Hamburg Wahl

Hagendeel

Druck auf dem Kessel steigt

Ganz unauffällig platziert, am Ende der Tagesordnung des Regionalausschusses Lokstedt, steht ein gemeinsamer Antrag von SPD und Grünen. TOP Ö12.4 „Bürgerinformation zur Erweiterung des Standortes Hagendeel für die öffentliche Unterbringung“ ist an Brisanz kaum zu überbieten.

Die betroffenen Bürger werden den Politikern den Gefallen kaum tun vorzeitig zu gehen. Sie werden sich geduldig Vorträge über ein „Innovatives Straßenbeleuchtungssystem im Niendorfer Gehege“ genauso anhören, wie Neues über die „Abstellsituation für Fahrräder an der Bushaltestelle Sellhopsweg“. Sie werden die Sitzung nicht entnervt verlassen, egal wie lange es dauert bis TOP Ö12.4 aufgerufen wird. Denn die Nachricht vermieste am Freitagnachmittag am Hagendeel so manchem im Überschwemmungsschutzgebiet (ÜSG) das Wochenende. Ein Anwohner mailt uns spontan: „gerade arbeite ich die Einsprüche der Rechtsanwälte durch, da schlägt die nächste Bombe ein.“

Was war vorgefallen?

Im gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen, der am kommenden Montag im Regionalausschuss behandelt wird, heißt es mit dürren Worten: „Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration hat angekündigt, dass aufgrund der aktuellen Prognosezahlen im Jahr 2015 hamburgweit weitere ca. 4.700 Plätze für öffentliche Unterbringung kurzfristig zur Verfügung gestellt werden müssen. Sie hat daher die Möglichkeiten der Aufstockung von Kapazitäten an bestehenden oder in Kürze zu errichtenden Standorten geprüft und wird in allen Bezirken an Standorten Aufstockungen vornehmen. Im Bezirk Eimsbüttel ist am Standort Hagendeel eine Erweiterung der bereits geplanten Kapazitäten beabsichtigt.“

Ein anderer Anwohner vom Hagendeel schreibt uns: „Wir kommen am Montag. Der Druck auf dem Kessel steigt!“ Die Betroffenen werden also nicht bis zur geplanten zeitnahen „Informationsveranstaltung zu den beabsichtigten Erweiterungsplänen vor Ort“ warten sondern ihren Unmut bereits am Montag im Regionalausschuss vortragen. Denn sie fühlen sich von SPD und Grünen „ausgetrickst“. Im Wahlkampf hatte sich der Bürgermeister Olaf Scholz noch dafür verbürgt, dass die wasserwirtschaftlichen Berechnungen für das ÜSG Kollau nach verbessertem Verfahren neu durchgeführt würden. Nun, nachdem die Koalitionsverhandlungen diese Woche abgeschlossen wurden, „wird von SPD und Grünen ganz plötzlich ein lange beschlossener Schachzug in die Tagesordnung eingebaut“.

Ungerechte Verteilung im Bezirk

Die Planungen scheinen also darauf hinaus zu laufen, an der Grenze von Niendorf und Lokstedt, rechts und links der Bahngleise ein Asylbewerber-Ghetto unglaublichen Ausmaßes entstehen zu lassen. Neben dem Erstaufnahmelager an der Niendorfer Straße sollen nun vermutlich Lager A und B mit je 288 Bewohner gleichzeitig errichtet werden. An die 1.000 Asylbewerber werden dann in einem Radius von 500 Metern untergebracht sein.

Was die Anwohner dabei am meisten irritiert: Die wasserwirtschaftliche Neutralität der Aufschüttung ist bislang noch nicht einmal für das Lager A nachgewiesen, da wird bereits die weitere Bebauung geplant, die natürlich weitere Aufschüttungen zur Folge hätte.

Man fragt sich am Hagendeel: Wie kann es sein, dass als einziges im gesamten Bezirk Eimsbüttel ausgerechnet das im ÜSG liegende Lager Hagendeel aufgestockt werden soll. Der Bezirk versucht hier seine Unterbringungsprobleme ausgerechnet den Bürgern aufzubürden, die bei Hochwasser ohnehin schon knietief im Dreck stecken.

Lesen Sie auch:
Lokstedt online vom 07.02.2015
Lokstedt online vom 28.02.2015

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 11.04.2015