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Neugestaltung der Grelckstraße

177 weiße Grabsteine

Einst war das Ortsviertel, das sich vom Siemersplatz über die Vogt-Wells- und die Grelckstraße bis hin zum Rütersbarg erstreckte, der gesellige Mittelpunkt Lokstedts.

Der Behrmannplatz ist zudem das historische Zentrum Lokstedts. Das hat der Grelckstraße den Beinamen „im Dorf“ beschert.

Zum Siemersplatz gelangten die Ausflügler aus Hamburg mit der Bahn, kehrten dort im „Lindenpark“, dem „Lokstedter Lindenhof“ oder „Bei der Doppeleiche“ - später „Alwin Münsters Gasthof“ - ein. Sie flanierten durch die heutige Vogt-Wells-Straße vorbei an Post und Feuerwehr. Am Behrmannplatz lag malerisch der „Gasthof Münster“ - das spätere „Palmencafé“ - und in der Grelckstraße schließlich der „Holsteinische Hof“.

Noch bis in die 1970er Jahre hinein, gab es zwischen Siemersplatz und Grelckstraße ein reichhaltiges Angebot an Einzelhandelsgeschäften. Fisch- und Gemüsehändler, Bäckereien, Konditoreien, Schlachter, Feinkost, Kolonialwaren, Kurzwaren, Schuster, Schreibwaren. Ein wahres Paradies.

Dann wurde die Julius-Vossler-Straße ausgebaut, was den Lokstedtern zwar eine direkte Anbindung an die A7 und den Elbtunnel brachte. Doch die neue Ost-West-Route, die am Siemersplatz die bestehende Nord-Süd-Verbindung kreuzt hatte verheerende Folgen für den ganzen Stadtteil.

Das Zentrum gesprengt, Lokstedt viergesteilt. Der Verkehr nahm zu und in der Folgezeit setzte ein beispielloser Niedergang des Lokstedter Einzelhandels ein.

Die Grelckstraße wurde 1983 - ungefähr als der Tibarg die Wellen bekam - erstmals umgebaut. Der Durchgangsverkehr sollte ferngehalten werden. Es wurden Schikanen eingebaut. Die Stapelstraße wurde zur Anwohnerstraße, um das Verkehrsaufkommen weiter zu reduzieren.

Von diesem Eingriffen hat sich die Grelckstraße bis heute nicht erholt. Der Verkehr fließt zäh, er muss sich durch die Straße schlängeln.

Wie sieht es heute aus?

Im verkehrsberuhigten Teil der Grelckstraße zwischen Stapelstraße und Rüterbarg geht es im Gegensatz zum restlichen Zentrum Lokstedts noch recht dörflich zu.

Um kleinere Besorgungen zu machen, macht der Lokstedter hier gerne halt. Geblieben sind lediglich ein Sonnenstudio mit Café und angegliederter Boutique, eine Apotheke, ein Zeitschriften- und Tabakladen mit Lotto, ein Blumenladen, Bäckerei / Konditorei Horn mit Café, ein Restaurant, zwei Spielzeuggeschäfte, ein Änderungsschneider, ein Friseur mit Kosmetikstudio, Schlecker und die Drogerie / Parfümerie Stoll, die auch Schuster- und Teppichverlegedienste anbietet. Mittwochs ist Wochenmarkt.

Der alte Baumbestand schafft eine behagliche Atmosphäre - und es stehen auch noch einige historische Gebäude. Es gibt zudem einige Wipptiere für Kinder und Bänke zum verweilen. Der jährlich stattfindende Flohmarkt in der Grelckstraße ist für die Lokstedter ein großes Ereignis.

Seit dem Umbau im Jahre 1983 war die Grelckstraße eine Spielstraße, in der es hieß Schritttempo zu fahren. Für eine Spielstraße fuhren die Autos in der Grelckstraße aber viel zu schnell, da konnte kein Kind sicher sein.

Im Oktober 2009 wurde daher Tempo 20, schlicht durch Schildertausch, ohne begleitende Maßnahmen, eingeführt. Dadurch wurde mittelfristig die Neugestaltung der Grelckstraße erforderlich, denn das erhöhte Tempo der Autofahrer hat ein Schlaglicht auf die Probleme der Grelckstraße geworfen:

• Die Grelckstraße ist durch die eingebauten Schikanen zu eng für das gestiegene Verkehrsaufkommen.

• Die quer zur Fahrtrichtung parkenden Autos nehmen der Straße den Raum, der dringend für Fußgänger und Radfahrer benötigt würde.

• Als Folge des aufgehobenen Spielstraßen-Status gibt es nun Autofahrer, die noch schneller als 20 km/h durch die Grelckstraße fahren.

• Für ältere Menschen ist ein Seitenwechsel ohne Risiko kaum möglich.

• Es gibt viel zu wenig Parkplätze. Die wenigen sind von Dauerparkern blockiert. Falschparker behindern den Verkehrsfluss und die Fußgängerwege.

• Die Parkplätze sind schlecht von den Fußgängerwegen abgegrenzt.

