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Serie Lokstedts Zentrum

Der Anfang vom Ende

In einer Serie von Artikeln beschäftigen wir uns mit dem Lokstedter Zentrum.
Teil 2: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1922 bis 1948).

Wie wir im ersten Teil dieser Serie zum Lokstedter Zentrum sahen, war Lokstedt in den 1920er Jahren ein beliebter Ausflugsort, eine reiche Gemeinde im schleswig-holsteinischen Kreis Pinneberg mit prächtigen Villen und Parks.

In den Straßen wurde flaniert und die Nachkommen der seit Jahrhunderten hier ansässigen Familien konnten ihr Land zu Spitzenpreisen verkaufen oder verpachten. Horst Grigat beschreibt in seinem Buch Hamburg-Loksted treffend: „Aus Bauern wurden vorstädtische Grundbesitzer.“

Noch konnte man getrost von einer ländlichen Idylle sprechen. Zwar gab es bereits zu diesem Zeitpunkt Anzeichen eines bevorstehenden Wandels, bisher aber waren die Lokstedter meist recht glimpflich davon gekommen, wenn sich die politischen Verhältnisse geändert hatten.

Dies lag allerdings auch daran, dass die Lokstedter Bürger früh begonnen hatten, ihre Geschicke selbst zu bestimmen.

Ortsverein von 1877 / Bürgerverein zu Lokstedt von 1888

30 unruhige Jahre seit der Erhebung gegen die Dänen im Jahre 1848 ließen in Lokstedt den Bürgersinn erwachen. Seit 1867 preussisch, 1870/71 im Felde gegen die Franzosen, war man 1872 froh am heutigen Behrmannplatz eine Friedenseiche pflanzen zu können.

Um zukünftig verstärkt Anteil am kommunalen Leben nehmen zu können, gründeten die Lokstedter Bürger bald darauf (1877) einen Ortsverein, der 1888 in den Bürgerverein zu Lokstedt überging. An der Gründungsveranstaltung im Schillingschen Gasthof nahmen 57 Personen teil und die Namen der frühen Mitglieder sind Legende. Nach einigen von ihnen sind unsere Lokstedter Straßen heutzutage benannt: Wells, Behrmann und Sottorf.

Vornehmstes Ziel des Vereins war die Förderung der Interessen Lokstedts, seine Stärkung in kommunalen Angelegenheiten. Aber auch der Unterstützung Bedürftiger hatte man sich verschrieben.

50 Jahre lang war der Bürgerverein zu Lokstedt eine schlagkräftige Organisation. Der Verein half Ärzte und Apotheker in Lokstedt anzusiedeln, spendete bei Überschwemmungen, der Hamburger Choleraepidemie von 1892, half beim Aufbau nach der großen Feuersbrunst in Lokstedt von 1899, beschenkte bedürftige Kinder zu Weihnachten und stiftete Kleidung für so manchen Konfirmanden.

Auch das erste Wartehäuschen an der Straßenbahnhaltestelle Siemersplatz und die erste öffentliche Fernsprechstelle in Lokstedt sind dem Verein zu verdanken.

Gründung eines Verschönerungsvereins

1899 organisierte der Bürgerverein die Gründung eines Verschönerungsvereins, der sich ausschließlich um Verbesserungsmaßnahmen in Lokstedt kümmerte.

Der Heimatschutz wurde nach dem ersten Weltkrieg durch den Bürgerverein gestärkt. „Als in der ersten schweren Nachkriegsjahren Entsittlichung und und Zuchtlosigkeit immer mehr um sich griffen, als die Unsicherheit immer größer wurde, als die Zahl der Diebstähle und Einbrüche in erschreckender Weise sich mehrte, da hat der Bürgerverein sich mit aller Kraft eingesetzt für Leben und Eigentum der Einwohnerschaft, indem er einmal den Heimatschutz tatkräftig unterstütze und zum anderen bei den maßgeblichen Behörden mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirkte, dass die Zahl der Polizeibeamten vermehrt und die Organisation des gesamten Polizeiapparates verbessert wurde“, begründen Hansen und Sottorf im zweiten Band der Kollauer Chronik diesen Einsatz.

Ein Erfolg des Bürgervereins war im Jahre 1924/25 der Kampf gegen die Sandgrubenplagen. Dort wo heute Kinder auf dem Sportplatz des Gymnasiums Corveystraße spielen, war damals eine Müllkippe auf der Hamburger Hausmüll und Unrat entsorgt wurde. Es kam zu üblen Gerüchen und einer Rattenplage. Der Bürgerverein erreichte, dass die Gruben mit Baumaterial aus dem Hamburger U-Bahn-Bau verfüllt wurden.

