• /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  • /
  •         

Unterkunft Grandweg

Du kannst ja in einen Container ziehen!

Seit langem berichten Bewohner der Wohnanlage Grandweg / An der Lohbek über untragbare Zustände vor Ort. Immer mehr Altmieter ziehen entnervt aus. Nun belegen Fotos, dass auch die dort untergebrachten Flüchtlinge Anlass haben sich zu beklagen.

In der gerade mal 48 Quadratmeter großen Wohnung sind 6 Personen untergebracht. 2 Erwachsene und 4 Kinder im Alter zwischen 8 Jahren und 3 Monaten. Der 8-jährige Sohn ist zudem schwer geistig und körperlich behindert, er bedarf regelmäßiger Behandlung im UKE. Für die Überlassung des Wohnraums stellt fördern & wohnen AdÖR (f & w) der für die Familie zuständigen Wohngeldabteilung monatlich 804 Euro in Rechnung. Das entspricht einer Quadratmetermiete von 16,75 Euro für die Zwei-Zimmer-Wohnung. Zudem gilt: „Die Kosten für Strom sind unmittelbar mit dem Versorgungsunternehmen abzurechnen.“

Schimmel an den Wänden

Die tschetschenische Familie tut was sie kann. Die Wohnung wirkt aufgeräumt und sauber. Außer einem großen Fernseher ist alles sehr einfach
eingerichtet. Die Steckdosen sind ohne Kindersicherung. Der alte Herd aus den 1960er Jahren ist verrostet, es fehlt ein Schalter. Neben einem Kinderbett eine Standheizung. Der Stecker der Verlängerungsschnur liegt im Kinderbett. Das Fenster im Schlafzimmer auf Kipp, trotzdem trage ich beim Betreten der Wohnung eine Atemschutzmaske. Denn selbst die 15 Minuten, die ich mich zum Fotografieren in der Wohnung aufhalte, sind mir nicht ganz geheuer: Schimmel, wohin ich auch schaue. In der Küche neben einem Schrank, wo die Flüchtlingsfamilie nicht gestrichen hatte, ist es pechschwarz. Unvorstellbar, dass hier Menschen leben müssen! Menschen, die nach Deutschland kamen, um hier ein besseres Leben zu führen. Jetzt leiden die Bewohner an wiederkehrenden Infektionen der Atemwege.

Die Fotos belegen exemplarisch die verantwortungslose und fahrlässige Betreuung und Verwaltung von f & w in der öffentlich-rechtlichen Unterkunft Grandweg / An der Lohbek. Ein Mieter: „Hier liegt eindeutig der Straftatbestand der vorsätzlichen und fahrlässigen Körperverletzung vor.“ Denn die Mitarbeiter von f & w vor Ort haben Kenntnis vom Zustand der Wohnung, sie haben die Räume gerade mal zwei Wochen vor mir besichtigt. Es liegen zudem zuverlässige Erkenntnisse vor, dass noch weitere Unterkunftsräume mit Schimmelpilz befallen sind. Zwei Wohnungen wurden deshalb bereits geschlossen.

Wasserschäden in den Jahren 2011 / 2012

Geht es um Schimmel in Wohnungen, argumentieren Vermieter gerne damit, dass die Wohnung nicht ausreichend von den Mietern gelüftet wurde. Dies verfängt hier allerdings nicht. Es gibt zum einen eine Zwangsentlüftung in den Fenstern und die tatsächliche Ursache für den Schimmel liegt weiter zurück. Denn bereits vor sechs Jahren gab es in dieser Wohnung mehrere Wasserschäden durch die darüber liegende Mietwohnung. Dort war das große Fallrohr defekt. Einer der Schäden wurde erst entdeckt, als das Schmutzwasser bereits durch die Wohnungstür ins Treppenhaus lief.

