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Gedenkstein am Siemersplatz

Kleinliche Krämerseelen

Das Forum Kollau e.V. hatte dem Regionalausschuss Lokstedt Fragen bezüglich des Verbleibs des Findlings am Siemersplatz gestellt. Zwei Mitglieder der Bezirksversammlung reichten diese in Form einer Kleinen Anfrage an die Verwaltung weiter. Die Antworten sind skandalös.

115 Jahre stand der Findling mit der Inschrift „Up ewig ungedeelt 1848 - 1898“ am Siemersplatz. Nun, wo nach den Umbauarbeiten für die Busbeschleunigung der Siemersplatz zu einer reinen Kreuzung wurde, ist nicht mal mehr Platz für den Stein vorhanden.

Bei Stiftung des Denkmals wurde zu ihm eine Doppeleiche, darstellend die Herzogtümer Schleswig und Holstein, gesellt, die im April 1978 dem Verkehr weichen musste. Zuletzt standen auf der Grünfläche bei der Bushaltestelle in Richtung Niendorf mit dem Findling zusammen zwei noch recht mickrige Eichen. Diese wurden zu Beginn der Bauarbeiten wie etliche andere Bäume auch mit Holz geschützt, um den Anschein zu erwecken, dass sie bleiben werden.

In den Monaten des Umbaus am Siemersplatz kamen die Bagger dann dem historischen Denkmal immer näher. Der Findling blieb noch wochenlang unangetastet, während rundherum schon das Chaos Einzug gehalten hatte.

Aber im August wurde schließlich die Verkehrsinsel aufgerissen und die Eichen entfernt. Danach lag der Findling dann wochenlang völlig ungeschützt auf dem Schutthaufen mit abgesägten Baumstümpfen, der letzten Ernte vom ebenfalls entfernten Apfelbaum, abgeknickten Straßenschildern, Geröll und Sand - eine völlig unwürdige Situation.

So war die Situation, als das Forum Kollau e.V. die Fragen an den Regionalausschuss Lokstedt der Bezirksversammlung stellte.

Die Verwaltung brachte den Stein kurzerhand in Sicherheit, bevor besorgte Bürger die Angelegenheit selbst in die Hand genommen hätten. Nur die notwendigen logistischen Vorbereitungen, es musste ein Bagger besorgt werden, bewahrte die Verwaltung vor einer Blamage.

Wäre also der Gedenkstein nicht noch gerade rechtzeitig aus dem Bauschutt herausgenommen worden, hätten die Abgeordneten Rüdiger Rust und Marc Schemmel (SPD-Fraktion) in der Kleinen Anfrage zum Sachverhalt nicht schreiben können: „Der Gedenkstein am Siemersplatz ist im Zuge der laufenden Umbaumaßnahmen entfernt und gesichert worden.“ Vielmehr hätte es heißen müssen, er droht im Bauschutt verloren zu gehen.

Nun ist der Stein „gesichert“. Vor Ort sieht es allerdings so aus, als hätte man den lästigen Stein nur aus dem Weg geräumt. Er steht ausgebuddelt, ohne seine Umrandung praktisch zum Mitnehmen bereit, zwischen einigen Bäumen in der Osterfeldstraße.

Auf die nahe liegende Frage nach der Renovierung des Steines offenbaren die Beamten nun aber ihre kleinliche Krämerseele und lassen sowohl Geschichtsbewusstsein als auch Anstand und Pietät vermissen: „Das Bezirksamt verwendet seinen Etat zur Straßenunterhaltung für die Herstellung verkehrssicherer Zustände ein. Dieser Etat ist defizitär. Insoweit sieht die Verwaltung keine Möglichkeit, diesen Etat zur Verbesserung der Lesbarkeit von Gedenksteinen in Anspruch zu nehmen. Die Kosten werden auf ca. 300 - 500 Euro geschätzt.“

Da geben die Politiker also mehr als 5 Millionen Euro zwischen Brunsberg und Niendorfer Straße für die mehr als fragwürdigen Umbauarbeiten zur Busbeschleunigung aus und haben keine 500 Euro für die Säuberung und Aufarbeitung des Findlings. Und die Verwaltung sieht keine Möglichkeit den Etat zur Straßenunterhaltung mit den Aufarbeitungskosten zu belasten. Bei solch schäbigen Verhalten würde es nicht wundern, wenn für den Umbau am Siemersplatz verantwortlichen dem Denkmalschutzamt die Umsetzung des Findlings in Rechnung stellen würden.

Noch im Mai 2012 vertrat das Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt die Auffassung: „Bei einem Umsetzen von Doppeleiche und Gedenkstein an einen neuen Standort sollte der Gedenkstein auf einen niedrigen Sockel gesetzt und die Inschrift wieder lesbar gemacht werden.“

Mittlerweile ist die Behörde offensichtlich zu einer anderen Auffassung gelangt. Die Kosten für die Bauarbeiten scheinen mittlerweile den „defizitären Etat“ gesprengt zu haben. Gespart werden soll dann an dem Gedenkstein.

Der Gedenkstein aber ist in Not. Ausgebuddelt und provisorisch hingeworfen auf eine andere Verkehrsinsel. Jahrzehntelang war an seinem alten Standort der zunehmenden Umwelteinflüssen wie sauren Regen, Abgasen und vielem mehr ausgesetzt. Dadurch wurde seine Oberfläche angegriffen und zerstört. Die Ursache für die Unlesbarkeit der Inschrift ist eindeutig der Autoverkehr. 175.000 Fahrzeuge täglich haben den Stein komplett verdreckt, er ist im Zuge der starken Emissionen insgesamt stark angegriffen. Um diesem Verfall entgegenzuwirken, wäre es dringend geboten, Restaurationsarbeiten vom Fachmann ausüben zu lassen.

Und da die Notwendigkeit all dieser Maßnahmen eine direkte Folge der Verkehrsemissionen ist, müssen sie aus dem Etat zur Straßenunterhaltung gezahlt werden.

Außerdem wird Gedenkstein von seinem angestammten Platz entfernt. Dort wo er all die Jahre stand, mitten auf dem Siemersplatz im hellen Licht, konnte man die Inschrift zumindest erahnen. Und zumindest alteingesessene Lokstedter wussten um die historische Bedeutung des Steins. Generationen von Lokstedter Schülern sind mit ihren Lehrern im Heimatkunde-Untericht vor Ort gewesen.

Nun aber soll der Stein in der Osterfeldstraße nahezu versteckt im Schatten seine neue Heimat finden. So jedenfalls, wie der Stein derzeit dort abgelegt wurde, die Inschrift vom Bürgersteig abgewendet, besteht die Gefahr, dass der Findling gar nicht mehr als Denkmal wahr genommen wird. Man könnte ihn für einen einfachen Findling, einen zufällig bei den Millionenteuren Bauarbeiten gefundener Stein, halten.

www.spd-fraktion-eimsbuettel.de
Artikel Lokstedt-online vom 24.1.2013

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