Nach der Abwendung dieses hygienischen Problems konnte der Verein sich wieder verstärkt politischen Themen zuwenden. Die Kollauer Chronik schreibt: „Den Schwerpunkt aller kommunalen Angelegenheiten in den Jahren 1925 bis 1927 bildete die Eingemeindungsfrage. Der Bürgerverein ist fortlaufend über den jeweiligen Stand der Groß-Altona-Frage bzw. des Unterelbe-Problems unterrichtet worden.“

Das ist reichlich untertrieben. Der Bürgerverein zu Lokstedt hatte einen großen Anteil daran, dass der Abwehrkampf gegen die Eingemeindung in Altona gewonnen wurde.

Bildung der Großgemeinde Lokstedt, Niendorf und Schnelsen

Leider besiegelte das Unterelbegesetz vom 8.7.1927 auch das Ende des Bürgervereins zu Lokstedt. Mit dem Zusammenschluss der Gemeinden und der Bürgervereine hörte der so erfolgreiche Bürgerverein zu Lokstedt auf zu existieren. Nie wieder gab es danach einen Bürgerverein, der sich ausschließlich um die Interessen der Lokstedter kümmerte.

Aus dem nachfolgenden Zitat aus der Kollauer Chronik lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen, dass schon damals Zweifel an der Schlagkräftigkeit des Bürgervereins in kommunalen Angelegenheiten im nunmehr größerem Rahmen bestanden: „Nach der gesetzlich festgelegten völligen Neuordnung der kommunalen Verhältnisse im Unterelbegebiet, die auch eine Verschmelzung der drei Orte Lokstedt, Niendorf und Schnelsen zu einer Großgemeinde im Gefolge hatte, und nach der vollzogenen Neuwahl der Gemeindevertretung am 25. September 1927 hat der Bürgerverein sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, den engen, festen Zusammenschluss des Bürgertums in der neuen Großgemeinde zu bewirken. Hoffentlich werden die Bestrebungen von Erfolg gekrönt sein.“

Der Verein befasst sich zwar weiterhin mit den Bebauungsplänen, der Instand- und Reinhaltung der Straßen und Verbesserungen im Verkehrswesen. Wesentliche Erfolge wurden allerdings nicht mehr verzeichnet.

Zusammenschluss Heimatverein Hoheluft und Lokstedt von 1896 und 1888

Nachdem Anschluss von Lokstedt an die Hansestadt Hamburg ging der Bürgerverein 1937 in den „Heimatverein Hoheluft und Lokstedt von 1896 und 1888“ über. Nationalsozialistische Gleichschaltung und der Krieg brachten die Arbeit des Vereins fast gänzlich zum Erliegen. In einem Protokoll des Vereins aus dem Jahre 1935 heißt es: „Herr Peters gibt bekannt, dass in der jüngsten Sitzung der NSDAP erneut gegen die Bürgervereine polemisiert worden ist, und zwar mit der Wirkung, dass einige Mitglieder sich veranlasst gesehen haben, aus dem Bürgerverein auszutreten.“

Bürgerverein Hoheluft-Großlokstedt von 1896 e.V.

Nach dem Krieg wurde der Bürgerverein nochmals umbenannt. Seit 1953 trägt er den Namen Bürgerverein Hoheluft-Großlokstedt von 1896 e.V. Wir kommen im dritten Teil der Serie auf den Bürgerverein zurück.

Bestandsaufnahme in der Mitte der 1930er Jahre

Der bevorstehenden Anschluss Lokstedts an die Hansestadt Hamburg gibt uns Anlass für eine Bestandsaufnahme:

Bevölkerung

Während des 10 jährigen Bestehens der Großgemeinde Lokstedt von 1927 bis 1937 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 22.700. Es war also zu einschneidenden Veränderungen gekommen.

Alte Häuser und Höfe

So gab es Mitte der 1930er Jahre nur noch 11 über 100 Jahre alte Häuser in Lokstedt, sieben davon strohgedeckt. Es waren dies die Vogthufe, der Kollauer Hof, die Höfe 3, 4, 9, 10, 11, 19 und 24, ein Haus in der Straße „Im Döhrn“ und natürlich das Haus aus dem Jahre 1804 es Bäckers Molsberger in der heutigen Vogt-Wells-Straße, dem aktuell der Abriss droht.

Die Vollhöfe Nr. 5, 6 und 7 waren bereits 1899 ausgebrannt, als von der neben dem Vollhof Nr. 5 gelegenen, brennenden Sägemühle das große Lokstedter Feuer ausging.

