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Serie Lokstedts Zentrum

Ein Leben ohne Zentrum

In einer Serie von Artikeln beschäftigen wir uns mit dem Lokstedter Zentrum.

Teil 5: Aktuelle Situation im Jahre 2013

„Wollen wir hoffen, dass man trotz der angespannten Finanzlage der Stadt in der Lage ist, im nächsten Jahr etwas zu tun, damit Lokstedt endlich einmal ein richtiges Zentrum bekommt." Dieses Zitat aus dem Jahre 1976, entnommen der Lokstedter Zeitung, ist aktueller denn je.

Es gibt Anlass nachzufragen, wie es denn um das Zentrum von Lokstedt bestellt ist und welche Chancen bestehen, dass die Politik nach 37 Jahren den Forderungen der Bürger nachkommt.

Der Siemersplatz

Im November 2012 macht Abendblatt-Redakteur Christoph Rybarczyk für uns eine Bestandsaufnahme. Unter dem Titel: „Mein Abenteuer in Lokstedt“ schreibt er: „Ich radele zum Siemersplatz. Kein Platz wie Place de la Irgendwas oder Piazza de Soundso. Eine der lautesten und schäbigsten Kreuzungen Hamburgs.“

Will man dort eine Wohnung vermieten, dann liest sich das Inserat wie eine Warnung: Besichtigung Mittwoch - Im Rhythmus der Stadt - Geräumige Wohnung am Siemersplatz! Lagebeschreibung: Bitte informieren Sie sich vorab über die Lage des Hauses (Ecke Siemersplatz, Kreuzung und Hauptverkehrsstraße). Das Mehrfamilienhaus liegt an der verkehrsreichen Kollaustraße.“

Und Frau Dr. Monika Schaal, Abgeordnete der Bezirksversammlung für die SPD fügt hinzu: „Immerhin passieren die Kreuzung vier Buslinien und täglich etwa 175.000 Fahrzeuge.“

Aus Niendorfer Sicht, stellt sich das natürlich etwas anders dar. Das Niendorfer Wochenblatt schreibt ebenfalls 2012: „Wurde der Siemersplatz in der Vergangenheit oft auf seine Probleme als Verkehrsknotenplatz reduziert, so mausert er sich mittlerweile zum attraktiven Zentrum für Lokstedt…Damals wie heute ist der Siemersplatz vor allem eins: herrlich lebendig.“

Doch zu offensichtlich hier die Interessenlage der Niendorfer. Sie sind interessiert daran, dass alles bleibt wie es immer war: Seit 1970 wird der Tibarg mit Millionensummen gefördert und regelmäßig umgebaut - manchmal auch verschönert.

Nun möchten die Niendorfer gar im Bereich Niendorf Nord ein zweites attraktives Zentrum. Aktuell bereiten die Landschaftsarchitekten Munder und Erezpsky den Niendorfern viel Freude, sie planen eine Mulitfunktionsfläche in runder Form. Dort wollen dann die Niendorfer entspannt einkaufen, während die Lokstedter ihre Kaufkraft weiter in den Tibarg tragen. Dafür wirbt der Tibarg am Siemersplatz.

Der Siemersplatz bekommt den Todesstoß

Wenn im Herbst 2013 die Straßenarbeiten für das Busbeschleunigungsprogramm am Siemersplatz abgeschlossen sein werden, dann wird es dort keinen Platz mehr geben. Der öffentliche Raum wir dann auf das absolut notwendige Minimum reduziert sein. Jeweils drei Fahrspuren, nebst Abbiegespuren und die Busspuren, auf denen die größten Niederflurbusse der Welt beschleunigt verkehren, werden so eng zwischen die Häuser gequetscht, dass kaum noch Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer bleibt.

