Asylbewerberunterbringung

Bedarfsgerechte Integration

Schon seit langem ist der SPD der Leerstand in der Wohnanlage am Grandweg und An der Lohbek ein Dorn im Auge. Nun plant fördern & wohnen dort zunächst 38 Wohnungen anzumieten, um sie für die öffentlich-rechtliche Unterbringung von Asylbewerbern und Obdachlosen zu nutzen.

Seit fast zwei Jahren herrscht Unklarheit darüber, wie es mit den Wohnungen am Grandweg 52 - 54 und An der Lohbek 4 - 6 weitergeht. Laut Bezirksamt Eimsbüttel plant der private Eigentümer, die Potenberg Dienstleistungsgesellschaft für Haus- und Grundbesitz mbH, eine umfassende Sanierung und Aufstockung der Wohnblöcke. Das ist aber auch so ziemlich alles, was man darüber bislang wusste.
Die Umsetzung dieses Vorhabens scheint mindestens ins Stocken geraten zu sein. Ist die Aufstockung der 1950er-Jahre-Bauten dem Vermieter inzwischen zu teuer? Hat er seine Pläne geändert oder ging ihm die Entmietung nicht schnell genug?

Kalte Entmietung

Niemand weiß, was der Vermieter wirklich plant. Die verbliebenen Mieter, ältere Menschen die hier oft schon Jahrzehnte wohnen, sind verunsichert. Sie fragen sich, ob sie während der Baumaßnahmen im Haus verbleiben können und ob nach der Modernisierung Mietsteigerungen auf sie zukommen werden. Ausserdem beklagen sich die Mieter, dass der Vermieter in den letzten beiden Wintern durch mutwillig herbeigeführte Heizungsausfälle versucht habe, das Objekt „kalt zu entmieten“. Hat der Vermieter mit seinen Umbauplänen gar nur einen Vorwand für die Entmietung gesucht?

Zumindest bei 38 Wohnungen scheint der wortkarge Vermieter bislang Erfolg gehabt zu haben. Für einige Zeit schien es so, als ob die mutmaßlichen Pläne: Entmietung, Sanierung / Aufstockung und anschließende Neuvermietung zu stark verteuerten Mieten, aufgehen würden.

Zwangsvermietung

Pech für den Vermieter, dass aufmerksame Bürger sowie die SPD-Bezirksabgeordneten Gabor Gottlieb und Marc Schemmel den Leerstand dieses preiswerten Wohnraums an den Bezirk gemeldet haben. Seither droht die Zwangsvermietung. Schemmel betont gegenüber dem Niendorfer Wochenblatt: „Wohnungsleerstände oder Zweckentfremdung von Wohnraum sind keine Kavaliersdelikte“

Für den Bezirk Eimsbüttel stellt dieser Leerstand eine doppelt unangenehme Angelegenheit dar. Einerseits stehen 38 Wohnungen leer, schlimm genug. Andererseits hat der Bezirk die sanierten Wohnblöcke nebst aufgestocktem Staffelgeschoss schon in sein Potentialflächenkataster aufgenommen. Der Bezirk rechnete hier für das Jahr 2013 bereits mit bis zu 85 neuen Wohneinheiten. Dies natürlich ein herber Rückschlag für den Bezirksamtsleiter, der viel lieber Übersollerfüllung an seine Vorgesetzten meldet.

Zweckentfremdung

Nun plant ausgerechnet die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) ihrerseits ebenfalls die Zweckentfremdung dieses Wohnraums: Sie setzt die Bezirksversammlung am 30.01.2014 mittels Anschreiben davon in Kenntnis, dass sie insgesamt 43 Wohnungen in den leerstehenden Wohnblöcken als Standort für die öffentlich-rechtliche Unterbringung nutzen werde.

