstedt“ vor. Sie hat eine sehr einfühlsame, wohlklingende Stimme und soll eine begnadete Drehleier-Spielerin sein. Dies ist ein Streichinstrument der mittelalterlichen Musik sowie der Volksmusik, das derzeit seine Renaissance erlebt. An diesem Abend hatte sie aber statt der Leier ihr liebevoll zusammen gestelltes Lokstedt-Fotoalbum mitgebracht, das die Runde machte.

Frau Gehrke führte uns sehr detailreich in eine vergangene Zeit. Wenn man all ihre Geschichten über das alte Lokstedt hört, dann man kaum glauben, dass sie erst 1967 hierher gezogen ist. (Korrektur 1963, siehe Leserzuschrift vom 24.04.2012)

Am Rütersbarg steht in drei Jahren das 175jährige Firmenjubiläum der Wäscherei Vollmer an, die letzte einer stattlichen Anzahl von Wäschereien. Es reihte sich dort Bleichwiese an Bleichwiese und die Lehrmädchen mussten vor Ort schlafen. Am Grandweg hingegen befanden sich etliche Gärtnereien, die ihre Blumen bis nach Übersee lieferten. Am Grandweg begegneten sich dann Pferdekutschen und -fuhrwerke und Schottsche Karren. Mit diesen lieferten die Gärtnereien ihre Blumen bis in die Innenstadt. Alles Mögliche wurde im Übrigen damit transportiert und oft halfen kräftige Hunde beim Ziehen. Ihr Vortrag endete bei der sparsamen Frau Struve, die am Siemersplatz einen Einkaufsladen hatte. Wenn mehrere Kinder gleichzeitig in ihren Laden kamen, zerbiss sie ein Stück Würfelzucker und teilte es unter den Kindern auf. Heute besitzt die Familie das E-center an der Osterfeldstraße – so viel zum Thema Sparsamkeit.

Vortrag von Ursula Gehrke als PDF

Loksteder Nationalgericht

Anschließend war der Steckrübeneintopf (im Programm als Loksteder Nationalgericht angekündigt) fertig. Lecker! Danach noch klassisch-norddeutsch Rote Grütze mit Vanillesoße.

Von einer Straßenseite auf die andere

Kaum waren die Teller geleert, begann der abschließende Vortrag von Klaus Knuth (in Schönschrift festgehalten, wie bei ihm üblich). Den Zuhörern rief er die Erinnerung an die frühere Königstraße (Grelckstraße) zurück. Im zügigen Sprint und permanenten Wechsel von einer Straßenseite auf die andere erfuhr man Einzelheiten über die Geschäfte und Häuser sowie deren ehemalige Besitzer.

Vortrag von Klaus Knuth als PDF

Dann gab es noch für die Vortragskünstler einen Lokstedter Sekt von Behrmann. Ein rundum gelungener Abend, an dem die Gäste forderten, dass diese Veranstaltung möglichst bald fortgesetzt wird.

de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Lokstedt

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© Lokstedt-online.de 17.04.2012