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Umbau Siemersplatz

Mehr Provokation als Info

Am Dienstag dem 28.05.2013 - eine Woche vor Baubeginn - findet tatsächlich die erste Informationsveranstaltung über den bevorstehenden Umbau des Siemersplatzes im Rahmen des Busbeschleunigungsprogramms statt. Natürlich ist es für Änderungswünsche nun viel zu spät.

Ausrichter der Veranstaltung war der Bürgerverein Hoheluft-Großlokstedt e.V., deren Vorsitzender Roland Heintze (CDU) moderierte die Veranstaltung.

Der Veranstaltungsort

Bereits der gewählte Veranstaltungsort war bezeichnend für die gesamte Veranstaltung: Der Veranstalter hatte offensichtlich Rücksicht auf die Vertreter des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer sowie der Hamburger Hochbahn genommen und die Veranstaltung drei Kilometer nördlich des Siemersplatzes abgehalten.

Denn es bleibt zu vermuten, dass der eine oder andere teilnehmende Flachbrettbohrer den Siemersplatz nicht einmal gefunden hätte und schon deswegen der Veranstaltung fern geblieben wäre, wenn sie denn am Siemersplatz stattgefunden hätte.

So fand denn die „Infoveranstaltung Baumaßnahmen am Siemersplatz im Rahmen des Busbeschleunigungsprogramm“ vorsichtshalber in der Pausenhalle der Anna–Warburg–Schule am Niendorfer Marktplatz statt. Dorthin fährt ja auch eine U-Bahn, da kann sich nicht einmal ein Referent verfahren.

Der Veranstaltungsort also an sich schon eine Frechheit. Die Verantwortlichen setzten an diesem Abend allerdings noch eins oben drauf und blieben dem Bürger praktisch jede Antwort schuldig.

Die Busbeschleunigung an sich

Als erstes sprach Roland Hansen, der Projektleiter der Busbeschleunigung. Es war ein 30 Minuten langer interessanter Vortrag über die Busbeschleunigung im Allgemeinen.

Auf eine etwas provokante Zwischenfrage, was denn wohl passieren würde, wenn man in Hamburg so verfahren würde wie in Städten mit reibungslos funktionierenden Öffentlichem Nahverkehrsmitteln. Dort - etwa Paris mit seiner Metro - würde man die Busse gezielt entschleunigen indem man Fahrradfahrer mit auf der Busspur fahren lässt. Diese Frage wollte Hansen offensichtlich nicht verstehen. So etwas Fortschrittliches konnte er sich kaum vorstellen. Er sprach dann davon, dass die Fahrradfahrer gut neben den Bussen fahren könnten, wenn denn neben der Busspur Platz für einen Fahrradweg sei.

Das ist typisch für Hamburger Verkehrspolitker. Etwas anderes als 25 Meter lange Ungetüme mit mörderischem Tempo und im Akkord durch die Stadt preschen zu lassen, können sie sich kaum mehr vorstellen. Dabei liegt es auf der Hand, dass es insgesamt viel stressfreier auf den Straßen zuginge, wenn man die Massenbeförderung unterirdisch mit U-Bahnen oder mit der StadtBahn bewerkstelligen würde und überirdisch dem Fahrrad endlich Priorität einräumen würde.

Der Siemersplatz

Dann war der Extrem-Hektiker Daniel Scheer, der für die Planung der Baumaßnahmen am Siemersplatz zuständig ist, an der Reihe. In (bus-)beschleunigtem Tempo - er hatte es wohl eilig und war bereits nach 6 Minuten fertig - erzählte er den Gästen der Veranstaltung etwas über den Siemersplatz.
Die Bilder auf der Leinwand schnippte Scheer so schnell hintereinander weg, dass man sie nicht mal alle fotografieren konnte, geschweige begreifen was er damit vermitteln wollte. Als dann endlich eine Einstellung vom Siemerplatz für eine Weile sichtbar blieb, wollten wir über Details informiert werden. Die Abbildung war aber dann doch gänzlich ungeeignet, sehr klein und undeutlich.

Ein Besucher fragt: „Der Platz vor Nur Hier soll weg?“ Scheer antwortet ausweichend: „Welcher Platz?“ Der Besucher: „Ecke Kollaustraße / Vogt-Wells-Straße. Geht die Abbildung nicht größer?, dann kann ich Ihnen zeigen welcher.“ Das überhört Scheer gekonnt: „Ach da, das ist nur ein kleines Stück.“

Nächste Frage: „Was ist mit dem Fußgängerweg in der Kollaustraße. Der hat nur 70 cm Breite auf öffentlichen Grund?“ Scheer: „Wo genau? Der Frager versucht ihn auf eine Stelle zu lenken. Nein antwortet Scheer, der Fußweg habe 185 cm auf öffentlichen Grund, da sei kein privater Grund mit drin.
Doch offensichtlich ist Scheer nicht richtig informiert. Denn im Erläuterungsbericht zu den Umbauarbeiten steht es anders!

