• /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •                  

Politische Bildungsreise

Der am Donnerstag geborene Prinz

Ende August lud der Eimsbütteler Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse (CDU) eine gemischte Reisegruppe - Kindern mit ihren Eltern - nach Berlin. Solche Informationsfahrten werden vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung organisiert, finanziert und durchgeführt. Jeder Abgeordnete darf zweimal im Jahr einladen.

Bereits als wir wenige Tage vor der Fahrt das Programm erhielten, war klar: Es handelt sich bei unserer Reise nach Berlin um eine „Tagung für politisch Interessierte“ und Freizeit war eher wenig eingeplant.

Eingeladen hatte uns Rüdiger Kruse. Seit 2009 hat er einen Sitz im Deutschen Bundestag und ist seit Juni 2011 stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Hamburg.

Jetzt geht’s los!

Am Siemersplatz nahmen wir den Metrobus 5, am Brunsberg stiegen mit uns befreundete weitere Teilnehmer der Gruppenreise zu. Treffpunkt war Gleis 7 am Hauptbahnhof, dort sollten wir uns um 8.30 Uhr einfinden. Nach und nach trafen dann alle Mitreisenden ein. Zunächst noch etwas schüchtern beäugten sich die Kinder und die Erwachsenen.

Silke Seif, Mitarbeiterin in Hamburger Abgeordnetenbüro von Rüdiger Kruse begrüßte uns und hackte alle Eintreffenden auf einer Liste ab. Die Reisegruppe war komplett, 50 Personen waren gebucht für den Eurocity Kiel - Hamburg - Berlin - Prag, wir belegten fast einen ganzen Wagon.

Insgesamt eine angenehme nicht zu lange Zugfahrt. Wir hatten mit unseren mitreisenden Freunden gegenüberliegende Sitze mit einem Tisch dazwischen, Wlan und USB-Ladestation. Mein Sohn Felix meinte, wir sollten zukünftig öfter mal den Zug nehmen.

Um 10.55 Uhr bestiegen wir am Hauptbahnhof Berlin einen Reisebus, der dort bereits auf uns wartete. An dieser Stelle sollte man es bereits einmal erwähnen: Der gesamte Berlinaufenthalt war perfekt geplant. Der Dank gilt dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und seinen Mitarbeitern.

Allerdings wäre diese Fahrt nach Berlin kaum durchzuführen gewesen ohne Silke Seif. Sie organisierte diese besondere Tagung.

Doch was war so besonders an dieser Fahrt? Schließlich finden jeden Tag mehrere politische Bildungsreisen statt, denn jeder Abgeordnete - egal welcher Partei - darf zweimal im Jahr zu einer solchen Fahrt einladen.

All diese Reisen, etwa 1.200 pro Jahr, sind ausschließlich Erwachsenen vorbehalten. Rüdiger Kruse hat jedoch durchgesetzt, auch einmal eine solche Reise für Familien zu organisieren. Also Neuland für das Presse- und Informationsamt. Insofern war Silke Seif gefragt, Aktivitäten für Kinder in die Tagesordnung einzubauen und die eine oder andere Planungslücke zu schließen.

Seif, übrigens selbst CDU-Abgeordnete in der Bezirksversammlung Eimsbüttel, gab der Veranstaltung also den letzten Feinschliff. Jede noch so kleine organisatorische Lücke im Ablauf wurde von ihr im Handumdrehen geschlossen. Allerdings klingelte in jeder freien Minute ihr Handy. Den Terminkalender eines Bundestagsabgeordneten zu verwalten und gleichzeitig ein 50-Personen-Event zu leiten macht offensichtlich eine Menge Arbeit. Seif ließ sich allerdings durch nichts aus der Ruhe bringen.

Engagement Global gGmbH - Bildung trifft Entwicklung

Unser Busfahrer brachte uns gleich zu unserem ersten Termin. Auf dem Weg dorthin eine erste kleine Sightseeing-Tour. Reiseleiter Mathias wies uns auf einige Sehenswürdigkeiten hin. Da allerdings die eigentliche Stadtrundfahrt bereits für den Nachmittag eingeplant war, ging die Fahrt dann doch eher zügig ins Pangea-Haus.

