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Ausstellungen im Bürgerhaus

Der Lokstedter Heimatmaler Alexander Oskar Noah 

Es wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, einmal als Lokstedter Heimatmaler bezeichnet zu werden. Geboren wurde Alexander Oskar Noah 1885 in Meißen, seine Eltern Anton Alexander und Auguste waren dort als Porzellanmaler in der berühmten Königlichen Manufaktur beschäftigt.

Früh wurden die Talente den heranwachsenden Jungen gefördert. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Dresden und war dort anschließend als Theatermaler an der Königlichen Hofoper tätig. Auf der Kunstakademie besuchte er die Meisterklasse von Eugen Bracht, der zu den vielseitigsten und profundesten deutschen Landschaftsmalern im späten 19. Jahrhundert gehört. Bei ihm entwickelt Noah alle Facetten der malerischen Naturerfahrung.

1910 gründet Noah eine Malschule in Chemnitz, die zunächst einigermaßen erfolgreich war. In Kooperation mit den Technischen Staatslehranstalt gab er angehenden Bauzeichnern Nachhilfe im Zeichnen.

In dieser Zeit unternahm Noah seine erste Wanderreise in die Alpen und lernt dort zwei Klavierlehrerinnen kennen. „Beim Steigen war meistens die kleinere Klavierlehrerin aus Altona an des Malers Seite...Der kleine Berg mit dem kleinen Gasthaus sah schon vom weitem entzückend aus, aber dann die Fernsicht auf Marmolata und all‘ die Gipfel sowie Täler. In der Nähe blühende Alpenrosen, wem ging da nicht das Herz auf? Bei der Zimmerverteilung meinte die Wirtin, zwei Ehepaare vor sich zu haben (auf der Alm da gibt‘s ka Sünd); sie musste leider aufgeklärt werden. Erst acht Jahre später sollte der Maler seine kleine Wandergefährtin ehelichen“, erinnert sich der Kunstmaler in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen, die 2010 von seiner Tochter Ursula Dietsch herausgegeben wurden.

Ab 1914 blieben Noahs Malschule die Kunden aus. Die patriotische Begeisterung brachte immer mehr Männer dazu, sich freiwillig beim Militär zu melden. Wer wollte da noch Zeichnen lernen? Im April 1915 wurde der 30Jährige selbst eingezogen.

Im Spätsommer 1916 kam Noah endlich dazu seine Wandergefährtin Anna Küchenmeister auf Genesungsurlaub in Hamburg zu besuchen. „Es war wunderschön in Lokstedt. Aber zum Abschied war Anna tränenreich, sie hatte wohl auf ein Ringlein am Finger gehofft.“

Zwei Jahre später war es dann soweit. Am 7. Oktober 1918 wurde in Lokstedt die Kriegstrauung vollzogen. Noah erhielt acht Tage Sonderurlaub. In seinen Aufzeichnungen schreibt er, „der Standesbeamte war ein Zahntechniker und traute in seinem Vorzimmer.“

Nach dem Kriegsdienst wohnt das junge Paar im frisch errichteten Haus der Familie Küchenmeister am Brunsberg 36, das Anna mit in die Ehe brachte. 1920 und 1921 wurden die Kinder Oswald und Ursula geboren.

Sein Atelier richtet Noah in der Landwirtschaftsschule in der Vogt-Wells-Straße 20 / Ecke Alter Schulweg ein. Später zog er mit seinem Atelier in die Ahornallee 2. Dort wo heute der Zweiradhändler Bullerjahn sein Geschäft betreibt.

In Lokstedt fand Noah eine Heimat und sein künstlerisches Schaffen erreichte den Höhepunkt. Zahlreiche Ölgemälde Lokstedter Bauernhäuser dokumentieren das Lokstedt vor dem zweiten Weltkrieg. Er war fortan ein bedeutendes Mitglied der Hamburger Künstlerschaft, überregional bekannt vor allem durch seine stimmungsvollen Landschaftsgemälde und -aquarelle. Noah selbst schreibt dazu: „Das Strohdachdorf Lokstedt und Hamburgs Alster sowie der Hafen boten lohnende Motive“.

