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Ein Zentrum für Lokstedt

Politik und Investoren in der Pflicht

Die Bezirksversammlung befasst sich aktuell mit dem Thema des Lokstedter Zentrums. Im September fand zu diesem Thema eine Diskussionsveranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten Rüdiger Kruse und Bezirksamtsleiter Thorsten Sevecke statt.

Die Veranstaltung im New Living Home hätte es verdient gehabt, rechtzeitiger angekündigt zu werden, zumal die Uhrzeit mit 15.30 Uhr eher Rentnern in den Tagesablauf passt. Zwar war die Veranstaltung gut besucht, es fehlte daher die repräsentative Mischung von verschiedenen Altersgruppen im Publikum, um eine noch lebhaftere Diskussion in Gang zu setzen.

Freigang Müller von der Bürgerinitiative „Ein Zentrum für Lokstedt“ bedauerte denn auch, dass es ihm trotz vieler Mitstreiter - die Veranstaltungsankündigung wurde noch am Freitagabend an 450 interessierte Lokstedter weitergeleitet – nicht gelungen war, ausreichend viele davon zu mobilisieren. „Von Freitag auf Montag, so kurzfristig konnten nur wenige Urlaub nehmen oder ihre Kinder unterbringen.“
So bot denn die Veranstaltung, wenn man so will, ein verzerrtes Bild. Es waren einige in der Grelckstraße Wohnende vor Ort, die aus Scheu vor Veränderung in ihrer direkten Wohnumgebung einem Stadtteilzentrum skeptisch gegenüber standen.

Nachdem zunächst am eigentlichen Thema vorbei, über den desolaten Zustand der Radwege gesprochen wurde, lenkte der Moderator, der CDU-Bezirksabgeordneter aus Lokstedt Carsten Ovens, auf das eigentliche Thema.

Ovens schreibt dazu in eine Pressemeldung: „Auf Initiative der CDU beschäftigt sich die Bezirksversammlung Eimsbüttel seit letztem Juni wieder mit dem Thema Stadtteilzentrum Lokstedt. Immer wieder hatte die CDU in den vergangenen Monaten zu öffentlichen Diskussionen geladen. Zuletzt diskutierten Ende April über 75 Anwohner zur Entwicklung des Stadtteils. Doch wie geht es nun weiter mit Lokstedts Zentrum? Welche Chancen bieten sich am Behrmannplatz, auf dem Gelände von THW und Rotem Kreuz, nachdem die Verkaufsverhandlungen mit dem DRK zuletzt gescheitert waren?“

Der Eimsbütteler Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse (CDU) sprach sich gleich zu Beginn klar für eine ganzheitliche Planung der beiden Grundstücke, trotz des ersten gescheiterten Anlaufs, aus.

Während Kruse also den Wunsch der Lokstedter nach einem Zentrum sehr ernst nahm, indem er konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Politik und Bürgern diskutierte, hielt sich Torsten Sevecke (SPD) sehr bedeckt und begründete seine Skepsis mit dem veränderten Einkaufsverhalten der Menschen. Es würden z.B. immer mehr kleine Wochenmärkte schließen.

Da kennt Sevecke vermutlich unseren Mini-Wochenmarkt mit seinen gerade mal zehn Ständen nicht. Wenn der noch weg käme, da hätten wir in Lokstedt gar keine frischen Produkte mehr im Lebensmittelsektor.

Die Trends gingen nach Seveckes Auffassung zu großer Verkaufsfläche und einer PKW-Fläche vor der Tür. Damit meinte er vermutlich Discounter wie Aldi und Lidl.
In Lokstedt haben wir aber eine ganz andere Situation. Discounter haben wir bereits mehr als genug. Viele Lokstedter möchten in angenehmer, stressfreier Atmosphäre vor Ort in ihrem Stadtteil einkaufen und nicht weiter darauf angewiesen sein, dafür nach Eppendorf oder Winterhude zu fahren.

Im Idealfall würden sich aber der von Sevecke ausgemachte Trend und die Wünsche der Lokstedter Bürger unter einen Hut bringen lassen. Denn, wenn die Leute heutzutage hochwertige Produkte zentral einkaufen möchten, alles an einem Ort bekommen anstatt von Laden zu Laden zu fahren, dann spricht dies gerade für ein Einkaufszentrum mit ausreichenden Parkflächen mitten in Lokstedt.

Sevecke schätzte zudem auch die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts als fragwürdig ein, fand höhere Gebäude für notwendig, um ein Stadtteilzentrum überhaupt für einen Investor lukrativ zu machen. Eine Bürgerin hatte bezüglich der Geschosshöhen sogleich Bedenken, dass die Häuser in der Grelckstraße und im Oddernskamp dann im Schatten liegen würden. Sevecke konnte die Anwohnerin beruhigen, indem er sie darüber aufklärte, dass es diesbezüglich Vorschriften gäbe.