Das Haus ist nach dem letzten Superkontinenten der Erdgeschichte benannt. Er existierte als zusammenhängende Landmasse vor etwa 300 bis 150 Millionen Jahren, also zu der Zeit als auf der Erde die Dinosaurier lebten. Der Begriff Pangea ist aus dem griechischen entlehnt und bedeutet „ganze Erde“. So will man es hier verstanden wissen, eine „Begegnungsstätte, in der die Kontinente wieder zusammenkommen“.

Unsere Reisegruppe allerdings wurde zunächst einmal geteilt. In unserer Gruppe sprach ein Dozent der Engagement Global über sein Heimatland Ghana. Zunächst schrieb er seinen Namen auf eine Tafel: Lawrence Nana Yaw - das würde der am Donnerstag geborene Prinz bedeuten.

Der Adelige hielt uns einen Vortrag über sein Volk die Aschanti, die vielen Königreiche in Ghana und dem dort herrschenden Matriarchat. ER zeigte uns Fotos von einer gold-geschmückten Kaiserin ohne irdischen Besitz. Sie gibt ihren Titel nach ihrem Tod an eine andere Frau aus ihrem Stamm weiter. Anschließend durften Fragen gestellt werden, was einige Mitreisende ausgiebig taten.

Für die Kinder waren am Ende der kleinen Veranstaltung die aus Ghana mitgebrachten, aus Konservendosen hergestellten Spielzeuge und Musikinstrumente am interessantesten.

Mittagspause

Danach vereinigten sich die Gruppen wieder und es ging mit dem Bus ins Veli’s. Das Restaurant in Kreuzberg bietet „Internationale Küche mit Herz und Seele im Herzen Berlins“. Genau das war es dann auch, was mir nicht so ganz gefiel. Man konnte nicht genau sagen, war das nun italienische, türkische oder deutsche Kost.

Aber das Essen war reichhaltig, schmackhaft und für jeden war etwas dabei. Und vor allem: Alles mal wieder perfekt auf die Minute geplant. Wir kamen an und das Buffet war bereit; kaum war der Nachtisch gegessen, fuhr unser Bus schon weiter.

Museum für Naturkunde

Um 15 Uhr fuhren wir pünktlich in der Invalidenstraße, am Museum für Naturkunde, vor. Dies ein Termin, der hauptsächlich für die Kinder eingeplant wurde. Und wieder ein ganz besonderes Event, denn das Museum war an diesem Nachmittag eigentlich geschlossen.

In drei Gruppen führte man uns durch die Hallen, vorbei an allerlei versteinerten Skeletten. Unsere Museumsführerin wusste viel Interessantes über das Jura - die Zeit in der die Dinosaurier lebten - zu berichten. Wir lernten die Skelette zu unterscheiden: Fleischfresser, Pflanzenfresser und auch woran man sehen kann, dass einige Dinosaurier Vorfahren der Vögel sind. Das alles war sehr interessant.

Doch nur die Eingeweihten wussten bereits, dass noch eine riesige Attraktion auf uns wartete. Denn im Berliner Naturkundemuseum ist aktuell eine besonderes Rarität ausgestellt. Das Skelett wurde 2012 in Montana / USA gefunden und gilt unter den internationalen Experten als einmaliger Fund: Eines der am vollständigsten erhaltenen Skelette eines Tyrannosaurus rex weltweit, der auf den für ein solches Monster merkwürdigen Namen „Tristan Otto“ getauft wurde.

Die Namensgebung ist allerdings schnell erklärt. Die beiden Sponsoren kauften das Skelett für ihre Söhne und schenkten es ihnen zum Geburtstag. Das Millionengeschenk muss eine schöne Überraschung für Tristan und Otto gewesen sein!

Unsere Führerin witzelte: „Tristan hat das Skelett zu seinem 9. Geburtstag erhalten, mal sehen was er wohl zu seinem 18. Geburtstag bekommt!“

Das Skelett jedenfalls gigantisch und inzwischen weltberühmt, seit es auf der Sonderausstellung „Tristan - Berlin zeigt Zähne“ präsentiert wird. So wurde Felix nach der Heimkehr sofort von einem Klassenkameraden gefragt: „Du warst in Berlin, hast Du Tristan gesehen?“

