Schillingsbek

Lehrbeispiel für schlechte Planung

Um den Verantwortlichen das ganze Dilemma vor Augen zu führen hat der Anwohner Gunter Hecker seine Argumentation und die notwendigen Maßnahmen in einer Liste zusammengefasst:

  • Von der Pumpstation (Quelle) bis zur Einmündung in das „Rückhaltebecken“ sind weite Teile des Bachlaufs ungepflegt. Der Bachlauf eines solchen Fließwassers sollte eine offene und nicht bewaldete Bachböschung haben, deren Ränder mindestens einmal im Jahr frei geschnitten werden. Die Natur benötigt Sonnenlicht und Laubeintrag ist zwingend zu vermeiden. An dieser Stelle wäre schon mal die erste Korrekturmaßnahme vorzunehmen.
  • Die Schillingsbek führt bei Starkniederschlägen Hochwasser mit starker Strömung, die Schwemmgut mitnimmt. Dies geschieht mehrmals jährlich.
  • Der Von-Eicken-Teich ist als Rückhaltebecken ausgewiesen. Ein Rückhaltebecken ist eigentlich eine Hochwasserstauanlage, die entweder gar nicht oder nur zum Teil gefüllt ist. Sie ist mit einer regulierbaren Sperranlage versehen, die die Flutwelle abdämpft und das Wasser reguliert abfließen lässt. Das kann man von dem Teich im Von-Eicken-Park nicht behaupten. In wie fern solch ein wasserwirtschaftliches Rückhaltebecken überhaupt für eine Parkanlage geeignet ist, ist ohnehin fraglich.
    Bei der Wasserstandsregulierung von Rückhaltebecken kommt es zu hohen Strömungsgeschwindigkeiten, die das Problem von Verlandungen durch eingebrachtes Schwemmgut reduzieren.
  • Der Von-Eicken-Teich nimmt wasserbaulich die Funktion eines Absetzbeckens durch mechanische Trennung von Sedimenten wahr. Fließendes Wasser wird bei dem Einströmen in den Teich entschleunigt und die Schwemmstoffe können sich einlagern. Der Teich verlandet in Folge.
  • Je nachdem ob man hier im Park ein Rückhaltebecken oder einen Teich möchte, sollte man die Anlage so umplanen, dass man entweder das eine oder das andere schafft.
  • Teiche sind jedoch immer stehende Gewässer. Die richtige Planung berücksichtigt immer das Verhältnis von Wasserfläche zu Wassertiefe unter Beachtung der Uferränder. Hier muss die Bepflanzung von beschattenden Pflanzen so angelegt werden, das Laubeintrag und Schattenwurf das in das ökologische Gleichgewicht einberechnet werden.
  • Von der Anlage her ist der Von-Eicken-Teich kein Rückhaltebecken und ein ökologisches Gleichgewicht kann sich hier nicht mehr so einstellen, dass ein gesunder Teich entsteht. Das ist ohne menschlichen Eingriff nicht mehr möglich.
    Will man zukünftig einen Teich haben, was nahe liegt, muss man entweder mit einem Treibgutrechen arbeiten, der ständig betrieben werden muss, oder man leitet die Schillingsbek an dem Teich vorbei und speist den Teich mit einem Abgriff. Das ist letztlich Planungssache.

Hecker beschließt seine Liste mit den mahnenden Worten: „Grundsätzlich gilt: Es gibt kein offenes Fließgewässer, das keinen finanziellen Aufwand nach sich zieht. Gute Planung kann diesen minimieren. Schlechte schafft Urwälder oder hohe Kosten. Lehrbeispiel ist die heutige Schillingsbek!“

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© Lokstedt-online 03.08.2015