Leserbrief

Trostpflaster für Olympia

(zu: Es ist vorbei! vom 09.07.2017)

Auf diese journalistische Meisterleistung feinster Art einen Leserbrief zu formulieren ist eine Herausforderung, wir werden es aber mal versuchen.

  1. Es gab und gibt nur wenige Wähler/-innen die 2015 daran geglaubt hatten bzw. haben, dass solche Veranstaltung ohne Proteste ablaufen würden.

  2. Ich meine nicht die von langer Hand und von verschiedenen politischen Interessengruppen organisierten und mit hohem kriminellen Aufwand betriebenen Proteste, sondern die Proteste von Menschen in Deutschland und Europa, welche seit geraumer Zeit spüren, dass sie auf politischer Ebene kein oder wenig Gehör für die einfachen und täglichen Lebensformen mehr erfahren. Zum Beispiel bezahlbarer Wohnraum oder Arbeit für alle arbeitswilligen. Und nicht wie vom Deutschen Städtebund aktuell gefordert  eine Wohnungsreserve für Flüchtlinge zu schaffen.

  3. Diese Menschen können es nicht mehr ertragen, dass nur noch die Politik entscheidet wie der einzelne Bürger in Deutschland bzw. Europa zu leben hat, von daher bleibt ihnen in der Regel nur noch der laute aber friedliche Protest auf der Straße und nicht mehr die nichtssagenden Bekundungen der Berufspolitiker, von welcher Partei auch immer.

  4. Wahrscheinlich war der Vorsitzende von der fraktionsstärksten Partei in Hamburg einer der wenigen, der vor lauter Freude einen Purzelbaum schlug , als die ungekrönte 1. Dame der Konkurrenzpartei im  Bundestag ihm diesen Vorschlag machte, den G-20-Gipfel in Hamburg auszustatten, als Trostpflaster für die, von den Hamburgern, in einer Bürgerentscheidung getroffene negative Entscheidung betreffs Olympia.

  5. Das dieser G-20-Gipfel, welch ein Zufall, dann noch kurz vor der Bundestagswahl 2017 stattfindet, war fast ein nicht zu glaubender Glücksfall, dachte jedenfalls der Vorsitzende der fraktionsstärksten Partei in Hamburg. Von daher ließ er es sich auch nicht nehmen, den Hamburger Bürgern bei jeder Gelegenheit mitzuteilen, dass die Ausstattung eine einmalige Gelegenheit wäre und auch der übrigen Welt in Bild und Ton zu präsentieren, was Hamburg alles zu bieten hat: z.B. SICHERHEIT der BÜRGER, eine nicht mehr in Zahlen zu erfassende Erhöhung der Tourismuszahlen etc. Also zusammenfassend ein größerer Hafengeburtstag.

  6. Aber bei aller Freude, hat der politisch verantwortliche Vorsitzende der fraktionsstärksten Partei in Hamburg nicht darauf geachtet , wer ihm de Vorschlag unterbreitet hat. Dabei hätte er aus seiner langjährigen politischen Tätigkeit wissen müssen, dass dieser Vorschlag nicht ohne Hintergedanken von der 1. Dame der Konkurrenzpartei im Bundestag gemacht wurde und zwar unter der Prämisse; wenn alles positiv verläuft, haben beide Parteien kurz vor der Bundestagswahl vielleicht mit einem guten Wahlergebnis zu rechnen, wenn aber nicht, dann hat die verantwortliche Regierungspartei in Hamburg den schwarzen Peter.

  7. Vielleicht kann sich der eine oder andere Leser von lokstedt-online noch darin erinnern, unter welchen Umständen bzw. Gründen der verstorbene Bundeskanzler Kohl seinen Ehrenvorsitz der CDU niedergelegt hat. Wir meinen nicht nur die dubiose Parteienspenden-Affäre.
Susanne Nellen
Rüdiger Miosga

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© Lokstedt-online 11.07.2017