Offene Kinder- und Jugendhilfe

Erhebliche Verwerfungen

Hoffte mancher Mitarbeiter in einem Projekt der offenen Kinder- und Jugendhilfe noch im Herbst 2012 auf ein Moratorium, wurden kurz vor Weihnachten die Zuwendungsbescheide für die Jahre 2013 und 2014 mit der vorgesehenen Mittelkürzung zugestellt.

Insgesamt wurden im Bezirk Eimsbüttel, wie bereits im Frühjahr 2012 angekündigt, 203.000 Euro bei der offenen Kinder- und Jugendhilfe eingespart. Umstrittenes Argument der Sozialbehörde war hier der verminderte Bedarf durch die Einführung der Ganztagsschulen.

Die gekürzten Etats führen nun zu Stellenstreichungen, Angebotsverknappung und reduzierten Öffnungszeiten im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Stichwort SHA

Die verschiedenen Organisationen wurden dabei aber höchst unterschiedlich behandelt. Zusätzlich wurden nämlich auch Gelder aus anderen Töpfen neu verteilt. Sozialräumliche Hilfen und Angebote (SHA) ist das Stichwort. Üppige 435.545 Euro allein im Bezirk Eimsbüttel, die hauptsächlich an Beratungsangebote für Familien und Jugendliche gezahlt werden. Bewilligt werden diese Gelder direkt von der Sozialbehörde.

Trend ist derzeit: Kürzungen für Bauspielplätze und Jugendtreffs. Mehr Geld für Sozialarbeiter und Soziologen. Offensichtlich verfolgt die SPD hier Klientelpolitik, eine gezielte Umverteilung, die so manchem unverständlich bleibt. Denn durch die Ausschüttung dieser SHA-Gelder kommt es zu erheblichen Verwerfungen.

Es gibt Verlierer...

Eindeutige Verlierer im Bezirk Eimsbüttel sind das Musikprojekt in der Lenzsiedlung und die Plakatwerkstatt, ein Projekt des Vereins Jugendsozialarbeit Apostelkirche e.V.

Das Musikprojekt wird schlichtweg eingedampft. Der komplette, knapp bemessene Etat von 13.000 Euro wird gestrichen. SHA-Gelder werden nicht gezahlt. Der gesamte Etat des Projekt wird nun durch einen auf privaten Spender aufgebracht.

Die Plakatwerkstatt muss Kürzungen in Höhe von 22.000 Euro hinnehmen. Für das Jahr 2013 werden noch 12.000 Euro aus einem Notfonds gezahlt. Ab 2014 wird die volle Etatkürzung umgesetzt. SHA-Gelder ebenfalls keine.

So musste die Plakatwerkstatt noch im Dezember einer Mitarbeiterin kündigen. Fest stehe, dass der Verein die jetzt fehlenden Mittel nicht selbst aufbringen könne. Außerdem seien mit dieser Personalkürzung die eingeleiteten Kooperationen mit den Schulen nicht mehr aufrechtzuerhalten.

...und Gewinner

Gewinner hingegen sind das Jugendberatungszentrum Apostelkirche und der Abenteuerspielplatz Wegenkamp.

Absoluter Spitzenreiter im Bezirk Eimsbüttel aber ist die Jugendarbeit der Lenzsiedlung. Bei einem ohnehin schon satten Etat von 224.000 Euro werden zwar ebenso wie in der kleinen Plakatwerkstatt 22.000 Euro gestrichen. Dafür werden aber zukünftig 55.000 Euro jährlich an SHA-Geldern gezahlt. Des Weiteren wurde einem geplanten Projekt in der Lenzsiedlung 150.000 Euro an SHA-Geldern jährlich zugesagt, so dass der Etat auf über 400.000 Euro anschwillt.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 24.01.2013