Aue

Hagendeel

Keine der Parteien so ganz zufrieden

Mit gemischten Gefühlen nahmen die Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet die Aue Hagendeel“ eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg vom Donnerstag auf. Sie orientiert sich am Hängebeschluss und untersagt die Aufschüttung des Bauabschnitts B, gestattet aber die Aufschüttung und Bebauung des Bauabschnitts A.

Das Verwaltungsgericht hat eine Entscheidung gefällt, bei der beide Seiten je zur Hälfte gewonnen als auch verloren haben: Gegen die bereits erteilte Baugenehmigung für den ersten Abschnitt konnte das Gericht dem Eilantrag der Anwohner nicht folgen. Grünes Licht also für die Unterkunft Hagendeel A, es dürfen etwa 8.000 Quadratmeter wertvoller Auenlandschaft aufgeschüttet und mit Holzbaracken für 288 Personen bebaut werden.

Für den Bauabschnitt B hingegen, auf dem Baracken für weitere 250 Flüchtlinge geplant waren, sprach das Gericht einen vorläufigen Baustopp aus.

Das Gericht ließ sich durch das vom Bezirk vorgelegte Gutachten, das dem Bauvorhaben wasserwirtschaftliche Neutralität bescheinigte, nicht überzeugen. Es gelangte aber offensichtlich zu der Überzeugung, dass von der Aufschüttung einer Teilfläche - also vom halben Bauvorhaben - keine zusätzliche Hochwassergefahr für die Häuser der Anwohner ausgehe.

Gegen die 31-seitige, nach erster Durchsicht gut begründete Entscheidung kann Widerspruch vor dem Oberverwaltungsgericht eingereicht werden. Beide Parteien werden sich in den nächsten Tagen mit ihren Anwälten beraten. Eine erste kurze Stellungnahme eines Beteiligten: „Natürlich begrüssen wir es aber, das der Bezirk hier nicht einfach nach Gutdünken handeln kann.“ So ganz zufrieden allerdings, stellt das Urteil keine der Parteien.

Es steht nun in den Sternen, was tatsächlich mit dem Grundstück geschieht, sollte die Entscheidung Rechtskraft erlangen. Gibt sich der Bezirk - der derzeit Unterkünfte von ganz anderer Dimension mit Polizeirecht umsetzt - tatsächlich damit zufrieden, hier aufwendig und teuer eine Aue aufzuschütten um darauf ganze 288 Schlafplätze zu schaffen? Und was ist mit den Besitzern des Grundstücks? Ist der Pachtvertrag für sie überhaupt noch interessant, wenn nur die halbe Fläche aufgeschüttet wird?

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© Lokstedt-online 04.12.2015