1933, als der Abriss des Hamburger Gängeviertels beschlossene Sache war, widmete Noah sein Schaffen ganz der künstlerischen Dokumentation der Verhältnisse vor Ort. Ganze Tage brachte er mit seiner Staffelei in den engen Gassen zu. Der berühmte Hamburger Neurologe Max Nonne wurde auf ihn aufmerksam und wollte einige der Bilder erstehen. Aber Noah überwarf sich auf einer Führung durchs Gängeviertel mit ihm: „Halten‘s Maul, Herr Professor“, habe Noah ihn angeherrscht.

So blieben hochpreisige Verkäufe von Gemälden, die die Familie für Monate aller Sorgen enthoben hätten, eher die Ausnahme und der wirtschaftliche Erfolg insgesamt aus. An spektakuläre Verkäufe, wie sie Noahs Lehrmeister Eugen Bracht tätigte - dieser erzielte für das Gemälde „Alte und neue Zeit“ die damals ungeheuerliche Summe von 6000 Mark - war gar nicht zu denken. Das noch heute in Lokstedter Stuben der eine oder andere Noah hängt, ist eher dem Umstand zu verdanken, dass Noah gerne Handwerkerrechnungen mit Bildern beglichen hat. So erhielt der Malermeister Heinrich Stoldt für die Ausmalung einer Stube ein Gemälde eines am Grandweg gelegenen Bauernhofes.

Von seiner Kunst allein konnte Noah den Lebensunterhalt der Familie nicht bestreiten. Anna Küchenmeister gab deshalb fleißig Klavierunterricht, oft an zwei Klavieren gleichzeitig. Ihre ehemalige Schülerin Ingeburg Bott, die in diesem Jahr 90 Jahre alt wird und noch immer täglich Klavier spielt, erinnert sich: „Frau Küchenmeister-Noah war sehr streng, aber das war gut so. Ihr Mann hat mit der Malerei kaum Geld verdient. Er musste Postkarten bemalen und sie hatte aus eben diesem Grund sehr viele Schüler.“

Trotz dieser Widrigkeiten unternahm Noah immer wieder die für einen Landschaftsmaler so wichtigen Studienreisen. Dies war ihm in den 1930er Jahren möglich, weil die „Kraft durch Freude“ (KdF) billige Ferienreisen anbot, die der „wohlbekannte Maler ohne Parteiabzeichen“ gerne annahm.

Eine Probetour für 20 Mark brachte ihn in den Harz. Es folgten Schiffsfahrten mit der „Ozeana“ in den Ärmelkanal - die gebuchte Tour sollte eigentlich nach Norwegen gehen -, mit der „Olivia“ dann tatsächlich nach Norwegen, dann wieder mit der „Ozeana“ nach Lissabon, Neapel, dann erneut nach Norwegen und schließlich 1939 für 150 Mark mit der „Ozeana“ ab Venedig fand der Künstler sein Arkadien: „Griechenland war seit der Akademiezeit das Land meiner Sehnsucht“. Von all‘ diesen Reisen brachte er Ansichten zurück, die er mit „A. O. Noah, Lokstedt“ signierte. 

Das der Maler nach Kappeln an der Schlei kam, verdankte er auch der KdF. Die Lissabon-Neapel-Reise mit der „Ozeana“ wurde in Neapel vorzeitig abgebrochen, da einige Hundert Passagiere an Bord an einer Magen-Darm-Erkrankung litten. Nach einigen Tagen Quarantäne ging es mit dem Zug zurück in die Heimat. Als Entschädigung erhielt Noah einen Reisegutschein von KdF, eine Reise nach Kappeln.

Den Untergang der Familienwohnstätte am Brunsberg erlebte der Künstler dort, gleichsam aus der Ferne mit: „In Kappeln merkte man nicht viel vom Krieg. Bei schönstem Wetter malte ich meine Aufträge. Abends gab‘s meistens schöne Sonnenuntergänge. Doch einmal wurde das Abendrot schauerlich brandig, fast Unheil verkündend. Dazu zogen große Bombergeschwader in Richtung Hamburg. Zum erstenmal sah man in der Dunkelheit die sogenannten Christbäume über Hamburg schweben, fast ein lustiger Anblick...kam ein Telegramm (von seiner Ehefrau Anna): Totalschaden - komme sofort!.“

Die Familie Noah-Küchenmeister verlor 1943 durch einen Bombenangriff Haus und Atelier. Fand aber sogleich in Kappeln freundliche Aufnahme und große Hilfsbereitschaft. Ein Ausweichquartier für die Nachkriegszeit war gefunden.