In einem ersten Schritt werde der Träger fördern & wohnen (f & w) zunächst die 38 derzeit verfügbaren Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 1.757 qm als Generalmieter übernehmen. Es handele sich dabei um 1- bis 2,5-Zimmer-Wohnungen. „Die Laufzeit des Mietvertrages beträgt zwei Jahre, während dieser Zeit wird f & w auch weitere frei werdende Wohnungen übernehmen und für die Unterbringung nutzen“, heißt es im Schreiben der BASFI.

Offensichtlich geht die Behörde davon aus, das mit Hilfe der dort untergebrachten Flüchtlinge bald weitere Mieter ausziehen werden. Setzt also die BASFI auf weitere Entmietung und hilft damit dem Vermieter seine asozialen Ziele umzusetzen?

Altmieter bleiben auf der Strecke

Eine dieser Wohnungen werde der Verwaltung des Standortes dienen, die übrigen würden für die Unterbringung von Wohnungslosen und Zuwanderern genutzt werden. Insgesamt werde dieser Standort Plätze für 150 Personen bieten. Nach der Laufzeit von zwei Jahren werde f & w den Standort abschnittsweise entsprechend der Sanierungspläne des Eigentümers räumen.

Es ist nur all zu offensichtlich, dass der private Hauseigentümer hier erheblich von der Unterbringung profitiert. Während der Phase der Unterbringung muss er nun keine Zwangsvermietung mehr fürchten, die Behörde gleicht seine Mietausfälle während der Entmietungsphase aus und hilft bei der Räumung. Und schließlich räumt sie die Einrichtung ganz nach belieben des Vermieter.

Das soziale Umfeld

Fast überschwänglich lobt die BASFI zudem den Standort. Parkanlagen und
Einkaufsmöglichkeiten befänden sich fußläufig in der Stresemannallee und im Umfeld. Am Behrmannplatz / in der Grelckstraße gäbe es auch einen Discounter.
Der Träger f & w verspricht die Betreuung und Versorgung der Wohnunterkunft sicherzustellen. Es werde Unterkunfts- und Sozialmanagement nach dem Personalschlüssel im Verhältnis von 1:80 umgesetzt. Darüber hinaus werden Mitarbeiter des Technischen Dienstes mit einem Schlüssel von 1:160 eingesetzt. Will heißen zwei Sozialarbeiter und ein Techniker werden während der üblichen Bürozeiten vor Ort sein.

Da sollte es für den Techniker zumindest möglich sein, dafür zu sorgen, dass die Heizung in den nächsten zwei Wintern nicht ausfällt. Da haben es dann die Untergebrachten weitaus besser als die bisherigen Mieter der Anlage

Integration

Weiter heißt es in dem Schreiben an die Bezirksabgeordneten: Angestrebt werde eine bedarfsgerechte Integration - was auch immer das ist - in soziale und kulturelle sowie sportliche Angebote des Stadtteils sowie die Vermittlung in den Sprachunterricht.

Nicht verschwiegen wird allerdings, dass sich in der näheren Umgebung auch gehobene Einfamilienhäuser im sogenannten Zylinderviertel befänden. Damit folgt die BASFI erneut dem aktuellen Konzept Sophienterasse. Während bis vor wenigen Jahren die Asylbewerber in weniger privilegierten Stadtteilen wie etwa Billstedt untergebracht wurden, bleiben nun auch die besseren Wohngegenden nicht mehr verschont. Echte Integration sieht anders aus: Möchten die Flüchtlinge später in diesem sozialen Umfeld wohnen bleiben, müssten sie dann bei "bedarfsgerechter" Wohnungsgröße bis zu 4.000 Euro Monatsmiete aufbringen.

Doch auch für die Lokstedter Bürger bietet diese Form der Unterbringung in leerstehenden Wohnungen gewisse Vorteile, bleibt uns zumindest an der Wohnanlage Grandweg / An der Lohbek der Anblick von Baracken oder Containern erspart.

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© Lokstedt-online.de 05.02.2014