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Serie Lokstedts Zentrum

Wir fordern ein Zentrum!

In einer Serie von Artikeln beschäftigen wir uns mit dem Lokstedter Zentrum.

Teil 6: Der letzte Teil. Das historische Zentrum wieder herstellen!

„Niendorf, Lokstedt und Schnelsen sind Stadtteile, die von hoher Wohn- und Naherholungsqualität geprägt sind. Unser ambitioniertes Ziel ist es, in den kommenden Jahren Ausgewogenheit zwischen neuem Wohnraum und Bewahrung traditioneller Lebensqualität herzustellen. Weil wir demografische Entwicklungstendenzen erkennen, diese zur Steuerung nutzen und eine gesunde soziale Mischung fördern wollen, werden Niendorf, Lokstedt und Schnelsen attraktiven Wohnraum und die dazugehörige Infrastruktur für junge Familien genauso wie für unsere ältere Generation bieten. Mir ist dabei besonders wichtig, dass die Stadtteile ihren ganz eigenen Charme nicht verlieren. Den Wandel aktiv mit den Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten, bleibt die Herausforderung für die kommenden Jahre“, so Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke im vergangenen Jahr.

Man kann eine Stadt nicht willkürlich wachsen lassen. Neben der Schaffung einer verbesserten Infrastruktur - ein vernünftiges Fahrradwegenetz, gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Parkplätzen - muss der Bezirk Eimsbüttel ein flächendeckendes Netz von Stadtteilzentren bereitstellen.

Dabei versorgen Stadtteilzentren (C-Zentren) in der Regel einen ganzen Stadtteil, Nahversorgungszentren (D-Zentren) nur Teile davon. Aufgabe des Bezirks ist es, diese Zentren gerecht über den Bezirk zu verteilen. 

Theoretisch herrscht also Einigkeit darüber, dass Lokstedt ein eigenes Stadtteilzentrum braucht. Auch die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt empfahl bereits 1997 die Neubewertung und Anpassung des Nahversorgungszentrums (D3-Zentrum) Siemersplatz / Grelckstraße auf das Niveau C. 

Versprochen...gebrochen

Noch im letzten Wahlkampf sah das auch die SPD so. In den Mitteilungen aus dem Distrikt Lokstedt 251 (Januar / Februar 2011) steht klar und deutlich unter der Überschrift Behrmannplatz DRK-Fläche: „Hier bieten sich große Chancen für die Entwicklung des Lokstedter Zentrums.“

Die SPD gewann die Wahl und fuhr das Projekt Behrmannplatz DRK-Fläche prompt gegen die Wand. Grund dafür: Es gab noch ein weiteres Wahlversprechen. Olaf Scholz versprach preiswerten Wohnraum. Jährlich 6000 neue Wohnungen, 30 Prozent davon Sozialwohnungen.

Natürlich hat kein Lokstedter etwas gegen den Bau von Sozialwohnungen. Aber warum ausgerechnet auf einem Grundstück, das die letzte Chance zur Schaffung eines Stadtteilzentrums für Lokstedt bietet, Sozialwohnungen gebaut werden sollen, bleibt unverständlich.

Durch diese völlig unangemessene Forderung wurde das Projekt Zentrumsförderung für Investoren unattraktiv. Der einzig verbliebene Kaufinteressent für ein solch großes Projekt mit integrierten Sozialwohnungen die SAGA bot dann auch einen viel zu niedrigen Kaufpreis, so dass das DRK sich entschloss lieber doch am Behrmannplatz zu bleiben.

Man muss hier das DRK verstehen. Das ist nicht reine Gier. Da das DRK an anderer Stelle in Hamburg einen Neubau errichten muss, um hier wegziehen zu können, ist sie auf den Verkaufserlös angewiesen.

So wurden dann durch diesen grandiosen Verhandlungsflop der SPD alle Ziele verpasst. Kein Wegzug des DRK, kein Zentrum und keine Sozialwohnungen. Allerdings auch keine Stadthäuser. Gar nichts passiert. Das DRK bleibt. Vermutlich verkauft es erst, wenn eine neue Regierung im Amt ist.

Dabei hatte der CDU-Abgeordnete Rüdiger Kruse schon eine Lösung im Streit um die Wohnbebauung entlang der Julius-Vosseler-Straße gefunden: „Durch die Bebauung in der Süderfeldstraße wird mit vielen Dutzend Wohneinheiten zusätzlicher Wohnraum geschaffen." Um mit der Zentrumsentwicklung voranzukommen und die Blockade des DRK zu durchbrechen könnten die Sozialwohnungen ja auch dort gebaut werden.

