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Siemersplatz

Nervenzerrende Tage

Die Geduld der Geschäftsinhaber am Siemersplatz ist am Ende. Die von der Behörde auf zwei Monate terminierten neuerlichen Straßenarbeiten vor der Post sind ins Stocken geraten. Eine Gasleitung hindert die Bauarbeiter an ihrer Arbeit.

Zwei volle Wochen, mitten im Mai, ruhten die Arbeiten auf der Baustelle vor der Post. Optiker Helmut Sadler informiert uns am Telefon: „Seit Dienstag, dem 6. Mai passiert nichts.“ Am Wochenende davor hätte man festgestellt, dass eine Gasleitung zu hoch läge. Wahrscheinlich müsse sie verlegt werden.

Ortstermin, Donnerstag 15. Mai 2014. Sadler posiert auf einem Schutthaufen vor seinem Laden. Nach zehn, für Optiker Sadler nervenzerrenden Tagen, kommt wieder etwas Bewegung in die Sache. Gestern wären fünf Mann vor Ort gewesen, hätten diskutiert wie sie das Problem lösen wollten. Heute hätten zwei Männer etwas vermessen. Auf die Frage, ob es nun weitergehe, erhielt Sadler allerdings ein schnödes „Nö!“ als Antwort.

Sadler ist inzwischen so verzweifelt, dass er schon die Pakete von UPS für alle nicht anzutreffenden Bewohner annimmt, damit überhaupt noch Leute in seinen Laden kommen. Sadler: „Das ist eine reine Werbemaßnahme. Meine normalen Kunden kommen nicht mehr! Es kommen nur noch Kunden, die dazu gezwungen sind.“
Ein Kunde kommt in den Laden. Und tatsächlich, er möchte ein Paket abholen. Sadler fragt: „Wie sind Sie hier her gekommen?“ „Mit dem Auto. Ich parke auf der gegenüberliegenden Seite und habe die Straße auf der Höhe des Reiterladens überquert“, erhält er zur Antwort.

Ein weiterer Paket-Kunde kommt. Eigentlich wäre er mit dem Auto gekommen. Aber wegen der Situation vor Ort sei er vom Lohkoppelweg zu Fuß gekommen. „Ich habe einen schnellen Schritt und brauchte nur 15 Minuten.“

So gut zu Fuß sind leider nicht alle Kunden. Zu den Kunden eines Optikers gehören auch Sehbehinderte, Kinder, Alte und Rollstuhlfahrer. Vielen von ihnen ist der Weg in den Optikerladen zu beschwerlich geworden. 70 Prozent Umsatzverlust hat das Geschäft seit dem Beginn der Umbauarbeiten zu beklagen. Schon im Januar musste Sadler seinen Gesellen entlassen: „Habe ihn zum Arbeitsamt geschickt. Das bezahlt jetzt die Allgemeinheit“, kommentiert Sadler die Folgen eines für ihn katastrophalen Geschäftsjahres 2013. Volle sechs Monate wurde der Siemersplatz im letzten Jahr für das Millionengrab Busbeschleunigung umgebaut.

Die am Siemersplatz praktizierende Allgemeinärztin Katharina Strecker hat eine ähnliche Klientel wie der Optiker. Sie schreibt an das Bezirksamt Eimsbüttel: „Meine Patienten können seit Monaten wegen der angespannten Parkplatzsituation mich nur unter großen Schwierigkeiten aufsuchen, deswegen ist es mir unerklärlich wieso für eine Woche bei guter Witterung der Weiterbau der Parkplätze und Gehwege unterbrochen wird.“

Und ebenso wie Sadler sieht auch die Ärztin die Existenz der Geschäfte am Siemersplatz gefährdet: „Die zögerliche Abwicklung führt zu Bedrohungen und Vernichtung von gewerblichen Existenzen.“

Und allmählich werden die Fragen nach dem „Warum?“ im lauter. Wie die Bildzeitung schreibt, hätten „neue Zahlen, die aus einer Großen Anfrage der CDU-Fraktion hervorgehen“, gezeigt, dass die Umbauarbeiten Zeitgewinne „zwischen 20 Sekunden und rund 7 Minuten“ auf den fünf Metrobuslinien brächten. Ganze 49 Sekunden entfielen davon auf die Strecke des am Siemersplatz verkehrenden Metrobus 5.

Insgesamt würden auf allen Linien nur etwa 10 Minuten eingespart. Damit kostet jede eingesparte Sekunde etwa 500.000 Euro.

Weiter schreibt die Bildzeitung: „Verkehrsknotenpunkte werden zu Gaga-Kreuzungen umgebaut und Parkplätze gestrichen. Nach den aktuellen Planungen – und die sind noch nicht abgeschlossen – fallen 203 Parkplätze weg, der Großteil davon (89) entlang der Metrobuslinie 5.“

So auch bei den aktuellen Arbeiten am Siemersplatz. Keiner zweifelt inzwischen mehr daran, dass die aktuell ins Stocken geratenen Arbeiten vor der Post völlig sinnlos sind (vergleiche Lokstedt online vom 28.03.2014). Ein brachliegender Etat aus dem Jahre 2010 wird hier, offensichtlich nur aus Prinzip, verbraten. Essenz der über 200.000 Euro teuren Baumaßnahme: Vier Bäume werden gepflanzt, weitere vier Parkplätze werden geopfert.

Wir verlassen den Optikerladen. Vor dem Geschäft die verlassene Baustelle. Überall Schutt und man muss nur wenige Minuten verharren, bis die Probleme ersichtlich werden: Leute kommen nicht aneinander vorbei, rempeln sich an, der Geldautomat vor der Post bietet keine Diskretion, Auffahrten sind gesperrt, es wird geschimpft (auf die Behörden), ein Absperrgitter fällt um, ein Auto versucht zu Parken. Nur einer freut sich, ein Junge auf seinem Mountain Bike dreht seine Runden.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 18.05.2014