Denkmalschutz

Saga übernimmt Amsinck-Villa

Die Rudolf-Ballin-Stiftung tritt vom geplanten Kauf der Amsinck-Villa zurück und möchte nun dort statt dessen als Mieter der Saga eine Kindertagsstätte mit 90 Plätzen betreiben. Die Stiftung ist aber wohl auch kein geeigneter Mieter für die Villa, da sie weder über die nötigen Mittel verfügt, noch genau weiß, was da auf sie zukommt.

Es ist zu befürchten, dass die Stadt erneut mit der Vermietung der Amsinck-Villa Schiffbruch erleiden wird. Verschiedene Versuche die Villa zu beleben, sie wurde nacheinander einer Galerie, einem Architektenbüro und einer Videoproduktionsfirma überlassen, scheiterten letztlich. Viele Jahre stand die Amsinck-Villa zwischendurch immer wieder leer.

Die seit 56 Jahren im Besitz der Stadt befindliche Villa auf dem Liethberg verfällt zusehends, weil die Finanzbehörde über Jahrzehnte versäumt hat, ein Konzept für eine nachhaltige Nutzung zu entwickeln.

Nun steht die Villa wieder seit einigen Jahren leer, der traurige Zustand wird offensichtlich und die zuständige Behörde sucht nach einem finanzstarken Investor, der die Karre aus der Dreck ziehen soll. Als ein solcher tritt seit letztem Jahr die Rudolf-Ballin-Stiftung auf und führt Verhandlungen mit der für Liegenschaften zuständigen Finanzbehörde und dem Bezirk Eimsbüttel. Im Prinzip sei man sich einig, wurde noch vor kurzem vermeldet.

Doch der Zustand der Villa ist inzwischen so marode, dass der Investor, nach ausgiebiger Analyse der Bausubstanz durch einen Sachverständigen, von seinem Kaufansinnen absieht. Das Haus sei vom Schimmel befallen und das Dach drohe einzustürzen. Die zu erwartenden Sanierungskosten summieren sich auf mindestens 2,8 Millionen Euro. Diese Summe allerdings kann die Stiftung nicht finanzieren. Der Verkauf der Villa kommt nicht zustande.

Es ist also unverändert so, wie Lokstedt online bereits im November feststellte: Die Stadt wird Geld in die Hand nehmen müssen, sie ist gefordert, für die Instandhaltung und eine nachhaltige, der Villa angemessene Nutzung Sorge zu tragen (vergleiche: www.lokstedt-online.de vom 12.11.2011).

Instandhaltung durch die Saga

Als weißer Ritter soll nun die städtische Saga GWG auftreten. Nach derzeitigen Verhandlungsstand übernimmt sie die Sanierung, im Gegenzug verpflichtet sich die Rudolf-Ballin-Stiftung das Gebäude für mindestens 25 Jahre zu mieten und für die laufende Instandhaltung zu sorgen.

Wenn die Sanierung wie geplant umgesetzt werden kann, will die Stiftung im Frühjahr 2014 dort im Obergeschoß eine Kita mit 90 Plätzen eröffnen. Das Erdgeschoss soll Bürger- oder gemeinnützigen Vereinen zur Verfügung gestellt werden.

Der Stiftung fehlt ein schlüssiges Konzept

Was aber letztlich auch der Rudolf-Ballin-Stiftung fehlt, ist ein Konzept für die Nutzung der Villa. Hilflos plant sie im Turm der Villa ein Trauzimmers einzurichten. Die Interessen der Bevölkerung vor Ort wurden bisher gar nicht in die Planungen mit einbezogen.

Bedenkt man die Höhe der auf die Saga zukommenden Sanierungskosten, müsste eine kostendeckende Monatskaltmiete deutlich über 15.000 Euro liegen. Ein Betrag, der durch die geplante Kita kaum zu erwirtschaften ist. Dies belegt schon die Tatsache, dass die Rudolf-Ballin-Stiftung nicht in der Lage war, die Sanierung der Villa über Banken zu finanzieren und in eigener Regie durchzuführen.

Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten.

Die Saga überlässt der Rudolf-Ballin-Stiftung die Immobilie zu einem stark subventionierten, nicht kostendeckendem Mietzins oder aber der Stiftung bleiben, wie es in der Vergangenheit schon anderen Mietern der Villa erging, keine Mittel um die laufende Instandhaltung zu gewährleisten.

Zudem ist völlig unklar, ob die Räumlichkeiten der unter Denkmalschutz stehenden Villa für eine Kita mit 90 Plätzen geeignet sind. Es ist zumindest fragwürdig, eine historische Villa, mit Gästezimmern in denen Kaiser Wilhelm II. genächtigt hat, Kita- bzw. Kindgerecht zu sanieren. Für eine Kita werden dann wohl Batterien von Kindertoiletten statt edler Wandtäfelung verbaut werden. Entspricht dies den Anforderungen des Denkmalschutzes? Darf die Finanzbehörde so mit Lokstedts historischem Erbe umgehen?