Es ist nicht einzusehen, dass der Wunsch der Lokstedter Bürger nach einem Zentrum geopfert wird auf dem Altar der Sturrheit der SPD. Die Verhandlungspartner sind aufgefordert an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. Die SPD sollte für dieses Bauvorhaben auf die Verpflichtung Sozialwohnungen zu bauen verzichten, damit das DRK ein fairen Preis für das Grundstück erhält und wegziehen kann. Sodann sollte ein neuer Investor gesucht werden.

Für das zu errichtende Stadtteilzentrum ist die SAGA - sie sollte hier für die Stadt die Sozialwohnungen bauen - vermutlich nicht der geeignete Partner. Das Potential dieses Grundstück hat sie jedenfalls bislang in den Verhandlungen nicht erkannt. Nur so ist zu erklären, dass ihr dieses Top-Grundstück im Herzen Lokstedts nur 6 Millionen Euro Wert war. An diesem unzureichenden Angebot scheiterten letztlich die Verhandlungen.

THW Gelände

Aktuell werden Planungen bekannt, das THW-Geländes aus dem Bebauungsplanverfahren Lokstedt 61 herauszulösen und die Wohnbebauung vorzuziehen. Dies sollte in Interesse der Realisierung einer einheitlichen Bebauung am neuen Lokstedter Zentrum aber unterbleiben. Das THW-Gelände und der Spritzenweg müssen im Bebauungsplan verbleiben, schließlich braucht das Stadtteilzentrum auch einen Platz, einen öffentlichen Raum auf dem Begegnungen stattfinden können. Hierfür wäre der Bereich der Kreuzung Spritzenweg / Stapelstraße / Grelckstraße bestens geeignet, zumal dieser Bereich unmittelbar an die verkehrsberuhigte Zone angrenzt.

Lokstedter Forum
Seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sich das Lokstedter Forum erneut mit der Frage des Lokstedter Zentrums. Im Protokoll der Sitzung vom 18. August 2012 heißt es:
„Der aktuelle Wohnungsbau in Lokstedt verlangt für eine erfolgreiche Entwicklung neben der Schaffung einer verbesserten Infrastruktur die Entwicklung eines Stadtteilzentrums. Auf der Grundlage des anliegenden Diskussionspapiers zum Stadtteilzentrum Lokstedt wird aufgrund der aktuellen Ausgangslage das Thema erneut aufgegriffen. Es herrschte Einvernehmen darüber, dass für Lokstedt ein Stadtteilzentrum entwickelt werden sollte.

Die Politik

Mitte September wurden Vertreter der Bezirksversammlung Eimsbüttel in das Lokstedter Forum eingeladen. Auch nach intensiver Diskussion gibt Rüdiger Rust (SPD), sich zurückhaltend und fasste die Probleme folgendermaßen zusammen:

In Lokstedt hätten sich die Menschen inzwischen gegen ein stärkeres
Stadtteilzentrum entschieden. Die Eckwerte für die Zentrumsplanung des Bezirkes Eimsbüttel sprächen gegen die Umwandlung in ein C-Zentrum.

Die geltenden kommunalpolitischen Beschlüsse sähen in dem Bereich
Behrmannplatz Wohnungsbau vor. (Eine Änderung des B-Planes sei
bisher nicht erfolgt.)

Das Gutachten

Im Februar 2011 schreibt Ralf Beckmann in einem vom Bezirk Eimsbüttel in Auftrag gegebenen Gutachten. Er gibt klare Handlungsanweisungen: „Als weitere städtebaulich-funktionale Entwicklungsempfehlung ist zu prüfen, ob der Zentrenteil Grelckstraße insbesondere durch den Ausbau Frequenz erzeugender Magnetbetriebe räumlich verdichtet werden kann. Für den Zentrenteil Siemersplatz sollte die mangelnde Aufenthaltsqualität deutlich verbessert werden. Ergänzend sollte das Angebot an Lebensmittelmärkten im Teilbereich Siemersplatz durch eine Erweiterung oder einen Neubau gestärkt werden. Gleichzeitig wird die Öffnung der Zentrenbereiche zueinander durch die Schaffung einer attraktiven Wegebeziehung und funktionaler Ergänzungen empfohlen.“

Die sechs Schritte zum Erfolg

Obwohl die Politiker aktuell das Projekt noch nicht mittragen und offensichtlich noch Beratungsbedarf haben, wurde in der Angelegenheit vom Lokstedter Forum ein Stufenplan entwickelt um den Stand der Dinge zu dokumentieren.
Denn es ist an der Zeit, bei den Verantwortlichen Taten einzufordern: Förderung der Quartiers- bzw. Zentrumsentwicklung in Lokstedt ernst nehmen! Es kann nicht zugelassen werden, dass die Zentrumsentwicklung auf Jahre verzögert wird bzw. Lokstedt niemals ein attraktives Zentrum bekommt. Wo werden wir unser Laternenfest, welches auf dem THW-Gelände stattfand, in Zukunft feiern?

