Flüchtlingsunterbringung in Lokstedt 1

Добродошли!

Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration hält das Gelände des ehemaligen Recyclinghofs Offakamp geeignet für die vorübergehende Unterbringung von 177 Zuwanderern und Obdachlosen. Dort ständen drei beheizbare Gebäude zur Verfügung, in denen die für eine Gemeinschaftsunterkunft notwendigen Einrichtungen ohne großen Aufwand installiert werden können

Derzeit leben in Hamburg etwa 8.400 Flüchtlinge und Wohnungslose in 53 Einrichtungen. Anfang 2001 gab es noch 20.500 Plätze für Flüchtlinge und Obdachlose in Hamburg. Seither waren aber infolge der verstärkten Außensicherung der EU-Grenzen die Flüchtlingszahlen rapide gesunken. Auch in Hamburg wurden daher die öffentlichen Unterbringungsplatze abgebaut.

Als im Herbst 2011 absehbar wurde, dass die Flüchtlingszahlen aufgrund einer Vielzahl internationaler Konflikte erneut ansteigen würde, wurden die Hamburger Bezirke in die Pflicht genommen, für zusätzliche Unterkünfte zu sorgen. Befürchtungen die Bezirke könnten sich gegenseitig den „Schwarzen Peter“ zuweisen, versuchte Detlef Scheele (SPD) frühzeitig zu begegnen. Er wünsche sich ein Klima für gemeinschaftliche Lösungen. Für die Unterbringung sollten die Hamburger solidarisch zusammenstehen, so der Senator.

Seit dem Sommer dieses Jahres verzeichnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nun tatsächlich den befürchteten starken Anstieg der Asylanträge. Bei den Flüchtlingen aus Serbien, Afghanistan und Syrien verdoppelte sich gar die Zahl der Anträge.

Insgesamt müssen in den sieben Hamburger Bezirken 1000 neue Unterkünfte entstehen. Die Kosten für die Unterkünfte bezifferte Innenstaatsrat Volker Schiek (SPD) auf zehn Millionen Euro. Dazu sollen leerstehende Gebäude und freie Flächen für Containerdörfer genutzt werden.

Für das im Bezirk Eimsbüttel unterzubringende Kontingent wurde über eine erneute Unterbringung in der Niendorfer Straße 99 spekuliert. Dort wo einst Kleingärten den Notunterkünften weichen mussten, sollten nunmehr Container aufgestellt werden. Nachteil des Grundstücks allerdings, die Stadt müsste es erst erwerben.

Da die Unterbringung an der Niendorfer Straße kurzfristig also schwer zu realisieren ist, versucht der Bezirk Eimsbüttel die Flüchtlinge nunmehr in Lokstedt unterzubringen.

Auf dem dafür auserwählten Gelände des ehemaligen Recyclinghofes am Offakamp befand sich in den 1920er Jahren eine Mülldeponie, die Bodenproben enthalten noch heute deutlich erhöhte Gehalte an Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen, in geringeren Mengen auch Schwermetalle, Arsen, Blei, Kupfer und Zink, wie es in der Begründung des Bebauungsplanes Lokstedt 58 heißt. Daher war die Behörde bislang froh, dass die ausschließlich gewerblich zu nutzenden Grundstücke vollständig versiegelt sind. Eine Wohnbebauung war hier bislang ausgeschlossen. Nun aber haben die Verantwortlichen ausgerechnet dieses verseuchte Gelände für die Unterbringung auserkoren. Auf den vollversiegelten Flächen sollen zukünftig die Kinder von Flüchtlingen spielen. Als ob die noch nicht genug traumatisiert wären, setzt man sie nun noch weiteren gesundheitlichen Gefahren aus.

Zudem funktioniert die Ansiedelung von Flüchtlingsunterkünften nur dann, wenn Anwohner keinen Einspruch gegen die neuen Einrichtungen erheben. Und es finden sich bereits erste Skeptiker. Die Vorsitzenden der CDU-Bezirksfraktionen sahen Anlass zu einer gemeinschaftlichen Erklärung:

„Dazu gehört für uns auch, dass die Anwohner möglichst früh über geplante Standorte oder Erweiterungen informiert und in die Diskussion einbezogen werden. Nur wenn das Meinungsbild vor Ort nachvollziehbar mit in die Beratungen und Entscheidungen einbezogen wurde, werden wir die nötige Akzeptanz erreichen können.“

Und der Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt ergänzt: „Außerdem wäre es wünschenswert, schon bei Öffnung einer neuen Unterkunft eine Gruppe von Anwohnern und Ehrenamtlichen einzubinden, um die Mitarbeiter vor Ort zu unterstützen und ständig mit den Bürgern im Stadtteil im Dialog zu stehen.“

So sieht sich auch die Behörde aufgefordert zu informieren. Die Bewohner der angrenzenden Straßen werden in Kürze ein Schreiben erhalten. Karrenbauer ist aber insgesamt der Auffassung, dass es sich gezeigt habe, dass gute Unterkünfte keine Belastung für die Umgebung seien. Vorsorglich allerdings bot er die Vermittlung bei möglichen Nachbarschaftskonflikten an.

Am 13.12.2012 tagt die Bezirksversammlung. Sie wird dann vermutlich Stellung zu diesem Ansinnen des der Behörde beziehen. Die Bürger vor Ort allerdings sollten allerdings schon einmal einige Brocken serbisch lernen: „Добродошли!“ - das heißt herzlich Willkommen. Die Entscheidung über die zwischenzeitliche Nutzung des Areals liegt nämlich bei der Behörde.

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© Lokstedt-online.de 06.12.2012