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Lokstedter Abend

Elefantenkuh Roma

Wie immer wenn Lokstedter Abend auf dem Veranstaltungsprogramm steht, war das Bürgerhaus Lokstedt am Freitag den 15.02.2013 mal wieder bis in die letzte Ecke mit Gästen gefüllt.

Aus der Küche, wo der Koch und Mitbegründer vom Bürgerhaus Peter Otto aus der Höxterstraße fleißig am Rühren war, duftete es bereits nach Steckrübeneintopf. Nach Auskunft von Kennern ein Lokstedter Traditionsgericht – mindestens in den schlechteren Zeiten. Heute gab es allerdings die Version für nicht ganz so magere Zeiten, zubereitet mit viel Fleisch und Speck.

Unter den Anwesenden manch ein Lokstedt-Experte wie Ursula Gehrke oder auch der Kreisvorsitzende der Grünen aus dem Bezirk Eimsbüttel Volker Bulla, der sehr an der Stadtteilgeschichte interessiert ist. Beide leiten auch Exkursionen durch den Stadtteil.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Bürgerhauses Jörg Fischlin ging es mit der Veranstaltung, eine Kooperation zwischen dem Bürgerhaus und dem Forum Kollau, auch schon los. Eile war geboten, denn neben den sehr kurzweiligen Vorträgen musste auch noch Zeit für das Abendessen eingeplant werden.

Den Anfang macht Hans Münster, der zu diesem Anlass mal wieder in sein Kellerarchiv gestiegen ist, und uns von dort etwas Besonderes mitgebracht hat. Er ließ eine alte Fotografie eines Transformatorenhauses am Siemersplatz und einen zu Stein erstarrten Klumpen Erde, in dem deutlich sichtbar Kupferleitungen eingeschlossen waren, herumgehen und erzählte dazu folgende Geschichte:

Der Kugelblitz

„Es war im Sommer 1932, ein schwüler Tag, und am späten Nachmittag zog ein Gewitter auf. Wie der Zufall es gerade so wollte, ein Kugelblitz schlug in die Straßenbahnleitung, und Frau Münster stand am Fenster und schaute und schaute hinaus und sah den Blitz auf der Leitung längs laufen. Er erreichte den nächsten Erdpunkt dieser Leitung, und das war ein Transformatorenhaus ungefähr 30 m vom Siemersplatz entfernt. Die Hitzeentwicklung war so stark, dass die Erde zu Stein schmolz, als wenn ein Vulkan ausgebrochen wäre. Ich kann diese Geschichte beweisen. Ein Stück dieser verbrannten und geschmolzenen Erde bewahre ich noch heute auf.“

Münster hatte natürlich noch weitere lustige Geschichten auf der Pfanne und schloss mit eine Geschichte über die Feuerwehr, die einst mit 50 Sachen mit ihrem Magirus in den Graben neben der Döhrnstraße sauste und sich weigerte die Hamburger Feuerwehr zu Hilfe zu rufen. Retter in der Not war Seppel ein Tierpfleger von Hagenbeck mit seiner Elefantenkuh Roma.

Vor dem Essen blieb nun noch Zeit Klaus Knuth zuzuhören. Knuth ist den meisten Lokstedtern mit seinen Gedichten und Geschichten bekannt. Auch er hatte sich für den heutigen Abend etwas Besonderes ausgedacht. Er hat eine Geschichte über das Lokstedt seiner Jugend in Plattdeutsch zu Papier gebracht.

Lokstedt zu meiner Kinderzeit

In dieser Geschichte erinnert sich Klaus Knuth an seine glückliche Kinderzeit im Lokstedt der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Er berichtet uns über strohgedeckte Häuser, Pferdewagen und die Gefahren der Begegnung mit Bullen auf dem Schulweg. Aber auch über Fliegeralarm, Bombeninferno und den Untergang des alten Lokstedts. Am Ende der Geschichte soll ihm eine gute Fee nur einen Wunsch erfüllen: „Ik wünsch mi dat Lokstedt vun mien Kinnertiet nomaals herbi.“

Der Hexengarten

In Knuths zweiter Geschichte berichtet er uns über eine
sehr alte Nachbarin, die er als Kind zunächst für eine Hexe gehalten hatte. Als er von ihr beim Äpfel-klauen erwischt wird, entpuppt sie sich als sehr nette Dame. Nach ihrem Tod allerdings muss der Apfelbaum weichen.

