Leserbrief

Rohranschlüsse sind hoffentlich vorhanden

Ich gebe zu bedenken: Die Fläche ist seit 2010 eine Gewerbefläche mit neuem Bebauungsplan Lokstedt 58. Darin wird festgelegt, dass die Wohnbebauung im Süden und Westen zu schützen ist. Lärmmesspunkte sind vorgeschrieben und die Höhe der Gewerbehäuser ist zur Wohnbebauung auf 12 Metern festgelegt. Nun zeigen die Pläne, dass eine Höhe von über 16 Metern vorgesehen ist. Das ist nicht durch den Gesetzestext des Bebauungsplans zulässig. Zusätzlich ist der Bau von den Anwohnern als dunkler, durchgehend fast 200 Meter langer Riegel in Richtung Sonnenaufgang zu sehen und wird als bedrohlich empfunden. Dieser Gewerbehof ist 4 Meter höher als alle anliegenden Mehrfamilienhäuser und überragt die Dächer.

Völlig ungewiss ist die Umweltgefahr für die Anwohner, wenn die Baugrube ausgehoben wird. In der Erde befinden sich hochgradig giftige Stoffe, die beim Abbau freigesetzt werden. Im Bebauungsplan ist festgelegt, dass die Bauarbeiter bei den Arbeiten besondere Schutzkleidung zu tragen haben. Bei der Bodenuntersuchung 2014 ist noch ein weiteres Gift hinzugekommen, nämlich Asbest im Asphalt, der sich beim Aufreißen in die Luft befreit. Dieses Gutachten hat auch zu den Kosten einer Bodensanierung Stellung bezogen. Unter Vorbehalt weiterer "Überraschungen" sind Kosten von ca. 4.000.000 Euro veranschlagt; allerdings handelt es sich um Sondermüll, der speziell entsorgt werden muss. 4.000.000 Euro Steuergelder nur für die Entsorgung; es ist dann noch kein Stein verbaut worden. Falls die Tiefgarage nicht gebaut wird, müssen aber trotzdem die Wände des Meisterhofs besonders abgedichtet werden, damit keine Gase durch die Wände diffundieren und die im UG arbeitenden Menschen krank werden, wenn schon die gesamte kontaminierte Erde nicht entfernt wird.

Die eben geschilderten Besonderheiten des Grundstücks verteuern den Gewerbehof. Auf Grund der knappen Finanzmittel der Stadt ist der Bau spartanisch für die Handwerker ausgestattet. Fußboden roh, keine Entlüftung und Absaugung, nur ein Loch in der Wand. Der Handwerker muss sie auf eigene Kosten einbauen. Ebenso darf er die Toiletten selber planen und bezahlen, die Rohranschlüsse sind hoffentlich vorhanden.

Mein Sohn überlegt, ob er mit seinem Softwareunternehmen dort als Existenzgründer einzieht. Er hat aber Sorgen, dass er nicht genügend Ruhe findet, wenn links und rechts gehämmert, geschweißt, lackiert oder gebacken wird. Außerdem vermisst er eine Cafeteria, wo er sich mit seinen Kunden treffen oder auch allein etwas trinken oder essen kann. Es bedeutet also, dass er sein Büro verlassen und sich z.B. in die Kantine von BMW begeben muss. Oder soll er seinen Kunden ein Picknick im Flur anbieten?

Der Architekt hat bei der Vorstellung den Flurbereich zur Kommunikationsfläche erklärt. Die Anfahrt zum Hof ist so schmal, dass LKWs und Pkws nicht gleichzeitig aneinander vorbeifahren können. Die Kunden meines Sohnes müssen dann rückwärts auf der Stichstraße setzen, weil links und rechts Autos parken, damit der Lkw weiterfahren kann.

Nicht alle guten Projekte lassen sich so einfach transformieren von München nach Hamburg, weil die Gegebenheiten des Grundstück Lokstedt total anders sind. Es muss sehr sensibel mit diesem Bauvorhaben umgegangen werden, damit Menschen nicht vergiftet werden und der Handwerker in Ruhe zum Nachbarn arbeiten kann. Mix ist gut - aber es kommt auch auf Zutaten an.

Heinz Laufer

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© Lokstedt-online 07.02.2015