Stadtrundfahrt

Als wir das Museum verließen war schon der Fremdenführer Andreas zugestiegen. Er ersetzte Mathias am Mikrophon. Gut zudem, dass wir einen doppelstöckigen Bus zur Verfügung hatten. Von oben konnte man über die vielen Baustellen hinweg sehen und auch die Sehenswürdigkeiten konnten von oben in Augenschein genommen werden, ohne sich den Hals zu verrenken. Weitere Gruppenmitglieder, die zuvor unten Platz genommen hatte, kamen also mit nach oben um die Stadtrundfahrt zu genießen. Wir fuhren kreuz und quer durch Berlins Innenstadtbezirke und erfuhren so manch interessante Geschichte. Und das Besondere war, dass der Fremdenführer alles sehr verständlich und kindgerecht erklärte. Höhepunkt ohne Frage der Stopp am Brandenburger Tor. Hier hatten wir 15 Minuten Zeit um einige Fotos rund um dem Pariser Platz zu schießen.

Weiter ging die Fahrt, allerdings fehlten unsere beiden Lokstedter Freunde. Es wurde bei der Abfahrt zwar im Bus herum gefragt: „Sind alle eure Nachbarn da?“, aber das sollte man nicht meinen Sohn Felix fragen, wenn er mit seinem Handy spielt. Erst als der Bus losgefahren war, gab er Alarm. Nach zwei Minuten klingelte dann mein Handy und die beiden Vermissten meldeten sich: „Seit Ihr etwa ohne uns losgefahren?“

Wir sind dann durch das Baustellen-Chaos wieder zurück zum Brandenburger Tor gefahren und haben die beiden eingesammelt. Dann ging es weiter, wir fuhren durch Kreuzberg und schließlich endete die Rundfahrt an unserem Hotel in Moabit.

Das Resümee der Stadtrundfahrt: Es lohnt immer, sich von einem Kenner begleiten zu lassen. Auf eigene Faust mit dem Auto durch die Stadt macht nicht halb so viel Spaß, man findet sie einfach nicht, die schönen Plätze.

Adrema Hotel Berlin

Untergebracht wurden wir in großzügigen Zimmern im Adrema Hotel, es liegt in Moabit direkt an der Spree. Wir hatten ein riesiges Badezimmer und Blick auf den Fluss. Zum Abendessen hatten wir einen besonderen Gast. Eigentlich war es eher umgekehrt. Rüdiger Kruse beehrte seine Gäste in Berlin. Er begrüsste uns alle persönlich und blieb zum Abendessen.

Ya-man

Nach dem Essen noch kurz die Beine vertreten. Doch als wir auf der Turmstraße ankamen, machten wir lieber kehrt. Es wurde dunkel und die Gegend dort - wir waren ja mit Kindern unterwegs - doch recht durchwachsen. Auf dem Rückweg allerdings fanden wir wonach wir gesucht hatten. Wir kehrten im Ya-man bei Sister Barbara ein, die uns karibische Cocktails servierte - die Kinder bekamen ihre Drinks natürlich ohne Alkohol. Während wir die Cocktail tranken, dazu kleine Vorspeisen aßen, genossen wir die laue Abendluft vor der Bar und lauschten der Reggae-Musik.

Puppentheater

Mit einem reichhaltigen Frühstück gestärkt war um 8.30 Uhr der Check-out angesagt. Der Bus fuhr uns nach Berlin-Schöneweide in die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Wer sich nicht vorher informiert hatte, erfuhr erst vor Ort: Hier wird auch nicht nur „normale“ Schauspielkunst unterrichtet. Hans-Jochen Menzel, Professor für Zeitgenössische Puppenspielkunst, und einige seiner Mitarbeiterinnen nebst zwei Studentinnen, führten uns spielerisch durchs Haus, zeigten uns zwischendurch immer wieder neue Spieltechniken und Fingerübungen, die für das Puppenspiel unerlässlich sind.

Hier im Puppentheater amüsierten sich die Kinder. Wir wurden durch den Fundus geführt, waren in der Puppenwerkstatt, erlebten Proben für eine Neuinszenierung und am Ende wurde uns ein Puppentanz vorgeführt, den eine Examens-Studentin für ihre erste Stellenbewerbung einstudiert hatte. Sie zeigte uns einen sehr beeindruckenden Woyzeck in einem kombinierten Kostüm: halb Mensch, halb Puppe. Nach dieser Super-Vorführung steht der Berufswunsch für einige der mitreisenden Kinder wohl schon fest. Mein Sohn Felix meinte allerdings: „Zuviel Arbeit für zu wenig Geld“. Da würde er schon lieber Politiker werden.

