In eigener Sache

Üble Nachrede

Aus dem Umfeld der Lokstedter Flüchtlingsunterstützer wird seit Monaten versucht, die Probleme in der Wohnunterkunft am Grandweg zu bagatellisieren und die Berichterstattung darüber zu behindern. Nun bezichtigt eine Person aus diesem Umfeld Lokstedt online, unliebsame Leserbriefe nicht zu veröffentlichen.

Alles begann am 1. Juli 2014. Damals trafen sich die Lokstedter Flüchtlingshelfer im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde. Ausweislich des mir vorliegenden Gedächtnisprotokolls witterten die Mitglieder der kleinen Gruppe ein Komplott: „Es besteht weiterhin ‚Stimmungsmache‘ zu Ungunsten der Neumieter, offensichtlich wird für eine negative Einstellung aus unterschiedlichen Richtungen geworben.“

Unter der Überschrift „Internetportal Lokstedt online“ heißt es weiter: „Es sollen 2 Verfahren dazu in Gang gesetzt werden: Herr Müller-Teichert wird mit Verantwortlichen des Bezirks von der CDU Kontakt aufnehmen und diese über die Aktivitäten von Frau Bott bei Lokstedt online informieren. Frau Schröder wird für fördern und wohnen (f & w) eruieren, ob die Artikel und Leserbriefe dem Presserecht entsprechen und / oder was von ihrer Seite aus evtl. möglich ist, Artikel mit entsprechender Haltung / Fehlinformationen zu unterbinden“.

Am 28.08.2014 kommentiere ich auf Lokstedt online diese Äußerung mit den Worten: „Offensichtlich leidet man unter einer Art kollektivem Verfolgungswahn.“

Ein vor, zwei zurück

Die f & w fördern und wohnen AöR hat sich inzwischen von dieser Paranoia freigemacht. In einer Erklärung zu den Artikeln und Leserbriefen auf Lokstedt online heißt es mittlerweile: „Dabei stehen wir auch für kritische Fragen jederzeit zur Verfügung und unterstützen eine freie Berichterstattung.“ Und auch Pastor Müller-Teichert ist inzwischen zurück gerudert: „Ich freue mich, dass ‚Lokstedt online‘ einen kritischen Dialog mit der Öffentlichkeit sucht und dafür eine Plattform bietet. Als Pastor stelle ich mich auch Ihrer Kritik“, schreibt er in seiner Erwiderung auf meine Artikel.

Doch die Kampagne hat sich verselbständigt. Sie ist inzwischen im zweiten und dritten Glied angekommen. Von der Basis der Flüchtlingshelfer brach in den letzten Wochen ein sogenannter Shitstorm über mich herein. Dieser gipfelte am 25.11.2014 in einem Leserbrief unter dem Pseudonym Genny F., die forderte, ihren „Leserbrief ungekürzt und unzensiert zu veröffentlichen!“

Ich war über diesen Brief aus den verschiedensten Gründen verwundert:

Graswurzel-Journalismus

Auf vielen Seiten von Lokstedt online heißt es: „Machen Sie mit!“ Ich fordere Bürger auf, mir Bilder, Texte und Leserbriefe zu schicken. Dies ist durchaus ernst gemeint. Ich betreibe nämlich ein Onlineportal bei dem die Bürger am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen sollen. So etwas wird auch Graswurzel- oder Bürger-Journalismus genannt. Gänzlich merkwürdig daher die Aufforderung der Leserbriefschreiberin, „unzensiert“ zu veröffentlichen. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit: Zensur findet bei Lokstedt online nicht statt!

Bei allen bislang veröffentlichten Leserbriefen wurden ausschließlich offensichtliche Rechtschreibfehler korrigiert - das war’s aber schon. Alle ernst gemeinten Leserbriefe habe ich veröffentlicht.

Pseudonym

Der Name Genny F. unter dem Leserbrief ist offensichtlich ein Pseudonym. Ich veröffentliche zwar gelegentlich auf Wunsch anonyme Leserbriefe. Es sollte aber ein guter Grund dafür vorliegen und wenigstens mir sollte die Identität des Briefeschreibers bekannt sein. Dies ist das übliche Vorgehen: In aller Regel achten Redaktionen darauf, dass ihnen die Autoren der Briefe nach Name und Adresse bekannt sind.

Fehler, Unterstellungen und Verunglimpfungen

Ich weise Leserbriefschreiber auf offensichtliche Fehler hin und gebe ihnen die Gelegenheit, ihren Brief zu korrigieren.

In vorliegendem Falle forderte die Leserbriefschreiberin apodiktisch, wie bereits erwähnt, den Leserbrief „ungekürzt und unzensiert“ zu veröffentlichen. Dies war aber nicht möglich, da der Leserbrief so gravierende Fehler, Unterstellungen und Verunglimpfungen enthielt, dass ich befürchten musste, im Falle einer Veröffentlichung erheblichen Unfrieden in Lokstedt zu stiften.

Außerdem gab ich der Leserin unmissverständlich zu verstehen, dass ich ihre unglaublich herablassenden Äußerungen über die Altmieter in der Wohnanlage am Grandweg nicht veröffentlichen würde. Diese Äußerungen gipfelten nämlich in der Bemerkung, es sei „ihre Entscheidung“ dort wohnen zu bleiben. Anbei das ungekürzte Zitat: „Schön fände ich es, wenn manche Altmieter daher ihre aggressive Opferhaltung langsam verlassen und sich der Realität stellen würden, dass sie schon seit etlichen Jahren in Wohnungen leben, mit denen der Vermieter schon längst etwas anderes vorhat. Dafür bezahlen sie aber wiederum günstige Mieten, die es sonst in Lokstedt kaum mehr gibt. Das ist ihr gutes Recht - und gleichzeitig jedoch auch ihre Entscheidung!“

Korrekturdurchlauf

Ich bat also die Leserbriefschreiberin, ihren Brief entsprechend zu überarbeiten. Die „Verhandlungen“ (per Mail) über den Inhalt des Leserbriefes scheiterten allerdings schließlich nach mehrfachem hin und her, da die Briefschreiberin nicht wirklich bereit war, ihr Schreiben in eine veröffentlichungswürdige Form zu bringen.

Mit ihrer letzten Mail ließ die Leserbriefschreiberin dann ihr Pseudonym fallen. Sie outete sich als eine mir persönlich bekannte Person aus dem Kreis der Flüchtlingsunterstützer und teilte mir mit, ihr Leserbrief habe nur den Zweck verfolgt, zu schauen, ob es stimme, was ihr andere Menschen berichtet hätten: „Und ich durfte mich nun selbst davon überzeugen, wie Du mit Leserbriefen umgehst. Schade!“ An Ende wirft sie mir gar vor, es gäbe andere, „deren Leserbrief nicht veröffentlicht wurde…“

Der ganze Vorgang wirkt natürlich konfus, merkwürdig und irgendwie weltfremd. Ein Leserbrief dieser Natur ist nämlich ein gänzlich ungeeignetes Mittel meinen Umgang mit Leserbriefen zu beurteilen. Normalerweise erhalte ich einen Brief, lese ihn gegen und veröffentliche ihn. Aber an diesem Brief war nichts normal.

Ich musste mich leider dieser Angelegenheit widmen, mein Portal gegen üble Nachrede verteidigen und diesen Beitrag „in eigener Sache“ verfassen, obwohl ich wichtigere Artikel fertig zu stellen hätte. Insofern erreicht die Kampagne ein Stück weit ihr Ziel, sie hindert mich an meiner eigentlichen Arbeit.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 08.12.2014