Doch hatten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative bereits Gedanken über die Wirtschaftlichkeit eines Stadtteilzentrums am Behrmannplatz gemacht und wiesen Sevecke auf die nahezu perfekte Lage für ein solches Zentrum hin. Ein Einkaufszentrum in der Lage, an einer viel befahrenen Straße, noch dazu in einem gut situierten Stadtteil mit derzeit viel zu wenig Einkaufsflächen, sei doch für einen Investor deutlich vielversprechender als der bislang von der Verwaltung geforderte (soziale) Wohnungsbau, warf eine Anwesende ein.

Als nächstes folgte von Sevecke der Einwurf, das Lokstedt Urbanisierungszone sei und es das Wohnungsbauprogramm gäbe. Die Anbindung an Bus- und U-Bahn und Velo-Routen seien da. Es seien aber an Flächen nur Schulen, Sport- und Grünanlagen vorhanden, die nicht für Wohnungsbau geeignet seien. Irgendwo müssten aber doch weitere Wohnungen gebaut werden.

So wurde für viele Anwesende klar, dass die Verwaltung es immer noch nicht begriffen hat. Irgendwann ist es auch in Lokstedt mit dem Wohnungsbau vorbei. Durch die vielen Bauvorhaben, ohne eigenes Grün und ohne gewachsene Infrastruktur einfach auf eine Wiese geklatscht, ist hier in Lokstedt der ganze Stadtteil am Kippen. Abandonment nennen Stadtteilsoziologen dieses Phänomen des Abstieg eines Stadtteils. Die Lokstedter werden weitere Bebauung in ihrem ehemals grünen Stadtteil aber nicht hinnehmen. Vor weiteren Wohnungsbaugenehmigungen muss dringend zuvor etwas für die Infrastruktur getan werden. Und dazu gehören nicht nur Velo-Routen sondern auch Einkaufsmöglichkeiten vor Ort.

Aus dem Publikum kam dann auch folgerichtig die konkrete Frage an den Bezirksamtsleiter, wie er denn überhaupt zu einem Lokstedter Stadtteilzentrum stehe. Sevecke konnte sich zwar ein Stadtteilzentrum vorstellen, reichte den schwarzen Peter aber weiter und sah hier nicht die Verwaltung sondern Politik und Investoren in der Pflicht.

Hier hakte Kruse ein: “Die CDU hat die Initiative für ein Stadtteilzentrum in der Bezirksversammlung neu belebt. Politik soll anregen und möglich machen. Diese Verantwortung nehmen wir an und werden uns weiterhin aktiv für Lokstedt einsetzen.” Jetzt müssten die Lokstedter Bürger für das Projekt begeistert werden, ein erster Schritt ist mit der Gründung der Bürgerinitiative dazu ja schon getan. Zudem müssten die Gespräche mit THW und dem DRK wieder aufgenommen werden. Und auch Sevecke meinte, dass man einen neuen Ansatz finden sollte und die Verhandlungen mit dem DRK erneut aufnehmen sollte.

Moderator Ovens wies noch einmal darauf hin, dass aus der ersten Initiative der CDU-Bezirksfraktion für ein Zentrum in Lokstedt im Juni mittlerweile ein interfraktioneller Antrag von CDU, SPD und Grünen geworden sei. Die anderen Parteien stellten sich damit hinter die CDU-Forderung, Lokstedt ein Stadtteilzentrum zurückzugeben, welches den Namen auch verdient. Ovens weiter in seiner Pressemeldung: „Deshalb freue ich mich, dass nun auch der Bezirksamtsleiter trotz Bundestagswahlkampf der Einladung unserer CDU gefolgt ist, und damit ebenfalls unser Engagement für ein neues Stadtteilzentrum unterstützt.“

Kruse und Sevecke waren sich am Ende einig, dass sich ein Investor für den Bau eines Einkaufszentrums am Behrmannplatz finden lassen werde und der Lokstedter Bezirksabgeordnete Ovens versprach den Anwesenden, sich zusammen mit der CDU weiterhin für ein Lokstedter Zentrum am Berhmannplatz einzusetzen.

Mo. 16.09.2013, 15.30 Uhr

CDU

Ein neues Zentrum für Lokstedt

Auf Initiative der CDU beschäftigt sich die Bezirksversammlung Eimsbüttel wieder mit dem Thema des Lokstedter Zentrums. Doch wie geht es nun weiter? Welche Chancen bieten sich am Behrmannplatz, auf dem Gelände von THW und Rotem Kreuz? Diskussionsveranstaltung mit Rüdiger Kruse (CDU), Bundestagsabgeordneter für Eimsbüttel, und Bezirksamtsleiter Thorsten Sevecke (SPD). Moderation Carsten Ovens, CDU-Bezirksabgeordneter aus Lokstedt

New Living Home
Julius-Vosseler-Straße 40, 22529 Hamburg

Einladung
Beitrag von Carsten Ovens

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© Lokstedt-online 18.10.2013