1. Lokstedt wird planerisch zum C-Zentrum aufgewertet

Der Bereich Siemersplatz / Grelckstraße ist bislang städtebaulich ein D3 Zentrum. Das bedeutet, dass hier lediglich die Nahversorgung von Siedlungsbereichen gewährleistet wird. Zu wenig für den wachsenden Stadtteil Lokstedt. Im Flächennutzungsplan muss sichergestellt werden, dass Lokstedt – wie die anderen Eimsbüttler Stadtteile Stellingen, Niendorf, Eimsbüttel, Schnelsen, Hoheluft-West – ein Zentrum bekommt, das den primären Bedarf decken kann. Also mindestens ein C-Zentrum. 

2. Bereitstellung der DRK-Fläche / THW-Gelände für die Entwicklung eines Zentrums am Behrmannplatz

Politik und Verwaltung müssen sich klar zu dem Ziel bekennen, dass die Wiederherstellung eines echten Zentrums in Lokstedt im Bereich Behrmannplatz / Grelckstraße prioritär zu verfolgen ist. Alle anderen Ziele - wie z.B. weiterer Wohnungsbau - sind dem gegenüber nachrangig zu verfolgen.

3. Architekten-Wettbewerb

Es sollte erneut ein Architekten-Wettbewerb für das DRK-Grundstück ausgeschrieben werden. Der alte Entwurf stellt die Bebauung mit Stadthäusern in den Vordergrund. Der aktuelle Wettbewerb soll auf den Kernbau eines C-Zentrums am Behrmannplatz ausgerichtet werden.

4. Städtebaulicher Wettbewerb 

Die weitere Quartiersentwicklung wird durch einen städtebaulichen Wettbewerb begleitet. Dieser muss sich an klaren zu entwickelnden Kriterien der sozialen und ökonomischer Funktionalität, Ästhetik und Ökologie orientieren. Es sollte dabei die Grelckstraße, der „kleine“ Behrmannplatz (Kreuzung Grelckstraße / Stapelstraße / Spritzenweg), die Vogt-Wells-Straße sowie der Siemersplatz in die Planungen einbezogen werden. Es müssen attraktive Flaniermeilen, ein Dorf- und Marktplatz (eine geeignete Fläche für einen größeren Markt und für Veranstaltungen), Radwege und Parkplätze geschaffen werden. Die in unmittelbarer Nähe gelegene Potenzialfläche 5.9 (ehemalige Marktfläche) mit der öffentlichen Grünfläche und die THW-Fläche sollte ebenfalls mit in die Planungen einbezogen werden. 

5. Einbeziehen von Bürgerinnen und Bürgern 

Eine städtebauliche Entwicklung für Menschen kann nur mit den Menschen erfolgen. In dem gesamten Prozess sind die Lokstedterinnen und Lokstedter einzubeziehen. Hierfür sind die modernen Mittel der Bürgerbeteiligung (Informationsveranstaltungen, Internetforen, Onlinebefragungen, Mediationsverfahren etc.) einzusetzen.

6. Gewinnen privater Akteure 

Private Investoren sind frühzeitig einzubeziehen, um attraktive Lösungen angesichts knapper öffentlicher Kassen zu finden und in der Realisierung weitgehend unabhängig von staatlicher Haushaltsplanung zu sein.

Ralf Beckmann, Jens Nyhues, Helena Plugge, Sabrina Trela: „Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept für den Bezirk Eimsbüttel“; Februar 2011.

Lesen sie auch die anderen Serienteile:
Teil 1: Das historische Zentrum
Teil 2: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1922 bis 1948)
Teil 3: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1949 bis 1978)
Teil 4: Gescheiterte Versuche der Wiederbelebung (1980 - 2012)
Teil 5: Aktuelle Situation im Jahre 2013
Teil 6: Der letzte Teil. Das historische Zentrum wieder herstellen!

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 12.02.2013