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Flüchtlingsunterbringung in Lokstedt 5

Fördern & Wohnen bricht Baustopp

Obwohl Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke am Freitag (14.12.2012) einen sofortigen Baustopp verfügt hat, wird weiter gearbeitet am Offakamp. Tanzt der Betreiber „Fördern & Wohnen“ dem Bezirksamtsleiter, der Bezirksversammlung und der Baubehörde auf der Nase herum?

Freitag 10 Uhr in einer großen Hamburger Kanzlei, die einen Bewohner des Jägerlaufs rechtsanwaltlich in der Sache vertritt. Der Bezirksamtsleiter persönlich ruft an, um Weiterungen zu vermeiden. Er sichert dem Rechtsanwalt zu, dass keine weiteren rechtlichen Schritte wegen einer fehlenden Baugenehmigung eingeleitet werden müssen, da er persönlich dafür Sorge tragen würde, das dieses ungesetzliche Handeln unterbunden würde. Auf Nachfrage bestätigt er, das eine Baugenehmigung nicht vorliegt.

Baustopp erlassen

Sevecke beteuert gegenüber dem Rechtsanwalt, dass er den sofortigen Baustopp bereits angeordnet habe. Die Baupolizei sei unterwegs zur Baustelle. Zeitgleich trifft diese tatsächlich vor Ort ein und sorgt für die Einstellung der Arbeiten.


Alles also wie am Vorabend auf der Sitzung der Bezirksversammlung versprochen. Der Baustopp wurde tatsächlich erlassen. Aber, wurde er auch umgesetzt?

Gegen 12.40 Uhr überzeugt sich ein Mitarbeiter von Lokstedt online vor Ort vom Geschehen. Auffällig: einige Sandhaufen mit Schnee bedeckt, andere mit frischen Sand. Mindestens bis zum Eintreffen der Baupolizei wurde noch gebuddelt.

Die Bauarbeiter stehen herum. Das sieht nach Baustopp aus, könnte aber auch der Aufbruch in die Mittagspause sein. Die Architektin zugegen. Auf die Nachfrage ob hier Baustopp herrsche, antwortet sie allerdings ausweichend.

Die Arbeiten seien völlig harmlos und man hätte hier nur Sand aufgegraben. Wie sollten wir sonst die Abflussleitungen legen. Die Versiegelung sei nicht aufgebrochen und abschließend der Hinweis: Man müsse auch bedenken, dass „großer politischer Druck“ herrsche.

Wie uns nun aber verschiedene Nachbarn berichten, war um 12.40 Uhr tatsächlich nur Mittagspause. Anschließend wurde munter weitergearbeitet. Es wurden Rohre und Leitungen verlegt. Das ging über - eventuell notwendige Aufräumarbeiten vor dem Verlassen der Baustelle - deutlich hinaus. Erst gegen 15 Uhr, also ganz normal für einen Freitag, wurde Feierabend gemacht.

Erste Bewohner gesichtet

Auf der Info-Veranstaltung am Dienstag wurden Berichte von Anwohnern, dass auf dem Grundstück bereits klammheimlich Asylanten untergebracht worden seinen, von Brigitte Samtleben, Dezernentin für Soziales, Jugend, Gesundheit im Bezirksamt Eimsbüttel, als falsch dargestellt.

Ebenso zwei Tage später. Als Samtleben in der Pause der Bezirksversammlung von Anwohnern des Geländes am Offakamp angesprochen wurde, dass in den Gebäuden des ehemaligen Bürotrakts in der Nacht zuvor wieder Fernseher flackerten und Kerzen brannten, die Räume also bereits bewohnt seien, leugnete sie erneut. Sie bestritt ausdrücklich, dass dort Bewohner eingezogen seien.

Nun mehren sich allerdings die Zeugen, die sich bei uns in der Redaktion gemeldet haben. In zum Teil übereinstimmenden Aussagen berichten die Bewohner der Nachbargrundstücke, dass das ehemalige Bürogebäude bereits von Asylanten und / oder Obdachlosen bewohnt werde. Einige Anwohner haben mit den Bewohnern bereits per Winkzeichen ersten Kontakt aufgenommen.

Die Scheiben des Bürogebäudes sind zwar mit lichtdichter Alufolie verhängt, aber aus unmittelbarer Nähe sieht man deutlich, dass Licht an- und ausgeschaltet wird. Teilweise sieht man auch die Bewohner. Zudem herrscht reges Kommen und Gehen. Gegen 1.00 Uhr kam ein Mann mit einem schwer beladenen Fahrrad. Heute morgen um 9.30 Uhr fuhr wieder los.

Was kann man den Behörden also überhaupt noch glauben? Es macht den Eindruck in der dieser Angelegenheit wird völlig willkürlich verfahren.

Wieso gerade am Offakamp?

So willkürlich wie das Vorgehen der Behörden auch die Auswahl der für die Unterbringung von Asylanten ausgesuchten Grundstücke. Nach Aussage von Informanten hätte es eine ausreichende Auswahl an anderen zum Teil besser geeigneten Grundstücken gegeben.

Auch dies steht deutlich im Gegensatz zu dem, was den Anwohnern auf der Info-Veranstaltung gesagt wurde. Dort hieß es noch, dass der Behörde jeder Vorschlag recht sei und sie händeringend nach Grundstücken suche.

Nun aber die Aussage von Insidern: Bei der Auswahl der Grundstücke soll der Wert der Grundstücke, und nicht etwa deren Eignung für diese Zwecke, das einzige Kriterium sein. Für die Unterbringung werden von der Behörde vorrangig geringwertige Grundstücke genutzt. Da wundert es also kaum, dass am Offakamp ausgerechnet eine ehemalige Müllkippe ausgesucht wurde. Das verseuchte Grundstück kann im Wert kaum noch sinken.

Die Behörde spart hier aber am verkehrten Ende. Sie gefährdet mit ihrem Handeln die Bewohner der umliegenden Grundstücke und auch die dort unterzubringenden Menschen.

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© Lokstedt-online.de 15.12.2012