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Politische Bildungsreise

Lokstedt-Rallye nach Berlin

Vor der Petri-Kirche nahm alles den Anfang. Meine Freundin Petra, auf der Lokstedt-Rallye unterwegs mit ihren Töchtern und meinem Sohn, hatte sich wie die Kinder eine Teilnahmekarte auf den besuchten Stationen abstempeln lassen und auf der Abschlussveranstaltung abgegeben.

Sie selbst ahnte vermutlich am wenigsten, dass sie einen Ausflug nach Berlin gewinnen würde. Denn als ihr Name aufgerufen wurde, war sie schon längst auf dem Weg nach Hause. Ihre Tochter nahm den Gutschein für sie in Empfang.
Da ihr Ehemann sich den Stress für zwei Tage nach Berlin nicht antun wollte, war schnell ausgemacht, dass die Autorin dieser Zeilen sie begleiten würde.

Am ersten Montag im Februar war es nun soweit. Früh morgens um 8.45 Uhr trifft sich die Gruppe am Hauptbahnhof Hamburg. Und wer glaubt, die beiden Freundinnen wären nun auf dem Weg zu einer netten Shopping-Tour nach Berlin, täuschte sich gewaltig.

Der offizielle Name der Veranstaltung: „Tagung für politisch Interessierte auf Anregung der Frau Abgeordneten Krista Sager, B'90 / Die Grünen, aus Hamburg vom 04.02. - 05.02.2013 in Berlin“.

In der Regel wissen die Besucher einer solchen Reise, was auf sie zukommt. Wir nicht. Doch ein Blick in das Pflichtprogramm, das der Reisebegleiter Manuel den Teilnehmern erst kurz vor Abfahrt gemailt hatte, ließ Strapazen vermuten. Nicht weniger als acht Veranstaltungen folgten dicht gedrängt - eine nach der anderen. Da waren Essen, Entgegennahme von Lunch-Paketen, Ein- und Auschecken im Hotel noch gar nicht eingerechnet.

Die Mitreisenden waren überwiegend professionelle Bildungsreisende – ein älterer Herr machte diese Fahrt schon das 14. Mal mit (sein Kommentar: „Mit den Linken ist die Fahrt am Lustigsten“) -, nahmen uns zudem gleich zu Beginn der Fahrt die Illusion, dass wir etwas gewonnen hätten. Lediglich die übliche Trinkgeldpauschale (von 15 Euro bei den Grünen) bräuchten wir nicht zu entrichten. Ansonsten könne jeder der wolle sich einfach bei einer Partei seiner Wahl für eine solche Tour anmelden. Plätze sind eigentlich immer vorhanden.

Die Informationsfahrten werden vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung organisiert, finanziert und durchgeführt. Jedes Mitglied des Bundestages kann pro Jahr zwei Gruppen à 50 Personen nach Berlin einladen. Auf unserer Fahrt waren sogar noch acht Plätze frei.

Der ICE fährt planmäßig um 9.06 Uhr von Gleis 5 ab. Schon im Zug wird es politisch. Wir teilen unser Abteil mit einem netten Herrn aus Kiel. Er arbeitet in Berlin und erzählt uns von seinem Besuch im Stasi-Gefängnis. Das steht auch auf unserem Programm und wir sind schon sehr gespannt.

Ankunft 10.48 Uhr

Es regnet. Alle 42 Reisenden werden gleich zu Beginn nass und müssen im Bus erst einmal die feuchten Sachen ausziehen.

Im Bus treffen wir auch auf unseren Stadtflüsterer genannten Stadtführer Erik. Unser Mittagessen wird uns als Lunchpaket vom Restaurant Butterstulle ausgehändigt. Zwar ist es im Bus mit ausgeklappten Tischen etwas eng, aber das sind wirklich leckere frische Stullen.

Paul-Löbe-Haus

Noch während wir kauen geht es ab in Richtung Reichstag. Zuvor folgt allerdings der Sicherheits-Check im Paul-Löbe-Haus. Alles wie am Flughafen.

Diskussion mit Christa Sager

Auf unserem Weg kommen wir an einer Ausstellung vorbei und um 12 Uhr lernen wir Krista Sager kennen. Sie ist die Abgeordnete im Deutschen Bundestag, die uns eingeladen hat. Vielen von uns ist sie noch als Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung bekannt. Das Amt hatte sie von 1997 bis 2001 inne.

