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Siemersplatz

Was das nur wieder kostet!

Die Atempause für die Geschäftsleute am Siemersplatz war nur kurz. Bereits durch die Umbauarbeiten in den Jahre 2011 und 2013 erlitten sie erhebliche Umsatzeinbußen. Jetzt wird die Nebenfahrbahn erneut für zwei Monate gesperrt. Nach Feinkost Behrmann schließen nun auch das Restaurant Thai Sate und der Geschenkladen Fang Fang.

Gewundert hatte man sich ja schon ein wenig. Nachdem der Siemersplatz im letzten Jahr für mehr als 5 Millionen Euro umgebaut wurde, bot die Nebenfahrbahn vor der Post monatelang ein trauriges Bild. Die Fahrbahn provisorisch erhöht, da sie während der Umbauarbeiten als Ausweichhaltestelle für die Busse herhalten musste; auf einigen Parkplätzen lagerten Mitte März noch immer, sechs Monate nach Abschluss der Bauarbeiten, Baumaterial und Absperrgitter.

Die Verwüstung der Nebenfahrbahn, nebst den für die Geschäfte am Siemersplatz so wichtigen Parkplätzen, diente der Einrichtung der Großbaustelle. Verlangt aber nicht jeder Kunde von einem Handwerker, dass er nach Beendigung der Arbeiten die Baustelle räumt und verursachte Schäden, wie etwa demontierte Fahrbahnbegrenzungen, wieder herstellt?

Helmut Sadler, dessen Opitkerladen unmittelbar davon betroffen war, fragte daher bei der Behörde nach, warum die Baumaterialien nicht weggeräumt würden. Er erhielt als Antwort: Die Materialien würden für die neue Baustelle gebraucht. Volle sechs Monate lagerten die Materialien so vor seinem Geschäft und blockierten zudem wertvolle Parkflächen.

Dabei stand es im November bereits fest, dass die liegen gebliebenen Baumaterialien - wenn überhaupt - erst im Frühjahr gebraucht würden. So heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung an den Regionalausschuss Lokstedt vom 12.11.2013: „Um die anliegenden Gewerbetreibenden im Weihnachtsgeschäft nicht zu belasten und witterungsbedingte Ausfallzeiten zu vermeiden, werden die Arbeiten im Frühjahr 2014 ausgeführt.“

Am Montag dieser Woche begannen nun die Bauarbeiten für die Instandsetzung der Nebenfahrbahn. Als erstes wurden die Baumaterialen entfernt um Platz zu bekommen. Auf Nachfrage erfuhr Sadler: „Die werden nicht mehr benötigt.“

Die Bild-Zeitung titelt angesichts solcher Behörden-Willkür: „Die armen Schweine vom Siemersplatz!“

Baumaßnahme „Nebenfahrbahn Siemersplatz“

In einer Kleinen Anfrage vom 17.03.2014 des Abgeordneten Carsten Ovens an Bezirksamtsleiter Thorsten Sevecke heißt es: „Warum sind die Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung nicht gleichzeitig mit den umfangreichen Baumaßnahmen der Busbeschleunigung im Jahr 2013 erfolgt?“

Und es wäre mit Sicherheit die beste Lösung gewesen, wenn im letzten Herbst, als die Bauarbeiten zur Busbeschleunigung abgeschlossen wurden, auch eine fertige Nebenfahrbahn hergestellt worden wäre.

So war es ursprünglich wohl auch geplant. In dem eingangs bereits zitierten Schreiben der Verwaltung heißt es: „Die Baumaßnahme 'Nebenfahrbahn Siemersplatz' wurde zusammen mit dem Projekt 'Busbeschleunigung' vom Landesbetrieb Straßen Brücken und Gewässer im Auftrag des Bezirksamtes im Januar 2013 ausgeschrieben. Ziele der gemeinsamen Ausschreibung sind die Erzielung günstiger Einheitspreise, die Ausführung beider Projekte durch einen Auftragnehmer sowie die Abwicklung der Maßnahmen in einem einheitlichen zeitlichen Rahmen.“

Doch die gemeinsame Abwicklung der Baumaßnahmen war offensichtlich nicht möglich, handelt es sich doch bei der Nebenfahrbahn um einen eigenständigen Haushaltstitel. War für die umfangreichen baulichen Maßnahmen im Rahmen der Busbeschleunigung zudem die Verkehrsbehörde zuständig, fällt die Wiederherstellung der Nebenfahrbahn erstaunlicher Weise in die Zuständigkeit des Bezirks. Warum?

