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Ost-West-Route

Die Insel der Glückseligen

Nach den Planungen des Senats soll der Nedderfeld vierspurig ausgebaut werden um Groß Borstel vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Während die Nachbarstadtteile vom Straßenverkehr und Fluglärm belästigt werden, gilt es nun nach den Planungen des Senats ausgerechnet Groß Borstel zu entlasten.

Geruhsam geht es zu in Groß-Borstel, ein Stadtteil im Dornröschenschlaf. Da kann man sich schon mal erlauben, ganze Straßenzüge zu sperren ohne dass der Verkehrsfluss im Mindesten gefährdet wäre. Im Schatten des Flughafens lässt es sich gut leben, dieser verhindert nämlich nahezu jeglichen Durchgangsverkehr.

Noch bis zum 17. November 2011 liegt der Bebauungsplanentwurf Lokstedt 52 / Eppendorf 9 / Groß Borstel 11 bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt öffentlich aus. Darin heißt es: „Mit dem Bebauungsplan sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Ausbau der Straße Nedderfeld geschaffen werden. Städtebauliche Zielsetzung ist die Entlastung des Stadtteils Groß Borstel vom Durchgangsverkehr.“ 

Durch einen vierspurigen Ausbau sollen, nach einer detaillierten Netzbetrachtung aus dem Jahr 2004, 6000 bis 7000 PKW täglich vom Straßenzug Papenreye / Borsteler Chaussee auf den Nedderfeld verlagert werden.

In der Begründung heißt es, dass dieses Ziel mit dem Ausbau der Straße Nedderfeld verknüpft würde, die im Vergleich zu den anderen beiden Ost-West-Routen Papenreye / Borsteler Chaussee und Osterfeldstraße / Lokstedter Weg am wenigsten sensibel gegenüber zusätzlichen Verkehrsbelastungen sei. Der vierspurige Ausbau und Weiterbau der Papenreye nach Osten bis zum Maienweg würde im Gegenzug nicht weiter betrieben.

Da fragt man sich unwillkürlich, ob hier Groß-Borsteler Politiker ihre Finger im Spiel gehabt haben, man erinnere sich etwa an die Glatteisaffäre.

Die Umsetzung dieses Bebauunsplans hat letztlich das Ziel die ohnehin vergleichsweise wenig befahrenen Straßen Borsteler Chaussee und Weg beim Jäger zu entlasten. Der Hauptverkehrknoten aber, der Siemersplatz, wird durch den Ausbau des Nedderfeld zusätzlich mit Verkehr belastet.

Das Verkehrsaufkommen in den Straßen rund um den Siemersplatz hat erheblichen Einfluß auf die Lebensqualität der Lokstedter. In der alten Kollaustraße, die an den Nedderfeld angrenzt und eine Spielstraße ist, spielen Kinder schon heute mit Leuchtschutzwesten am Wegesrand.

Schon immer gab es die Nord-Süd-Route, ehedem auch von der Straßenbahn Linie 2 begleitet. Seit den 1970er Jahren mit der Anbindung an die A7 ist eine Ost-West-Route Julius-Vosseler-Straße / Vogt-Wells-Straße / Osterfeldstraße mit hohem Verkehrsaufkommen dazugekommen. Diese beiden Routen kreuzen sich eben am Siemersplatz und teilen Lokstedt in vier Sektoren. Nahezu unüberwindlich für Alte und Gebrechliche, Kinder und Tiere.

Der Siemersplatz erhält im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens nur ein kleines Trostpflaster. Zum Schutz des Zentrums Lokstedt (Siemersplatz, Grelckstraße) sollen zentrenschädigende Einzelhandelsbetriebe in den neu gegliederten Gewerbegebieten rund um den Nedderfeld ausgeschlossen werden. Auch dies ziemlich unsinnig, wer würde den wohl auf den Gedanken kommen, ausgerechnet in der Automeile ein Einzelhandelsgeschäft aufzumachen, zumal es dort schon das Nedderfeld Center gibt.

Und außerdem, Lokstedt hat nicht zu viele sondern viel zu wenige Einzelhandelsgeschäfte. Deren vermehrte Ansiedlung, etwa am Siemersplatz, sollte durch Parkplätze und Verkehrsberuhigung gefördert werden.

Da kämpfen Menschen und Gewerbebetriebe gemeinsam und sammeln Spenden für die Begrünungsaktion des Siemersplatzes und die Bäumchen und Büsche sind gerade gepflanzt, da sollen jetzt eine Parallelstraße weiter viele alte Bäume gerodet werden.

