Leserbrief

Einflussreicher Immobilienbesitzer

In Ihrem kritischen Artikel vom 05.02.2014 beschreiben Sie die aktuellen und drohenden Verhältnisse recht zutreffend. Durch die von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) angestrebte Maßnahme wird (1.) die „kalte Entmietung“ vorangetrieben, (2.) durch drohenden Ghettoisierung Druck auf alteingesessene, vor allem ältere Mieter ausgeübt, (3.) nach Ablauf der befristeten Anmietung dem Eigentümer leerstehende Wohnungen zur Sanierung übergeben und (4.) eine Vermietung sanierter Wohnungen zu deutlich erhöhten Mieten ermöglicht. Dieser „Deal“ mit der Freien und Hansestadt Hamburg dürfte dem Vermieter Potenberg sehr gelegen kommen.

Wir unmittelbar betroffenen Anwohner sehen dem drohenden Szenario mit Schrecken entgegen. Sicherlich hätten die Wenigsten Probleme damit, wenn einige zurzeit leerstehende Wohnungen aus sozialen Gründen an notleidende Asylbewerber und Obdachlose vergeben werden. Dieses Vorhaben aber komplett auf alle vier Gebäudekomplexe ausdehnen zu wollen, ist inakzeptabel. Hierdurch droht eine schleppende Ghettoisierung, wie sie aus anderen Stadtteilen leidvoll bekannt ist. Und dieses inmitten eines Stadtteils mit teils recht wohlhabenden Bürgern (Zylinderviertel) vorzunehmen, dürfte zwangsläufig zu erheblichen Spannungen und Konflikten führen sowie politischem Extremismus Vorschub leisten. Da hilft es auch nicht, dass es fußläufig zwei Discounter gibt. Am 27.02.2014 um 18.00 Uhr wird es in der Bezirksversammlung Eimsbüttel hierzu eine Anhörung geben.

Anzumerken ist ferner, dass die von Potenberg im Anschluss geplante Aufstockung der vier bestehenden Gebäude auf vier Vollgeschosse nicht nur unserer Ansicht nach eindeutig gegen den Bebauungsplan verstößt, da dieser nur drei (!) viergeschossige Gebäude (analog der sich in südlicher Richtung anschließenden Bebauung) vorsieht. Die beiden mittleren Gebäude befinden sich vollständig außerhalb der vorgesehenen dreireihigen Baugrenzen. Auch wird der Mindestbauabstand teilweise unterschritten; es drohen die Nachbargrundstücke zu verschatten.

Ein Abriss der aus den 50er Jahren stammenden Gebäude und Neubau von drei viergeschossigen Gebäuden samt Tiefgarage entsprechend dem Bebauungsplan und in Analogie zu den bereits südlich bestehenden Neubauten wird von Potenberg aus Kostengründen abgelehnt. Hierdurch würden nämlich weniger vermietbare Wohnungen entstehen, auch wenn hierdurch die Wohnqualität aufgrund durchgehender Grünflächen im Bezirk langfristig erhalten bliebe.

Die Firma Potenberg hat mit Wohnungseigentümern der Nachbarschaftsanlage in Kenntnis der baurechtlich fragwürdigen Situation bereits im Vorwege eine Ausnahmegenehmigung (Nachbarschaftsvereinbarung) gegen Zahlung einer Prämie zu vereinbaren versucht. Nachdem die Eigentümergemeinschaft dieses Angebot einstimmig ablehnte, drohte der Potenberg-Mitarbeiter mit dessen guten Verbindungen zur Politik, u.a. mit dem Hinweis, dass diese Maßnahmen dann eben ohne finanziellen Ausgleich und nachbarschaftliche Rücksichtnahme konsequent durchgesetzt würden. Inzwischen liegt der positive Bauvorbescheid vor.

Vor dem Hintergrund dieser Drohung sind die zwischen dem Eigentümer Potenberg und dem Bezirksamt Eimsbüttel vereinbarten Maßnahmen einschließlich des Bauvorbescheids nur allzu verständlich. Schließlich müsste die Stadt Hamburg dann nicht mehr gegen den Wohnungsleerstand vorgehen und schüfe gleichzeitig die erforderlichen Asylbewerberunterkünfte. Am Ende profitierte Potenberg von dieser „Sozialmaßnahme“ auf Kosten der derzeitigen Mieter und der unmittelbaren Anwohner mit Aussicht auf einen zügigen Sanierungsbeginn, trotz baurechtlicher Bedenken hinsichtlich der geplanten Aufstockungsmaßnahmen.

Die Schaffung weiteren Wohnraums und von Asylbewerberunterkünften in der Stadt Hamburg ist gewiss ein drängendes Themen, das es aber solidarisch zu lösen gilt. Dieses darf nicht einseitig gegen alle Mieter- und Anwohnerinteressen und ausschließlich zugunsten finanzieller Vorteile eines offenbar politisch einflussreichen, großen Immobilienbesitzers geschehen, indem Asylbewerber für politische und wirtschaftliche Interessen instrumentalisiert werden. Das haben diese notleidenden Menschen sicher nicht verdient!

Ich hoffe sehr, dass Sie in dieser Angelegenheit weiter kritisch "am Ball bleiben" und Möglichkeiten einer unabhängigen Presse nutzen, um den Betroffenen ein Gehör zu schenken und eine Einflussnahme zu ermöglichen.

Dr. Bernd U. Zuck

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© Lokstedt-online 13.02.2014