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Rodungen

Wäldchen ohne Bäume

Zwei Flurstücke wurden diese Woche gerodet, um eine Wegeverbindung zwischen der Döhrntwiete und der Emil-Andresen-Straße zu schaffen. Mit diesem Kahlschlag hat der zweite Bauabschnitt des Projekts "Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Lokstedt-Süd" begonnen und der Bezirk Eimsbüttel macht sich damit wahrlich keine Freunde im Quartier.

Wen es in diesen Tagen in die Döhrntwiete verschlägt, bleibt unwillkürlich stehen - Spaziergänger und Kleingartenbesitzer sind gleichermaßen fassungslos. Sie stehen in Gruppen beisammen, diskutieren und können kaum begreifen was geschieht.

Arbeiter machen mit schwerem Gerät das Lokstedter Wäldchen platt, kaum ein Baum entgeht der Motorsäge, dem Häcksler. Von der Döhrntwiete aus kann man bereits bequem zur Emil-Andresen-Straße hinüberblicken. Dort läuft eine Gruppe von Kindergartenkindern vorbei. Auch die Kinder und ihre Betreuer bleiben stehen.

Und als ob das noch nicht reichen würde, wird ebenfalls die auf der gegenüber liegenden Seite gelegene Brachfläche zwischen Kleingärten und Vereinsgelände des Turnvereins Lokstedt gerodet. Bei den Kleingärtnern vom KGV Döhrnkamp, die in diesem Teil ihre Parzellen haben, macht sich Verzweiflung breit. Es herrscht Ratlosigkeit und niemand hier vor Ort weiß Bescheid. Man hätte uns doch informieren müssen! Warum werden die Bäume gefällt, soll dort etwa gebaut werden?

Das umstrittene Projekt

Bei den Rodungen handelt es sich um Arbeiten am Projekt "Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Lokstedt-Süd". In diesen Tagen beginnt der zweite Bauabschnitt des Projekts, der unter anderem die Schaffung eines Bolzplatz-Käfigs auf den Kockschen Wiesen vorsieht - und bereits eine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen hat (siehe Lokstedt online vom 11.01.2015).

Es dürfte also in den nächsten Wochen noch an verschiedenen anderen Stellen Rodungen durchgeführt werden, denn beim Lokstedter Wäldchen handelt es sich gewissermaßen nur um einen Kollateralschaden.

Wegeverbindungen

Das Wäldchen musste weichen, weil man der "Herstellung der Wegeverbindung von der Döhrntwiete zur Emil-Andresen-Straße", wie es im Handlungskonzept des Bezirks heißt, Priorität beimisst. Diese Wegeverbindung soll dereinst bis zur Vogt-Wells-Straße reichen: "Ein weiterer Teil ist die Aufwertung der Wegeverbindung Erlenstraße und Meyermannweg zum Kriegerdenkmal und zum Spielplatz Vogt-Wells-Straße Ecke Grandweg."

Doch aktuell wird erst mal das Lokstedter Wäldchen ausgelichtet. In der Projektbeschreibung heißt es dazu weiter: "Neuanlage der Wegeverbindung von der Döhrntwiete zur Emil-Andresen-Straße mit Beteiligung der Nachbarschaft (KiTa etc.)."

Zum Verhängnis wurde dem Lokstedter Wäldchen eine Passage aus dem Bebauungsplan. Dort heißt es über das Wäldchen: "Durch eine dichte Strauchschicht aus Beerensträuchern, wie z. B. Schneebeere und Brombeere und einige entwurzelte Weiden ist das Wäldchen abseits der kleinen Pfade z. T. kaum betretbar."

Kaum betretbare Pfade sind natürlich keine Wegeverbindung. Daher rodet die Behörde und ist dabei allerdings etwas über das Ziel hinaus geschossen.

Die Brachfläche

Ähnlich erging es der auf der anderen Seite gelegenen Brachfläche. Auch hier werden Bäume geopfert, um eine Wegeverbindung herzustellen. Das Handlungskonzept dazu: "Sehr wichtig ist in diesem Abschnitt auch die …ffnung der Wegeverbindung durch den Kleingartenverein Döhrnkamp."

Über diese Brachfläche heißt es im B-Plan Lo 50: "Vermutlich waren früher Kleingärten auf dem Gelände, da der dichte Gehölzbestand vorwiegend aus alten, jetzt nicht mehr gepflegten Obstbäumen besteht."

Also mussten auch die "nicht mehr gepflegten Obstbäume" weg. Dies um so unverständlicher, als direkt neben dem Flurstück 1599 ein Weg durch den Kleingartenverein Döhrnkamp führt. Also eigentlich gar keine solche Verbindung geschaffen werden musste. Und mal ehrlich, wäre es nicht eine wirklich interessante Alternative gewesen, die Obstbäume zu pflegen statt sie zu zersägen?

Am Tag 1 nach der Rodung spielen nun Kinder auf einem großem Sägespänehaufen. Fußgänger bleiben immer noch stehen. Eine Anwohnerin schneidet sich Kätzchen vom gefällten Baum: "Die stehen normalerweise unter Naturschutz."

Handlungskonzept Grünzug Lokstedt
B-Plan Lo 50
Begründung zum B-Plan Lo 50

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© Lokstedt-online 22.02.2015