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Denkmalschutz

Was würde unser Kaiser dazu sagen?

Die Villa auf dem Liethberg wurde von dem Architekten Martin Haller erbaut. Sie diente ab 1870 als Sommerwohnsitz für den Hamburger Kaufmann Wilhelm Amsinck. 1956 wurde sie von der Stadt erworbenen - und verfällt seitdem zusehends.

Im Chat der „taz“ schreibt ein User „Karl“ zu diesem Thema: „Mir kommen die Tränen. Eine Villa verfällt. Die Baukunst der Bourgeoisie verliert einen der ihren. Wie traurig.“

Die prächtigen Wohnsitze reicher Hamburger Kaufleute gehören zu Lokstedts historischem Erbe. Einst gab es etliche dieser Sommerwohnsitze. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es allerdings auch für wohlhabende Hamburger Familien schwer, solche Wohnsitze zu erhalten und sie wurden verkauft.

Der prächtigste aller Sommersitze in Lokstedt, war die Amsinck-Villa auf dem Liethberg. Hier gab es einst ein Kaiserzimmer, in dem Kaiser Wilhelm II. nächtigte, wenn er bei den Amsincks oder nebenan bei den Hagenbecks zu Besuch war.

Es geht hier nicht, wie im Chat der „taz“ gemutmasst, um die Erhaltung der Kultur einer längst vergangen bürgerlichen oder aristokratischen Gesellschaft.

Es geht um die Erhaltung der lokstedtischen Geschichte, diesem ehemals landwirtschaftlich-geprägten Vorort von Hamburg, der im 19. Jahrhundert sein Auskommen als Naherholungsgebiet für Ausflügler und als „Sommerfrische“ für reiche Hamburger Bürger fand.

Horst Grigat schreibt dazu: „Es war immer ein großes Ereignis für Lokstedt, wenn alle die Herrschaften im Sommer ihre Landhäuser bezogen. Die Lieferanten sahen mit Sehnsucht diesem Moment entgegen. Wenn Amsincks und die übrigen Herrschaften kamen, konnte der Schlachter wöchentlich einen Ochsen schlachten.“(1)

Das ist Lokstedter Heimatkunde pur und auf den Punkt gebracht.

Uns liegt es fern diesen Zeiten nachzutrauern, aber dieser Stadtteil verliert mit seinen Villen und Parks genau das, weswegen er so beliebt ist.

Die Amsinck-Villa jedenfalls ist seit nunmehr 55 Jahren im Besitz der Stadt. Von Anfang an hat sie allerdings zu diesem Kleinod kein richtiges Verhältnis gefunden. Die Vorgaben für die Nutzung waren zu eng umrissen. Entweder sollte eine Behörde untergebracht werden, etwas mit Kunst oder Kultur, aber auf gar keinen Fall sollte Geld ausgegeben werden.

Über viele Jahre stand die Amsinck-Villa leer. Verschiedene Versuche die Villa zu beleben - sie wurde nacheinander einer Galerie, einem Architektenbüro und einer Videoproduktionsfirma überlassen - scheiterten letztlich. Da wurden dann Wände durchbrochen, Wendeltreppen eingebaut und die Bausubstanz durch jahrzehntelange Untätigkeit geschädigt.

Nun steht die Villa wieder einmal seit einigen Jahren leer und der traurige Zustand wird offensichtlich. Seit einigen Monaten täuscht ein Gerüst Renovierungsaktivitäten vor. die wäre aber dringend von Nöten um das Gebäude wenigstens winterfest zu machen.

Seit Jahren wird dabei von der Politik über die Zukunft der Amsinck-Villa debattiert. Nach öffentlicher Ausschreibung wurde die Villa im letzten Jahr fast an einen englischen Investor verkauft. Das Konzept war dort Eigentumswohnungen in den oberen Geschossen zu bauen.

Der Verkauf auf Erbbaurecht für 50 Jahre scheiterte allerdings in letzter Minute als bekannt wurde, dass der Geschäftsführer dieses Investors mehrfach wegen Versicherungsbetrug im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften vorbestraft sei.

Inzwischen hat man allerdings den Eindruck (siehe obige Fotostrecke), dass es der Plan der Stadt ist, die Baufälligkeit dieser durch seine einsame Parklage gegen Vandalismus ungeschützte, da leerstehende Immobilie, zu fördern und sich auf diese Weise das Problem vom Hals zu schaffen.

"Die Finanzbehörde hat die Villa immer wie ihre Privatangelegenheit betrachtet", klagt auch Nora Ulrike Betz von der Initiative Freunde der Amsinck-Villa in der „taz“. Die pensionierte Lehrerin wünscht sich, dass das Gebäude in der Hand der Stadt bleibt, und in einem öffentlichen, transparenten Prozess ein Nutzungskonzept erarbeitet wird, das die Interessen der Bürger vor Ort mit einbezieht.(2)

Was fehlt ist also offensichtlich, ein vernünftiges Konzept. Denn ein potenter Käufer wird sich für diese Villa, die mit einem nur 680 qm großen Grundstück, das zudem nicht mal eingezäunt werden darf, nicht finden lassen. Eine Nutzung für Eigentumswohnungen im Obergeschoß ist vermutlich nicht rentabel, da das gesamte Untergeschoß öffentlich zugänglich bleiben soll.

Jede wirklich tragbare Lösung wird also kaum rentabel sein. Es wäre unnötige Träumerei auf einen Märchenprinzen zu warten, der für die Stadt dieses lang gehegte Problem löst.

Aktuell findet sich die Villa bereits im Verzeichnis des "Leerstandsmelders"(3). Schon daher wäre es angeraten, dass die Stadt sich mit einem Nutzungskonzept beeilt, bevor andere ein solches Konzept ungefragt umsetzen.

Die Stadt wird Geld in die Hand nehmen müssen, sie ist gefordert, für die Instandhaltung und eine nachhaltige, der Villa angemessene Nutzung Sorge zu tragen.

Zu hoffen ist, das die Stadt dabei endlich die Scheuklappen ablegt, also ihren Horizont erweitert und die Vergabekriterien für die Villa überdenkt, um eine nicht kommerzielle, die Stadtteilkultur fördernde Nutzung, etwa ein Bistro-Café oder Restaurant mit Ausstellungen, eine Galerie, eine Kunstschule, ein Museum oder dergleichen mehr, dort zu ermöglichen.

Geeignet wäre die Amsinck-Villa auch für das neu gegründete "FORUM KOLLAU Verein für die Geschichte von Lokstedt, Niendorf und Schnelsen e.V.“ des Bürgervereins Hoheluft-Großlokstedt e.V. von 1896, der dort gerne ein Stadtteilarchiv unterbringen würde (4).

1. Horst Grigat: „Hamburg-Lokstedt - von der Steinzeit bis zum Jahre 2000“
2. www.taz.de/!48256/
3. www.leerstandsmelder.de/hamburg/places/147-amsinckvilla
4. www.buergerv.de/index.htm

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© Lokstedt-online.de 12.11.2011