Zwar werden neue Kitaplätze in Lokstedt dringend benötigt. Doch die Lage im nördlichen Lokstedt ist dafür nicht ideal. Die großen aktuellen Neubaugebiete, in die schon bald junge Dopppelverdiener-Paare mit ihren Kindern einziehen werden, liegen überwiegend im Süden Lokstedts.

Der morgend- und mittägliche Transport der Kinder in die Kita wird zu stark vermehrtem Verkehrsaufkommen im Zentrum von Lokstedt führen. Die Eltern fahren alle gleichzeitig von ihren Häusern im Süden Lokstedts erst in den Norden und dann wieder zurück in die City zum Arbeiten. Mittags geht es dann in umgekehrter Reihenfolge zurück.

Außerdem verfügt das Gebäude kaum über Parkplätze oder eine geeignete Zufahrt. Zukünftig dürfte morgens um 8.00 Uhr Verkehrschaos in der Straße Beim Amsinckpark angesagt sein.

Neuausschreibung unumgänglich

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die zuständige Behörde die langfristige Nutzung der Villa erneut überdenken sollte. Bei unvoreingenommener Prüfung wird sie zu dem Ergebnis kommen, die Villa neu auszuschreiben. Wichtigster Ausschreibunspunkt sollte dabei ein tragfähiges Konzept sein, dass die Villa und den Park umfasst, aber auch Möglichkeiten vor Ort einbezieht - in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich schließlich die Schule Hinter der Lieth, der Spielplatz Stellinger Schweiz und Hagenbeck - sowie die in Lokstedt ansässigen Bürger- oder gemeinnützigen Vereine in die Planungen einbindet.

Warum keine Vermietung an eine lokstedtische Institution?

Mieter sollte werden, wer ein Konzept mitbringt, dass in erster Linie den Lokstedter Bürgern dient. Eine Kita kann schließlich überall gebaut werden, dies zeigt aktuell die Kirchengemeinde Lokstedt mit dem Neubau ihrer Kita Bei der Lutherbuche.

Wenn es als Konzept für eine Nutzung der Amsinck-Villa ausreichen würde, dass ein „Kita-Konzern“ wie die Rudolf-Ballin-Stiftung dort seine 16. Kita eröffnet, dann stellt sich die Frage, warum kann der Betreiber der Kita nicht eine vor Ort ansässige Institution werden?

Warum zieht das Bürgerhaus Lokstedt samt Kita und Musikschule dort nicht einfach ein. Seit Jahren plant es einen Anbau, da es aus allen Nähten platzt. In der repräsentativen Villa im Amsinckpark könnte das Bürgerhaus, das in diesen Tagen sein 30jähriges Bestehen feiert, sein reichhaltiges kulturelles Angebot stark erweitern.

Vom Bürgerhaus zur Bürgervilla

Es sollte auf dem Liethberg eine Bürgervilla entstehen, in der traditionelles lokstedtisches Dolce Vita wiederbelebt würde. Schließlich diente diese Villa einst seinen Bewohnern als Sommerfrische und Lokstedt selbst war in dieser Zeit ein beliebtes Ausflugsziel vieler Hamburger. So könnte es wieder werden.

Was damals nur wenigen Privilegierten Erholung bot, könnte heute ein Bürgercafé oder Bistro mit reichlich Platz für Ausstellungen werden, zudem eine Kunst- oder Malschule oder ein Museum beheimaten. Und auch das neu gegründete Forum Kollau - Verein für die Geschichte von Lokstedt, Niendorf und Schnelsen e.V. könnte in der Villa sein Stadtteilarchiv unterbringen. Zusätzliche Einnahmen könnten durch die Überlassung der repräsentativen Räumlichkeiten an Firmen für Veranstaltungen erwirtschaftet werden.

Im Sommer könnte für diese Aktivitäten zusätzlich der wunderschöne Park genutzt werden. Kinder könnten, während sich ihre Eltern in der Bürger-Villa aufhalten, im Park spielen, sich bewegen.

Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen einmal den Jenisch-Park ansehen.

Es könnten im Amsinck-Park Konzerte, Sommerfeste, Flohmärkte abgehalten werden. Diese Veranstaltungen könnten Hamburger Bürger ins Lokstedtische Grün locken, denn der Park ist optimal an öffentliche Verkehrsmittel (U-Bahn Hagendeel) angebunden.

Auch wäre es möglich, einen Betreiber für eine Pony-Reitanlage im Park zu finden. Möglicherweise würde ja auch die Schule Hinter der Lieth die Ponys pflegen, schließlich weiden ja auf dem Schulgelände bereits Schafe.

Es besteht jedoch die Befürchtung, dass die Stadt lieber gläserne Philharmonien erbaut, die Phantasie für eine lebhafte Nutzung seines historischem Erbes hingegen nicht ausreicht. Dann allerdings wird die Villa, nach dem im Jahre 2014 der Umbau zur Kita abgeschlossen sein wird, nach und nach wieder verfallen. 25 Jahren später beginnt dann wieder die Suche nach einem finanzkräftigen Investor.

Lokstedt und die Amsinck-Villa würden jedenfalls von einer Nutzung, die das kulturelle Erbe erhält, profitieren. Und das nicht nur für die nächsten 25 Jahre.

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© Lokstedt-online.de 06.04.2012