Sager berichtet wie ihre Sitzungswoche in Berlin so aussähe. Es gäbe jede Menge Arbeitsbesprechungen, Fraktions-, Ausschuss-, und Gremiumssitzungen. Viele Veranstaltungen fangen vor 9 Uhr an, da auch Verbände und Organisationen ins Gespräch kommen möchten. Da kann man sagen: ganz schön anstrengend. Da wundern wir uns nicht mehr über unser Programm.

Es werden Fragen gestellt.

Frau Sager setzt sich für transparente Plattformen im Internet ein, die den Bürger nachvollziehen lassen u.a. wohin Subventionen seitens der Bundesregierung fließen, in welcher Höhe und warum.

Weiteres Thema ist die Europäische Bürgerinitiative "Wasser ist ein Menschenrecht!" Zu diesem Thema gibt unser Reiseleiter Manuel uns weitere Informationen. Manuel ist sehr gut informiert, da er zum einen Politikwissenschaft studiere, im Büro von Krista Sager arbeite und sich bei der Grünen Jugend engagiere. Dort koordiniere er im Bundesverband eine Arbeitsgruppe, die sich mit globalen und europäischen Themen beschäftige.

Am Ende fragt Sager, ob noch eine Frau etwas fragen möchte, denn die Männer hatten bisher die meisten Fragen gestellt.

Der Vortrag ist zu Ende, Frau Sager packt ihre Unterlagen zusammen. Ich stelle mich unauffällig vor ihren Schreibtisch damit Petra ein Foto von mir mit Frau Sager machen kann. Schwupps hat sie ihren Arm um meine Schulter gelegt. Bitte lächeln! Ihr entgeht nichts. Sie ist halt Polit-Profi. Dann wollen natürlich auch noch andere und es gibt noch ein Gruppenfoto. Die Zeit drängt und es geht weiter.

Besichtigung des Plenarsaals

Durch einen Tunnel, auch dort ist eine Ausstellung, gelangen wir in den Reichstag und um 13 Uhr folgen dann die Besichtigung des Plenarsaals und ein Vortrag über die Aufgaben und die Arbeit des Parlaments.

Der Reichstag wurde im Neorenaissance-Stil errichtet, beherbergte den Reichstag des Deutschen Kaiserreiches und das Parlament der Weimarer Republik. Hier rief Philipp Scheidemann am 9. November 1918 die Deutsche Republik aus. Traurige Berühmtheit erhielt er durch den Reichstagsbrand von 1933. Ende des letzten Jahrhunderts wurde er nach einem umfangreichen Umbau nach Plänen des Architekten Norman Foster zum Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesversammlung. Völlig erschöpft schlafe ich im Sitzen auf der Zuschauertribüne ein. Als das Thema schlafende Abgeordnete aufkommt, weckt Petra mich vorsichtshalber, damit es nicht gar zu peinlich wird.

Besichtigung der Glaskuppel

Für uns folgt der Besuch der Dachterrasse und Kuppel mit einem Fototermin gegen 14.15 Uhr. Einmal hoch und wieder runter, immer schön im Kreis. Es ist kalt und regnet rein. Die Glaskuppel ist nämlich offen.

1. Stadtrundfahrt

Es folgt eine „Stadtrundfahrt durch die Bundeshauptstadt - an politischen Gesichtspunkten orientiert (Teil 1)“.

Wir sehen das Schloss Bellevue, nebst Bundespräsidialamt, in dem 250 Mitarbeiter dem Präsidenten zuarbeiten, die Siegessäule, einen Park mit einer Wiese für jeden Geschmack: Hier finden insbesondere Randgruppen ihres gleichen, wie Hasch-Konsumenten, Lesben und Schwule usw. Im Sommer findet das Leben in Berlin in den Parks statt.

Besonders interessant ist das alte Botschafts- / Diplomatenviertel in der Tiergartenstraße. Sehr schön, heiteres Länderraten. Irgendwie ahnt man, je nach Baustil welches Land dort vertreten wird. In den Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung sind im Diplomatenviertel am Tiergarten viele neue Botschaftsgebäude entstanden. Manche sind Glanzstücke moderner Architektur, andere bringen einen Hauch von Exotik in die Stadt.