Ein brachliegender Etat

Bei den Arbeiten zur Wiederherstellung der Nebenfahrbahn handelt es sich nicht nur darum, die Schäden, die dort durch die Umbauarbeiten entstanden sind, zu beseitigen. In den nächsten zwei Monaten soll dort ein seit vier Jahren brach liegenden Etat verbraten werden, der im Jahre 2010 von der Bezirksversammlung zur Verfügung gestellt wurde.

Damals wurde beschlossen: Der Siemersplatz soll attraktiver werden. Lokstedt online berichtete im Juni 2013 über diesen Etat: „Zwar stehen seit 2010 Mittel in Höhe von 175.000 Euro für die Attraktivitätssteigerung des Siemersplatz bereit. Doch bisher wurden die Mittel nicht abgerufen. Niemand weiß, was man mit den Geldern anfangen sollte. Die Behörde verspricht, dass Geld nach dem Umbau für die Busbeschleunigung entsprechend zu verwenden. Aber der Siemerplatz bietet einfach kaum mehr die Möglichkeit einer Attraktivitätssteigerung und nach dem Umbau werden kaum mehr freie Flächen übrig sein, auf denen man das Geld ausgeben könnte. Ein Abgeordneter der Bezirksversammlung hatte zu diesem Thema einen Gedankenblitz: ‚Dann Buddeln wir bei den Umbauarbeiten das Geld einfach in die Löcher mit ein!‘“

Niemand konnte ahnen, dass aus diesem Scherz eines Abgeordneten nun bittere Realität würde: Da in all den Jahren niemand wirklich eine Idee hatte, wie dieser Tropfen auf den heißen Stein dem arg gebeutelten Siemersplatz weiterhelfen sollte, wird dieser Etat nun für die Begrünung der Nebenfahrbahn verwendet.

Die tatsächlichen Kosten

Wer sich in diesen Tagen auch nur wenige Minuten am Siemersplatz aufhält, vielleicht in der Post oder bei der Haspa mal einige Worte mit Angestellten oder Kunden wechselt, bekommt mit ziemlicher Sicherheit über kurz oder lang zu hören: Was das nur wieder kostet!

Das ist zugegeben des Volkes Stimme. Doch manch ein Bürger hat inzwischen ein gutes Gespür entwickelt. Vier Bäume werden zwischen den Parkplätzen auf der Nebenfahrbahn angepflanzt, die Parkbuchten umgestaltet. Die berechneten Baukosten betragen 220.000 Euro.

Die Attraktivitätssteigerung

Der Siemersplatz hat in den letzten Jahrzehnten viel von seiner einstigen Attraktivität verloren und nach den Umbauarbeiten für das Busbeschleunigungsprogramm im letzten Jahr ist vermutlich nicht mehr viel zu retten. Die Probleme des Siemersplatz sind jedermann bekannt: 180.000 Kfz machen ihn zu einer der am meisten befahrenen Kreuzungen Hamburgs, die verwirrende Verkehrsführung - bitte rechts einordnen zum Linksabbiegen – ist inzwischen Legende, die Ampelzeiten für Fußgänger viel zu kurz und die Radfahrer klagen über gefährliche Radwegeführungen. Kurzum der Siemersplatz steht inzwischen in ganz Hamburg als Synonym für die kurze Ära der Busbeschleunigung und die Lokstedter stehen als die Deppen da, die sich nicht rechtzeitig dagegen gewehrt haben. Was also könnte die Attraktivität dieses Monstrums steigern?

In einer Anliegerinformation – erst sechs Tage vor Beginn der Bauarbeiten veröffentlicht - heißt es über die Bauarbeiten: „Das Bezirksamt Eimsbüttel beabsichtigt die Nebenfahrbahn am Siemersplatz zu erneuern. Es werden 14 Schrägparkplätze hergestellt. Die Schrägparkplätze werden durch neue Baumstandorte unterbrochen. Zudem ist ein Behindertenstellplatz vorgesehen. Die Gehwegfläche und die Nebenfahrbahn werden mit hellgrauem Betonsteinpflaster befestigt. Die Schrägparkplätze erhalten anthrazitfarbenes Betonsteinpflaster als Oberflächenbefestigung.“

Die Bauzeit

Im November letzten Jahres war noch eine Bauzeit von 6 Wochen vorgesehen. Nun sollen es mindestens zwei Monate werden, in denen gebaut und gebuddelt wird. In der gesamten Zeit wird die Nebenfahrbahn voll gesperrt.