Der Ausbau des Nedderfeld nimmt die Straßen Ahornalllee, Lembekstraße, Jägerlauf und Offakamp in die Zange zweier vierspuriger Straßen. So beschreibt der Bebauungsplan selbst mit der Notwendigkeit der Umwandlung von Wohn- in Gewerbegebiet die Verschlechterung der Wohnqualität in den nördlich gelegenen Bereichen dieser Straßen - von wegen unsensibel für erhöhtes Verkehrsaufkommen.

Der für den Bebauungsplan verantwortliche Senat, sollte sich die verkehrspolitischen Auswirkungen dieses Schildbürgerstreichs noch einmal vergegenwärtigen.

Der Nedderfeld allein betrachtet endet ja letztlich blind an der Kollaustraße, ist also gar keine Ost-West-Route. Der vom Nedderfeld kommende, um mindestens 6000 KFZ vermehrte, nunmehrig vierspurig verlaufende Verkehr, wird auf die Kollaustraße einbiegen, am Siemersplatz einspurig über einen Zebrastreifen weiter in die Vogt-Wells-Straße gelangen und damit über die bestehende Ost-West-Route weitergeführt. Dort rasen die Autos mit hoher Geschwindigkeit durch das Zentrum von Lokstedt. Feinstaubbelastung und Lärmpegel erreichen Spitzenwerte.

Es wird also letztlich nirgendwo entlastet.

Viel sinnvoller wäre dagegen ein Ausbau der Papenreye gewesen, da in Wirklichkeit diese Straße viel weniger sensibel gegen zusätzliche Verkehrsbelastungen ist. Hier müssten auch keine Bäume gefällt oder Gewerbe- und Wohngebiete neu geordnet werden. Die Papenreye ist ja in der heutigen Form eine Straße die durch ein reines Gewerbegebiet führt.

Zugegeben, damit die Verkehrsführung Borsteler Chaussee / Papenreye zu einer wirklichen Ost-West-Route würde, müsste sie mit erheblichen Aufwand nördlich der Niendorfer Straße eine Anbindung an die Kieler Straße finden. Ohne eine solche Weiterführung enden sowohl die Papenreye als auch der Nedderfeld letztlich als Sackgasse.

Die unsinnigen Planung der vierspurigen Ausbaus der Straße Nedderfeld jedenfalls geht an den wirklichen Verkehrsproblemen dieser Region vorbei.

Als Begründung die Verkehrsberuhigung der Borsteler Chaussee anzuführen ist ein schlechter Witz. Hier sollen die wegen dem geplanten Projekt „Tarpenbek Greens“ aufgebrachten Groß-Borsteler beschwichtet werden. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs sollen nämlich bis zu 750 neue Wohnungen für bis zu 2000 Neu-Groß-Borsteler Bürger entstehen. Diese sollen aber bitte schön nicht durch Groß-Borstel fahren.

Der jetzt ausliegende Bebauungsplanentwurf Lokstedt 52 / Eppendorf 9 / Groß Borstel 11, stellt also letztlich nur das Feigenblatt für den Bebauungsplan Großborstel 25 dar, der so das Verkehrsaufkommen in Lokstedt und nicht in Groß-Borstel noch einmal deutlich erhöhen wird.

Wir haben in Lokstedt an allen Seiten Verdichtung und somit eigene Probleme den Verkehr in den Griff zu bekommen. Die Stadt sollte sich bevor sie ein Konzept wie die "wachsende Stadt" umsetzt, überlegen wie die Straßen das vermehrte Verkehrsaufkommen bewältigen können.

www.hamburg.de/bebauungplaene/38850/lokstedt-52-eppendorf-9-gross-borstel-11.html
www.hamburg.de/contentblob/3114058/data/begruendung-auslegefassung.pdf

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 21.10.2011

Leserbrief vom 26.6.2012

Liebe  Lokstedt-online Redaktion,

Ihr Artikel hat er mir ausgesprochen gut gefallen, weil er die tatsächlichen Probleme, die ich als Lokstedter tagtäglich am eigenen Leibe erfahre, sehr detailliert und anschaulich beschreibt.

Ich bin Kleingärtner in der Gartenanlage am ehemaligen Lokstedter Güterbahnhof. Das Gewerbegebiet dort hat vor ca. 2 Jahren ein irischer Investor von Hochtief erworben um dort 350 Wohnungen zu bauen. Im Taumel des Wohnungsbaurausches durch den „6000er-Vertrag für Hamburg“, wurde ihm unsere Gartenanlage von Bezirk oder Stadt – wie Sie sicher wissen ist unser oberster Liegenschaftsverwalter, Finanzsenator Dr. Tschentscher, gleichzeitig SPD-Vorsitzender in Hamburg-Nord – angeboten, um den Wohnungsbau auf die, von Ihnen genannte Zahl von 750 Wohnungen, zu erhöhen.

