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Ortszentrum Behrmannplatz

Die Karten werden neu gemischt

Die Verhandlungen zwischen dem DRK und der SAGA über den Verkauf des DRK-Geländes sind gescheitert, da keine Einigung über den Verkaufspreis erzielt werden konnte.

Der Landesverband des DRK plant seit geraumer Zeit den Standort am Behrmannplatz aufzugeben und das wertvolle Grundstück im Zentrum Lokstedts zu veräußern.

Dies hat Begehrlichkeiten geweckt, die zum Teil kuriose Planungen zur Folge hatten. Die Beteiligten kochen derzeit jeder ein eigenes Behrmannplatzsüppchen.

Die Planungsziele

Der Bezirk Eimsbüttel hat ein Bebauungsplanverfahrens Lokstedt 61 eingeleitet und verspricht sich davon zweierlei: „Übergeordnetes Planungsziel ist die Stärkung der Zentrenfunktion sowie die Deckung des weiteren Bedarfes im Bereich Wohnungsbau.“

Behrmannplatz als Ausgleichsfläche

Die im Feldhoopstücken gelegene unbebaute Wiese, derzeit noch freigehalten als Marktfläche, Grünflache und Parkanlage sollte entsprechend Bebauungsplan Lokstedt 55 mit 40 bis 50 Wohnungen bebaut werden.

Die Marktbetreiber möchten dort ihre Stände nicht aufbauen, denn kaum eine andere Fläche in Lokstedt erscheint ungeeigneter für einen Markt als diese feuchte, abgelegene Au.

Da sich aber Widerstand in Teilen der Bewohnerschaft gegen die Bebauung aufgebaut hatte, wurde im Jahre 2008 im Stadtplanungsausschuss auf Antrag der SPD- und GAL-Fraktion beschlossen, das Verfahren zunächst ruhen zu lassen und als Ausgleich Wohnungen am Behrmannplatz zu bauen.

Städtebaulicher Realisierungswettbewerb

In der Folge wurde der Städtebauliche Realisierungswettbewerb "Umnutzung DRK-Gelände Lokstedt" ausgeschrieben. In das städtebauliche Konzept sollte ein nördlich angrenzendes, im Besitz des Bundes befindliches Grundstück im Spritzenweg, dass derzeit durch das Technische Hilfswerk genutzt wird, einbezogen werden. So sollen insgesamt mehr als 200 Wohnungen entstehen.

Im Oktober 2010 empfahl die Jury dem DRK den Entwurf des Hamburger Büros „blauraum“ für die weiteren Planungen: „Die Arbeit überzeugt mit ihrem klaren, robusten städtebaulichen Konzept. Insbesondere der Kopfbau am Behrmannplatz und seine Kontur mit richtiger Ausrichtung eines geschützten öffentlichen Platzraumes und mit seiner weitgehend gelungenen Proportionalität bildet eine angemessene Eingangssituation für den Lokstedter Kern.“

Hineinziehen des Grünraumes der Schillingsbek

Durch das Hineinziehen des Grünraumes der Schillingsbek sollte der innere Freiraum gegliedert und strukturiert werden. Zudem sollte der Bach eine künstliche, durch Aufstauung des Flußlaufs erzeugte Schleife durch den Innenbereich der Siedlung beschreiben.

Wie schon das Bauvorhaben Feldhoopsgarden gezeigt hat, ist es für einen potentiellen Investor immer günstig öffentliche Grünflächen mit Seen, Teichen oder Wasserläufen mit in die Planung einzubeziehen. Das führt zu einer deutlichen Wertsteigerung für die Grundstücke - meist zu Lasten der Öffentlichkeit. Man erinnere sich nur an die umfangreichen Baumfällungen im Von-Eicken-Park bereits vor Baubeginn des Bauprojekts Feldhoopsgarden. Diese sollten den Wohnungen freie Sicht in den Park verschaffen. Freie Sicht hat nun auch der Bürger im Park, allerdings auf die viel zu eng aneinander gebauten Häuser einer Siedlung die sich Feldhoopsgarden nennt und kaum eigenen "garden" besitzt.

Im vorliegenden Fall sollte den geplanten Stadthäusern und Wohnungen zusätzlich zur zentralen Lage im Ortskern eine Lage am Wasser bescheren. Zum „Wohnpark an der Schillingsbek“ mutierte durch diesen Kunstgriff das Bauvorhaben.

Dabei handelt es sich bei den geplanten Eingriffen in den Flußlauf der Schillingsbek um ein ökolgisch mindestens fragwürdiges Vorhaben. Gerade erst wurde der Bach im Bereich des „Von-Eicken-Parks“ aufwendig saniert, von einer solchen Aufstauung befreit und am Teich vorbeigeleitet, um durch eine verbesserte Strömung die Wasserqualität und den Sauerstoffgehalt für Kleinstlebewesen und Kleinfische zu verbessern.

Da erscheint es paradox, die Schillingsbek nunmehr erneut nach Gutsherrenart für die Aufwertung eines Grundstücks herhalten zu lassen.

Der geforderte Bau von Sozialwohnungen

Dann kam der Machtwechsel und Bürgermeister Olaf Scholz wies alle Bezirke an, den Bau bezahlbarer Wohnungen umzusetzen. Ein herber Strich durch die Rechnung des DRK. Ein Drittel der Wohnungen sollten nunmehr Sozialwohnungen werden.