Es kommen zwei neue Ampeln hinzu, Fußgänger müssen sich auf längere Wartezeiten auf engeren Verkehrsinseln einstellen und Anwohner auf mehr Lärm. Ältere Bürger werden sich kaum noch wagen, auf die andere Seite zu wechseln.
Die Umbauphase von 21 Monaten verkraften nur wenige der dort ansässigen Geschäfte. Zumal mancher Inhaber noch das schlechte Betriebsergebnis aus dem Jahr 2011 verdaut. 2011 wurde ja schon einmal alles neu gemacht.

Und weitere Bäume werden gefällt werden, die versprochenen Neuanpflanzungen finden aber nur auf den Bauzeichnungen statt. So entnehmen wir aktuell dem Niendorfer Wochenblatt, dass die Bäume - wer hätte das gedacht - nun doch nicht gepflanzt werden können. Verkehrsinseln seien kein idealer Standort für Bäume.

Das alte Dorf

Nachdem nun hinreichend geklärt sein dürfte, dass die Hoffnungen der Lokstedter auf ein Zentrum am Siemersplatz – der nun kein Platz sondern nur noch eine Kreuzung ist - kaum mehr verwirklicht werden können, wenden wir uns dem zweiten Teil des ehemaligen Zentrums zu.

Leider müssen wir zunächst feststellen, dass der Behrmannplatz auch kein wirklicher Platz mehr ist. Zumindest nicht in dem Sinne, dass man dort verweilen möchte oder man etwa sagen würde: „Treffen wir uns doch heute Abend am Behrmannplatz.“

Und es könnte zukünftig noch schlimmer kommen. Schon stellen Verkehrspolitiker weitere Ansprüche an diesen Bereich von Lokstedt: „Der zu beobachtende, leichte Verkehrsbelastungsanstieg ist auf einer ständigen Zunahme des überall festzustellenden Verkehrs in der Vogt-Wells-Straße / Julius-Vosseler-Straße zurückzuführen. Hierdurch sind Ausweichverkehre bei entsprechender Staubildung üblich und kaum zu verhindern, wenn die Hauptverkehrsstraße nicht leistungsfähiger gestaltet ist.“

Das klingt verdächtig nach dem Wunsch die Ost-West-Tangente Vogt-Wells-Straße / Julius-Vosseler-Straße sechsspurig auszubauen.

In der Vogt-Wells-Straße wird diese Woche zudem das älteste Haus Lokstedts, welches einst keinen Denkmalschutz bekommen hatte, abgerissen. Das neue Haus wird weiter sich in die Bebauungsgrenzen einfügen, sodass nur noch ein einziges Haus auf der nördlichen Seite der Vogt-Wells-Straße - das Haus von Glaser Andreas - den weiteren Ausbau der Straße verhindert.

Die Grelckstraße

Nach dem Ende der Ära der Linie 2 war es am Siemersplatz ungemütlich geworden. Zwangsläufig richtete sich der Fokus damals auf den verbliebenen Teil des alten Zentrums. Bei Grigat heißt es dazu: „Lokstedt hatte sich bis 1980 noch eine relative ruhige Einkaufsmeile bewahren können: die Grelckstraße. Hier war noch ein wenig vom altern Lokstedt zu spüren. In den vielen, zum Teil kleinen Fachgeschäften kannte man seine Kunden noch mit Namen. Man hatte Zeit für Beratung und einen kleinen Klönschnack. Die Gemütlichkeit machte den Charme dieser Straße aus. So schien sich allmählich das Einkaufszentrum vom lauten und immer verkehrsreicheren Siemersplatz wieder zum einstigen Ortsmittelpunkt zurückzuverlagern. Der Wunsch der Lokstedter nach einem neuen Ortszentrum war groß. Zahlreiche Umfragen ergaben, dass sich die Grelckstraße als Orts- und Einkaufszentrum geradezu anbietet. 47 % der Bürger sprachen sich für eine Fußgängerzone dort aus, 49 % für eine verkehrsberuhigte Zone, 4,3 % für eine Einbahnregelung. Das Tiefbauamt Eimsbüttel legte einen detaillierten Plan für die Umgestaltung der Grelckstraße als verkehrsberuhigte Zone vor. Der Entwurf fand die einstimmige Billigung des Ortsausschusses. Im Einzelnen sah er Gehwege, Fahrbahn und Parkplätze auf einem Niveau vor, so dass Fußgänger und Autofahrer gleichberechtigt waren. Dadurch wollte man auch erreichen, dass der Durchgangsverkehr aus der Grelckstraße herausgehalten werde. Nach 18-monatiger Bauzeit konnte die "Verkehrsberuhigte Zone Grelckstraße" vom Juli 1985 an wieder befahren werden. Autos konnten sich durch die grüne Oase jedoch nur noch im Schritttempo bewegen. Die Neugestaltung wurde am 31.08.1985 mit einem ‚Lokstedter Dorffest‘ groß gefeiert.“

