Flüchtlingsunterbringung

Echte Integration in die Quartiere

Nach dem Scheitern der Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Gelände des ehemaligen Recyclinghofes am Offakamp betont die Grünen-Bezirksfraktion die Verantwortung Eimsbüttels und plädiert zugleich für dezentralere Wohnformen.

Die Grünen mahnen in einer Presseerklärung an, dass Eimsbüttel sich dringend überlegen müsse, wie es seiner Verantwortung für die Unterbringung von Flüchtlingen gerecht werden könne. Eimsbüttel stehe bei den Platzkapazitäten deutlich hinter den anderen Bezirken zurück und habe dringenden Nachholbedarf.

Nachdem die zentrale Unterbringung der Flüchtlinge, da es keine geeigneten Flächen im Bezirk gibt, gescheitert erscheint, möchten die Grünen die Unterbringungskonzepte überdenken. Massenunterkünfte erscheinen den Grünen nicht als geeignetes Konzept. Die Fraktion regt mit einer kleinen Anfrage an, weitere Flächen oder Gebäude für die dezentrale Unterbringung zu prüfen.

Die Grünen versprechen sich davon eine problemlosere Eingliederung der Asylanten. Die Integrationsleistung muss dann nicht mehr von der Behörde, sondern kann von den „Bürgerinnen und Bürgern“ direkt vor Ort im Dialog mit den Asylantinnen und Asylanten erbracht werden. Einzeln unterbrachte Familien brauchen zudem auch nicht täglich von 8.00 bis 16.00 Uhr beaufsichtigt werden, wie es in Massenunterkünften derzeit üblich ist.

Die Geschäftsführerin der Fraktion Anna Gallina dazu: „Wir wollen echte Integration der Menschen in die Quartiere und die Gesellschaft fördern, dafür brauchen wir andere Konzepte. Als Grüne wollen wir deshalb mittelfristig anstelle von Massenunterkünften kleinere und dezentralere Wohnformen für Flüchtlinge und Wohnungslose realisieren... Als Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sehen wir uns zudem aufgefordert, mit Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog über konkrete Standorte und Möglichkeiten zu treten und für Offenheit und Solidarität zu werben.“

Einen Wermutstropfen hat die der Vorschlag der Grünen allerdings. Die dezentrale Unterbringung in Wohnungen ist deutlich teurer als die bisher übliche im Container-Park. Dazu Gallina: „Sowohl für die zentrale Erstaufnahme als auch für die Folgeunterbringung muss der Senat allerdings deutlich mehr Geld bereitstellen.“

Ein weiteres Problem wurde da noch gar nicht angesprochen. Woher sollen die Wohnungen für die Unterbringung kommen und welche Folge hätte die gestiegene Nachfrage nach preiswerten Wohnraum für die, die sich schon heute keine Wohnung mehr in Hamburg leisten können?

Insgesamt erscheint der Vorschlag der Grünen-Fraktion noch nicht ausreichend durchdacht. Sollen die Flüchtlinge beispielsweise in der Lenzsiedlung untergebracht werden? Dort ist allerdings der Ausländeranteil schon so groß, dass die Asylanten sich gar nicht erst integrieren müssten. Oder sollten die Asylanten in bürgerlichen Wohnanlagen mit vergleichsweise hohem Integrationsdruck untergebracht werden?

Da allerdings würden die „Bürgerinnen und Bürger“ zurecht erwarten, dass einige Grünen-Abgeordnete progressiv voran gehen und in ihrer Hausgemeinschaft eine Asylantenfamilie aufnehmen, mithelfen sie perfekt zu integrieren und dann berichten wie es ihnen so ergangen ist.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 30.06.2013