• Der Gehweg ist an einigen Stellen sehr eng.

• Es gibt keinen Fahrradweg, Kinder bis zum 8. Lebensjahr müssen, Kinder bis zum 10. Lebensjahr dürfen, daher auf dem Fußgängerweg fahren.

• Für Fußgänger ist der Übergang zu beiden Seiten außerhalb der verkehrsberuhigten Zone gefährlich, da es keine Übergänge gibt.

• Die Beleuchtung ist schlecht.

• Die meisten Lokstedter fahren zum Einkaufen nach Eppendorf, Niendorf, Eimsbüttel und Winterhude, weil sie dort ein reichhaltigeres Angebot vorfinden, Parkplätze und ein in sich geschlossenes Einkaufsviertel, dass zum Bummeln geeignet ist. Hans-Jürgen Stoll, seit 1977 Besitzer der 1882 gegründeten Drogerie in der Grelckstraße, quitttierte dies mit einer Ermahnung: „Kaufe im Dorf!“

Politische Diskussion

Die Lokal- und die Bezirkspolitik beschäftigt sich seit nunmehr zwei Jahren intensiv mit diesem Thema. Es wurde geprüft, Radarmessungen wurden durchgeführt, Stellungnahmen wurden eingereicht. Es wurde ein unglaublicher Maßnahmenkatalog diskutiert, der die Attraktivität der Grelckstraße als Herz Lokstedts und Nahversorgungszentrum für den Stadtteil sichern und erweitert sollte. Es wurde erwogen:

• Entschleunigung durch Verlängerung der gepflasterten Straße um 20 Meter in Richtung Süden bis vor die Kreuzung zum DRK-Gelände oder andere bauliche Maßnahmen.

• Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit, Entschleunigung durch andere bauliche Maßnahmen durch eine andere bauliche Straßenführung, Bodenschwellen, Kübel oder Bauminseln.

• Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h auf 10 km/h.

• Erweiterung und Überwachung der beschränkten Parkzone gen Norden und Süden. Überwachung der maximalen Parkdauer - maximal 2 Stunden mittels Parkscheibe.

• Die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit fortwährend zu überwachen.

• Abmarkierung neuer Stellplätze und des Fußweges.

• Das Erscheinungsbild der Straßenbeleuchtung solle modernisiert, zumindest aber die Beleuchtung heller werden.

So breit gefächert der Maßnahmenkatalog auf den ersten Blick auch anmutet, so engstirnig die Sicht der Verkehrspolitiker. Wie meist geht deren Sicht am Kern des Problems vorbei.

Was wurde nicht diskutiert?

Seit 1983 sind viele neue Anwohner ins Viertel um die Grelckstraße gezogen, insbesondere in die Neubausiedlungen Feldhoopstücken. Da die Straße aber keine eigene Anbindung an die Kollaustraße hat, nehmen die meisten Anwohner mit ihren Autos den kürzesten Weg durch die Grelckstraße um morgens zur Arbeit zu gelangen.

Und es gibt natürlich auch direkte Anwohner der Grelckstraße, die wie es heute üblich ist, eine Wohnung haben, einen Stellplatz, aber zwei Autos. In ganz Lokstedt sind die Straßen mit parkenden Autos verstopft.

Nicht nur für diese direkten Anwohner, ist die Grelckstraße der Mittelpunkt des alten Dorfes. Es gibt Lokstedter, die etwas weiter weg wohnen und daher schon immer mit dem Auto dort hingefahren sind. Die kommen vom Baarkamp, Wullwisch, Jägerlauf, Brunsberg, Veilchenweg.

Da es nunmal so ist, wie es ist, sollte natürlich auch die Grelckstraße einen vernünftigen Teil des Verkehrs aufnehmen. Warum also die Schikanen? Warum plant man weitere Hindernisse? Der notwendige Verkehr sollte zwar nicht durch die Grelckstraße rasen, aber er muss nun mal abgewickelt werden.

Vielleicht wäre es vernünftig mehr Raum zu schaffen, indem die Auto wieder längs der Fahrtrichtung parken und die Schikanen entfernt würden: die Grelckstraße einfach so wieder herzurichten wie sie immer war - bis 1983.

Vielleicht aber, sollten auch bei uns im Dorf Autofreie Zonen geschaffen, das Radfahren gefördert werden. Man hätte einen roten breiten Fahradweg anlegen können. Aber, wenn man die Grelckstaße ganz schließen würde, dann müsste man statt dessen Feldhoopstücken in die Kollaustraße münden lassen und Parkplätze im Norden und Süden schaffen.

Vielleicht hätte man auch das neue Bauvorhaben am Behrmannplatz mit in die Planungen einbeziehen müssen und hätte dort eine große Parkfläche geschaffen oder gar ein Parkhaus. Aber nun sieht es so aus, als ob dort überwiegend weitere Wohnungen gebaut würden. Das heißt dann noch mehr Autos und noch mehr Verkehr.

Aber all diese Möglichkeiten wurden gar nicht diskutiert.

