Leserbrief

Warum eigentlich keinen Tunnel?

Das Grundübel, welches für den Niedergang des Siemersplatzes allein verantwortlich zeichnet, ist der Autoverkehr. Ohne die unerträglichen Blechkolonnen bräuchte es keine "Busbeschleunigung". Oder halt, ich formuliere es treffender: Solange die verantwortlichen Politiker und Verkehrsplaner in ihrem ewig gestrigen Betondenken verhaftet sind und sich weigern, zu erkennen, dass die Zeit des Automobils in Ballungsräumen dabei ist abzulaufen, wird es nicht möglich sein, Hamburg lebenswerter zu machen. Das gilt in der gesamten Stadt und nicht nur für den Siemersplatz. Die Betroffenen Anwohner müssen darunter leiden, dass andere zu bequem sind, auf's Auto zu verzichten. Wir bezahlen die "Busbeschleunigung", damit die Autos weiterhin den Platz haben, den sie vermeintlich "beanspruchen". Verkehrte Welt! Warum eigentlich keinen Tunnel unter den Siemersplatz für die Autos, den die Autofahrer selbst finanzieren? Ja, warum eigentlich nicht?

Warum reserviert man nicht einfach einen der vielen Fahrstreifen für Busse? Dann hätten die Autos eben einen weniger. Na und? Auch die Kosten wären minimal. Die Frage ist, ob wir Hamburger für ewig diese alles zerstörenden Blechlawinen ertragen wollen oder nicht. Lebensqualität an Orten wie dem Siemersplatz UND ungebremsten Kraftfahrzeugverkehr kann und wird es niemals gemeinsam geben können. Hunderttausende Pendler wohnen ruhig "im Grünen", verpesten und verstopfen aber Tag für Tag unsere schöne Stadt mit ihren Blechkarossen! Wie lange wollen wir das noch klaglos hinnehmen? Der ÖPNV, eine starke Förderung des Radverkehrs und neue Verkehrskonzepte können nur die Lösung bringen! Flankiert von einer City-Maut (City = ganz Hamburg).

Olaf Scholz versagt hier genau so kläglich, wie alle seine Vorgänger! Er setzt, ohne die Zeichen der Zeit erkennen zu wollen, weiterhin auf das Auto als Verkehrsträger Nummer eins in Hamburg. Das wird sich schon bald bitter rächen, nicht zuletzt in Form von horrenden Kosten. Warum wagt er keinen Blick nach Kopenhagen oder zu den Niederlanden? Dort hat man längst erkannt, dass Städte wesentlich attraktiver werden, wenn ihr "Verkehr" bevorzugt aus öffentlichem Nahverkehr und Radverkehr besteht. Die meisten Bürger sind überaus zufrieden damit!

Auch beim Siemersplatz müssen die Planer die Verwaltungsvorschriften beachten! Sollten nach dem Umbau Radfahrer unverändert auf unzumutbare, handtuchbreite "Radwege", die ein hohes Konflikt- und Gefahrenpotential aufweisen, verbannt werden, sehe ich in meiner Kristallkugel das Hamburger Verwaltungsgericht auf den Plan treten. Dieser Autowahn muss endlich ein Ende haben. Umwelt- und menschenfreundlichen Verkehrssystemen muss die Zukunft gehören. Eine Person, eingehüllt in zwei Tonnen Blech kann und darf hingegen keine Zukunft haben!

Lutz Räbsch
22529 Hamburg

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© Lokstedt-online.de 08.01.2013