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Hagendeel

Nun droht die Flut

Es ist vollbracht. Die Aue Hagendeel ist Vergangenheit. Am Montag dieser Woche wurden Baumaschinen und Dixi-Klos angeliefert. Am Dienstag wurden die Erdarbeiten begonnen, sie sollen etwa 10 Wochen andauern.

Am Mittwoch war dann bereits alles zu spät, es wurde innerhalb von wenigen Stunden soviel Erdreich aufgeschüttet, dass die Aue, auf der noch vor wenigen Tagen Störche gesichtet wurden, als unwiederbringlich verloren gelten muss. Ein schier unglaublicher Frevel!

Die Folgen

Die Folgen für Natur und Umwelt desaströs, wasserwirtschaftlich wird ein hohes Risiko für Leib, Leben, Hab und Gut der Anwohner in Kauf genommen.

Sollten die Prognosen hinsichtlich der sich fortsetzenden Klimaerwärmung zutreffen, könnte schon in wenigen Jahren das gesamte Überschwemmungsschutzgebiet an der Kollau unbewohnbar sein - ausgenommen natürlich die Flüchtlingsunterkunft Hagendeel, die dank Aufschüttung sozusagen auf einer Warft liegt.

Die Klage

Am Montagabend trafen sich die Mitglieder von "Rettet den Hagendeel! - Bürgerinitiative zur Erhaltung der Aue Hagendeel" noch an der Bauauffahrt zur Aue. "Es ist eine absolute Frechheit diese Arbeiten zu beginnen, obwohl nach wie vor, laut Erörterungstermin, gewisse Punkte zu klären sind. So kann man nicht mit uns Bürgern umgehen. Diese Aufschüttung findet ohne akute Notlage statt in einer Zeit in der sich nie gesehene Hochwasserereignisse häufen und uns jederzeit ebenfalls betreffen können. Das geht so nicht!", hatte in einer Rundmail gestanden.

Vor Ort dann unter den Mitgliedern der Initiative Unverständnis, denn im noch nicht abgeschlossenen Hauptsacheverfahren vor dem Verwaltungsgericht steht noch ein Gutachten aus. Unklar ist nämlich, wohin die mehr als 50 Gullis auf dem benachbarten Bauhof am Wehmerweg ihr Wasser ableiten. Hier sollten eigentlich noch von der Behörde Farbtests durchgeführt werden, diese Auflage wurde aber aus Kostengründen bislang nicht umgesetzt. Statt einem aufwendigen Gutachten hatte die Behörde selbst einen zweiten Gütetermin vorgeschlagen. Es sollte möglicherweise sogar über eine gütliche Verfahrenseinstellung gesprochen werden.

Der Wehmerweg

Völlig absurd daher, dass der Bezirk ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit den Bauarbeiten beginnt. Allerdings die zeitgleiche Schließung der Notunterkunft auf dem Bauhof am Wehmerweg, einem stadteigenen Grundstück, spricht für eine genaue Koordinierung der Maßnahmen (vergleiche Lokstedt-online vom 10.06.2016).

Sprungrevision

Im gleichen Schreiben, in dem vom Bezirk ein zweiter Gütetermin vorgeschlagen wurde, wurde allerdings die Sprungrevision vor dem Bundesverwaltungsgericht verworfen. Damit ist eine Chance vertan, die rechtlichen Fragen relativ schnell letztinstanzlich zu klären. Noch im April bezeichnete Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke die Sprungrevision als einen "interessanten Gedanken". Schließlich habe die Frage des Drittschutzes in Überschwemmungsgebieten ja auch übergeordnete Bedeutung (vergleiche Lokstedt-online vom 06.04.2016).

Bei den Mitgliedern der Initiative bestand nach dem Tiefschlag der Behörde Beratungsbedarf, inwieweit das Verfahren fortgesetzt werden sollte. Allerdings - und das ist die traurige Realität - wie die Entscheidung des Verwaltungsgerichts auch ausgeht, für die Aue und die dort lebenden Tiere wird sie zu spät kommen. Ist die Aue erst einmal versiegelt, ist damit zugleich auch das weitere Schicksal des ÜSG Kollau besiegelt.

Das Quartier

Die Bewohner des Quartiers auf beiden Seiten der Güterumgehungsbahn bedauern, dass die Anwohner im ÜSG Kollau die Aufschüttung nicht verhindern konnten. Aus verständlichen Gründen ging es diesen um die wasserwirtschaftlichen Folgen der Aufschüttung, sie wollten schlicht und einfach bei Hochwasser kein zusätzliches Wasser in ihren Gärten und Häusern.

Bei Manchem im Quartier wächst aber auch die Sorge um die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge über die Hamburger Stadtteile, denn die Anzahl der untergebrachten Asylbewerber in den Unterkünften an der Niendorfer Straße, der Schmiedekoppel und der Papenreye wird mit der neuen Unterkunft am Hagendeel auf fast 4.000 ansteigen.