Angesichts dieser großen Zahl bekam wohl der eine oder andere Groß-Borsteler arges Bauchgrimmen: Einerseits bedeuten so viele neue Einwohner in vermutlich nicht ganz preiswerten Wohnungen natürlich viel Kaufkraft, andererseits müssen die prognostizierten gut 3000 täglich zusätzlichen Autofahrten natürlich auch vom Straßennetz verkraftet werden. Und der Knoten Kellerbleek-Nedderfeld käme in seinem heutigen Zustand einem Infarkt sehr nahe. Außerdem soll die Kaufkraft ja nicht ins Nedderfeld-Center, an den Siemersplatz oder die Grelkstraße abwandern.

Also entschloss man sich, eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Tarpenbek in den Bebauungsplan „Groß-Borstel 25“ aufzunehmen.

Es tauchte natürlich sehr schnell die Frage auf, ob es mit dieser Brücke gelingen könne, die gut situierten Einwohner/innen der geplanten Trabantenstadt mit einem Kartoffel-Mercedes in das „Einkaufsparadies Borsteler Chaussee“ zu locken?

Dieser Gedanke wurde dann wohl auch sehr schnell zu den Akten gelegt und nach einer neuen Lösung gesucht. Und die wurde gefunden: Eine ein-, möglichst aber zweispurige Straßenbrücke für Autos muss her! Dann könnten ein großer Teil der 3000 Autofahrten über den – noch – verkehrsberuhigten Brödermannsweg direkt zur Borsteler Chaussee gelenkt werden.

Um es kurz zu machen:

Die in Ihrem Artikel geäußerten Vermutungen sind nicht vollständig richtig!

Richtig ist vielmehr, dass die Borsteler Chaussee durch die Nedderfeld-Erweiterung sehr wohl dringend entlastet werden muss!

Richtig ist vielmehr, dass die „bis zu 2000 Neu-Groß-Borsteler Bürger“ sehr wohl durch Groß-Borstel fahren sollen, und zwar über eine neu zu errichtende Straßenbrücke, damit sie schneller und bequemer die Borsteler Chaussee erreichen!

Damit Sie mir glauben, dass ich tatsächlich aus Lokstedt bin und nicht aus Schilda und dass ich mich bester geistiger Gesundheit erfreue, hier als Beleg die

Pressemitteilung der GAL vom 10. Mai 2012:

Bauvorhaben „Tarpenbek Greens“ Bezirksversammlung fordert Prüfung einer zweiten verkehrlichen Anbindung Groß Borstels

Auf Antrag von SPD, CDU, GAL und FDP hat die Bezirksversammlung heute einstimmig beschlossen, dass im Rahmen der Planung des Neubaugebiets auf dem Güterbahnhof Lokstedt eine zweite verkehrliche Anbindung durch eine Brücke über die Tarpenbek geprüft wird.

Michael Werner-Boelz, Vorsitzender der GAL-Fraktion Hamburg-Nord: „Mit diesem
Prüfantrag folgen wir einem Wunsch des Kommunalvereins Groß Borstel. Will man die Verkehrsströme und damit die Kaufkraft nach Groß Borstel lenken, erscheint es sinnvoll, das geplante Wohngebiet nicht nur an einer Stelle an den Stadtteil anzubinden.

Allerdings wird eine technische Umsetzung auf Grund des Höhenunterschiedes auf
beiden Seiten der Tarpenbek und des Wanderweges an deren Ufer nur schwer
zu realisieren sein.“

Hintergrund
Auf dem ehemaligen Güterbahnhof Lokstedt sollen rund 750 Neubauwohnungen entstehen. Im benachbarten Stadtteil Groß Borstel wird dieses Bauvorhaben prinzipiell positiv bewertet, könnte seine Realisierung doch die lange gewünschte zusätzliche Kaufkraft bringen. Dazu ist es aber nach Meinung örtlicher Vertreterinnen und Vertreter notwendig, dass der Stadtteil Groß Borstel durch eine zweite Verkehrsanbindung für die potenziellen Neubewohnerinnen und -bewohner erschlossen wird.

Wolfgang Schubert, Lokstedt
Tarpenbek-Greens e.V. -  damit unser Stadtteil grün bleibt!
www.tarpenbek-greens.de

Die betroffenen Kleingärtner haben einen Verein unter dem Namen "Tarpenbek-Greens e.V. -  damit unser Stadtteil grün bleibt!" gegründet, der sich für den Erhalt der Grünflächen einsetzt.