Was sich für den Außenstehenden harmlos anhört, ist aber für die am Siemersplatz ansässigen Geschäfte eine Katastrophe. Zwei weitere Monate sind die Geschäfte erneut von ihrer Kundschaft abgeschnitten. Und es kommt für die gebeutelten Geschäftsinhaber noch schlimmer als im letzten Sommer. Auch der Gehweg ist nun abgesperrt und verkleinert worden.

Das Restaurant Thai Sate schloss in der letzten Woche und für die Inhaberin des Geschenkeladens Fang Fang Grund genug ihr Geschäft aufzugeben. Pünktlich zum Baubeginn verabschiedete sie sich von ihren Kunden. An der Ladentür hängt nur noch ein Zettel: Liebe Kunden, ab Montag den 24.03.2014 bleibt das Geschäft leider geschlossen. Vielen Dank Für Ihr Vertrauen.

Zwei bis drei Arbeiter sind nun seit dem 24.03.2014 täglich von 7.00 - 15.00 Uhr vor Ort. Auf Optiker Sadlers Frage an einen der Leute vor Ort, warum das denn zwei Monate dauern soll, bekam er die unverschämte Antwort: „Das ist schließlich keine Brillenanpassung."

Die Parkplatzsituation

Selbst wenn die Mehrzahl der Geschäfte die zweimonatige Umbauphase einigermaßen überstehen sollte, schädigt die Baumaßnahme die Geschäfte nachhaltig. Die vier neu gepflanzten Bäume kosten nämlich dauerhaft drei Parkplätze. Bisher hatte die Parkzeile 16 Parkplätze sowie einen separaten Behindertenstellplatz, nun sind es 14 inklusive Behindertenstelltplatz (siehe Lageplan).

In der ursprünglichen Planung zur Busbeschleunigung jedenfalls, war nur von einem vor dem Fahrradladen Bullerjahn weg fallenden Parkplatz die Rede. Es war aus den Plänen nicht ersichtlich, dass auch vor der Post Parkplätze wegfallen würden. Und auch Bäume sollten dort nicht angepflanzt werden.

An einem Standort wie dem Siemersplatz mit seiner geringen Aufenthaltsqualität sind die Geschäfte auf jeden einzelnen Parkplatz angewiesen. Denn Kunden kommen nicht automatisch vorbei, am Siemersplatz bummelt man schließlich nicht. Hier kommt man nur hin um etwas zu erledigen und will dann schnell wieder weg. Die Behörden machen sich offensichtlich nicht klar, dass die Geschäfte auf die Parkzeile vor der Post dringend angewiesen sind. Hier parken die Kunden um etwa Hemden in die Reinigung zu bringen oder ihre Pakete bei der Post aufzugeben.

Die Geschäfte

Die Geschäftsinhaber am Siemersplatz klagen unisono über Umsatzrückgänge im vergangenen Jahr. Nun schien sich die Lage gerade wieder etwas zu beruhigen nachdem im Januar mit Budnikowski ein Magnetbetrieb angesiedelt werden konnte und der Inhaber des Obst- und Gemüseladens einen Nachfolger finden konnte.

Sadler: „Jetzt geht das Baustellen-Chaos wieder los. Alles auf unsere Kosten!“ Er ist inzwischen so verzweifelt, dass er schon die Pakete von UPS für alle nicht anzutreffenden Bewohner annimmt, damit überhaupt noch Leute in seinen Laden kommen. „Das ist eine reine Werbemaßnahme.“

Selbst die Post am Siemersplatz, in Zeiten des Online-Handels eigentlich eine florierende Branche, klagt über Kundenmangel seit nun wieder der Parkstreifen fehlt. Gar nicht auszudenken, wenn dem Siemersplatz womöglich irgendwann auch noch die Post oder die Haspa-Filiale Abhandenkommen würde.

In der Bild-Zeitung meldeten sich noch zwei weitere Geschäftsinhaber zu Wort. Friseurmeisterin Manuela Wölk vom Chez-Vous: „Kann nicht erst die eine Hälfte der Parkplätze saniert werden?“ Und Joanna Gerding vom Wax House ergänzt: „Wo sollen unsere Kunden während der Bauarbeiten denn parken?“

Die Bäume

Einziger Zugewinn - dies ist vermutlich die Attraktivitätssteigerung - sind einige neue Baumstandorte. Aber die kosten eben wertvolle Parkplätze. Und nach den Erfahrungen, die wir Bürger in den letzten Jahren mit solchen Anpflanzungen gemacht haben, wird es sich um kaum drei Meter hohe Bäumchen handeln, deren Zukunft zudem völlig ungewiss ist. Wer garantiert, dass sie nicht beim nächsten Umbau wieder weichen müssen?