Im politischen Berlin

Also machten wir uns mit der Gruppe auf ins Zentrum der Macht. Schon auf dem Weg dorthin begegnete uns ein Konvoi von weißen Mäusen und dunklen Limousinen. Durch die verdunkelten Scheiben konnte man kaum ins Wageninnere blicken. Die bunten Trachten waren allerdings dann doch eindeutig zu erkennen, es handelte sich um eine afrikanische Delegation.

Für uns ging es nun Schlag auf Schlag. Kurzes Mittagessen im Pavillon Berlin-Tiergarten. Wenn Tagungswoche ist, essen hier - so heißt es wenigstens - auch manche Abgeordnete. Man sitzt schön schattig unter Bäumen, uns wurde ein Jäger-Schnitzel serviert.

Danach Sicherheits-Check (wie im Flughafen), Besichtigung des Plenarsaals und ein kindgerechter Vortrag über die Aufgaben und die Arbeit des Parlaments.

Nach dem Vortrag trafen wir erneut Rüdiger Kruse. Er berichtete uns über seine Arbeit im Haushaltsausschuss und beantworte geduldig alle unsere Frage. Sehr aufmerksam von ihm: Für einen der Gäste, der an dem Tag Geburtstag hatte, hatte er ein Buch als Geschenk mitgebracht.

Im Anschluß haben manche Mitreisende dem Abgeordneten noch persönliche Anliegen vorgetragen und ihn gefragt, warum etwa die kleinen Musikclubs keine Zuschüsse bekommen und die gesamten Gelder statt dessen in Großprojekte wie die Elbphilharmonie fließen würden. Nach einem abschließenden Fototermin mit Kruse dann die Besichtigung der Kuppel des Reichstagsgebäudes.

Bundeskanzleramt

Und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre. Man hatte für uns auch noch einen Besuch im Bundeskanzleramt arrangiert. Nach einem erneuten Sicherheits-Check gingen wir durch den Haupteingang ins Erdgeschoss. Dort im Foyer ein riesiges Blumengesteck, das so aussah als ob es für ein Staatsbegräbnis gedacht wäre.

Dann sind wir die Treppen hoch und sahen in einem Raum, der eigentlich der Bundespressekonferenz dienen soll, einen Film-Vortrag der für einige der Kinder ganz besonders interessant war. Nämlich für die, die später nicht Puppenspieler sondern Politiker werden wollen.

Anschließend wurden wir durchs Haus geführt: Sehr moderne Architektur, riesige Treppen, sehr helles Ambiente und die Skylobby mit herrlichem Ausblick.

Wir durften auch einen Blick in den Kabinettsaal werden. Der Tisch war schon für die nächste Sitzung - immer mittwochs - mit den Namensschildern der Minister vorbereitet.

Im Pressebereich haben wir ein paar Bilder gemacht und uns anschließend noch die Staatsgeschenke in aller Ruhe angesehen.

Dann ein kurzer Stopp auf der großen Terrasse. Dort erfuhren wir, dass Merkel anderes als ihr Amtsvorgänger hier nicht wohnt.
Apropos Amtsvorgänger: Die Gemäldegalerie der Vorgänger Merkels im Amt besonders beeindruckend.

Dann endete die Besichtigung, ohne dass wir ein Selfie mit der Bundeskanzlerin machen konnten. Sie soll zwar - so die Gerüchte - im Hause gewesen sein. Vielleicht haben wir deswegen ihr Büro nicht ansehen dürfen.

Rückfahrt

Auf dem Weg zum Hauptbahnhof wurden noch Lunchtüten vom Restaurant Brotbüxe ausgegeben. Der ICE hatte 30 Minuten Verspätung, auf der Rückfahrt wurden dann die Lunchtüten geleert. und Adressen ausgetauscht.

Insgesamt eine tolle Fahrt nach Berlin. Als wir gegen 23 Uhr zuhause angekommen waren, war uns allerdings erst mal nach einer Mütze Schlaf zumute.

Für Kinder war es besonders interessant. Die haben in zwei Tagen verstanden wie Politik so funktioniert und dass Berlin immer eine Reise wert ist.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 20.09.2017