Nun wurde der äußerst schmackhafte Eintopf serviert und nicht nur die Referenten hatten Gelegenheit sich zu stärken. Kaum war der Nachtisch serviert (Rote Grütze mit Vanillesauce) ging es weiter im Programm.

Die Sandkuhle

Horst Kilian hatte sich von seinem Sohn Joerg überreden lassen, erstmals auch mal einen Vortrag im Bürgerhaus zu halten. Es sind diese Geschichten seines Vaters, über die Joerg Kilian, stellvertretener Vorsitzender des Forum Kollau, die Liebe zum Stadtteil geerbt hat.

Killian senior ist nicht mehr der Jüngste. Als er den Rednerstuhl aufsucht, konnte man schon etwas Sorge haben. Konnte das Gutgehen? Als Killian aber sein Manuskript herausholte und anfing zu erzählen, waren alle Zweifel beseitigt. Es folgte ein wunderbarer Vortrag über seine Vorkriegs- und Kriegsjugend in der Sandkuhle.

So hieß damals das Quartier, dass heute von den Straßen Hinter der Lieth, Hagendeel und Beim Opferstein begrenzt wird. Hier wurde früher von j. H. Gustav Burmeister Sand abgebaut. Streng bewacht wurde die Sandkuhle von „Vadder Boi“, um den und die Jungs von der Sandkuhle rankten sich diese sehr unterhaltsamen Lokstedter Lausbubengeschichten.

Die Autorin dieser Zeilen hat übrigens eine persönliche Erinnerung an die Familie Kilian:

Ihr Taschengeld setze sie als Kind größtenteils in Blumen um. Auf ihrem Nachhauseweg von der Schule lag die Gärtnerei Kilian. Jürgen Siegfried Kilian, der Bruder Horst Kilian, und seine Frau Elke hatten von 1920 bis 1996 eine Gärtnerei in der Straße Hinter der Lieth 44, auf der Ecke Hagendeel. Im Herbst blühten im Garten der Gärtnerei selbst gezüchtete Chrysanthemen. Die Schülerin stand eine ganze Weile am Zaum bis ihr ein besonders schönes Exemplar ins Auge stieß. Sie ging in den Blumenladen und Frau Kilian kam strengen Blickes um die Ecke. Der Laden war voller Blumen. Die Schülerin ging mit Frau Kilian raus und zeigte ihr das Exemplar welches sie haben wollte. Sie fragte: „Die?“ Antwort: „Ja!“ Dann wurde die Chrysantheme frisch abgeschnitten und sofort gut verpackt nach Hause verbracht. Zuhause gab sie ihrer Mutter erst die Blume, dann das Diktat mit der „4-“. Mit so einer schönen Blume war der Tag, trotz der schlechten Note, gerettet.

Alles in allem war es wieder ein sehr gelungener Abend. An der Abendkasse freute man sich über 40 zahlende Gäste. Dadurch war es zwar etwas eng, aber auf den neuen Stühlen (gestiftet von der Haspa) saß es sich gut. Auch die neuen Tische waren praktisch.

Es wurde an dem Abend auch ein kleines Booklet verkauft, welches von Schülern der Döhrnstraße zusammen gestellt wurde. Sie können es hier als PDF herunterladen.

Lesen sie bitte auch den Bericht über diesen Abend von Joerg Kilian:
www.forum-kollau.de

Fr. 15.02.2013

Bürgerhaus Lokstedt

Lokstedter Abend

Traditioneller „literarischer Spaziergang“ durch Lokstedts Vergangenheit.
Serviert wird wieder das Lokstedter Nationalgericht. Eintritt: 14 Euro.
Sottorfallee 9, 22529 Hamburg
Tel. 56 52 12

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© Lokstedt-online 21.02.2013