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Kundenzentren

Kein neuer Perso im alten Rathaus

Wer zukünftig in Eidelstedt oder Stellingen ein Führungszeugnis, eine Meldebescheinigung, einen Reisepass oder gar einen Bundespersonalausweis beantragen möchte, wird nach dem 21. Juni 2012 am alten Stellinger Rathaus vor verschlossenen Türen stehen.

Nur noch wenige Tag wird im Kundenzentrum Stellingen im Basselweg montags und dienstags ein Notdienst bereit gehalten, dann schließt es endgültig. Im Rahmen der sogenannten Allzuständigkeit müssen die Bürger dann eines der 20 anderen Hamburger Kundenzentrum aufsuchen.

Ausgerechnet der neue Personalausweis soll für die Schließung des Kundenzentrums verantwortlich sein.

„Zudem wächst der Frust in den Bürgerämtern: Der neue Ausweis sorgt dort nämlich für lange Wartezeiten und Personalengpässe. Jede Ausstellung eines Ausweises dauere wegen der zusätzlichen Erklärungen und des Fingerabdrucks zehn Minuten länger als früher“, schreibt die WAZ im Februar 2012.

Ganze 10 Minuten verlängerte Ausgabeprozedur! Offensichtlich ein Zeitaufwand der für kleine, mit wenig Personal ausgestattete Kundenzentren, nicht zu leisten ist.
Bei bisher bundesweit 13,5 Millionen ausgegebenen neuen Personalausweisen summieren sich diese „10 Minuten“ auf 135 Millionen Minuten bzw. 2,25 Millionen Stunden - oder mehr als 1.000 neue Planstellen für die bundesdeutschen Kundenzentren. Rein rechnerisch müsste in jedem der 21 Hamburger Kundenzentrenmindestens eine neue Planstellen alleine wegen der verlängerten Ausgabeprozedur des neuen Personalausweises geschaffen werden müssen.

2011 musste das Kundenzentrum Stellingen, in dem sechs Mitarbeiter beschäftigt sind, an 22 Tagen die Wartemarkenausgabe deutlich vor dem Ende der Sprechzeit einstellen, weil das Kundenaufkommen die aktuell verfügbaren Personalkapazitäten überstiegen hatte. An weiteren 10 Tagen konnte nur ein Notdienst angeboten werden, an 6 Tagen musste ganz geschlossen werden.

Allerdings, fragt es sich, ob der neue Personalausweis nicht nur der Anlass ist, ein aus Behördensicht überzähliges Kundenzentrum loszuwerden.

Denn das Kundenzentrum Stellingen wird nicht erst seit der Ausgabe des neuen Personalausweises mit zu wenig Personal betrieben. In Stellingen fehlt nicht eine, es fehlen mindestens drei Planstellen, um verlässlich den üblichen Service eines Kundenzentrums anbieten zu können.

Doch wie sollten diese drei Planstellen finanziert werden, wenn es im Haushalt an Mitteln fehlt? In welchen anderen Ämtern sollten Mitarbeiter abgezogen werden? Aus den andren Kundenzentren im Bezirk Eimsbüttel?

„Dann wären die Kundenzentren Lokstedt und Grindelberg in ihrer Stabilität gefährdet“, erklärt Bezirksamtssprecher Stephan Glunz. Mehr Personal einzusetzen wäre aber auf Grund der Haushaltsvorgaben des Senats ausgeschlossen.
Dies trifft wiederum auf Unverständnis im Bürgerkomitee-Stellingen. Die Sprecherin Cornelia Mertens (GAL) fragt: „Das Steuereinkommen von über 54.000 Menschen soll nicht ausreichen, um ein Kundenzentrum zu finanzieren?“

In den vergangenen Wochen hatte eine Arbeitsgruppe der Bezirksversammlung nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Am Donnerstag den 31.Mai 2012 gab es eine offizielle Anhörung vor der Bezirksversammlung. Dem Vernehmen nach hat die Arbeitsgruppe keine Alternativen gefunden. Noch im Juni wird Bezirksamtleiter Torsten Sevecke den Beschluss öffentlich machen. Das Kundenzentrum Stellingen wird endgültig geschlossen.

In einer Pressemitteilung der SPD-Fraktion vom 4. Juni 2012 heißt es: "Die Fraktionen der SPD und der GAL bedauern, dass jetzt mit einer Schließung des Kundenzentrums Stellingen zu rechnen ist. Die Fraktionen hoffen, dass durch die Konzentration auf zwei Kundenzentren in Eimsbüttel nun verbesserte und zuverlässige Öffnungszeiten der Servicestellen gewährleistet werden."

Eine Überraschung kann diese Entscheidung für niemanden gewesen sein. Wurden doch schon in den vergangen Monaten neue Arbeitsplätze für die Mitarbeiter aus dem Kundenzentrum Stellingen in den Kundenzentren Lokstedt und Eimsbüttel geschaffen.

Damit endet nun ein monatelanges Tauziehen um das Kundenzentrum Stellingen, dass auch zu innerparteilichen Querelen innerhalb der SPD geführt hatte. Zeitweise wurde dem Bezirksamtsleiter sogar die Abwahl durch die Bezirksversammlung angedroht. „Wenn die Schließung tatsächlich beschlossene Sache ist, wäre ich sehr enttäuscht", sagt Khalil Bawar (SPD Stellingen). Im Kreisvorstand habe Sevecke zugesagt, keine Entscheidung zu fällen, solange nicht die SPD im Bezirk beraten habe.

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© Lokstedt-online.de 09.06.2012