Kein Erfolgsmodell

Nach 28 Jahren Verkehrsberuhigter Zone Grelckstraße kann nun eine Bestandsaufnahme gewagt werden: Die Verkehrsberuhigung brachte nicht wirklich den Durchbruch. Und das hatte verschiedene Gründe:

• Im Feldhoopstücken wurde massiv gebaut

Die Grelckstraße war historisch betrachtet immer eine Durchgangsstraße gewesen. Schon vor 200 Jahren wurden hier Viehherden durchgetrieben.
Nachdem allerdings Mitte der 1970er Jahr die Julius-Vosseler-Straße mit der Vogt-Wells-Straße verbunden wurde, reduzierte sich der Verkehr in der Grelckstraße. Erst aus diesem Grund konnte man eine Verkehrsberuhigte Straße überhaupt ins Auge fassen. 1994 verfiel man dort sogar auf die aus heutiger Sicht völlig unsinnige Maßnahme mittels Blumenkübeln weitere Verkehrsschikanen einzubauen.
Aktuell hat sich die Situation aber massiv verändert. Feldhoopstücken wurde in drei Stufen massiv bebaut. Brachten die Seniorenwohnungen der ersten Bauphase noch wenig zusätzlichen Verkehr in das ehemalige Arbeiterquartier, herrscht hier häufig stop and go.

• Der Platz fehlt

Auch in der Grelckstraße fehlt zusehends der öffentliche Raum. Stellen Geschäftsinhaber auch nur eine Reihe Tische mit Stühlen auf, wird es schon eng. Es gibt keinen Radfahrweg. Ältere Radfahrer meiden daher das Dorf. Für Aktivitäten oder Veranstaltungen ist die Grelckstraße nur noch an Markttagen geeignet. Dann aber staut sich der Verkehr rings herum. In Ruhe im Café sitzen und auf den Platz schauen, einen Ort im Winter zu haben wo etwa Weihnachtsbeleuchtung Sinn machen würde. Fehlanzeige.

In Niendorf ist dieser so dringend für ein soziales Miteinander notwendige öffentliche Raum selbstverständlich gegeben. Dort können Politiker Stände aufbauen und mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass die Kommunikation der Politiker mit den Lokstedter Bürgern sich so massiv verschlechtert hat.

Ja, man hat wirklich den Eindruck, die Politiker wagen sich nicht mehr auf Lokstedter Straße. Statt dessen treiben sie sich alle auf dem Tibarg rum.

• Ein halbes Zentrum funktioniert nicht

Einst waren der Siemersplatz, die Vogt-Wells-Straße, der Behrmannplatz und die Grelckstraße ein zusammenhängendes Zentrum, das zum Flanieren einlud.
Die sicher gut gemeinten Bemühungen die Grelckstraße, unser altes Dorf, als alleiniges Zentrum zu installieren, sind letztlich gescheitert. Es hat im gesamten Bereich des ehemaligen Zentrums ein schier unglaubliches Sterben der Geschäfte stattgefunden. Man braucht sich nur einmal die tatsächliche Anzahl der dort noch vorhandenen Fachgeschäfte vor Augen zu halten. (REWE mit Nur Hier, zwei Apotheken, ein Kiosk, ein Bäcker und Konditor, eine kleine Parfümerie, ein Restaurant, ein Aldi).