Aktuell stellt auch der Museumsverein Kappeln im Pierspeicher rund 60 Bilder des Lokstedter Künstlers aus. Die ausgestellten Werke stammen aus dieser Zeit und zeigen die Region um Kappeln, Arnis, Schleimünde und Schleswig.

Dann kam der Tag „X“. Hamburg rief seine „Butenhamburger“ zurück. Die Familie bezog eine Wohnung in der Christian-Förster-Straße 28. Der Künstler hielt in seinen Erinnerungen fest: „So war die Arche nach fast zehn Jahren Kappeln wieder in Hamburg - nur etwa 1000 m Luftlinie entfernt vom früheren Standort Lokstedt. Der Obst- und Gemüsegarten konnte genutzt werden...Bald hatte Mutti wieder einige Schüler, teils Kinder von ehemaligen Schülerinnen.“ Die ehemalige Klavierspielerin Ingeburg Bott fügt hinzu: „Noch 1954, da hatte ich schon drei Kinder, suchte mich Frau Küchenmeister-Noah auf und überzeugte mich, den Klavierunterricht bei ihr wieder aufzunehmen.“

Den Plan das Haus am Brunsberg wieder aufzubauen, musste die Familie aufgeben. Es wurde hin und her überlegt „bis die Baupreise so hoch waren, dass man glaubte, es nicht mehr riskieren zu können.“

Zwei letzte große Reisen brachten den Künstler nach Mallorca. Ein Reiseunternehmer hatte Noah angeheuert einen Reiseprospekt zu malen.

In der Christian-Förster-Straße verbrachte Noah noch 14 schaffensreiche Jahre. Unzählige naturgetreue Bilder von seiner alten sächsischen Heimat, von Hamburg und Umgebung, Kappeln, Schlei, Harz, Schwarzwald und Alpen sowie von seinen Reisen zeugen von seinem unermüdlichen Schaffen.

Im September 1968 bei einem Verkehrsunfall auf einem Zebrastreifen in Hamburg fand Alexander Oskar Noah 83jährig den Tod. Beerdigt wurde er auf dem Alten Friedhof in Niendorf.

Quellen:
Horst Grigat: Hamburg-Lokstedt
Ursula Dietsch: Der Kunstmaler Alexander Oskar Noah erzählt von seinem Leben
www.kappeln-eschmidt.de/seiten/sb-2011_03_30-1/sb-2011_03_30-1.htm
de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Oskar_Noah

Ausstellungseröffnung mit Stehempfang

Aus Anlass des 30jährigen Jubiläums des Bürgerhauses Lokstedt eröffnen wir die Ausstellung mit alten Gemälden des Kunstmalers, die erstmals ausgestellt werden.

Alexander Oskar Noah aus Lokstedt (1885 - 1968)
Vorstellung von Herrn Hansjürgen Rhein
Ostermontag, 9. April 2012, 19.30 Uhr
Bürgerhaus Lokstedt 
Sottorfallee 9, 22529 Hamburg
Eintritt frei.

Die Bilder werden von der Tochter des Malers Ursula Dietsch, die heute in Frankfurt lebt, zur Verfügung gestellt. Sie wird bei der Ausstellungseröffnung persönlich anwesend sein. Dort wird sie ihr Buch über ihren Vater, das sie anhand seiner schriftlichen Aufzeichnungen 2010 veröffentlicht hat, vorstellen.

Den Kontakt der Bilder vermittelt Herr Robert Hugo, der noch heute im Brunsberg wohnt und dort ein Nachbar der Familie Noah war. 

Die Familie Jürs wird das Hochzeitsbild von Ella und Paul Jürs vor der Niendorfer Kirche zur Verfügung stellen.

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© Lokstedt-online.de 22.03.2012