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Baustelle Siemersplatz

Die Woche hat 168 Stunden

Von der Behörde aufgestellte Schilder informieren die Bürger darüber, dass die Straßenbauarbeiten am Siemersplatz und das dadurch ausgelöste Chaos, noch bis Oktober andauern werden. Diese Ankündigung reichte aus, um dem Inhaber von Feinkost Behrmann die letzte Hoffnung auf eine geschäftliche Zukunft am Siemersplatz zu rauben.

Seit Wochen schon kommt ist es wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten: Wir steigen in unser Auto, obwohl es eigentlich sinnlos ist. Denn kaum von der Auffahrt gerollt, oder eben um die erste Ecke gefahren, stehen wir im Stau. Den Siemersplatz zu überqueren, ob im Auto, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, ist eine Qual.

Besser den Siemersplatz weiträumig umfahren?

Wenn man nach langem Warten endlich am Siemersplatz angekommen ist, darf man derzeit nicht wie üblich abbiegen. Daher weichen potentielle Linksabbieger aus Stellingen kommend schon frühzeitig in den Oddernskamp aus. Das bedeutet Stau auch in der Niendorfer Straße.

Oder sie nehmen eine andere Route: Richtig ärgerlich für die Anwohner der Straße „Bei der Lutherbuche“. Bei manchem der Anwohner macht sich Wut und Verzweiflung breit:

Rechtsabbieger, die eigentlich aus der Vogt-Wells-Straße über den Siemersplatz in den Lokstedter Steindamm fahren wollen, nutzen nun den Grandweg und die Lutherbuche um den Stau vor der Abzweigung Siemersplatz zu umfahren. Der Zeitgewinn wird vor allem durch überhöhte Geschwindigkeit in der als 30 km/h-Zone ausgewiesenen Wohnstraße realisiert.

Rechtsabbieger aus der Kollaustraße in die Vogt-Wells-Straße fahren bei der aktuellen Vollsperrung der Abbiegespur weiter in den Lokstedter Steindamm, biegen dann rechts ab. Ebenfalls durchweg mit überhöhter Geschwindigkeit, so dass die Lutherbuche mittlerweile ganztägig und selbst am Wochenende in beiden Fahrtrichtungen von Fahrzeugkolonnen mit bis zu 70 km/h durchrast wird.

Immer wieder kommt es dann zu gefährlichen Begegnungen zwischen den in beiden Fahrtrichtungen rasenden Autos. Denn die vielen dort parkenden Autos - am Siemersplatz sind ja fast alle Parkplätze derzeit durch die Baustelle belegt - führen zu so mancher Engstelle.

Mittlerweile haben die für den Umbau Verantwortlichen immerhin ein provisorisches Abbiegehemmnis auf dem Lokstedter Steindamm in Höhe Lutherbuche aufgebaut, um zumindest das gefährliche Linksabbiegen in und aus der Straße zu verhindern.

Soweit zu den Problemen die sich durch das Umfahren des Siemersplatzes ergeben. Es ergibt sich die Frage, ob diese Probleme nicht vorhersehbar waren. Hätte man nicht ein Verkehrskonzept für die Bauphase entwickeln müssen, welches auch die kleineren Straßen, die nun als Ausweichrouten benutzt werden, einbezieht.

Hätte man nicht Umleitungen ausschildern oder etwa die Lutherbuche während der Bauarbeiten zur Einbahnstraße machen können? Dann würde der Ausweichverkehr wenigstens nur in einer Richtung durch die Straße preschen und es würde nicht zu den gefährlichen Begegnungen kommen. Die Sottorfallee oder Siebenschön müssten dann analog dazu in der anderen Richtung als Einbahnstraße ausgewiesen werden.

Sind die Absperrungen Selbstzweck?

Ein weiteres Rätsel sind diese ungeheuren Mengen an Absperrgittern, die uns allen den Blick auf die Kreuzung und die Übersicht nehmen.

Ein außenstehender, neutraler Beobachter käme vermutlich leicht zu dem Schluss, dass es sich am Siemersplatz gar nicht um Bauarbeiten im eigentlichen Sinne handelte. Er würde denken, es ginge eigentlich um die Absperrungen.

An einigen Stellen geht das Ganze so weit, dort gibt es sogar Einzäunungen für derzeit nicht benötigte Absperrgitter. Es sind offensichtlich die Verleiher von Absperrgittern und die Vermieter der ungenutzt herumstehenden Maschinen die die einen enormen Kosten der Bauarbeiten verursachen.