Vorbei noch am Checkpoint Charly, nun sind wir in Kreuzberg. Es folgt die Rudi-Duschke-Straße, vorbei am Springer Verlag, dem Taz-Presse-Café und der Bundesdruckerei, wo Geldscheine und Ausweise gedruckt werden.
In der Oranienstraße sehr kurios, ein Haus mit Dutzenden von bunten Satelitenschüsseln, jede anders bedruckt. Es ist ein erfolgreiches Kunstprojekt.
Wir hören nebenbei noch so manches lehrreiche, z.B. von der Erfindung der Currywurst, dem ersten Computer und den vielen Initiativen, fahren durch Schöneberg und Wilmersdorf bevor wir gegen 16.30 Uhr endlich im Best Western Queens Hotel in Berlin-Wilmersdorf einchecken dürfen.

Gegen 17.30 Uhr folgt ein Abendessen-Buffet im Hotel.

Freizeit

Im Anschluss entscheiden wir uns die knappe Freizeit ein wenig zu genießen und nehmen uns ein Taxi zum KaDeWe und suchen die berühmte Feinkostabteilung auf. Mit der U-Bahn gelangt man ebenfalls schnell zum Kürfürstendamm, jedoch für uns Ortsunkundige zu strapaziös. Für andere aus unserer Gruppe allerdings kein Problem.

Nachdem wir uns die Meeresfrüchte haben schmecken lassen, flanieren wir noch über den Kürfürstendamm. Wieder zurück im Hotel treffen wir unseren Reiseleiter Manuel an der Hotelbar. Leider gibt es keine Coca Cola, und ich muss mit Spreewalder Brause vorlieb nehmen. War aber ganz lecker, nicht so süß. Wir plauderten über die Grüne Politik.

Doch dann war es höchste Zeit schlafen zu gehen, denn am nächsten Morgen ist ab 06.30 Uhr schon wieder Frühstück angesagt. Es gibt ein reichhaltiges Büffet und sogar Latte Macchiato.

Bundesministerium der Finanzen

Es folgt der Check-out und um 9 Uhr der erste Termin des zweiten Tages: Informationsgespräch im Bundesministerium der Finanzen (20 Minuten vorher Sicherheits-Check).

Wir werden empfangen von Uwe Pakull. Er hält einen flotten Vortrag über die Architektur und Baugeschichte des Gebäudes.

Das Detlev-Rohwedder-Haus ist ein monumentales neoklassizistisches Bürogebäude. Zur Zeit des Nationalsozialismus war es von dem Architekten Ernst Sagebiel als Sitz des Reichsluftfahrtministeriums erbaut worden. In der DDR war es als Haus der Ministerien in Gebrauch. Nach der Wende war dort die Treuhandanstalt und heute ist es Sitz des Bundesministeriums der Finanzen.

Es gibt in dem ehemals größten Bürogebäude in Berlin über 2.000 Büroräume verteilt auf 112.000 qm Bürofläche. Herr Pakull zeigt uns auf einem Bild sein Bürofenster von außen. 15 qm hat sein Büro, sein Vorgesetzter hat 30 qm und dessen Vorgesetzter 45 qm.

Es folgt noch ein Informationsgespräch mit dem Referenten Michel Leisinger über die Aufgaben des Bundesministeriums der Finanzen.

2. Stadtrundfahrt

Bis 12 Uhr folgt nun die „Stadtrundfahrt durch die Bundeshauptstadt - an politischen Gesichtspunkten orientiert (Teil 2)“.

Ich beschränke mich auf einige Stichworte: Gendarmenmarkt, Unter den Linden, Denkmal Friedrich des Großen, Humboldt Universität, Museumsinsel, Fernsehturm, Spanndauer Vorstadt, Hackescher Markt (Berlins schönstes Viertel), jüdischer Friedhof, Brenzlauer Berg, Friedrichsheim, Frankfurter Allee.

