Leserbrief

Andere Sitten und Gebräuche

(zu: 30 Tage Verständnis vom 14.06.2015)

Frau Freuers,
es war nicht meine Absicht Sie so harsch anzugreifen, dass Sie mich nun als „Fanatikerin“, „realitätsfern“ und „ungebildet“ hinstellen. Und nein, ich gehöre nicht zu irgendeiner Minderheit. Sie sind doch politisch und geschichtlich scheinbar so interessiert, da müssen Sie doch wissen, dass durch die offenen Grenzen und die globale wirtschaftliche Zusammenarbeit eine Freizügigkeit zwischen den Ländern erfolgt ist, die einem zeigen: Es gibt nicht nur „uns“ und „die anderen“.  Ich habe sehrwohl Einblick in die politischen und geschichtlichen Belange, nur habe ich auf einer ganz anderen Ebene argumentiert, was Ihnen scheinbar nicht so aufgefallen ist. Denn sonst wären Sie auf die Punkte in meinem Leserbrief eingegangen, die viel wichtiger waren, als die, die Sie zitiert haben.
 
Ich bin mittlerweile vor Ort gewesen und habe mir die Wohnanlage angeguckt. Das einzige, was da wirklich laut ist, ist die Baustelle am Anfang der Straße. Müll konnte ich keinen entdecken, eine Familie saß mit ihrer kleinen Tochter friedlich auf einer Parkbank, während der ältere Sohn gerade wiederkam und lachend auf sie zulief. Es stehen viele Fahrräder durcheinander an den Haustüreingängen. Aber da denke ich mir, lieber Fahrräder, als Autos, da es ja gegenüber nur begrenzte Parkmöglichkeiten gibt. Bei einem Balkon hing Wäsche über einer Leine...aber was soll daran anstößig sein?

,,Verkommen" sieht es da auf den ersten Blick nicht aus und wenn man über die Problematik nichts wüsste, würde man auch nicht vermuten, dass dort etwas im Argen liegt mit den neuen Bewohnern. Es gehen dort auch weiterhin in aller Ruhe andere Frauen mit ihren Kindern spazieren. 
 
Ich merke aber ihr Gemüt ist bei diesem Thema sehr erhitzt, da war es wohl ein falscher Ansatz Sie in dem Glauben zu lassen, nur Sie und die „Altanwohner“ trügen die Schuld an der vertrackten Situation. Es war mir aber wichtig zu zeigen, dass es auch andere Meinungen dazu gibt und dass Ihr Vorgehen als Direktbetroffene vielleicht auch nochmal überdacht werden muss. Denn es leben dort ja, soweit ich weiß, ausschließlich Familien, und als Mutter einer kleinen Tochter berührt es mich nochmal im besonderen Maße, wenn gegen Familien gehetzt wird.

Und nein, liebe Frau Freuers, es ist nicht so, dass nur Sie nur noch da wohnen. Es leben eben nun auch Menschen bei Ihnen in der Nachbarschaft, die andere Sitten und Gebräuche haben. Mein Appell an Sie ist zu erkennen, dass Ihre Haltung die Situation nicht besser macht, nein eher noch verschlimmert.
 
Die neuen Anwohner sind nicht die Ursache des Problems. Deshalb verstehe ich auch weiterhin nicht die starke Diffamierung einer Minderheit im ursprünglichen Artikel.
 
Jorinna Glade

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© Lokstedt-online 18.06.2015