Wenig Arbeiter und kurze Arbeitszeiten

Auf der Baustelle gibt es meist nicht zu sehen. Wochentags trollen sich mal zwei mal fünf Arbeiter dort herum. Mal wird hier was aufgerissen, ein einzelner Bagger hinterlässt eine Spur der Verwüstung, dann wird wieder dort neu abgesperrt. Richtig gearbeitet wird selten und dies auch nur an 35 Stunden die Woche.

Hat die Woche nicht aber eigentlich 168 Stunden? Wie kann es sein, dass eine Kreuzung, die täglich von 180.000 Autos überquert wird, für vier, Existenz-vernichtende Monate, in aller Ruhe umgebaut wird. Können Straßenbauarbeiter denn nicht wie z.B. Krankenpfleger oder Ärzte im Schichtdienst rund um die Uhr und am Wochenende arbeiten?

Der Bürger jedenfalls wundert sich. In anderen Ländern werden verkehrsbehindernde Baustellen nachts Ruck-Zuck bei Flutlicht fertig gestellt.

Wie kann es angehen? Die Behörde nimmt die drohende Pleitewelle von Geschäften hin, obwohl der Umbau im Schichtdienst und ausreichender Zahl von Bauarbeitern vermutlich in einem Monat hätte ausgeführt werden können.

Ein echter Skandal!

Wir haben vor Ort einige Stimmen eingefangen. Ein älterer Herr sagt uns: „Ganz schlimm für alte Menschen und Kinder! Das blanke, völlig unübersichtliche Chaos!“

Das Ehepaar Fellenz ist entsetzt über die Entwicklung am Siemersplatz: „Wir trauen uns nicht mehr zum Siemersplatz, man muss Angst haben."

Eine Gewerbetreibende erklärt uns, sie fände hier keinen Parkplatz mehr. Sie ließe sich nun hinbringen und nach Feierabend wieder abholen.

Für manche Autofahrer ist das Schilderchaos unübersichtlich, sie werden zu Geisterfahrern. Fährt man beispielsweise aus der Osterfeldstraße kommend über die Kreuzung, muss man sich schon sehr konzentrieren die Spur zu halten.

Anderen Autofahrern gehen die Nerven durch, sie fahren mutwillig verkehrswidrig. So wird von der Kollaustraße aus ständig in verbotener Weise rechts in die Vogt-Wells-Straße abgebogen. Einzelne Autofahrer biegen trotz Sperrung auch links aus der Vogt-Wells-Straße in die Kollaustraße und gefährden ihre Mitbürger. Letzte Woche wurden wir Zeuge wie eine fahrradfahrende Mutter mit Kind (ebenfalls auf einem Fahrrad) völlig den Verkehrsregeln gemäß die Ampel bei grün überqueren wollte. Ein verirrter Autofahrer raste auf sie zu, machte eine Vollbremsung und hatte Glück nicht in den fließenden Verkehr zu geraten. Mutter und Kind entgingen nur knapp dem sicheren Tod.

Für Alte und Behinderte ist der Siemersplatz unpassierbar geworden. Bergauf, bergab, dann durchs Geröll und über Umwege zur anderen Seite. Eine 90-jährige Anwohnerin aus der Ahornallee ist beim Besteigen des Busses auf der provisorischen Baustelle hingefallen und hat sich das Bein aufgehauen. „Es war so ein merkwürdiger Absatz auf dem Asphalt.“ Zwar erlitt sie keine wirklich schweren Verletzungen, aber da sie blutverdünnende Medikamente einnimmt, blutete die Platzwunde am Schienbein sehr lange und nun hat sich die Stelle noch entzündet.

Den Siemesplatz mit dem Auto zum Einkaufen anzusteuern ist derzeit nicht möglich. 6 Parkplätze gibt es noch. Einzelne Autofahrer parken auf dem engen Fußweg oder Radweg. Für die Gewerbetreibenden der wahre Horror.

Wer ist der Nächste?

Hinter vorgehaltener Hand kursieren Gerüchte, wer wohl nach dem Traditionsgeschäft Behrmann das nächste Straßenbau-Opfer sein wird.
Eine Anwohnerin ist verzweifelt, sie hat Angst, dass nun alle Gewerbetreibenden bis auf die Reinigung das Handtuch werfen werden. Der Gemüsemann und der Thailänder suchen bereits Nachfolger.

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© Lokstedt-online 27.07.2013