Die Hufe Nr. 28 brannte um 1900, Nr. 18 brannte 1910, es folgte 1911 der Vollhof Nr. 2. Die Hufen Nr. 20, 23, 26, 27 wurden zu Parks, parzelliert, abgerissen oder verkauft um schließlich mit Mietwohnungen bebaut zu werden.

Feuersbrünste hatte es zu allen Zeiten gegeben. Im Laufe der Jahrhunderte ist eigentlich fast jede Hufe irgendwann einmal niedergebrannt. Im Gegensatz zu damaligen Zeiten bauten die Bauern aber etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts, also seit die Bodenpreise in Lokstedt stark stiegen, ihre Höfe nicht wieder auf, sondern verkaufen oder verpachteten ihre Ländereien.

Bis Mitte der 1930er Jahre hatten etliche Bauern bereits ihr Land verkauft. Es wurden aber nicht mehr ausschließlich Villen und Ferienwohnsitze sondern meist Wohnungen gebaut. Als Beispiel für die Wohnbebauung dieser Zeit seien hier die Backsteinhäuser am Siemersplatz und der Vogt-Wells-Straße genannt, die heutzutage unter Denkmalschutz stehen.

Private Parks

Die große Zeit der privaten Parkanlagen war in den 1920er und 1930er Jahren endgültig vorbei. Horst Grigat schreibt dazu: „Die Lokstedter Parkbesitzungen ließen sich fast alle nicht mehr halten. Inflation, Steuern und Erbteilungen richteten sie zu Grunde.“

So wurde im Juli 1923 nach dem Tode der alten Frau Amsinck der Besitz der Familie am Liethberg öffentlich versteigert. Der Erwerber begann, das schöne Gartenwesen zu parzellieren. 1930 wurde eine Haus mit 80 Wohnungen errichtet. Im ehemaligen Herrenhaus wurde 1939 eine Hundestaffel der Polizei untergebracht.

Die Villa der Familie von Eicken wurde 1926 an die Gemeinde Lokstedt verkauft und der Willinks Park wurde seit 1921 nicht mehr von der Familie als Sommersitz genutzt.

Die sich daraus ergebenden Probleme mit der Amsinck Villa konnten bis heute nicht gelöst werden und werfen die Frage auf: Wie halten wir es mir unserem historischen Erbe? (siehe Artikel auf Lokstedt online)

Groß-Hamburg-Gesetz

Bestimmend für Lokstedt Schicksal war sowohl zu seiner Blütezeit als Sommerfrische als auch in der nachfolgenden Zeit und bis in die heutigen Tage hinein seine geografische Lage - die Nähe zur Hamburg bzw. zur Hamburger City.
So waren es auch letztlich Veränderung in der Stadt Hamburg, die sich auf Lokstedt auswirkten.

Nach der Cholera-Epidemie 1892 wurde man in Hamburg verstärkt aufmerksam auf die hygienischen Verhältnisse in den Gängevierteln. Diese mussten ab 1903 nach und nach weichen. Die Hansestadt platzte sozusagen aus allen Nähten und überschwemmte die umliegenden Ortschaften mit Wohnungssuchenden.

Horst Grigat beschreibt die Situation, die Lokstedt mit dem Groß-Hamburg-Gesetz vom 26.01.1937 aus dem Kreis Pinneberg ausscheiden ließ um mit dem Landkreis Hamburg auf das Land Hamburg überzugehen, folgendermaßen: „Die Hansestadt mit ihrem Hafen und ihrer Industrie war in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen und hatte nun keinen Raum mehr für einen weiteren Ausbau des Hafens und der Industrie. Immer mehr der in Hamburg beschäftigten Menschen wohnten außerhalb der Grenzen dieser Stadt. Zur Erledigung behördlicher Angelegenheiten musste man oft die weit entfernte schleswig-holsteinische Landeshauptstadt aufsuchen. So war es ein Gebot der Vernunft, dass einige Randgebiete, die wirtschaftlich ohnehin eng mit Hamburg verbunden waren, nun auch politisch zu dieser Stadt kamen.“

So war die Eingemeindung 1937 wohl auch kaum noch zu verhindern. Viele Lokstedter liefen aber auch mit wehenden Fahnen zu Hansestadt Hamburg über. War mit dem Anschluss an Hamburg doch die noch immer drohende Einverleibung durch Altona endgültig vom Tisch.