Damals wurde lediglich ein Bautrockner aufgestellt, die Teppiche im Flur und Wohnzimmer wurden liegen gelassen. Das war die ganze Sanierung. Die Wohnung ist seither gleichsam wie ein nasser Schwamm, die Feuchtigkeit kommt aus allen Fugen und Poren.

Nach dieser „Sanierung“ wurde die Wohnung an eine junge Frau vermietet. Schon nach kurzer Zeit musste sie wiederholt wegen Atemproblemen behandelt werden, bis feststand, dass die Ursache für ihre Erkrankung der Schimmelpilz war, welcher sich in der Wohnung ausgebreitet hatte. Die Frau hat dann den Mietvertrag aufgekündigt, die Wohnung ist danach nicht etwa vom Schimmelpilzbefall befreit worden, sondern im März 2014 in eine öffentlich-rechtliche Unterkunft umgewandelt.

Halten wir hier fest:

  • Der Wasserschaden war bekannt, er wurde nicht hinreichend behoben.
  • Die Schimmelproblematik war seit der Kündigung der Mieterin bekannt, der Schimmel wurde nicht saniert.
  • Die offensichtlich unbewohnbare Wohnung wurde für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.

Wenn dann ein Flüchtling wagt, sich über den Schimmel zu beklagen, kriegt er zur Antwort: „Du kannst ja in einen Container ziehen!“ Dies gilt, so ein Informant, insbesondere dann, wenn der Flüchtling bereits vom technischen Mitarbeiter von f & w als „schlechter Bewohner“ eingestuft wurde.

Soweit der Umgang der Mitarbeiter der Anstalt öffentlichen Rechts f & w mit ihren Kunden, den Flüchtlingen. Mit den Altmietern der Wohnanlage wird allerdings nicht viel anders verfahren. Für die gilt: „Sie können ja ausziehen!“ Das haben inzwischen schon 24 Familien gemacht.

Schriftliche Kleine Anfrage

Wie aus der Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage „Werden Altmieter aus der Wohnanlage Grandweg / An der Lohbek gezielt vergrault?“
hervorgeht, interessieren sich die Verantwortlichen für die Lage vor Ort „einen Scheißdreck!“ (Zitat eines Mieters).

Die genaue Größe der Wohnanlage und damit die Anzahl der Wohnungen ist nicht bekannt“, heißt es gleich auf die erste wirklich einfache Frage. Eine solche Antwort ist völlig unverständlich, da der Senat nach eigenen Bekunden „die Fragen auf Grundlage von Auskünften der Anstalt öffentlichen Rechts f & w fördern und wohnen (f & w)“ beantwortet. Und die hat schließlich - aus gutem Grund - mehrere Mitarbeiter vor Ort. Da wäre es leicht gewesen, die Klingelschilder einmal zu zählen. Es sind 98.

Auch die Antwort auf die Frage 5. „Wieviele Altmieter sind seit 2014 ausgezogen?“ (sprich vergrault worden), ist völlig unverständlich: „Hierüber liegen der zuständigen Behörde keine Informationen vor.“

Um diese Frage zu beantworten braucht man kein Rechenkünstler zu sein. Die Antworten zu Frage 2 und 3 enthalten bereits die Antwort. Im März 2014 wurden von f & w alle freien Wohnungen - 38 an der Zahl - angemietet. Mittlerweile sind es 62, die von f & w mit Migranten belegt werden. Nach Adam Riese sind also mindestens 24 Mieter ausgezogen. Und jeder einzelne dieser Auszüge hat seine Gründe. Denn auch die außerordentlichen Schwierigkeiten, die sich im Zusammenleben mit Menschen aus 15 Ländern - darunter Afghanen, Syrer, Montenegriner, Russen und Serben - täglich ergeben, werden von den Verantwortlichen in kaum zu ertragender Weise klein geredet:

„In der Regel handelte es sich um Probleme des Zusammenlebens, wie zum Beispiel Ruhestörungen oder nicht ordnungsgemäße Verwahrung von Kinderwagen, Dreirädern et cetera. Diese Probleme konnten über Gespräche mit den beteiligten Parteien und unter Zuhilfenahme der Hausordnung der Unterkunft zufriedenstellend gelöst werden. Das Unterkunfts- und Sozialmanagement steht als Ansprechpartner im Konfliktfall zur Verfügung, nimmt Beschwerden entgegen, vermittelt und leitet gegebenenfalls erforderliche Schritte in die Wege. Sollten Bewohner der Unterkunft in erheblichem Maße oder dauerhaft gegen die Hausordnung verstoßen, sodass der soziale Frieden in Bezug auf die Nachbarschaft gefährdet wäre, würden diese abgemahnt. Tritt keine nachhaltige Verhaltensänderung ein, verlegt f & w diese Haushalte per Verwaltungsbescheid in eine andere Unterkunft.“

Das hört sich alles sehr harmlos an. Aber genau aus diesem Grund muss an dieser Stelle einmal die Wahrheit gesagt werden. Die „Probleme des Zusammenlebens“ waren nicht nur Ruhestörungen, Kinderwagen oder Müll der nicht ordnungsgemäß entsorgt wurde. Es waren vielmehr oft auch Tätlichkeiten und Androhungen von Gewalt.

Ein Leser schreibt dazu: „Und wieder flüchten zwei deutsche Familien aus der ehemaligen kleinen Wohnanlage, welche im März 2014 in eine öffentlich-rechtliche Unterkunft umgewandelt wurde. Das wäre doch ein Anlass, dass der Vermieter schon mal langsam die Champagnerflaschen auf Eis legt.
Der Grund der Flucht dieser Familien, welche über Jahre in dem Stadtteil Lokstedt gewohnt haben, ist Rücksichtslosigkeit, Lärm, Verdreckung und Zerstörung. Sie ertrugen diese Zustände nicht, litten bevor sie ihre Wohnung aufgaben unter massiven Schlaf- und anderen Gesundheitsstörungen. Die Mehrkosten der Flucht, höhere Miete, Renovierungskosten, weiterer Arbeitsweg, Umzugskosten, neue Möbel müssen die Betroffenen natürlich selber tragen.“

Zugegeben, gelegentlich wurden auch Bewohner der Unterkunft die in erheblichem Maße oder dauerhaft gegen die Hausordnung verstoßen haben, umgesiedelt. Aber, so ein Altmieter in einer Mail: „Eine Familie die durch massive Lärmbelästigung und nach mehreren Polizeieinsätzen aufgefallen war, wurde aus der Wohnung An der Lohbek 2b (Erdgeschoß) in eine Wohnung Grandweg 52a (Erdgeschoß) umgesiedelt. Sprich, das Problem wurde in ein anderes Gebäude innerhalb der Siedlung verlagert.“

Schon die Zustände in der Wohnanlage sind ein Skandal. Tagtäglich werden die hier wohnenden Menschen zudem instrumentalisiert. Flüchtlinge und Altmieter werden für die Interessen von f & w und die des Vermieters benutzt und gegeneinander aufgewiegelt. Dies geht nun schon drei Jahre so und wird erst am 31.12.2017 - so lange gilt der Pauschalmietvertrag für die Unterkunft - enden. Dann werden die unbewohnbaren, verschimmelten Wohnungen an den Vermieter zurückgegeben, der dann allen Anlass hat, die unbewohnbaren Gebäude abzureißen.

Unglaublich zudem wie arrogant sich die Verantwortlichen im Senat verhalten. Die wenigen verbliebenen Altmieter fühlen sich allein gelassen und nicht ernst genommen. So oder so ähnlich dürfte sich auch die Fragestellerin, die Abgeordnete Karin Prien (CDU) vorkommen. Sie hat als Mitglied der Hamburger Bürgerschaft keine zufrieden stellende Antwort auf ihre Fragen bekommen.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 02.03.2017