Leserbrief

Der perfekte Ort mitten in einer Großstadt

(zu: Warte, warte, warte vom 17.11.2015)

Das Gebiet zwischen der Schmiedekoppel und dem Niendorfer Gehege wird vor allem von einem geprägt: Diesem wunderbaren Wald mit seiner ganzen Natur. 
 
Hier kann man Rehe, Füchse, Igel und noch so einiges mehr durch die Straßen laufen sehen. Besonders wohl scheinen sich die Tiere auch auf der großen unbebauten Wiese an der Schmiedekoppel zu fühlen. Erst diesen Sommer konnte man hier einen Mäusebussard bei seinen ersten Flugversuchen beobachten. Die Gegend hat etwas Friedliches und Meditatives, um eine Hundebesitzerin zu zitieren. Die Kinder können noch ungestört auf der Straße spielen. 
 
Im Sommer spielen die Kinder im hohen Gras der Wiese und im Winter wird hier Schlittschuhgelaufen. Denn ständig bekommt diese Wiese das Hamburger Wetter zu spüren und steht unter Wasser. Gerade zu dieser Jahreszeit kann es schon mal passieren, dass man wie auch in den letzten Tagen knietief im Wasser steht, was allerdings – wie gesagt – den Vorteil hat, dass sich im Winter daraus eine Eisbahn verwandelt. 
 
Es ist der perfekte Ort mitten in einer Großstadt, um seine Kinder aufzuziehen. Kein Wunder also, dass sich so viele Familien für dieses Gebiet entschieden haben. 
 
Doch warum soll ausgerechnet hier – wie es in dem Artikel so schön heißt – ein „Ghetto“ entstehen? 
 
Uns allen sind die Anschläge von Paris präsent und auch der Umstand, dass nicht alle, die als Flüchtlings in die EU kommen, nur unsere Hilfe suchen. Gerade in den letzten Wochen gab es beunruhigende Meldungen. 
 
Dass dies in einem so familiengeprägten Gebiet Ängste schürt, sollte nicht ganz überraschend wirken. 
 
Die nunmehr geplante Flüchtlingsunterkunft wirft noch so einige andere Fragen auf: 

  1. Wie kann man sich trotz der jüngst ergangenen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg bezüglich der Flüchtlingsunterkunft in Klein Borstel weiterhin so selbstverständlich für die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft auf das Polizeirecht berufen? Nach der Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts dürfe geltendes Baurecht nicht durch das Polizeirecht außer Kraft gesetzt werden. 
  2. Wie soll die Wiese, die ständig überschwemmt ist, bebaubar gemacht werden? Im Falle, dass hier Aufschüttungen oder Versiegelungen geplant sind, welche Auswirkungen hat dies auf die Natur und die anreihenden Grundstücke? Werden die Keller der anliegenden Häuser zukünftig ständig unter Wasser stehen? 
  3. Mit welchen zusätzlichen Immissionen müssen die Anwohner zukünftig rechnen? Gibt es Erhebungen darüber, wie häufig Polizeiwagen oder Rettungswagen in den vergangenen Monaten bei den anderen Erstaufnahmeeinrichtungen, die deutlich kleiner sind, ausrücken mussten? 
  4. Warum muss die geplante Unterkunft solche erheblichen Ausmaße annehmen?

Es stellt sich auch die Frage, ob der Bebauungsplan bezüglich der Wiese noch seine Gültigkeit hat. Betrachtet man das Gebiet scheint die Straße „Schmiedekoppel“ eine Begrenzung darzustellen. Wie jedoch die Wiese selbst die Begrenzung zum Wohngebiet darstellen soll, erschließt sich aufgrund der tatsächlichen Gegebenheiten nicht. 
 
Den Anwohnern stellen sich noch so einige Fragen, aber ob sich der Bezirk tatsächlich hiermit auseinandersetzen möchte, steht auf einem anderen Blatt. Zwar wird es in knapp zwei Wochen eine Anhörung bzw. Informationsveranstaltung geben, aber bereits gestern hat auf der Wiese die Einbetonierung des Zaunes stattgefunden. Hier werden offensichtlich Tatsachen geschaffen, bevor mit den Anwohnern gesprochen wird… 

K. Pein

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© Lokstedt-online 25.11.2015