Die Eingemeindung hatte weiteren Wohnungsbau in Lokstedt zur Folge. Ein Beispiel: Die Hufe Nr. 17, gelegen auf der Ecke Rüterbarg / Feldhoopstücken. Nachweisbar bewirtschaftet seit 1760 und 88 Jahre im Besitz der Schneiderfamilie Flügge. Die strohgedeckte Schneider-Kate mit dem bemerkenswerten Spruchbalken „Ora et labora“ musste 1938 einem Wohngebäude weichen.

Außerdem wurden durch die Stadt Hamburg Tiefbrunnen gebohrt. Dies hatte zum einen eine bessere Wasserversorgung zur Folge. Es trockneten aber auch Brunnen, Teiche und die früheren Moorgebiete aus. Das trockengelegte Land konnte nun ebenfalls für den Wohnungsbau benutzt werden.

Schon damals drohte also dem noch vorwiegend ländlich geprägten Lokstedt durch die rege Bautätigkeit der Verlust so mancher Kate, Wiese und Grünfläche. Doch wieder einmal kam zunächst alles anders.

Im Krieg

Im zweiten Weltkrieg kam die Wohnbebauung Lokstedts naturgemäß zum Erliegen. Stattdessen ging wertvoller Wohnraum verloren. So gingen allein im Jahr 1943 17 % aller Wohnungen in den Bombennächten in Flammen auf.

Aber nicht nur Wohnraum, auch etliche unwiederbringliche historische Gebäude wurden Opfer der Flammen. Viele der bis dahin noch vorhandenen Bauernhöfe wurde zu Schutt und Asche und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut.

Die Lage

Das Sitzungsprotokoll einer Beratung der Ortsältesten vom 15.02.1945 verschafft uns einen Überblick über die Lage zu Kriegsende: „Der verstärkte Luftkrieg der letzten Jahre hat auch das Gebiet Lokstedt stark mitgenommen. Trotz der offenen und aufgelockerten Bebauung wurden zahlreiche Gebäude mehr oder weniger schwer getroffen. Total zerstört sind 438 Wohngebäude mit 1.087 Wohnungen, 61 Gewerbe- und Industriegebäude, 11 Landwirtschaftliche Betriebe. Beschädigt (schwer, mittel, leicht) wurden: 1.247 Wohngebäude mit 2.875 Wohnungen, 28 Gewerbe- und Industriegebäude, 26 Landwirtschaftliche Betriebe. In Groß-Lokstedt ist eine verstärkte Arbeitsgemeinschaft mit 43 Bauhandwerkern eingesetzt. Im Schnelleinsatz der Dachdecker und Klempner sind 26 Handwerker beschäftigt. Neben den Arbeiten zur Beseitigung von Fliegerschäden wird neuer Wohnraum durch den Bau von Behelfsheimen und Schnellbauwohnungen geschaffen. Nach Verlust weiteren Wohnraums sind die bisherigen Richtlinien, dass jede Person Anspruch auf einen Raum erheben kann, nicht mehr zu halten. Der Maßstab wurde auf 1,5 Personen pro Raum erweitert. Nach Einrichtung des Amtes Lokstedt wurden alle Wohnungen überprüft. Systematisch erfasst wurden 6.062 Wohnungen. Insgesamt sind 1.527 Beschlagnahmungen durchgeführt worden. Die Zahl der Wohnungssuchenden Familien betrug 2.182 und beträgt zur Zeit im Ortsamtsbereich 1.078. Zu den 19.000 Einwohnern sind 6.000 Bombengeschädigte aus anderen Stadtteilen nach Groß-Lokstedt gekommen. Die ortsabwesende Bevölkerung ist in diesen Zahlen nicht enthalten. Besondere Probleme bereitet zur Zeit die Trümmerschuttbeseitigung von Straßen und Plätzen.“

Die Grelckstraße

Bevor wir uns den Schäden an den Gebäuden des Ortszentrums zuwenden, gilt die Trauer den gefallenen Menschen. Stellvertretend für alle sei auf ein unerträgliches Ereignis verwiesen. Am 18.07.1944 gab es einen Bombenvolltreffer auf einem Bunker an der Stresemannstraße. Es wurden 160 russische Frauen aus einem Arbeitslager getötet.

Was aber bedeutete die oben genannten Zahlen für unser Zentrum, für unser Dorf?