Mittagessen

Um 12.30 befinden wir uns im tiefsten Osten. Mittagessen in Pietschmanns Speisegaststätte. Unter dem Motto: „Ostalgie, lassen sie sich einladen auf eine kulinarische Zeitreise in die 80er Jahre. Genießen sie ein Stück Originalambiente aus der guten, alten Küche dieser Zeit. Schwelgen sie in Bratklopserinnerungen und finden sie Geschmack an bewahrten Kochkünsten.“ Es gab Hühnerfrikassee mit Pilzen. Also bin ich doch lieber schnell in den Pizza-Liefer-Service gegenüber gegangen. Allerdings auch kein kulinarischer Genuss.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Um 14 Uhr das Highlight des gesamten Berlin-Besuchs. Ein Informationsgespräch und Führung durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die ehemalige Zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi.

Die Gedenkstätte ist sehr gut besucht. Sie steht unter Denkmalschutz und wird jährlich von über 330.000 Menschen besucht, davon über die Hälfte Schüler. In der Regel führen ehemalige Häftlinge die Besucher durch das Gefängnis und informieren sie über die Haftbedingungen und Verhörmethoden des DDR-Staatssicherheitsdienstes.

Meine Freundin kauft sich gleich eins der vielen ausgestellten Bücher. Es wird ein Film vorgeführt. Ich nutze die Gunst und schlafe schon wieder ein.

Der Rundgang beginnt. Da große Teile der Gebäude und der Einrichtung fast unversehrt erhalten geblieben sind, vermittelt die Gedenkstätte ein sehr authentisches Bild des Haftregimes in der DDR. Wegen ihrer geographischen Lage in der Bundeshauptstadt gilt sie als wichtigster Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland.

Wir werden von Thomas Raufeisen geführt. Was für ein Zufall, da hatte sich Petra gerade das Buch gekauft. Sein Leben in Kürze: 1962 in Hannover geboren. Sein Vater Armin Raufeisen war Mitarbeiter des westdeutschen Industrieunternehmens Preussag und zeitgleich für das Ministerium für Staatssicherheit als Kundschafter des Friedens, also Stasi-Spion tätig. Als dem Vater 1979 die Enttarnung droht, „flieht“ er in die DDR. Erst dort erfahren die beiden Söhne vom Doppelleben ihres Vaters. Der minderjährige Thomas musste mit Widerwillen bei seinen Eltern in der DDR bleiben. Doch bald schon ist die Familie mit dem Leben in der DDR unzufrieden. Sie beginnt, ihre Flucht in die Bundesrepublik zu planen. Im September 1981 wird Thomas verhaftet und in die Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen verlegt. Mehr als ein Jahr später wird er zu drei Jahren Haft verurteilt. Sein Schicksal wurde 2004 in dem Film „Unser Vater, der Spion“ dargestellt.

Ausstellung oder Freizeit

Alle Führungen sind auf dieser Reise Pflicht. Da aber so manch einer schon schwächelte, hatte wir ausnahmsweise die Wahl: Für die Hartgesottenen folgt noch der Besuch der Ausstellung "Wege, Irrwege, Umwege - Die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland". Alternative: Freizeit!
Wir haben uns, da wir für zwei Tage bereits genug Informationen gesammelt hatten, für Freizeit entschieden und sind in die Passagen Quartier 206 und 207 in die Friedrichstraße zum Bummeln gegangen. Anschließend haben wir uns noch in einem Café gemütlich auf ein Sofa gesetzt und einen Latte Macchiato getrunken.

Abendessen

Gegen 18.30 Uhr sind wir wieder zur Gruppe gestoßen. Auf dem Programm: abschließendes Abendessen im Amici am Gendarmenmarkt.

20.16 Uhr Abreise

Mit dem ICE nach Hamburg. Diesmal sitzen wir in einem großen Abteil und unterhalten uns mit den anderen. Was haben wir alles gemacht? Das alles war in zwei Tagen nur möglich, da wir keine Wartezeiten hatten. Alles war auf die Minute genau terminiert. Unser Bus stand jederzeit abholbereit da. Interessant war dann die Frage: Wie würde diese Reise mit einer anderen Partei aussehen? Fahren wir noch mal? Das steht in den Sternen.

Um 22.04 Uhr werden wir am Dammtor von unseren Ehemännern bereits sehnsüchtig erwartet und fielen erschöpft in Ihre Arme.

www.stadtfluesterer.de
www.gruene-bundestag.de
www.krista-sager.de
www.right2water.eu/de
www.gruene-jugend.de
www.bundestag.de
www.bundesfinanzministerium.de
www.stiftung-hsh.de/index.php

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© Lokstedt-online.de 16.02.2013