Auf die Bemerkung, dass der Siemersplatz vor der Haspa vor zwei Jahren gerade gemacht worden sei, war die Antwort von Scheer: „Das bleibt alles so.“ Auf den Plänen sieht es allerdings anders aus. Der aktuelle Umbau am Siemersplatz soll schließlich 1,5 Millionen Euro kosten. Irgend etwas muss da ja umgebaut werden.

Auf die Frage nach dem Gedenkstein kommt nur die Antwort, dass alles mit dem Denkmalamt abgesprochen sei.

Auf die Frage, ob der Auto-Briefkasten in der Parkzeile vor der Post bleibt, fragt Scheer: „Was für ein Briefkasten?“

Überhaupt hat man den Eindruck, Scheer hat sich den Siemersplatz noch nie angesehen. Dann will er den Plan wegdrücken und es geschieht etwas Unglaubliches. Scheer drückt ausversehen auf die Lupe und der Plan erscheint für Sekunden vergrößert. Scheer drückt ihn gleich wieder weg. Wir bitten ihn, die größere Abbildung wieder herzustellen. Nichts geschieht.

Wir erfahren etwas über die Parkplätze vor der Post, diesmal in vergrößerter Darstellung, aber für diesen Bereich sei nicht er sondern das Bezirksamt zuständig. Während der Baumaßnahmen werde hier eine Ersatzfahrspur eingerichtet. Danach vergeht er sich in unverständlichem Gefasel und keiner kann mehr folgen wieviele Parkplätze tatsächlich wegfallen werden.

Unter den Zuhörern auch der seit Jahrzehnten am Siemersplatz ansässige Optiker Helmut Sadler. Er war arglos auf die Informationsveranstaltung gekommen. Was er dort zu hören bekam versetzte ihm allerdings einen Schock. Noch ahnte er nicht, dass es schon am nächsten Tag noch schlimmer für ihn kommen würde. Denn schon 10 Stunden nach dieser „Info-Veranstaltung“ wurde die Baustellen eingerichtet. Alle Parkplätze vor seinen Geschäft hatten sich in Luft aufgelöst.

Nun meldet sich eine Dame. Alle Anwesenden staunen nicht schlecht als sie säuselt wie toll das mit der Busbeschleunigung werde. Jedermann ist sofort klar: ein Agent Provocateur versieht hier sein widerwärtiges Gewerbe. Die Behörde hat offensichtlich an nichts gespart.

Simulation in der Morgenspitze

Michael Bahr, Spezialist für Ampelschaltungen, zeigt nun eine Simulation. Er verspricht, dass die Ampelphasen am Siemerplatz für Fussgänger besser würden. Er erwähnt dabei so ganz nebenbei die Zahl von 120.000 Autos, die den Siemersplatz täglich passieren. Es verkehren aber mittlerweile täglich mehr als 175.000 Fahrzeuge, offensichtlich hat er 10 Jahre alte Zahlen. Auf die Frage, ob das Ganze dann auch mit mehr Autos funktioniere, blieb er die Antwort schuldig. Letztes Jahr hätte man doch eine Zählung vorgenommen. Ihm hätte man diese Zahl genannt.

Die Behörde hat die Schaltungen der Ampel tatsächlich auf 120.000 PKW optimiert. Es ist anzunehmen, dass es kein Zufall war, dass man dem Ampelsimulanten falsche Zahlen gab. Die Busbeschleunigung war schließlich von höchster Stelle angeordnet. Hätten die Berechnungen ergeben, dass die Kreuzung eine beschleunigte Abfertigung der Busse nicht zulässt, wäre das einer Katastrophe gleichgekommen.
Ein echter Skandal. Die Behörde lässt mit viel zu niedrigen Zahlen rechnen. Am Ende werden natürlich die Fussgänger diesen Betrug ausbaden. Ihnen wird man nach dem Horrorumbau die „großzügig“ kalkulierten Grünphasen wieder verkürzen. Wenn ein Rentner dann nicht schnell genug von der Straße kommt, dann wir er von einem 25 Tonnen schweren Bus überrollt.

Scheer verabschiedete sich und verlässt als erster mit einem Koffer den Saal. Darum hatte er es so eilig. Ob er jetzt erst mal Urlaub macht, nun wo die Bauarbeiten am 05.06.2013 anfangen sollen?

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 06.06.2013