Und dies nur ein Quartier unter anderen in Lokstedt. Manche andere Stadtteile hingegen - insbesondere die wo die politisch Verantwortlichen in Stadt und Bezirk wohnen, wie Altona-Altstadt und Hoheluft-West - haben gar keine Flüchtlinge unterzubringen.

Die Flüchtlingsflut

Auch die Flüchtlinge eine Flut, deren Folgen - verursacht durch Integrationsverweigerung, zu große Ballung und unzulänglicher Infrastruktur - bislang noch nicht abzusehen sind.

Da die Aufschüttung der Aue Hagendeel eine deutliche Zäsur darstellt, ein kleiner Rückblick auf die letzten 18 Monate:

Lokstedt-online vom 02.06.2016
Überschwemmungsschutz: Noch haben wir unsere Aue!

Lokstedt-online vom 08.04.2016
Flüchtlingsunterkunft Hagendeel B: Atempause nutzen

Lokstedt-online vom 02.05.2016
Öffentlich-rechtliche Unterbringung: Dramatischer Appell von Leitungskräften

Lokstedt-online vom 06.03.2016
Überschwemmungsschutzgebiete: Querriegel oder kalkuliertes Verrechnen

01.03.2016
Ergebnis der Nachberechnung: Überschwemmungsgebiet wird deutlich kleiner
www.hamburg.de

11.02.2016
Bürgerinitiative zur Erhaltung der Aue Hagendeel: Entäuscht über die Entscheidung
www.hagendeel.de

Lokstedt-online vom 08.02.2016
Hagendeel: Land unter entlang der Kollau!

01.02.201
Gemeinschaftsunterkunft Hagendeel: Baugenehmigung darf insgesamt vollzogen werden
justiz.hamburg.de

Regionalausschuss Lokstedt am 14.12.2015
Stellungnahme zur Stelzenbauweise Baufeld B: Öffentlich-rechtliche Unterbringung Hagendeel
PDF

Lokstedt-online vom 04.12.2015
Hagendeel: Keine der Parteien so ganz zufrieden

Lokstedt-online VOM 17.09.2015
Carsten Ovens aus der Bürgerschaft: Nur marginale Korrekturen an den ÜSGs

Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Carsten Ovens (CDU)
und Antwort des Senats; Drucksache 21/243
www.buergerschaft-hh.de

Lokstedt-online vom 22.08.2015
Hagendeel: Schlecht gepokert

Lokstedt-online vom 12.06.2015
Aue Hagendeel: Der Don Quijote seiner Fraktion

19.05.2015
Ist eine Berücksichtigung der Überschwemmungssituation durch Stelzenbauweise möglich?
Drucksache 20-0820

Lokstedt-online vom 16.05.2015
Überschwemmungsschutzgebiete: Kollausohle wird tiefer gelegt

Lokstedt-online vom 11.04.2015
Hagendeel: Druck auf dem Kessel steigt

Lokstedt-online vom 28.02.2015
Bezirksversammlung: Wofür brauchen wir Sie denn überhaupt?

Lokstedt-online vom 07.02.2015
Hagendeel: Mit Lokstedtern im Gespräch

Lokstedt-online vom 07.02.2015
Hagendeel: Alles in einer Hand!

Lokstedt-online vom 09.11.2014
Hagendeel: Nach uns die Sintflut

Lokstedt-online vom 12.10.2014
Überschwemmungsschutzgebiete: Sie - habe ich nicht verstanden!

Lokstedt-online vom 06.08.2014
Hochwasserschutz: Schlüssel zum Verständnis

Lokstedt-online vom 04.08.2014
Hochwasserschutz: Rinder weiden in der Kollau-Aue

Lokstedt-online vom 04.06.2014
Kommentar von Jens Reuter: Mit der BSU-U1 auf Tauchfahrt

Lokstedt-online vom 04.06.2014
Bauvorhaben Hagendeel: Vollgelaufene Keller lügen nicht

Lokstedt-online vom 28.05.2014
Hochwasserschutzgebiet Hagendeel: Hochwasserschutz statt Behördenwillkür!

Lokstedt-online vom 19.05.2014
Hochwasserschutzgebiet Hagendeel: Gefährdung der Bewohner

25.02.2014
Vorläufige Sicherung und Festsetzung von Überschwemmungsgebieten

Lokstedt-online.de vom 08.02.2014
Flüchtlingsunterbringung: Klein-Venedig am Hagendeel

04.02.2014
Stadtplanungsausschuss Eimsbüttel, BSU-U1 Wasserwirtschaft
PDF

28. 01. 2014
Stellungnahme des Bezirks zur Errichtung der Öffentlichen Unterbringung Hagendeel

Lokstedt-online vom 15.01.2014
Flüchtlingsunterbringung: Modulbauten mit begrünten Dächern

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© Lokstedt-online 12.06.2016