Unterschreitet das Angebot in einem Ortszentrum ein gewisses Maß, verliert das Zentrum seine Attraktivität. Zum Einkaufen muss der Kunde dann sowieso in einen Nachbarstadtteil fahren, dann kann er dort auch den Rest kaufen. Der Familienstadtteil Lokstedt hat nicht mal einen Drogeriemarkt, wo die herziehenden jungen Familien Windel und Babynahrung kaufen können. Viele alte Leute haben Probleme sich zu versorgen.

Da klingt es schon wie Hohn, wenn das Niendorfer Wochenblatt im September 2012 in dem eingangs schon zitierten Artikel über den lebendigen Siemersplatz hinzufügt: er habe mit der nahen Grelckstraße auch noch eine hübsche, ruhige und ebenfalls erfolgreiche Schwester zu bieten.

Kaufkraft wandert ab

Im Februar 2011 schreibt Ralf Beckmann in einem vom Bezirk Eimsbüttel in Auftrag gegebenen Gutachten „Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept für den Bezirk Eimsbüttel“: „Es zeigt sich, dass der Stadtteil Lokstedt über eine unterdurchschnittliche Ausstattung an Lebensmittelverkaufsflächen verfügt. Insofern zeigt auch die Zentralität von 81 %, dass die vorhandene Kaufkraft für Nahrungs- und Genussmittel zum Teil in andere Stadtteile und Gemeinden abfließt.“

Etwa 20 Prozent der Kaufkraft aus dem Bereich Nahrung und Genussmittel wandert also in andere Stadtteile ab! Andere Bereiche, wie Bekleidung, zoologischer Bedarf, Bücher, Drogeriewaren, Schuhe, Lederwaren, Basteln, Hobby, Musikinstrumente, Sportartikel, Möbel und Unterhaltungselektronik Fehlanzeige. Hier wandert die gesamte Kaufkraft in die umliegenden Stadtteile ab, die über ein C- oder B-Zentrum verfügen. 

Die Zeiten haben sich geändert

Die Lokstedter haben sich in den letzten 50 Jahren nach und nach daran gewöhnt, in den Nachbarstadtteilen einzukaufen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Es ist nämlich kein wirkliches Vergnügen mehr, zum Einkaufen mit dem Auto nach Eppendorf, Winterhude, Hoheluft, Niendorf oder zur Osterstraße fahren zu müssen und es führt zudem zu unnötiger Verkehrsbelastung.

So manch einer könnte mindestens auf ein zweites Auto verzichten, wenn er in unmittelbarer Nähe Einkaufsmöglichkeiten hätte, was auch für das Problem der fehlenden Parkplätze und der verstopften Straßen beheben würde.

Außerdem ist dieser anachronistische Einkaufstourismus zudem kontraproduktiv. Je häufiger wir in anderen Stadtteilen einkaufen, desto mehr von den verbliebenen Lokstedter Geschäften erleiden einen tödlichen Umsatzrückgang. Wie sagte noch der im letzten Jahr verstorbene Drogist Hans-Jürgen Stoll? „Kaufe im Dorf!“
Die verbliebenen Einkaufsmöglichkeiten in Lokstedt sind verstreut und unzureichend. Einige Geschäfte sowie ein kleiner Wochenmarkt am Mittwoch in der Grelckstraße, einige Geschäfte im Bereich Siemersplatz / Vogt-Wells-Straße und an der U-Bahn Hagenbecks Tierpark. Es fehlen aber Magnetbetriebe, die dafür sorgen, dass sich in der Grelckstraße und am Siemersplatz wieder attraktive Geschäfte ansiedeln.