Es kam wie es kommen musste

Auf einen Etat von 15.000 Euro hatte man sich schließlich in der Bezirksversammlung geeinigt. Die CDU hatte 50.000 Euro gefordert.

Wegen des Endes des Haushaltsjahres und der anstehenden Haushaltskonsolidierung hatte man aber Angst, dass dieser Etat auch wirklich bereit stehen würde, wenn er dann gebraucht würde. Es wurde also gehandelt bevor für die Grelckstraße ein wirkliches Konzept erstellt wurde.

Es kam wie es kommen musste. Das bereitgestellte Geld wurde zum größten Teil vergeudet.

Bereits im Sommer kamen 17 ganz nett anzusehende, an den Markttagen herausnehmbare Metallpfosten um das Parken auf den Gehwegen zu verhindern.

Was auch gelungen ist. Nur dass der gegenüber des Drogeriemarktes „Schlecker“ abgegrenzte Fußweg viel zu schmal ausgefallen ist. Wenn da die Hecken und Bäume nicht regelmäßig beschnitten werden, bleibt kaum ein Meter für die Fußgänger.

Dann sah man zwei fleißige Arbeiter, Gärtner mit einen Bagger, die Löcher in die Erde bohrten. Auf Nachfrage sagten sie, dass sie die Holzpoller austauschen würden, da die alten Poller ständig angefahren würden. Es würden nun neue Granitpoller gesetzt, die seien dazu da, richtig schöne Beulen in die Autos zu machen.

An diesem Wochenende waren es bereits 177 potentielle Beulenbringer, die die fleißigen Gärtner gesetzt hatten. Und es stehen noch einige Holzpoller.

Nur da wo sie vielleicht Sinn gemacht hätten, z.B. vor Schlecker um den alten Baum zu sichern, steht keiner.

Machen solche Poller überhaupt Sinn?

Die neuen Poller werfen einige Fragen auf:

• Darf die Bezirksverwaltung Autofahrer durch solche Poller mutwillig bestrafen? Ist das nicht eigentlich Sachbeschädigung? Würde es nicht ausreichen für das Parken auf den Beeten Strafzettel zu verteilen? Es mag sein, dass Autofahrer gelegentlich über die Abgrenzungen und Rabatten gefahren sind. Aber mussten es wirklich gleich Granitpoller sein? Einen Holzpoller fährt auch keiner absichtlich an, der Schaden hält sich aber in Grenzen. Ganz anders bei einem Poller aus Granit: Einer der neuen Granitpoller ist bereits umgeknickt. Heute morgen war vor der Bäckerei Horn auf einem regulären Parkplatz zu sehen, wie ein Beifahrer seine Tür vorsichtig öffnete und gleich schaute ob er eine Delle in der Tür hatte.

• Wie werden die Marktbestücker mit den Pöllern zurechtkommen, wenn sie Ihre Anhänger hin und her rangieren?

• Für was sind die Poller eigentlich gut? Die Parkplätze sind jedenfalls dadurch nicht mehr geworden.

• Helfen diese Pöller wirklich der Grelckstraße und den dort verbliebenen Gewerbetreibenden? Ist es im Sinne der dort noch ansässigen Einzelhändler, die Kunden zu vertreiben? Es wäre doch wirklich schade, wenn die vielen Neu-Lokstedter aus den Neubaugebieten der Emil-Andresen-Straße, des Veilchenwegs usw. das Zentrum ihres Stadtteils wegen der Unbequemlichkeiten, der Schikanen und der Polller gar nicht annehmen würden. In einigen Gemeinden wurden solche Poller genau aus diesen Gründen schon wieder abgeschafft. Dort hatten die Poller mehr Schaden als Nutzen angerichtet.

• Wer trägt die Verantwortung wenn Kinder mit dem Fahrrad stürzen sich an diesen Pollern verletzen?

• Sind auf so eine kurzen Strecke 177 weiße Granitpoller attraktiv? Vor der Bäckerei „Horn“ ist das Beet gleich nett mit Blumen und Pflanzen arrangiert worden. Mit den weißen Pollern sieht es allerdings eher aus wie ein Grab.

Zusätzlich steht nun ein neuer Baum in der Grelckstraße - statt einem Parkplatz. Das Geld hat auch noch dafür ausgereicht auf die sieben alten Laternen neue Laternenköpfe zu montieren.

Heller ist es dadurch aber nicht geworden, denn die Laternen stehen meist weit weg von Fußgängerweg. Und attraktiver sind die neuen Laternenköpfe wohl auch nicht.

Das war es dann wohl mit der Neugestaltung der Grelckstraße und den 15.000 Euro. Mit solcher Verkehrspolitik schaufelt man das Grab für den Einzelhandel und für das Zentrum von Lokstedt.

Weit gekommen wäre man mit dem Geld allerdings nicht. Wenn man richtig etwas für die Grelckstraße erreichen möchte, etwa ein Rückbau der Schikanen, dann sollte man sich in der Etatgröße in etwa am Tibarg orientieren. Dort hat alleine der Rückbau der Wellen 650.000 Euro gekostet.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 22.11.2011