Lokstedt-Bücher

Manch anregendes Gespräch

Die Autorin Helene Koden gab im Jahre 2005 ihr Lokstedt-Buch heraus. Es erzählt auf über 400 Seiten Geschichte und Geschichten aus Lokstedt und illustriert diese mit über 400 Fotos, darunter viele bisher unveröffentlichte Aufnahmen, die Lokstedter aus ihren Privatarchiven zur Verfügung gestellt haben.

Mit ihrer Arbeit an dem rundum gelungenen Buch* wollte Koden uns Lokstedtern Mut machen, selbst einmal etwas über Lokstedt aufzuschreiben. Bei der Freizeitautorin Koden (Jahrgang 1923) fing das Projekt Lokstedt-Buch allerdings wie von selbst an: „Zu meiner eigenen Verwunderung fing ich im Alter mit großem Interesse mit dem Sammeln von Lokstedtbildern an. Hinzu kam dann das Schreiben eigener Erinnerungen“, schreibt die Autorin über sich selbst.

Und so begab sie sich auf die Suche nach weiteren Bildern zu denen sie etwas Schreiben konnte, aber auch auf die Suche nach Menschen, die ihr eine besondere Geschichte aufschreiben oder erzählen konnten. So traf sie viele Lokstedter und etliche haben mit ihren Texten oder ihren Erinnerungen, die die Autorin dann in ihre Geschichten einfließen ließ, das Buch bereichert.

Koden führte Dutzende Interviews. Bei einem dieser Gespräche fand sie auch ihren Co-Autor Herbert-G. Rantzow (Jahrgang 1931). Beide, Koden und Rantzow, sind sie in Sichtweite von Hagenbeck’s Tierpark und dem Liethberg aufgewachsen. Somit teilten sie natürlich etliche Kindheitserinnerungen.

Aus dieser Perspektive heraus. Den Blick vom Westen, der Grenze zu Stellingen, nach Lokstedt gerichtet, setzt ihr Buch an. Und die gesamte Region zwischen Gazellenkamp, Grelckstraße und der Erlenstraße ist damit natrugemäß ein wesentlicher Schwerpunkt dieses anregenden Buches.

Schier unglaublich, was die Autoren alles zusammengetragen haben. Die von Hand geschriebenen Geschichten von Klaus Knuth, der in der Grelckstraße aufwuchs. Rantzows Jugend als Ponyjunge bei Hagenbeck. Unmengen von Fotografien, Grafiken, Faksimiledrucken, alten Postkarten und vielem mehr. Und wer kennt schon noch das Lokstedt-Lied und hat die Noten dazu parat?

Erinnerungen leben auf. So erzählt Carla Hass, wie sie die Nacht erlebte, als ein von der Flak abgeschossenes britisches Flugzeug mitten in den Innenhof der Siedlung Heimat krachte: „Urplötzlich ein Knall, der gar nicht zu beschreiben ist. Wir kauerten dicht an dicht auf dem Boden des bebenden Hauses. Keiner hat geglaubt, dass wir je lebend dort wieder herauskommen würden.“

Selbst der 1982 verstorbene und heute vergessene Lokstedter Postbote Walter Spahrbier, bekannt aus Peter Frankenfelds TV-Show „Vergiss-mein-nicht“, findet eine Erwähnung. Das Buch ist wirklich ein Sammelsurium von Lokstedtensien. Wer weiß wohl noch, dass die Elefanten von Hagenbeck häufig durch Lokstedt geführt wurden, wenn es galt schweres Gerät zum Schmied zu befördern.

Mit schier unglaublichen Details wartet das Autorenteam auf, ihre Kenntnisse unerschöpflich auch auf den letzten 100 Seiten, in denen es vom Obelisken an Heckenrosenweg bis nach Neulokstedt geht.

So fehlt denn auch nicht Lokstedts bekanntester Schriftsteller Hubert Fichte, nachdem aktuell ja in Lokstedt ein vom Grandweg abgehender Weg benannt werden soll. Rantzow ist eine Zeitlang mit ihm auf die „wissenschaftliche Oberschule Lokstedt“ gegangen. Mit dem sensiblen Fichte (Jahrgang 1935), der sich schon im Knabenalter mit den Problemen von Erwachsenen beschäftigte, führte der einige Jahre ältere Rantzow auf dem gemeinsamen Schulweg durch das Niendorfer Gehege so manches anregende Gespräch.

www.kubi-net.de/index.html

*Helene Koden: „Unvergessenes Dorf Lokstedt. Betrachtungen, Impressionen, Erinnerungen°. Eigenverlag, Hamburg; 416 Seiten; 49,50 Euro.

Das Buch ist nicht im Handel, aber es sind noch wenige Hundert Exemplare verfügbar, die ihre Tochter aktuell verkauft. Bestellung unter traute_daukub@yahoo.de oder Tel. 04101 68380 (kostenfreier Versand).

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© Lokstedt-online 07.02.2013