1943 wurde auch der wunderschöne alte Bauernhof Nr. 9 Opfer der Brandbomben. 1814 durch Heirat mit Catharina Margaretha Stoldt in den Besitz von Peter Sottorf I. gelangt, war das strohgedeckte Bauernhaus einzigartig. Helene Koden schreibt dazu: „Der Giebel, das Fachwerk, die Fenster und Türen, alles war so besonders anzuschauen. Unzählige Male ging man an diesem Haus vorbei, weil es inmitten des Dorfes Lokstedt bis ins Jahr 1943 stand. Sogar den Kindern fiel die Besonderheit bei Vorbeigehen jedesmal wieder auf.“

Die gegenüber auf der Ecke Vogt-Wells-Straße / Grelckstraße stehende Villa Langeloh sowie das daneben stehende Palmencafe in der Grelckstraße 2 / 4 wurden ebenso ausgebombt. Die Explosion war so gewaltig, dass durch Splitter auch das schräg gegenüber liegenden Haus Vogt-Wells-Straße 21 in Brand geriet, aber gelöscht werden konnten - hier ist heute die Lokstedt-online-Redaktion ansässig. Unter den Dielen kann man noch immer Reste der verkohlten Holzbalken entdecken.

Außerdem wurde bei diesem Angriff fast die gesamte nördliche Seite der Vogt-Wells-Straße bis hoch zur Post und dem Gebäude von Glaser Andreas in Schutt und Asche gelegt.

Das Gebäude Grelckstraße 1 mit verschiedenen Geschäften: Im linken Kellergeschoß Frucht, Gemüse und Conserven, Kartoffeln und Steinkohlenlager. Im rechten Kellergeschoß Claasen Papier-Galanterie. Im Obergeschoss Schneidermeister Wilhelm Müller. Im Krieg ausgebrannt.

Das Haus Grelckstraße 7 beheimatete den Barbier Nerjens seit 1855. Im Krieg kam das Aus.

Das Geschäftshaus in der Grelckstraße 13. Die Krämerei und Kaffeerösterei Adolf Carstens, eines der ältesten Geschäfte Lokstedt, 1943 ausgebrannt.
In der Grelckstraße 21. Das Geschäft von Eduard Boldt seit 1884 Mehl-, Getreide- und Futterhandel. Ausgebrannt im Krieg.

Der Holsteinische Hof in der Grelckstraße 32/34, ehedem als Wessel‘s Salon betrieben, brannte zusammen mit dem Glühr-Hof bereits 1911 aus. Wurde als Holsteinischer Hof wieder aufgebaut und wurde 1943 ausgebombt.

Und auch die Vogthufe Nr. 1, gelegen Ecke Grandweg / Erlenstraße wurde 1943 ebenso ausgebombt wie der Lindenpark am Siemersplatz.

Nach dem Kriege bot unser Lokstedt also ein trauriges Bild. Wie von den Ortsältesten protokolliert, waren die Schäden so umfangreich, dass sogar die Trümmerbeseitigung von Straßen und Plätzen Probleme bereitete.

Die Einwohnerzahlen im ehemaligen Großlokstedt waren nach dem Kriegsende durch Einquartierungen, Nissenhütten und Barackenlager auf über 36.000 angestiegen. Allein Lokstedt brachte es nunmehr auf mehr als 12.000 Einwohner. Das waren fast dreimal so viele wie im Jahre 1922.

Aufschlussreich über die Lebensumstände der Bevölkerung auch in Lokstedt dürfte eine in Schnelsen durchgeführte Erhebung sein sein. Demnach waren über 30 Prozent der Befragten ausgebombt, 6 Prozent waren Heimatvertriebene aus dem Osten, 20 Prozent bewohnten eine Notunterkunft (Baracken), 7 Prozent waren einquartiert und ein Drittel der Kinder hatten kein eigenes Bett.

Von dem einstigen Ausflugs- und Sommerfrische-Vorort und unserem Lokstedter Zentrum war nicht mehr viel übrig. Und wer konnte damals ahnen, als der Krieg endlich vorbei war und es nach der Währungsreform von 1948 wieder bergauf ging, das dies erst der Anfang vom Ende unseres Ortszentrums war.

Horst Grigat: „Hamburg – Lokstedt, von der Steinzeit bis zum Jahre 2000“.
Kollauer Chronik Bd. II
Helene Koden: "Unvergessenes Dorf Lokstedt"

Lesen sie auch die anderen Serienteile:
Teil 1: Das historische Zentrum
Teil 2: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1922 bis 1948)
Teil 3: Der Untergang des Lokstedter Zentrums (1949 bis 1978)
Teil 4: Gescheiterte Versuche der Wiederbelebung (1980 - 2012)
Teil 5: Aktuelle Situation im Jahre 2013
Teil 6: Der letzte Teil. Das historische Zentrum wieder herstellen!

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© Lokstedt-online.de 09.10.2012