Niemand hat hier etwas gegen Bäume. Einst hießen hier die Restaurants „Unter den Linden“ und beim Gedenkstein stand die Doppeleiche. Viele Lokstedter sehnen sich sogar nach diesen Zeiten zurück. Doch diese mickrigen Bäume, die man eigentlich nur als Feigenblätter bezeichnen kann, ausgerechnet auf die letzten verbliebenen Parkplätze zu pflanzen, dafür hat hier in Lokstedt kaum einer Verständnis.

So wird den Geschäften am Siemersplatz seit Jahrzehnten kontinuierlich die Geschäftsgrundlage entzogen. Denn was sie so dringend bräuchten, wird mit jedem Umbau knapper: Platz für die Kunden zum Parken aber auch Bürgersteige die zum Bummeln einladen.

Gestaltungsvarianten

Als die Bezirksversammlung den Etat für die Attraktivitätssteigerung des Siemersplatzes bewilligte, gab es verschiedene Gestaltungsvorschläge, die diskutiert wurden. So heißt es in einer Beschlussempfehlung der Verwaltung 01.02.2010: „Für die Fläche an der Post gibt es verschiedene Gestaltungsvarianten.

Bislang wurden zwei Varianten unterschieden:

In der Variante 1 als einfachste Lösung könnte eine Baumpflanzung innerhalb der bestehenden Stellplatzanlage realisiert werden, indem für jeden zu pflanzenden Baum ein Stellplatz in Pflanzfläche umgewandelt würde. Diese Variante wird von den vor Ort ansässigen Geschäftsleuten wegen des Stellplatzverlustes nicht befürwortet [Anm. der Red.: Diese Variante wird verwirklicht].

Bei der als Variante 2 vorgestellten großen Lösung in Form einer Umgestaltung der Gesamtfläche zwischen Fahrbahn und Gebäuden bestünde dagegen die Möglichkeit, einen verbreiterten Pflanzstreifen zwischen Fahrbahn und Stellplätzen anzulegen und eine Baumpflanzung mit bis zu 6 Bäumen unter Beibehaltung sämtlicher Stellplätze vorzunehmen. Es könnte zudem eine hohe gestalterische Aufwertung erzielt werden."

Nicht nur die befragten „vor Ort ansässigen Geschäftsleute“ waren für die Variante 2. Auch der Ortsausschuss befürwortete am 01.02.2010, „dass mit diesen Geldern eine Aufwertung der Flächen vor der Post durch Neugestaltung der Gesamtfläche unter Beibehaltung einer möglichst hohen Anzahl Stellplätze realisiert“ werde.

Dabei ist es durchaus strittig, ob vor vier Jahren die Geschäftsleute tatsächlich befragt wurden. Bei unseren Recherchen vor Ort trafen wir nicht auf einen einzigen, der tatsächlich befragt wurde. Dokumentiert ist lediglich, dass den Ausschussmitgliedern am 08.02.2014 Schreiben von „Kaufleute & Co Lokstedt e.V. und „Aktives Lokstedt Verein zur Begrünung des Siemersplatzes e.V. verteilt wurden.

Kann es sein, dass diese Stellungnahmen bereits die gesamte Beteiligung von Anwohnern, Bürgern und Geschäftsinhabern an der Planung war?

Am diesem 08.02.2010 kam das Thema noch mal im Ortsausschuss Lokstedt auf den Tisch: Rüdiger Burg (CDU) führte aus, dass die CDU der teureren Variante 2 mit „mehr Parkplätzen, Grün und einer Überplanung der Fläche vor der Post“ den Vorzug gebe. Vor allem auch, da sich der Verein Aktives Lokstedt an den Kosten für das Begrünungskozept beteiligen wolle

Susanne Egbers (GAL) machte deutlich, dass die große Lösung viel zu wenig Platz für Fußgänger und Radfahrer ausweise. Des Weiteren gab sie zu bedenken, dass die Pflege der vorgesehenen Heckenbepflanzung durch eine Patenschaft nach Aussage der Verwaltung nicht möglich sei.

Der Vorsitzende Rüdiger Rust (SPD) plädierte ebenfalls für die große Lösung. Es sollte aber von einer Heckenbepflanzung Abstand genommen werden. Abschließend erklärte er, dass die Detailplanung – bevor diese in die Ausschreibung gehe – noch einmal im Ausschuss vorgestellt bzw. diesem zur Kenntnis gegeben werde.