Soziale Kontakte

Zudem fehlt es an Orten der Begegnungen. Neben Bürgerhaus, Bücherhalle und Lange Aktiv Bleiben gibt es kaum Alternativen. Kein Kino, Theater oder Kabarett! Kaum Restaurants oder Cafés.

Das Niendorfer Wochenblatt verfrachtet unter dem Titel „ Lokstedt darf auch mal träumen - Visonen für den Behrmannplatz als neue Mitte des Stadtteils“ das Bürgerhaus Lokstedt in das geplante Zentrum am Behrmannplatz: „Das Bürgerhaus könnte seinen Standort hierher verlegen und zu einem regen kulturellen Leben im neuen Quartier beitragen.“

Echte Visionen sehen anders aus. Eine wirkliche Herausforderung wäre ein Stadtteilkulturzentrum in der seit Jahren brachliegenden Amsinck-Villa auf dem Liethberg. Die gute öffentliche Verkehrsanbindung (U-Hagendeel) könnte im Amsinckpark eine bedeutende Location mit Restaurant / Café entstehen. Hier könnten sogar Open-Air-Konzerte stattfinden. Ein echtes Highlight für den Bezirk Eimsbüttel!

Doch dies sind Träume, die über den Wunsch nach einem Zentrum weit hinausgehen. Derzeit fehlt es an allen Ecken und Kanten. Es fehlt an einem attraktiven Geschäftemix für die über die einfachsten Dinge des täglichen Bedarfs hinaus gehende Versorgung - und es fehlt an Parkplätzen.

Lokstedt wächst

In den Jahren von 1998 bis 2007 gehörte Lokstedt zu den zehn Stadtteilen, die den größten Einwohnerzuwachs hatten. In diesem Zeitraum nahm die Einwohnerzahl um 1700 Menschen zu. Heute leben 26.136 Einwohnerinnen und Einwohner auf 4,9 Quadratkilometern. Lokstedt ist mit 5.334 Einwohnerinnen und Einwohner pro Quadratkilometer deutlich dichter besiedelt als die Stadt insgesamt (2.382 Einwohnerinnen und Einwohner pro Quadratkilometer) und auch dichter als der Bezirk Eimsbüttel. 14,7 % der Bevölkerung Lokstedts ist unter 18 Jahren. Der Anteil von ausländischen Bürgerinnen und Bürgern entspricht dem Hamburger Durchschnitt.

Und Lokstedt wird weiter wachsen. Ständig entstehen neue Quartiere, in vielen anderen Straßen wird zudem die Wohnbebauung verdichtet. Fast immer wenn ein Einzelhaus abgerissen wird, wird dort ein Mehrfamilienhaus gebaut. Schon bestehende Mehrfamilienhäuser, wie aktuell am Lokbekstieg - bekommen eine Etage oben drauf. Sportplätze und Garagen werden abgerissen und ganze Wohnblöcke gebaut. So verliert Lokstedt seinen Charme. Dies gilt ganz besonders für die alten Villengebiete in den ehemals ruhigen Wohnstraßen der Lokstedter Wurzel (Zylinderviertel).

Eine aktuelle Prognose sagt für Lokstedt bis zum Jahre 2020 mit 9 Prozent das höchste Bevölkerungswachstum im Bezirk Eimsbüttel vorher. Zum Vergleich: In Niendorf wird die Bevölkerung gar um 3 Prozent zurückgehen.

Ein Leben ohne Zentrum

Die Fakten zeigen, dass Lokstedt als moderner, vielfältiger, nach wie vor grüner und expandierender Wohnort in der Mitte der Stadt angekommen ist - ein Rohdiamant im Bezirk Eimsbüttel.

Derzeit ziehen massenhaft junge Familien nach Lokstedt. Vorbei die Zeiten als sich solche Familien auf dem Lande ansiedelten. Die Politik der wachsenden Stadt und die Kraftstoffverteuerung zeigen hier ihre Wirkung.