Der Grundstückswert sinkt

Der Entwurf einer Stadthaussiedlung an der Schillingsbek hatte natürlich Einfluss auf den Grundstückswert. Ein Verkaufspreis von über 9 Millionen Euro für das 13.000 qm große Grundstück schien dem DRK denkbar.

Das sind 700 Euro pro Quadratmeter, ein Preis der in der Vergangenheit nur in wirklichen Top-Lagen, etwa in Uhlenhorst, bezahlt wurde.

Durch die Auflage des Bezirks, nunmehr mindestens 50 Sozialwohnungen in die Planungen einzubeziehen, wurde der Wert des Grundstücks naturgemäß beeinträchtigt.

Die SAGA bietet mit einem Kaufangebot von 5,4 Millionen Euro immerhin mehr als 415 Euro pro Quadratmeter. Doch im Vergleich mit den erträumten 700 Euro für das DRK kein wirklich befriedigendes Angebot.

So kam es vor Weihnachten zum Abbruch der Verhandlungen und man kann davon ausgehen, dass die Leitung des DRK sich inzwischen nach einem privaten Investor umgesehen hat und ein besseres Angebot auf dem Tisch liegen hat.

Der Eimsbüttler Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke kündigte an, man halte an der Vorgabe fest, dass mindestens 50 Sozialwohnungen entstehen müssen. "Ich bin sehr gespannt, ob das Deutsche Rote Kreuz seine soziale Verpflichtung auch im Wohnungsbau wahrnimmt - und nicht nur als Investor auftritt, der Geld verdienen will."

DRK-Landesverbands Sprecher Rainer Barthel entgegnet: "Wir können unseren Immobilienbesitz nicht verschleudern." DRK-Chef Georg Kamp ergänzt: „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“ und begründet den Verhandlungsabbruch mit den Worten: „Das ist nur der reine Bodenwert, viel zu wenig.“

Alles zurück auf Los!

Nun pokert der DRK, verweist darauf, nicht verkaufen zu müssen und droht unverhohlen notfalls noch 50 Jahre am Standort zu bleiben. Die Karten werden nun offensichtlich wieder völlig neu gemischt und die Stadt sieht einen Teil ihres Wohnungsbauprogramms kippen.

Das Bebauungsplanverfahrens Lokstedt 61 hatte wie eingangs bereits erwähnt zwei Ziele: die Stärkung der Zentrenfunktion und die Bedarfsdeckung im Wohnungsbau.

Stärkung der Zentrenfunktion

Weiterer Wohnungsbau in Lokstedt ist aber nur sinnvoll, wenn die Infrastruktur stimmt. Was nützen neue Wohnungen, seien es Sozialwohnungen oder Stadthäuser, wenn die Bewohner zum Einkaufen in die Nachbarstadtteile fahren müssen.

Die Begehrlichkeiten, die Rund um das wertvolle Grundstück des DRK am Behrmannplatz geweckt wurden, die Aussicht auf einen hohen Profit, haben den Fokus vom eigentlichen Planungsziel abgebracht.

Entscheidend ist nicht wie viele Wohnungen entlang der Julius-Vosseler-Straße gebaut werden. Wichtig ist der Bereich am Behrmannplatz.

Der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse bezieht hier eine deutliche Position: „Für Lokstedt ist der Wegzug des langjährigen Nachbarn DRK eine einmalige Gelegenheit, durch eine neue Gestaltung des Behrmannplatzes das alte Herz des Stadtteils mit seiner Grelckstraße aufzuwerten.“

Das ist es, was Lokstedt wirklich benötigt. Durch den enorm gestiegenen Durchgangsverkehr geschändet und seiner historischen Zentren beraubt, bietet sich mit der Neugestaltung des Behrmannplatzes die Chance endlich auch einmal vom Durchgangsverkehr zu profitieren.

Heute hält kein Auto an, um etwas in Lokstedt zu besorgen. Ein Ortszentrum mit attraktiven Geschäften würde Kaufkraft nach Lokstedt bringen und die Einkaufssituation für die Lokstedter verbessern.

Dies muss das eigentliche Planungsziel am Behrmannplatz sein. In Zeiten des ökologischen Wandels und unter den Bedingungen der „wachsenden Stadt“ kann es auf Dauer für keinen Stadtteil Hamburgs sinnvoll sein unnötige Verkehrsbewegungen der Bürger durch Einkaufsfahrten zwischen den verschiedenen Stadtteilen zu verursachen.

Im Gegenteil: Der alte Slogan „Kaufe im Dorf“ erfährt hier eine wunderbare neue ökologische Botschaft.

Der Abgeordnete Kruse führt weiter aus und hat auch schon eine Lösung im Streit um die Wohnbebauung entlang der Julius-Vosseler-Straße gefunden: „Durch die Bebauung in der Süderfeldstraße wird mit vielen Dutzend Wohneinheiten zusätzlicher Wohnraum geschaffen."

Weder der Wohnungsbau noch unmäßiges Profitstreben sondern die aufwertende Neugestaltung des Behrmannplatzes sollte im Mittelpunkt des Bebauungsplanverfahrens Lokstedt 61 stehen.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 15.01.2012