Das Ergebnis

Warum nun ausgerechnet, die eigentlich von allen Seiten abgelehnte Version 1 umgesetzt wird, bleibt schleierhaft.

Ohne dass die Detailplanung noch einmal diskutiert wurde, heißt es nun in einer Beschlussempfehlung der Verwaltung an den Regionalausschuss Lokstedt vom 11.11.2013: „Auf Grundlage der am 08.02.2010 angenommenen Beschlussempfehlung der Verwaltung ‚Umsetzung des Begrünungskonzeptes für den Siemersplatz' hatte das Fachamt Management des öffentlichen Raumes einen Planungsauftrag zur Umgestaltung der Nebenfahrbahn am Siemersplatz erteilt. Nach Beendigung des Abstimmungsprozesses (Schlussverschickung) kann das Ergebnis der Planung dem beigefügten Lageplan entnommen werden.“

Schaut man auch den Lageplan kommt nun die Variante mit der reduzierten Anzahl an Parkplätzen zur Umsetzung. Nur wer hat diese Entscheidung gefällt. In den Protokollen der Bezirksversammlung findet sich nichts dazu.

Zudem soll ein Geländer zur Abgrenzung der Fahrbahn mit einem Schriftzug „Siemersplatz“ errichtet werden. Und selbstverständlich fehlt auch nicht der obligatorische Werbeträger. Er steht gleich bei der Einfahrt.

Da es bei der Planung um jeden Zentimeter ging, um auch ja alles unterzubringen, wurden die Parkplätze zudem schmaler. Ganze 245 cm stehen pro Auto zur Verfügung.

Bürgerinformation

In der Anliegerinformation des Bezirks heißt es weiter: „Wir weisen darauf hin, dass sich bei einer solchen Baumaßnahme Beeinträchtigungen für Anlieger und Wege-Benutzer leider nicht ganz vermeiden lassen. Gemeinsam mit der bauausführenden Firma wird jedoch alles daran gesetzt, Unannehmlichkeiten und Störungen auf das unvermeidliche Maß zu beschränken.“

Und diese Benachrichtigung wurde nicht einmal an jeden Geschäftsinhaber verschickt. Der Gemüsemann am Siemersplatz wusste von nichts, bis er die Nachricht, dass die Nebenfahrbahn gesperrt werde, von einem Freund erfuhr, der es in der Bildzeitung gelesen hatte. Die Behörde hielt es wohl nicht für notwendig ihn zu informieren, obwohl sein Geschäft keine 50 Meter von der Baustelle entfernt ist.

Nach den Vorstellungen der Anwohner erkundigte sich aber erst recht keiner. Dabei kennen die Anlieger vor Ort die Situation besser als jeder andere und hätten durchaus Ideen gehabt.

Ideen der Anwohner

Monika Wipperhausen von der Haspa bekommt von Ihren Kunden immer viel zu hören. Diese stehen im Stau vor der Post und warten auf einen Parkplatz. Von hinten drängelt das nächste Auto und irgendwann kann man das Auto hinter einem nicht mehr ignorieren. Man muss die Nebenfahrbahn verlassen. Ist man aber erst mal auf dem Lokstedter Steindamm, dann ist man eigentlich auch schon auf der Strecke gen Innenstadt – für den Siemersplatz ein verlorener Kunde. Ihr Vorschlag: Einfahrt und Ausfahrt einfach tauschen - dann passiert das nicht.

Optiker Sadler hatte sich schon vor dem Umbau Gedanken wegen der wenigen Parkplätze gemacht. Da dort nur sehr selten aufgeschrieben wird, gibt es viele Dauerparker: Anwohner, Angestellte und sogar einige Pendler. Vielleicht wäre es sinnvoll eine Schranke aufzustellen und nur Kurzparker wieder gebührenfrei ausfahren zu lassen.

Doch diese und andere Ideen wurden nicht mal erwogen. So wird dann der Etat im Grunde vergeudet, eine Attraktivitätssteigerung des Siemersplatzes ist nicht wirklich ersichtlich. Während der Bezirk in anderen Stadtteilen massiv in die Attraktivität der Zentren investiert, als Beispiele seien an dieser Stelle der Tibarg, Niendorf Nord und die Osterstraße genannt, werden am Siemersplatz vier Bäume gepflanzt.

Und leider ist es so wie Ovens schreibt: „Dieser Schildbürgerstreich ist Realität und leider kein schlechter Aprilscherz.“

www.hamburg.de
www.bild.de
www.carsten-ovens.de

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© Lokstedt-online 28.03.2014