• /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         
  • /

Bürgerpreis der Bezirksversammlung

Ehrennadel für „Willkommenskultur“

Zum neunten Mal wurden Bürger im Bezirk Eimsbüttel ausgezeichnet, die sich „im sozialen, kulturellen, nachbarschaftlichen oder ökologischen Bereich freiwillig engagiert haben“, wie es in den Vergabekriterien heißt. Die Jury hat unter 15 Vorschlägen fünf Preisträger ausgesucht.

Feierlich ging es am 9. Oktober 2014 im sonst eher tristen Ferdinand-Streb-Saal des Bezirksamts Eimsbüttel zu. Die Vorsitzende der Bezirksversammlung und Schirmherrin des Bürgerpreises Mechthild Führbaum hatte zur Preisverleihung nebst anschließendem kleinen Sektempfang geladen. Das bot Gelegenheit sowohl mit den Preisträgern als auch mit den Politikern ins Gespräch zu kommen.

Die Jury, die aus Mitgliedern der Bezirksversammlung bestand, hatte sich bereits im September auf fünf Preisträger verständigt. Wie bei Stiftung des Preises festgesetzt, wurden Preisträger aus allen drei Regionalbereichen des Bezirks geehrt und „das Engagement von Migrations- und Integrationsarbeit“ in besonderer Weise berücksichtigt. So verwundert es auch nicht, dass etliche der Preisträger in diesen Bereichen ehrenamtlich aktiv sind.

Folgende Bürger erhielten die silberne Ehrennadel:

  • Der Gewerkschaftler Hans Jürgen Leiste engagiert sich im Senioren- und Behindertenbereich. Er ist Vorstand im Bezirksseniorenbeirat Eimsbüttel, Vorsitzender des Sozialverbandes VdK Deutschland e. V. und auch Vorsitzender der Behinderten Arbeitsgemeinschaft Niendorf e. V.
  • Die gelernte Krankenschwester Johanna Brede engagierte sich seit 1990 für die Flüchtlinge in der Niendorfer Straße. Außerdem ist sie in den Vereinen Pro Niendorfer Gehege und Nabu Hamburg aktiv.
  • Der „Stadtteilkümmerer“ Jürgen Weltz engagiert sich in zahlreichen sozialen, kulturellen und quartiersbezogenen Projekten und Initiativen in Schnelsen und Burgwedel. Unter anderem hilft er Arbeitslosen und sozial Schwachen Wohnungen zu finden und ist Initiator des Stadtteilfestes Burgwedel und des Kürbisfests im Herbst. Hierbei bindet er Helfer der Wohnungsunterkunft Holsteiner Chaussee aktiv ein.
  • Marion und Manfred Drzewiecki gründeten im Jahre 1977 eine Tanzsportabteilung im damaligen Eidelstedter Sportverein und machten sich um den Hamburger Amateur-Tanzsportverband verdient.

Als Gruppe wurden die Ehrenamtlichen Unterstützer der Flüchtlinge in Lokstedt mit einem Preis bedacht. Sie unterstützen die Bewohner der Unterkünfte Lokstedter Höhe und Grandweg. Nach der Auszeichnung durch die Sozialbehörde für „nachbarschaftliches Engagement“ nunmehr der zweite Preis binnen Monatsfrist.

Vertreten wurde die Gruppe auf der Preisverleihung von den Schülerinnen des Anni Räth (Corvey-Gymnasiums) und Annemieke Jansen (Albrecht-Thaer-Gymnasium), Helena Peltonen-Gassmann vom Bürgerhaus Lokstedt und Pastor Bernd Müller-Teichert von der evangelischen Kirchengemeinde Lokstedt.

Auf der Urkunde über die Verleihung der Ehrennadel der Bezirksversammlung heißt es: „Seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge in dem Containerdorf auf der ehemaligen Park & Ride-Fläche am U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark im September 2013 gibt es eine Welle der Hilfsbereitschaft im Stadtteil Lokstedt. Freiwillige Helfer engagieren sich unter anderem, indem sie Deutsch unterrichten, Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen, diese bei Behördengängen begleiten, Freizeitangebote organisieren und gespendete Kleidung verteilen. Auch in den Reihenhäusern, an der Ecke Grandweg / An der Lohbek, wo seit Frühjahr 2014 in teilweise schon jahrelang leerstehenden Wohnungen Flüchtlinge ein zeitweiliges neues Zuhause bekommen haben, ist die Unterstützung aus dem Stadtteil Lokstedt groß. Diese Art von ‚Willkommenskultur‘ hat weit über die Grenzen Eimsbüttels hinaus viel Anerkennung gefunden.“

Die Laudatio hielt Johannes Hielscher von der SPD-Lokstedt, die die Gruppe für den Preis vorgeschlagen hatte. Er bedankte sich bei den Preisträgern dafür, dass sie sich einer Sache angenommen hätten, die eigentlich Sache der Stadt sei. Die Stadt hinterlasse bei der Betreuung der Flüchtlinge eine Lücke, könne angesichts der Menge der Flüchtlinge vielleicht auch nicht anders. Eine Lücke bei der so wichtigen Betreuung der Flüchtlinge, die aber als Menschen nicht nur verwahrt werden dürften. In diese Lücke ist seien die Flüchtlingsunterstützer gesprungen. Dieses Engagement „stehe in bester hanseatischer Tradition“.

So gäbe es Leute, die machten Deutschunterricht für die Erwachsenen und nun bald auch für die Kinder, andere organisierten und führten zusammen, wie Herr Müller-Teichert, wieder andere hülfen den Flüchtlingen im Umgang mit den Behörden wie Frau Peltonen, die Schülerinnen Anni Räth und Annemieke Jansen öffneten gemeinsam mit anderen Schülern wöchentlich den Spielecontainer.

Zum Abschluss richtete Hielscher einen Appell an die Eimsbüttler Bürger: Dieser Preis solle nicht nur Anerkennung sein, sondern auch zum Mitmachen motivieren.

Pastor Müller-Teichert freute sich in seiner Dankesrede über die zahlreichen Engagierten vor Ort. Zum Treffen in die Kirche würden es jedes Mal mehr. Zuletzt seien es 50 Leute gewesen. Herzliches Hamburg würde inzwischen von über 300 Menschen unterstützt. Auch freue er sich, dass in der Unterkunft Grandweg / An der Lohbek nun nur noch maximal 3 - 4 Altmieter Probleme vor Ort hätten. Müller-Teichert verschwieg allerdings, dass viele der Altmieter mittlerweile aus ihren Wohnungen ausgezogen sind - durch das Projekt also Ihre Wohnung verloren haben!

Mit Musik endete die Veranstaltung. Wobei die Musikbegleitung sehr gut zum Schwerpunkt Migrations- und Integrationsarbeit passte. Zwischen den Verleihungen und Laudationes spielte nämlich das Ensemble „A Mekhaye“ Volksmusik der aschkenasischen Juden. So klang die Veranstaltung mit Klezmer-Musik aus, eine stimmungsvolle Überleitung zum anschließenden Sektempfang.

Mechthild Führbaum (SPD), Vorsitzende der Bezirksversammlung Eimsbüttel, lobte abschließend das Engagement der Bürger: „Ehrenamt hat nichts mit dem Alter zu tun, es drückt vielmehr den Wunsch aus, sein nicht-materielles Vermögen einzubringen. Jeder kann es tun.“

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 17.10.2014