Anstatt mit zwei Autos pro Familie am Rande der Stadt zu leben, verzichten diese jungen Familien auf mindestens eines ihrer Autos. Sie nehmen die hohen Preise für Wohnraum in Lokstedt hin, haben aber auch Erwartungen. Kann Lokstedt diese Erwartungen erfüllen? Brauchen sie auch hier zwei Autos?

Das historische Zentrum Lokstedts – der Behrmannplatz – liegt lediglich 6,5 Kilometer vom Jungfernstieg entfernt. Zum Vergleich: Ein Blankeneser muss eine mehr als doppelt so große Distanz bis zum Jungfernstieg zurücklegen, ein Bewohner Volksdorfs sogar die dreifache Strecke.

Trotz all dieser Highlights fehlt den Lokstedtern etwas, dass die Volksdorfer oder Blankeneser haben. Ein echtes Zentrum!

Zumindest in ihren Wahlversprechungen und Koalitionsvereinbarungen haben die Parteien dies bereits verstanden. Unter dem Titel: „Lebendiges Eimsbüttel: sozial, bürgernah, umweltbewusst“ heißt es in der Vereinbarung über die Zusammenarbeit in der Bezirksversammlung Eimsbüttel zwischen der SPD und der GAL in der Legislaturperiode 2011 - 2014: „Für diese Legislaturperiode haben wir uns Folgendes vorgenommen: Maßnahmen zur Entwicklung und Stärkung der bezirklichen Zentren (Hoheluft, Osterstraße, Frohmestraße, Siemersplatz / Grelckstraße, Tibarg, Eidelstedt) sollen auf Grundlage des Einzelhandels- und Nahversorgungskonzeptes weiterentwickelt und unterstützt werden. Die Attraktivitätssteigerung der Zentren ist wichtig für die weitere Entwicklung der Stadtteile.“

So bekommt Stellingen bald eine neue Mitte und auch das Zentrum in Eidelstedt soll attraktiver gestaltet werden.

Obwohl das Bebauungsplanverfahrens Lokstedt 61, gültig für das Gelände des DRK und des benachbarten THW, ganz klar die Stärkung der Zentrenfunktion fordert, verhindern uneinsichtige Politiker die Umsetzung. Durch die völlig unangemessene Forderung ausgerechnet hier Sozialwohnungen zu bauen, wurde das Projekt Zentrumsförderung für Investoren vergiftet. Der einzig verbliebene, dem DRK aufgedrängte Kaufinteressent die SAGA, bot dann auch erwartungsgemäß einen viel zu niedrigen Kaufpreis, so dass das DRK sich entschloss, lieber doch vorerst am Behrmannplatz zu bleiben.

Man hat den Eindruck, dass die Politker den Deal mit dem Deutschen Roten Kreuz absichtlich haben platzen lassen. So, und nicht anders, muss man die zynischen Worte des Kommunalpolitkers Rüdiger Rust (SPD) im Lokstedter Forum deuten: „Ich brauche kein Einkaufszentrum in Lokstedt. Ich gehe zu Fuß (vom Rimbertweg) zur U-Bahn Hagenbeck und fahre zum Einkaufen zum Tibarg.

Quellen:
Horst Grigat: „Hamburg – Lokstedt, von der Steinzeit bis zum Jahre 2000“.

Ralf Beckmann, Jens Nyhues, Helena Plugge, Sabrina Trela: „Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept für den Bezirk Eimsbüttel“; Februar 2011.

Lesen sie auch die anderen Serienteile:
Teil 1: Das historische Zentrum
Teil 2: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1922 bis 1948)
Teil 3: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1949 bis 1978)
Teil 4: Gescheiterte Versuche der Wiederbelebung (1980 - 2012)
Teil 5: Aktuelle Situation im Jahre 2013
Teil 6: Der letzte Teil. Das historische Zentrum wieder herstellen!

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 09.02.2013